Briefe von der Sejereh – 4. Brief, 1. Teil

Erster BriefVorheriger Brief

Ich habe mich sehr über deinen Brief gefreut. Alle meine Freunde wollten wissen, was du mir geschrieben hast, ich habe deinen Brief aber nur meinen beiden besten Freunden gezeigt. Ich weiß ja nicht, ob du damit einverstanden wärst, wenn alle den sehen könnten. Ich wäre damit einverstanden, wenn deine Freunde meine Briefe lesen würden, aber ich schreibe ihn natürlich nur für dich und nicht für die anderen.

Waked hat seinen Brief an die Niptaran geschickt. Die sind noch weiter entfernt als wir beiden voneinander und er musste fast zwei Jahre auf eine Antwort warten.

Was Kala dir erzählt hat über die Länge der Briefe, hat Lugar, der in unserem Kom-Modul arbeitet, auch erzählt. Ich war in letzter Zeit oft bei ihm und habe ihm geholfen, ich habe nämlich dort auf deinen Brief gewartet. Ich hoffe, dass eines Tages jemand rausfindet, wie wir uns längere Briefe senden können… oder besser noch öfter.

Wie schön, dass du jetzt auch ein Tier hast. Zahme Lamas sind bestimmt sehr cool. Kannst du Bazak so dressieren, dass sie nur die Leute tritt oder bespuckt, die dich ärgern? Das wäre bestimmt toll. Dann würde dich niemand mehr ärgern. Mit Chubzi hat das geklappt. Teyas wollte mich ärgern und da hat Chubzi ihn getreten, um mich zu verteidigen. Seitdem ist Teyas sehr viel netter zu mir. Es wird für dich bestimmt toll, wenn du Bazak dann in andere Module mitnehmen kannst.

Chubzi geht es gut. Er ist mittlerweile sehr kräftig und kann mir viel helfen. Etna hat jetzt auch ein Kamel, Ahmak, Seit letztes Jahr schon. Chubzi und Ahmak dürfen jetzt zusammen unterwegs sein, wie in einer richtigen Karawane. Meine anderen Freunde wollten keine eigenen Tiere haben.

Der Papagei von Kasa ist bestimmt toll. Hier auf der Schadjara haben wir keine Papageien, aber ich kenne sie aus Filmen. In Filmen sind sie toll. Die Kamele auszumisten ist wirklich sehr anstrengend, aber es macht auch Spaß, weil Chubzi und die anderen Kamele sich immer sehr freuen, wenn der Stall wieder sauber ist. Zum Glück müssen die Kamele nur alle vier Wochen gemistet werden.

Das mit den Mäusen in der Schwerelosigkeit hat mein Lehrer und auch erzählt. Aber ich habe das Gefühl, die Mäuse sind trotzdem überall. Die Erdmännchen sind auch sehr wuselig. Hab ihr die auch? Ich finde es toll, dass eines oder zwei Erdmännchen immer Wache stehen und die anderen warnen, wenn sich ihnen Gefahr nähert.

Krank sein ist wirklich doof. Aber unsere Krankenstation ist auch mit Computer und so ausgestattet. Wenn ich eine Krankheit hätte, bei der ich keinen Besuch bekommen darf, fände ich das sehr schlimm. Vor allem, wenn es länger als ein paar Tage ist. Da ist das genauso wie bei dir und ich würde lieber in die Schule gehen.

Ihr habt ein Lagermodul zum Spielen? Wo euch keiner stört? Sowas hätte ich auch gerne. Bei uns gibt es leider keine unbenutzten Lagermodule. Aber wir haben im Modul Beta eine versteckte Ecke gefunden, wo nur selten jemand hingeht. Da treffen wir uns oft. Dann machen wir es wie die Erdmännchen. Einer hält Wache und warnt uns, wenn jemand kommt, und wir anderen können in Ruhe spielen. Leider haben wir da aber keine Schwerelosigkeit.

Ich hoffe, dass die Erwachsenen euer Spielmodul nicht sobald entdecken, denn du hast bestimmt recht, dass sie es euch verbieten würden. Und haben sie letztens verboten, im Wald ein Baumhaus zu bauen. Dabei sind Baumhäuser einfach nur toll. Wir waren schon richtig weit mit Bauen. Außerdem haben die Jungs auch eines gebaut. Warum dürfen die ein Baumhaus bauen aber wir Mädchen nicht? Das ist doch voll bescheuert!

