Hepkaale und der Drache 5

Erster Teil, vorheriger Teil

Hepkaale und Faares waren weiter auf dem Weg nach Norden. Sie waren in einer Gegend angekommen, wo es deutlich kälter als in Tirüplet war. Hepkaale war froh, dass es hier nicht regnete, das wäre noch schlimmer als nur kaltes Wetter gewesen.

Es gab keine Wege hier und sie fanden nur noch selten menschliche Siedlungen. Bis hierher war die Besiedelung Sma Azirks wohl noch nicht richtig vorgedrungen. An einzelnen Häuser kamen sie gelegentlich vorbei, mit Bewohnern, die hauptsächlich von dem lebten, was im Meer wuchs. Essbare Früchte und Pflanzen gab es in dieser Gegend nicht viele. Nicht einmal der sonst überall auf Sma Azirk wachsende Kohl wuchs hier.

Sie folgten verschlungenen Wildwechseln. Hepkaale sehnte sich danach, endlich wieder zu Hause zu sein. Dieses Abenteuer war das mit Abstand beschwerlichst, das sie jemals erleben musste. Wie schön wäre es, wenn sie jetzt zu Hause vor dem Kamin sitzen könnte? Dann würde sie endlich wieder ihre Ruhe haben und könnte jederzeit, wenn ihr die Familie zu viel wurde, in ihre Werkstatt gehen und dort etwas basteln. Aber stattdessen war sie mit einer Ziege unterwegs, und wenn sie in der Richtung weiter gingen, würden sie bestimmt einies Tages den Nordpol erreichen.

Der Wildwechsel traf auf einen anderen Wildwechsel und Faares bog nach Rechts ab. Sie fragte sich, ob er wusste, was er tat, oder ob er einfach nur seinem Instinkt folgte. Was gab es hier überhaupt für Tiere, die so deutliche Wildwechsel austraten? Sie wusste von keinen größeren Tieren, die so weit nördlich lebten, aber das musste nicht viel heißen, denn sie kannte sich hier nicht besonders aus. Sie fragte Faares danach, doch er wusste es auch nicht.

Ein paar Stunden später kamen sie wieder an ein Haus, und Faares entschied, dass sie hier einkehren würden. Hepkaale hoffte, dass sie diesmal besser aufgenommen würden als vor ein paar Tagen, als sie ihre Hahnenkämme bekommen hatte.

„So, ab jetzt wird wieder in voller Montur gereitet“, legte Faares fest. Hepkaale hatte es schon befürchtet. Leider legte er viel Wert darauf, dass sie ihre gesamte Rüstung benutzte, die Ziege als Pferd, das Kohlblatt als Sattel, die Hahnenkämme als Sporen. Wer weiß, welche seltsamen Dinge sie noch ereilen würden auf dieser Reise.

Zum Glück waren die Bewohner dieses Hauses sehr nett und luden sie zu sich in die Stube ein. Es war eine junge Familie, Mann, Frau, fünf Kinder unterschiedlichem Alters. Sie freuten sich, endlich mal wieder Fremde zu sehen, denn hierher verirrte sich nur selten jemand. Faares erzählte von der Ritterschaft und dem Drachen, den er jagen würde und die Kinder fragten ihn immer weiter aus.

Sie fragten ihn so viele Fragen, dass er irgendwann müde wurde. Als er in einem Sessel eingeschlafen war, fragten die Eltern Hepkaale, wer sie sei. Auch sie hatten schon von ihr gehört und wollten natürlich jetzt mehr über das Plot-Device und ihr aktuelles Abenteuer wissen. Sie wollten ihr erst nicht glauben, dass sie wirklich auf Drachenjagd waren, mit einer Ziege als Pferd und einem Kohlblatt als Sattel.

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich habe es mir nicht ausgesucht, und ehrlich gesagt, habe ich auch keine Lust darauf und will eigentlich nur nach Hause, aber das Plot-Device lässt mich nicht.“

„Ja, das ist in den meisten Hepkaale-Geschichten so.“

Hepkaale nickte. „Ich hoffe nur, dass wir bald den Drachen finden werden, ich habe echt keine Lust mehr.“

„Können wir dir irgendwie helfen?“, fragte der Mann.

Hepkaale überlegt. „Wisst ihr etwas, das gegen Drachen hilft?“

Alle überlegten, dann sagte das älteste Kind: „Du brauchst eine Rüstung! Rüstungen helfen gegen Drachen!“

Also überlegten sie, wie Hepkaale an eine Rüstung kommen könnte. Irgendwann sagte die Frau: „Du hast doch noch das alte Ofensieb, das könnte sie doch nehmen.“

Hepkaale hatte ihre Zweifel, doch die anderen fanden die Idee gut. Sie ließen Faares schlafen und gingen alle in den Schuppen hinter dem Haus. In einem Haufen alter Sachen fanden sie schließlich das Metallteil. Sie bogen es so zurecht, dass es zu Hepkaale passte, und die Frau befestigte drei Muschellederriemen daran und band es Hepkaale um.

„Schon besser“, sagte sie. „Jetzt bist du richtig ausgerüstet, um es mit einem Babydrachen aufzunehmen.“

Als Hepkaale sich zum Haus umdrehte, sah sie, dass Faares in der Tür stand und sie beobachtete. Er lächelte, offensichtlich hatte er sofort verstanden, wofür das Ofensieb gedacht war. Sie verbrachten noch ein paar Stunden bei den Leuten und als sie ausgeschlafen und richtig gefrühstückt hatten, ging es weiter.

Nächster Teil

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