Briefe von der Sejereh – 3. Antwortbrief, 1. Teil

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Sejereh, den 08.02.2320 Hallo Isma

Ich habe mich sehr gefreut, als ich deinen Brief bekommen habe.

Meine Freunde sind auch neidisch auf die Briefe, die ich von dir bekomme. Aber da sie selber keine Briefe geschrieben haben, wundert es mich nicht, dass sie selber keine bekommen. Schade für Waked, dass es nur so eine kurze Antwort bekommen hat. Wer hat ihm geantwortet? War es jemand von der Sejereh?

Bei mir sind auch zu viele spannende Sachen für einen einzigen Brief passiert. Kala sagt, dass wir unsere Briefe nicht zu lang werden lassen dürfen, sonst würde die Übertragung wegen der Entfernung zu lange dauern. Sie sagt, so einen Brief wie meinen letzten zu übermitteln, würde eine ganze Woche dauern. Ich habe sie gefragt, warum das so ist, und sie hat mir erklärt, dass sie den mehrfach senden muss, weil ihr ja nicht immer mit euren Antennen in unsere Richtung schaut. Dann habe ich gesagt, dass ich dann aufpassen werde, auch nur wichtiges zu schreiben. Sie hat mir weiter erzählt, dass ihr zwar mit uns Zeiten ausgemacht habt, in denen ihr nach uns lauscht, aber da die Erde nicht mehr sendet, hätten wir nun mehr Zeit für euch.

Ich habe jetzt auch ein Tier, um das ich mich kümmere, ein kleines Lama. Ich habe es Bazak genannt. Anfangs war es fies zu mir, aber mittlerweile mag es mich. Bazak frisst mir aus der Hand und genauso wie Chubzi kann sie Sachen für mich tragen. Aber bisher darf ich sie noch nicht in ein anderes Modul bringen. Ich finde das schade, aber man kann es eben nicht ändern. Aber wenn sie dann größer ist, dann darf sie mir helfen.

Wie geht es deinem Chubzi? Habt ihr viel zusammen erlebt? Haben deine Freunde auch eigene Tiere? Kamele? Pferde? Ganz was anderes? Meine Freunde haben keine Tiere, bis auf Kasa. Die hat einen Papagei, der sogar sprechen kann. Ich finde es toll, dass er das kann.

Bei den Pinguinen helfe ich jetzt nicht mehr so oft, ich muss mich schließlich um Bazak und die anderen Lamas kümmern. Aber manchmal bin ich doch dabei und helfe ihnen. Die Pinguine laufen gerne rum und stehen manchmal einfach gerne vor der Wärmelampe rum. Bei ihnen ist es nämlich kalt, damit sie sich wohlfühlen. Ich finde es lustig, dass Pinguine Schnee fressen, wenn ihnen zu warm ist. Das hatten wir mal, als der Schalter für das künstliche Sonnenlicht nicht richtig funktioniert hat und sie zwei Tage am Stück gewärmt wurden. Ich fand das seltsam, aber es scheint ihnen geholfen zu haben.

Manchmal lassen sich die Pinguine auch streicheln, aber man muss sie mit Fisch bestechen, damit sie nicht weglaufen. Sie fühlen sich aber nicht so toll an, weil sie feucht und fettig sind. Aber ihnen zuschauen tun wir immer gerne.

Bei unseren Elchen können wir mit der Maschine ausmisten, das klappt ganz gut. Die Art, wie ihr eure Kamele ausmistet, klingt anstrengend. Wie oft müsst ihr das machen? Ich glaube, ich bin doch froh, dass wir keine Kamele haben, wenn die so anstrengend sind.

Mit den rumlaufenden Pferden hast du recht, aber unsere Pinguine laufen noch viel mehr rum. Aber die sind auch mehr und kleiner. Die wuseligsten Tiere, die wir haben, sind Mäuse. Rahuti sagt, wir haben Glück, dass die mit der Schwerelosigkeit in den Verbindungsgängen ein Problem haben, sonst wären die überall. Zum Glück haben wir mehrere Tiere, die Mäuse fressen, so dass es nicht zu viele werden. Habt ihr auch Mäuse? Oder habt ihr noch andere wuselige Tiere?

Als ich vor ein paar Wochen krank war, musste ich drei Tage im Krankenmodul verbringen. Das war vielleicht langweilig. Mit dem Lamatritt war ich froh, dass ich noch zur Schule gehen durfte. Zu Hause bleiben dürfen wir leider nicht, da ja alle arbeiten gehen, wenn wir in der Schule sind. Unsere Krankenstation ist ganz gut eingerichtet, an jedem Bett ist ein mobiler Bildschirm, über den man Zugang zum Computer hat. So kann man sich Filme anschauen oder Spiele spielen. Aber am besten ist es, wenn meine Freunde zu Besuch waren, das war viel besser als die ganzen Computerspiele. Aber in die Schule gehen ist dann doch besser als den Tag alleine in der Krankenstation alleine im Bett zu liegen.

Du Arme, dass du acht Tage krank warst. Ich fand die drei Tage, die ich krank war, schon schlimm genug. Bei manchen Krankheiten darf man bei uns auch keinen Besuch bekommen, bei anderen schon. Zum Glück hatte ich bisher nur Besuchskrankheiten, genauso wie meine Freunde. Aber Achdar hat erzählt, dass, als er jung war, mal jemand eine Nicht-Besuchs-Krankheit hatte. Das hat wohl ziemlich lange gedauert, bis andere wieder zu ihm durften. Zum Glück ist das schon lange her.

