Jäger trifft Reh – Teil 1

Sayaat betrat das Ufer Goozaldozils. Er war nicht ganz freiwillig hier, das musste er zugeben, aber er hatte sich nunmal dafür entschieden, Jäger zu werden, und so musste er sich diese Prüfung stellen. Die Abschlussprüfung, eine erfolgreiche Jagd auf Goozaldozil war das Entscheidende, um als erwachsener Jäger in die Gilde aufgenommen zu werden. Er hatte geübt. Viel geübt. Jetzt endlich war die Zeit gekommen, dass er unter Beweis stellen konnte, dass er würdig war, den Titel eines Jägers zu tragen.

Er war ein wenig nervös, denn niemand wusste, was einen bei dieser Prüfung erwartete. Über die Hälfte der Jäger kehrte nie zurück. Niemand wusste, was mit ihnen geschah. Kein erwachsener Jäger erzählte, was ihm auf der Insel widerfahren war. Sayaat war sich nicht sicher, ob sie sich einfach nicht erinnerten, oder ob sie nichts sagen wollten. Er wusste nur, dass er eines die hiesigen Tiere erlegen und seinen Kopf als Trophäe mitbringen musste. Er musste es innerhalb von 30 Stunden schaffen, denn dann würde das Boot wieder ans Ufer kommen und ihn abholen. Wenn er nicht zurück war, würde er auf der Insel bleiben müssen.

Vorsichtig pirschte er mit Pfeil und Bogen durch das dichte Unterholz. Schon nach kurzer Zeit fand er einen Wildwechsel. Er untersuchte die Spuren der Tiere und stellte fest, dass es im wesentlichen die selben Tiere wie auf Dokozil, seiner Heimatinsel, waren, eine Mischung aus einheimischen Tieren, wie Schorylen und Raakebären, und Tieren, die von den Menschen nach Amel gebracht worden waren, wie Rehe und Ziegen. Das war gut, denn er wusste, worauf er bei der Jagd dieser Tiere achten musste.

Er folgte dem Wildwechsel weiter und fand schließlich eine Stelle, an der gut versteckt sitzen und den Tieren auflauern konnte. Vorsichtig verließ er den Pfad und versteckte sich. Dann wartete er. Es war eine gute Stelle, denn mehrere Wildwechsel trafen sich hier, aber trotzdem war er von hinten geschützt.

Als er wartete, fragte er sich, was der Grund dafür war, dass so viele Anwärter nicht zurück kehrten. Welche wilden Tiere gab es hier, von denen er nichts wusste? Gab es andere Gefahren? Giftige Pflanzen vielleicht?

Die Tatsache, dass nur drei von zehn Jägeranwärtern nach Dokozil zurück kehrten, hatte dazu geführt, dass eine Mitgliedschaft in der Jägergilde sehr hoch angesehen war. Alle wichtigen Leute auf Dokozil waren in der Jägergilde und wenn er zurück kehrte, würde er auch ein Teil von ihnen sein.

Er musste nicht sehr lange warten, bis ein Reh vorbei kam, das er mit einem gut gezielten Pfeil tötete. Es fiel direkt auf den Wildwechsel. Es war geradezu lächerlich einfach gewesen. Er kämpfte sich durch das Unterholz auf den Wildwechsel und untersuchte es. Es war ein kräftiges Tier und hätte ihrem ganzen Dorf als Mahlzeit gereicht. Er überlegte, ob er wenigstens das Fell abziehen sollte, doch wahrscheinlich war es besser, nur den Kopf zu nehmen.

Er hatte ihn gerade abgeschnitten und eingepackt, als ihn von hinten Hände packten. Noch bevor er sich umdrehen konnte, wurde ihm ein dunkler Sack über den Kopf gestülpt. Seine Hände wurden ihm auf den Rücken gedreht und gefesselt, genauso wie seine Füße. Kurz darauf wurde er wortlos angehoben und von mehreren Personen getragen.

Das war offensichtlich das, was den Jägern passierte, die nicht zurück kehrten und jetzt war es auch ihm passiert. Panik bereitete sich in ihm aus, und als er versuchte, sich zu wehren, wurde er kräftig geschlagen. Gefesselt würde er keine Möglichkeit haben zu entfliehen. Krampfhaft versuchte er, die Panik zurückzudrängen. Jetzt kam es darauf an, dass er einen kühlen Kopf behielt.

Er versuchte, sich auf den Weg zu konzentrieren und ihn sich möglichst genau einzuprägen. Richtungswechsel, die er spürte, Wasserläufe, die er hören konnte, Lichtungen, auf denen er den Wind spürte. Einfach alles versuchte er sich zu merken.

Nach einiger Zeit wurde er unsanft auf den Boden geworfen.

„Jäger! Wie ist dein Name?“, fragte ihn eine befehlsgewohnte Stimme.

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