Hepkaale und der McGuffin 3

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Teil 1, Teil 2

Als das Summen und Brummen des Plot-Devices nachließ, waren Hepkaale und Sibüü irgendwo im Wald. Sie konnten laute Rufe und Scheppern hören.

„Sieht so aus, als würden wir mehr über die Schlacht erfahren“, flüsterte Hepkaale und die beiden Schwestern schlichen sich vorsichtig durch das dichte Unterholz, Sibüü voran.

„Halt, Sibüü!“, zischte Hepkaale. „Sie dürfen uns auf keinen Fall bemerken. „Nicht das sie uns auch noch angreifen.“

Sibüü drehte den Kopf zu Hepkaale zurück und flüsterte: „OK, ich bin vorsichtig.“

Langsam gingen sie weiter, bis die Schlacht zwischen dem dichten Unterholz zu erahnen war.

„Sibüü!“, zischte Hepkaale erneut. Die hielt an und schaute zu ihr zurück. Hepkaale zeigte auf einen knorrigen Baum rechts von ihnen. „Lass uns auf den Baum klettern und von oben schauen.“

Zehn Minuten später saßen die beiden in der Baumkrone und konnten über das dichte Unterholz hinweg schauen.

Es waren viele Menschen mit Schwertern und Rüstungen am Kämpfen, aber nicht wie erwartet blaues Wappen mit Oktopus gegen rotes mit Vogel, sondern beide gemeinsam.

Ihr Gegner schien eine Gruppe riesiger Oktopoden zu sein, die in der Lage waren, aufrecht zu laufen. Hepkaale hatte noch nie von kämpfenden Landoktopoden gehört, aber sie waren unzweifelhaft da.

Die Oktopoden schienen etwas Giftiges an sich zu haben, denn wenn sie Metall berührten, so fing es sofort an zu rosten. Doch das Metall der Menschen schien auch für die Oktopoden gefährlich zu sein, denn wo sie es berührten, tropfte dickes Blut aus ihren Wunden, das wiederum bei Berührung Metall angriff.

Ein unglaublicher Lärm begleitete die Kampfhandlungen, schreiende Menschen, heulende Oktopoden, selbst die Pflanzen wurden in Mitleidenschaft gezogen und sie hörten und sahen mehrere Bäume krachend umstürzen und sich in der Mischung aus Blut und verrostetem Metall auflösen.

„Hepkaale“, sagte Sibüü niedergeschlagen. „Ich will nach Hause.“

Hepkaale nickte. „Ich auch. Ich habe hier genug gesehen, hier können wir nichts ausrichten. Sobald wir wieder zu Hause sind, gehen wir zu deiner Lehrerin und sagen ihr, dass sie keinen McGuffin bekommen kann.“

Sibüü nickte. „Werder hier noch auf dem Schlachtfeld werden wir einen finden.“

Das Plot-Device schien der gleichen Meinung zu sein und das Summen und Brummen ertönte.

***

Als es nachließ, waren Hepkaale und Sibüü wieder in Hepkaales Werkstatt. Von ihrer Mutter, die angelaufen kam und sie stürmisch umarmte, erfuhren sie, dass sie zwei Tage unterwegs gewesen waren und Sibüüs Lehrerin schon nach ihr gefragt hatte. Seit einer Stunde hätte Sibüü schon wieder im Unterricht sein sollen.

„Komm“, sagte Hepkaale. „Wir gehen zusammen hin!“

In der Schule angekommen, war gerade Pause. Sibüü ging zu ihrer Klasse und Hepkaale direkt ins Lehrerzimmer.

„Frau Muubiliim!“

Die Lehrerin, die gerade auf dem Weg zum Teekocher war, hielt an.

„So geht es nicht, Frau Muubiliim. Das mit dem McGuffin war eine totale Katastrophe!“

Die Lehrerin schaute Hepkaale neugierig an. „Warum? Habt ihr ihn gefunden?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Nein. Aber dafür werden wir beide tagelang Alpträume haben.“

Die Lehrerin sah Hepkaale fragend an und Hepkaale erzählte ihr von der Suche.

Die Augen der Lehrerin wurden immer größer und am Ende sagte sie: „Das tut mir wirklich leid, ich wusste nicht, das so etwas passieren könnte. Wenn Sibüü von dem Plot-Device erzählt hat, klang es immer ziemlich ungefährlich.“

Hepkaale nickte. „Ist es nicht. Und jetzt verraten Sie mir jetzt endlich, was wir überhaupt gesucht haben.“

Die Lehrerin seufzte. „Es ging darum, dass die Schüler literarische Stilmittel kennen lernen sollten. Ein McGuffin ist so eines. Er ist ein Mittel, um die Erzählung in Schwung zu bringen. Was genau ein McGuffin dabei ist, ist für die eigentliche Geschichte völlig egal. Es war nur wichtig, das Sibüü und du danach gesucht habt.“

Hepkaale funkelte die Lehrerin wütend an. „Soll das heißen, Sie haben den McGuffin nur erfunden, damit wir das Plot-Device aktivieren?“

Die Lehrerin schaute betreten zu Boden. „Es ist wichtig, dass alle die literarischen Figuren verstehen. Ich dachte, so wäre es viel eindrücklicher. Überleg doch selber mal, wie oft du nach etwas suchst, das für die Abenteuer, die du mit dem Plot-Device erlebst, völlig irrelevant ist.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Es gibt immer einen Grund.“ Dann fügte sie noch hinzu: „Oder es ist, weil Sibüü mich ärgern will, das kommt auch vor.“

„Wie oft hängt das, was du bei deinen Abenteuern erlebst, mit dem zusammen, warum du das Plot-Device aktiviert hast?“

„Nun ja“, sagte Hepkaale nachdenklich. „Manchmal hängt es zusammen, aber manchmal auch nicht.“

Die Lehrerin lächelte bestätigend. „Genau das ist dann ein McGuffin.“

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