Hepkaale und der Drache 7

Erster Teil, vorheriger Teil

Faares entschied, dass es an der Zeit sei, dass sie eine Pause machten. Sie waren viele Stunden unterwegs gewesen. Das Gelände hier in Norden wurde immer unwegsamer und das Wetter wurde kälter. Hepkaale ging lieber zu Fuß als dass sie Ritt, denn so wurde ihr wenigstens nicht zu kalt.

Faares hatte eine kleine Höhle gefunden, die an einer geschützten Stelle zwischen zwei Felsen lag. Fünfzig Meter unter ihnen brandete das Meer an einen schmalen Streifen Sand und Geröll. Darüber erhoben sich die Klippen.

Sie führten ihre Reittiere in die Höhle und entluden sie. Dann ging Hepkaale mit einer Sichel ausgerüstet ein Stück Weg zurück, um dort etwas Gras für die beiden Tiere zu finden. Als sie wiederkam, hatte Faares es sich schon in einer Ecke gemütlich gemacht. Hepkaale versorgte die Tiere und als sie fertig war und sich auch hinsetzen wollte, sagte Faares: „Unten am Ufer liegt ein Haufen Treibholz. Das könnten wir einsammeln, um uns ein Feuer zu machen.“

Hepkaale seufzte. Sie wusste, dass es hieß, dass sie selber herunter steigen und das Holz einsammeln musste. Wie gerne hätte sie Faares gesagt, dass er sein Holz selber hohlen solle, aber bei solchen Kommentaren schien er immer schwerhörig zu sein. Egal, wie laut sie ihn anschrie, er verstand sie falsch. Einmal hatte sie versucht, es ihm aufzuschreiben, aber in dem Moment konnte er wundersamer Weise nicht lesen, was ihm zu anderen Gelegenheiten nie Probleme bereitet hatte.

Hepkaale schaute sich die Klippen an und versuchte, den besten Weg nach unten zu erkennen, aber in dem Gewirr aus Felsen und Geröll war es schwierig zu erkennen. Mehr als die ersten vier Meter konnte sie an keiner Stelle ausmachen. Sie entschied sich für eine Stelle direkt unterhalb der Höhle, knotete ihr Seil an eine passenden Felsen fest und stieg dann, das Seil um ihre Hüften gelegt, langsam hinab.

Es dauert eine Viertelstunde, bis sie am Fuß der Klippen angekommen war. Sie sammelte Holz. Zum Glück war es ziemlich trocken. Trockenen Seetag sammelt sie auch, um das Feuer zu entzünden. Sie band alles zu einem großen Bündel zusammen und rief nach Faares, dass er ihr das Holz hochziehen solle. Sie musste mehrfach rufen, bis er schließlich reagierte.

Hepkaale war froh, dass die Brandung so laut war, denn so konnte sie sein meckern darüber, dass er ihr helfen musste, nicht hören. Als das Holz oben war, wartete Hepkaale darauf, dass Faares das Seil wieder runter ließ, doch es passierte nichts. Sie rief, doch diesmal konnte oder wollte er sie nicht hören. Hepkaale versuchte, in den Klippen einen Weg zu erkennen, wie sie wieder nach oben käme, aber ohne Seil war es illusorisch.

Sie rief wieder nach Faares, aber bekam weiterhin keine Reaktion. Jetzt wäre doch die ideale Gelegenheit für einen Eingriff des Plot-Devices. Jetzt könnte es sich doch wunderbar zurück in die Höhle bringen, damit sie es auch warm hatte.

Hepkaale versucht an ein paar Stellen probeweise, die Klippen zu erklimmen, aber es war nicht möglich. Sei seufzte. Dann ging sie ein wenig am Ufer entlang, so wurde ihr wenigstens nicht ganz so kalt. Vorsichtig stieg sie über die Felsen. Nach ein paar Minuten kam sie an eine Stelle, die verkohlt war. Treibholz, Felsen, Muschelschalen, alles war verkohlt. Es sah nicht so aus, als hätte es wirklich gebrannt, denn das Holz war nur von außen verkohlt. Dann schaute sie die Felsen an und konnte auch dort Stellen erkennen, die verkohlt waren. Offensichtlich waren es Stellen, die von den Drachen angegriffen worden waren. Hoffentlich fand der Drache sie nicht hier.

Sie ging zu der Stelle zurück, oberhalb derer ihr Versteck war und rief nach Faares, wieder und wieder. Und tatsächlich, irgendwann hörte er sie. Sie machte Gesten, um ihm zu Verstehen zu geben, dass sie das Seil bräuchte. Es dauerte eine Weile, bis er sie verstanden hatte, aber dann ließ er ihr doch das Seil herunter. Zwanzig Minuten später sah sie bei Faares in der Höhle von einem munter prasselnden Feuer.

„Ich habe nachgedacht“, sagte er.

Hepkaale schaute ihn fragend an.

„Damit du ein richtiger Ritter wirst“, sagte er, „brauchst du einen Bart.“

„Einen Bart?“

„Genau, einen Bart!“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich dachte, du weißt, dass ich eine Frau bin. Und Frauen haben keine Bärte.“

„Das ist mir auch schon aufgefallen. Aber es muss ja nur für den Drachen wie ein Bart aussehen. Daher könntest du die Asche vom Lagerfeuer ins Gesicht schmieren, der Drache wird den Unterschied bestimmt nicht sehen.“

Hepkaale dachte, dass der Drache dann bloß denken würde, dass er sie schon einmal mit seinem Feuer geröstet hätte. Sie widersprach Faares, aber er blieb hart und nach zwanzig Minuten Streit gab Hepkaale schließlich nach und schmierte sich die Asche ins Gesicht, die Faares in einem kleinen Lederbeutel gesammelt hatte. Hepkaale seufzte. Viel lächerlicher würde ihr Anblick wohl nicht mehr werden können.

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