Hepkaale und der Drache 4

Erster Teil, vorheriger Teil

Zwei anstrengende Wandertage später, in denen Faares Hepkaale von seinem zukünftigen Ruhm als Drachentöter vorschwärmte, erreichten sie Rechaadaa, einen weiteren kleinen Ort an der nördlichen Küste Sma Azirks. Der Ort war genauso klein wie Djuul und sah für Hepkaale auch genauso heruntergekommen aus.

Sie fanden wieder ein Gasthaus, in dem sie einkehrten. Faares erzählte wieder stundenlang von dem Drachen, den er jagen würde und wie er dann als Held zurückkommen würde. Hepkaale hielt sich zurück und beteiligte sich kaum an dem Gespräch. Sie genoss es, dass sie bei diesem Abenteuer mal nicht im Mittelpunkt stand. Sie dachte an zu Hause und fragte sich, ob Sibüü und ihre anderen Geschwister sie schon vermissten. Sibüü bestimmt, und wenn es nur deswegen war, weil sie sie nicht auf dieses Abenteuer mitgenommen hatte.

Nach einiger Zeit gab es Essen und danach gingen sie ins Bett – Hepkaale musste im Stall zwischen Pferd und Ziege schlafen.

Nachdem sie geschlafen hatte, gab es Frühstück. Danach brachen sie wieder auf und setzten ihre Reise über holprige Trampelpfade fort. Hepkaale hoffte, dass sie den Drachen bald finden würden, denn sie hatte keine Lust mehr, neben der Ziege her zu gehen und nach etwas zu suchen, das sie, wenn sie ehrlich war, gar nicht finden wollte.

Nach fünf Stunden Fußmarsch kamen sie an ein einsames Haus, das auf einer Klippe mit Blick übers Meer stand. Als sie das Haus das erste Mal sahen, entschied Faares, dass sie dort eine Pause machen würden und dass Hepkaale deswegen den letzten Kilometer reiten müsste.

Es war mühselig, denn die Ziege hatte keine Lust, den Hang zu erklimmen, und dass Hepkaales Beine bis auf den Boden reichten, machte das Reiten nicht gerade einfacher. Immer wieder musste sie die Ziege auf den Hintern hauen, damit sie sich weiter bewegte. Es war mit Abstand das mühseligste Abenteuer, auf das das Plot Device sie je geschickt hatte.

Es dauerte über eine halbe Stunde, bis sie das Haus endlich erreicht hatten. Faares klopft an die Tür und jemand rief: „Wartet kurz, ich bin gerade beschäftigt.“ Also warteten Hepkaale und Faares im Regen vor der Tür darauf, dass der Bewohner ihnen öffnete.

Hepkaale stieg von ihrer Ziege ab und band sie am Zaun fest. Faares war darüber nicht erfreut, denn es machte seiner Meinung nach den Eindruck kaputt, aber Hepkaale blieb stur. Nach zwei Minuten gab Faares seine Versuche auf, sie zu überreden, weiter auf der Ziege zu sitzen.

Es dauerte noch eine ganze Weile, bis der Bewohner schließlich die Tür öffnete. „Was wollt ihr? Ich bin gerade damit beschäftigt, Baumkuchen zu backen und ihr kommt ungelegen.“

„Ich bin der Ritter Faares“, sagte Faares. „Wir sind hin, um die Drachen, die elenden Würmer, zu jagen.“

„Drachen! Pah! Damit könnt ihr mir gestohlen bleiben. Ich habe genug Probleme mit den Killerpoden. Die machen mir immer die Netze kaputt, wenn ich Fischen fahre.“

„Bei baldiger Gelegenheit werde ich eure Wünsche an die Seeritterschaft weitergeben, auf dass sie euch von den Killerpoden befreien.“

„Tut das. Und jetzt verschwindet, denn ich muss mich wieder um den Baumkuchen kümmern.“

Hepkaale ging zu ihrer Ziege zurück und löste das Seil. Doch Faares blieb weiter vor der Tür stehen.

„Es ist im Kreise der einfachen Leuten üblich“, sprach er, „die Ritterschaft mit mehr Respekt zu behandeln und sie bei ihrem Queste zu unterstützen. Wollt ihr dies nicht auch?“

„Ich? Euch unterstützen? Das einzige, was ich euch an Unterstützung geben kann, sind ein paar Hahnenkämme.“ Er zeigte auf die Ziege. „Vielleicht könnt ihr die als Sporen benutzen, um eure Reitziege anzutreiben, wenn ihr mal wieder einfache Leute belästigen wollt.“

Er griff hinter sich und warf Faares etwas vor die Füße. Dann schlug er die Tür zu. Faares bückte sich und hob die Hahnenkämme auf. Dann stieg er wieder auf sein Pferd und ließ es zu Hepkaale gehen. Er überreichte ihr die Hahnenkämme. „Hier, die werden dir als Sporen nützlich sein, Adjutant!“

Hepkaqale seufzte. Nicht nur, dass sie eine Zeige ritt und ein Kohlblatt als Sattel hatte, jetzt musste sie auch noch Hahnenkämme als Sporen um ihre Schuhe binden. Sie hatte sich noch nie so albern gefühlt wie bei diesem Abenteuer.

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