Hepkaale und der Drache 10

Erster Teil, vorheriger Teil.

Der Drache schaute den im Matsch liegenden Faares an. Hepkaale war überrascht davon, dass er Faares nicht gleich mit seinem feurigen Atem röstete. Andererseits stellte Faares offensichtlich keine Gefahr für den Drachen dar. War das der Grund, warum der Drache nicht weiter angriff?

Der Drache schüttelte sich, doch Faares lag weiter im Matsch und rührte sich nicht. Was war mit ihm passiert? Hepkaale überlegte, ob sie sich Faares nähern sollte, um zu schauen, was mit ihm war. Sie betrachtete den Drachen und kam zu dem Schluss, dass sie Faares im Moment nicht helfen konnte. Wenn sie sich Faares näherte, würde sich der Drache womöglich bedroht fühlen und sie beide rösten.

Der Drache beäugte Faares misstrauisch und schlich dann langsam in großen Kreisen auf ihn zu. Hepkaale, die sich hinter einen Felsen gekauert hatte, schien er gar nicht zu beachten. Ihr war es durchaus recht, dass der Drache sich nur auf Faares konzentrierte. Wenn es um Gefahren ging, war sie der Meinung, dass sie besser andere Leute als sie selber treffen sollten.

Der Drache hatte sich Faares soweit genähert, dass er ihn berühren konnte. Mit der Schnauze stupste er den Ritter an, der daraufhin stöhnte, aber sich nicht weiter bewegte. Vorsichtig schlich der Drache weiter um Faares rum und betrachtete ihn von allen Seiten. Mehrfach, als der Drache ihn anstubste, versuchte er kraftlos, ihn wie eine lästige Fliege zu verscheuchen.

Als der Drache merkte, dass von Faares keine Gefahr mehr ausging, stubste er ihn kräftiger an. Dann nahm der Drache Faares ins Maul und hob ihn hoch, biss jedoch nicht zu. Dann nahm er Anlauf und flog mit Faares im Maul davon.

Hepkaale schaute ihm nach, wie er an der Küste entlang flog und in der Ferne immer kleiner wurde. Sie zog ihre Möchtegern-Rüstung aus und befreite die Ziege vom Sattel und ließ sie laufen. Dann setzte sie sich hin und sagte: „So, Plot-Device, damit wäre mein Auftrag wohl erfüllt, oder? Dann kannst du mich ja nach Hause bringen.“

Sie rechnete nicht damit, vom Plot-Device eine entsprechende Reaktion zu bekommen, und war um so überraschter, als sie das vertraute Summen und Brummen hörte.

***

Hepkaale wollte erleichtert seufzen, als das Summen und Brummen nachließ, brach dann aber mittendrin ab. Sie war nicht zu Hause. Warum war sie nicht zu Hause? Reichte es dem Plot-Device nicht, dass sie wochenlang mit Faares durch unwegsames Gelände unterwegs gewesen war?

Hepkaale öffnete die Augen. Felsen. Sie saß irgendwo zwischen Felsen und konnte die Brandung des Meeres hören.

„Hepkaale!“ Faares Stimme. Hepkaale schaute sich um. Schräg hinter ihn schien ein Weg durch die Felsen zu führen, und diesen Weg kam Faares nun entlang.

„Hallo Faares!“, sagte sie und stand auf. „Was ist mit dem Drachen? Wie bist du ihm entkommen?“

„Ach, der Drache. Der ist gar nicht so schlimm, wenn man ihn erstmal näher kennt. Komm mit, ich stelle dich ihm vor.“

Hepkaale folgte Faares den Weg entlang durch die Felsen, bis sie an eine große, geräumige Höhle kamen. Auf der einen Seite der Höhle lag der Drache und schlief, die andere Seite hatte Faares sich wohnlich eingerichtet mit einem Bett aus Stroh, ein paar Felsen zum Sitzen und einem Holztisch, auf dem sein Teekessel stand und dampfte.

„Wie kommt es, dass du dir mit dem Drachen eine Höhle teilst?“

„Nun ja“, sagte Faares. „Irgendwie war er netter als ich und hat mich nach dem Kampf hierher gebracht und mir heißes Wasser zu trinken gegeben. Als es mir dann wieder besser ging, habe ich Kräuter gesammelt und zusammen mit Wasser in meinen großen Teekessel gemacht. Dann habe ich ihm beigebracht, den Tee zu kochen und seitdem trinken wir immer zusammen Tee.“

„Ihr trinkt Tee zusammen?“

Faares nickte. „So ein Drache ist super, um sich Tee zu kochen. Ich sammel die Kräuter und er macht das Wasser heißt. Möchtest du auch eine Tasse Drachentee?“

Er wartete keine Antwort ab und gab ihr eine Tasse mit dampfendem Tee. Hepkaale musste zugeben, dass der Tee ziemlich lecker war. Als sie die leere Tasse wieder auf den Tisch stelle, summte und brummte das Plot-Device wieder und brachte sie endlich nach Hause.

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3 Antworten zu Hepkaale und der Drache 10

  1. Pingback: Results for week beginning 2017-08-07 | Iron Blogger Berlin

  2. 500woerterdiewoche schreibt:

    Das ist das Ende? 😦

    • Ja, das ist das Ende, mehr als eine Tasse Drachentee hatte das Plot-Device die ganze Zeit über nicht im Sinn… Aber nur weil es von Anfang an so geplant war, heißt es natürlich nicht, dass es ein gutes Ende ist. Mal schauen, vielleicht schaffe ich es demnächst ja noch, ein besseres Ende zu schreiben, habe da schon eine Idee.

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