Wie lustig, dass bei euch die Alten erzählen, was die Erwachsenen als Kinder so alles an Blödsinn gemacht haben. Nur doof, dass die Erwachsenen sich nicht daran erinnern. Das mit dem Bogen-Fliegen haben wir auch beim Spielen, nämlich wenn wir Ballspielen. Das ist immer voll toll.

Auch die Erwachsenen spielen bei uns Ball. In einem Modul auf der Achse gibt es einen mit einem Netz abgezäunten Bereich, da spielen immer zwei Mannschaften gegeneinander. Alle anderen sitzen draußen und feuern ihre Mannschaft an. Die von unserem Modul ist leider nicht so gut, sie verlieren oft. Ich finde die Krähen, wie unsere Mannschaft heißt, trotzdem gut. Die sind viel toller als die Nashörner. Die gewinnen zwar immer, aber nett sind die nicht. Wenn sie mal nicht gewinnen, prügeln sich die Leute aus deren Modul oft mit den anderen. Das finde ich voll doof. Zum Glück gewinnen die Krähen nie gegen die Nashörner, so dass wir keinen Ärger mit ihnen haben. Aber wenn die Nashörner gegen die Schwertfische spielen, dann sind immer Leute vond er Krankenstation dabei, um den Verletzten schnell helfen zu können. Ich finde das nicht in Ordnung. Die Leute, die sich wegen der Nashörner und Schwertfische prügeln, waren übrigens die selben, die sich auch wegen der Farbe des Verbindungsgangs geprügelt haben. Diese Mänenr finden imemr wieder Gründe, sich zu prügeln. Immer wieder müssen danach welche in die Krankenstation. Warum machen die das?

Wie doof, dass Dabah Ärger bekommen hat, weil du ins Wasser gefallen bist. Erwachsene sind manchmal sehr doof und meckern mit den falschen Leuten. Leider ist das bei uns auf der Schadjara genauso.

Es ist schade, dass ihr nicht Schlitten fahren könnt. Wir machen das oft und es macht viel Spaß. Manchmal überraschen uns die Jungs dabei und bewerfen uns mit Schneebällen. Aber wir sind da besser und haben sie letztes Mal vertrieben. Da waren Teyas und Mehol ganz schön sauer. Aber Mehol hat immer so eine große Klappe, da haben wir uns umso mehr gefreut.

Ich finde es verwirrend, dass ihr euch eure Eltern aussuchen dürft. Das Leben bei euch muss wirklich sehr anders sein als bei uns. Wie leben wie schon im letzten Brief geschrieben alle bei unseren Müttern und Vätern. So ist sichergestellt, dass sich die Eltern von klein an um uns kümmern.

Jedes Paar soll bei uns zwei Kinder haben, es ist aber auch möglich, das Recht für ein zweites Kind an ein anderes Paar zu verkaufen, das dann ein drittes Kind haben darf. Das ist aber nicht sehr häufig.

Bei uns wohnen Mütter und Väter fast immer zusammen. Wenn sie sich doch mal getrennt haben, dann ist das Kind die Hälfte der Zeit bei dem einen und die andere Hälfte bei dem anderen. Das ist aber immer doof für das Kind und nach einer Weile ist es dann oft nur bei einem Elternteil.

Selbst wenn man Erwachsen ist, kann man sich immer noch mit Problemen und Fragen an die Eltern wenden und wenn man Hilfe braucht, dann helfen sie einem, genauso wie die Großeltern. Die halten immer zu einem. Und wenn die Eltern irgendwann sterben, dann hat man ja selber Kinder, die einem helfen können und zu einem halten. So ist man nie einsam.

(Wie schon bei dem letzten Brief, habe ich diesen Brief auch aufgeteilt. Die zweite Hälfte gibt es hier. Und bis zur übernächsten Woche habe ich dann hoffentlich den letzten Teil von Hepkaale und der Drache fertig.)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Geschichten, Roman, Sejereh abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Briefe von der Sejereh – 4. Brief, 1. Teil

  1. Pingback: Results for week beginning 2017-07-24 | Iron Blogger Berlin

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s