Mit den Verbindungsgängen hast du recht, die sind toll zum spielen. Wir haben letztens ein Lager-Modul entdeckt, wo nur selten jemand hingeht. Das ist abgeschirmt, hat aber Schwerelosigkeit, das ist genau das Richtige für uns zum spielen. Aber bestimmt werden die Erwachsenen wieder eine Ausrede haben, warum wir dort nicht spielen dürfen, das ist ja immer so, Aber bis sie merken, dass wir es gefunden haben, nutzen wir es natürlich aus.

Das mit den Alten, die schon in den Verbindungsgängen gespielt haben, ist bei uns genauso. Die Erwachsenen verbieten es uns, und wenn man bei den richtigen Alten nachfragt, erfährt man, dass die Erwachsenen sich auch nicht an die Verbote gehalten haben, als sie jung waren.

Ich vermute, dass wir für unsere Tiere eine andere Art Gleichgewicht als ihr haben, wenn wir Leguane dafür brauchen und ihr nicht. Soweit ich weiß, gab es auf der Erde manche Tiere auch in manchen Ländern nicht, obwohl dort die richtige Temperatur für sie war. Das mit euren Seehunden, die einen Bogen fliegen, ist lustig. Das ist bestimmt so ähnlich, wie wenn wir auf dem Spielplatz in der Modulachse springen. Wenn wir langsam genug sind, fliegen wir auch einen Bogen, bis wir im Netz ankommen.

Auf einer Eisscholle habe ich erst einmal versucht zu stehen, ich bin aber sehr schnell ins Wasser gefallen. Da hat Dabah, mit dem zusammen ich die Pinguine gefüttert habe, sehr viel Ärger bekommen. Die anderen Erwachsenen haben zwei Tage lang nicht mit ihm geredet. Ich fand das voll doof, denn es war ja nur nett von ihm.

Schlitten fahren können wir leider nicht, weil der Hang nicht gut dafür ist. Das ist schade, finde ich, aber wir können es nicht ändern. Die Kunststücke eurer Seehunde sind bestimmt toll. Ich finde es toll, dass euch die Wasserschlachten im Meeresmodul erlaubt wurden. Ich werde bei uns mal nachfragen, ob wir das auch machen dürfen. Da wäre toll, wenn bei uns Wasserschlachten erlaubt wären.

Bei unser Wasserschlacht im Verbindungsgang hatten wir Glück, denn es hat niemand herausgefunden. Außer Radur natürlich, der muss ja meine Briefe übermitteln. Aber der hat gesagt, dass er nicht wissen darf, was in unseren Briefen steht und deswegen auch nicht schimpfen darf. Aber nächstes Mal sollten wir besser aufpassen.

Bei uns wohnt niemand bei Mutter und Vater. Wir wohnen bei den Eltern, das sind bei uns Erwachsene, die noch keine Kinder großgezogen haben, so dass jeder mal Kinder erziehen muss. Und genauso ist das mit den Alten, die bei uns wohnen und die wir Großeltern nennen. Das ist doch auch viel sinnvoller so, sonst müssten ja immer die Leute zusammen wohnen, die miteinander Kinder haben müssen. So können sich die Erwachsenen aussuchen, mit wem sie wohnen wollen. Und die Kinder können sich, wenn sie alt genug sind, also wenn sie drei sind, aussuchen, bei welchen Erwachsenen sie wohnen wollen. Wenn man jünger ist, kümmern sich viele verschiedene Leute um die Kinder, damit die alle Erwachsenen mal kennen lernen. Wie sonst könnten sie ihre Eltern auswählen? Manchmal wollen zwei Kinder die gleichen Eltern, aber das ist selten. Und wenn doch, dann haben die Eltern eben zwei gleichalte Kinder und bekommen dafür nicht später nochmal eines. Wenn die Eltern bei uns mal keine Zeit haben, dann sind immer andere Erwachsene oder Alte da, die den Kindern etwas verbieten können.

Manchmal kommt es bei uns auch vor, dass sich ein Kind und seine Erwachsenen nicht verstehen. Dann ist es möglich, dass das Kind zu anderen Eltern wechselt. Aber die sind dann meistens sehr streng, deswegen will niemand wechseln. Ich will sicher nicht wechseln, auch wenn meine Eltern oft nerven.

Wenn die Eltern eines Kindes sterben durch einen Unfall oder so, dann muss das Kind zu anderen Erwachsenen. Aber das sind dann ja keine richtigen Fremden, da ja alle Erwachsenen beim Erziehen von uns helfen.

Mit Eltern bezeichnen wir die Erwachsenen, die sich um uns kümmern. Im Gegensatz dazu gibt es Mütter und Väter, die uns geboren haben, aber das sind nie die Eltern, da achten alle drauf. In den meisten Fällen wohnen Mutter und Vater nicht zusammen. Die Frage, ob sie zusammen ein Kind großziehen, gilt daher er immer nur für einen von beiden.

(Da Isma und Tiri älter werden, schreiben sie auch längere Brief. Um euch das Lesen (und mir das Schreiben) einfach zu machen, teile ich die langen Briefe auf zwei Blogposts auf. Den zweiten Teil gibt es dann nächste Woche.)

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