Rückkehr nach Zahybata

Der Mond Zahybata war bereits früher von einem Rettungsschiff besucht worden. Das war vor über fünfzig Jahren gewesen. Anfalka und Bahz waren damals schon dort gewesen, als Kinder, die sich heimlich an Bord des Rettungsschiffs geschlichen hatten. Und jetzt, nach vierzig Jahren und einer erfolglosen Reise mit der Sejereh zum Planeten Ekamyh sind sie erneut hier, auf dem Weg zum Planeten Amel, der letzten Hoffnung, in diesem System einen bewohnbaren Planeten zu finden.

Anfalka betrachtete den Mond und fragte sich, ob sie jemals daran gedacht hatte, dass sie dorthin zurück kehren könnte. Aber als sie jung war, waren sie alle voller Hoffnung gewesen, dass Ekamyh das Ziel ihrer Mission sei und sie endlich ankommen würden. Doch dann hatte sie die Atmosphäre als zu dünn und zu giftig entpuppt. Und Furasch war noch schlimmer mit den vielen giftigen Stoffen in der Atmosphäre. Und jetzt waren sie auf dem Weg zu Amel und kamen erneut am Gasriesen Wafyr vorbei.

Selbst wenn Amel sich aus der Nähe doch als unbewohnbar entpuppen sollte, so hatten sich doch dieses System erreicht und könnten seine vielfältigen Ressourcen nutzen, dachte Anfalka. Seit ihrem letzten Besuch bei Zahybata ist die Sejereh unter anderem mit den Rohstoffen von diesem Mond um drei Module und hundertfünfzig Einwohner größer geworden

Anfalka konnte sich noch gut daran erinnern, wie sie damals auf dem Mond herum springen durfte. Damals war ihr der Mond riesig vorgekommen, auch wenn er nicht mal einen Kilometer Durchmesser hatte. Doch seitdem war sie im Orbit um mehrere Planeten gewesen und hatte ihre wahre Größe aus der Nähe gesehen. Dagegen erschien ihr Zahybata nun vom Rettungsschiff aus gesehen wie ein kleiner Felsbrocken. Sie fragte sich, ob es wohl immer noch so war, wenn sie wieder auf seiner Oberfläche stand. Zu gut konnte sie sich noch an die majestetischen Klippen erinnern, die sich dunkel vom Sternenhimmel abhebten.

Bahz stand neben ihr und sie wechselten sich an dem kleinen Fenster ab. Es würde noch ein paar Stunden dauern, bis sie den kleinen Mond erreicht hatten. Sie war froh, dass Bahz mit ihr hier war, denn sie beiden und Bylda waren die einzigen, die damals auf Zahybata schon dabei gewesen waren und noch lebten. Bylda konnte sie auf diesem Ausflug leider nicht begleiten, weil sie sich vor ein paar Wochen ein Bein gebrochen hatte. Egal wo Menschen sich aufhielten, Verletzungen brauchten immer einige Zeit, um zu verheilen.

„Wie schade, dass Bylda nicht dabei sein kann“, sagte Bahz, als hätte er ihre Gedanken gelesen. „Dann wäre es fast wie damals gewesen.“

Anfalka nickte. „Das dachte ich eben auch.“

Bahz streckte sich ein wenig, um aus dem Fenster zu schauen. „Vielleicht ist es auch besser so. Sie ist in den letzten Jahren ziemlich grummelig geworden.“

„Stimmt schon. Aber es wäre sicherlich trotzdem schön gewesen für sie.“

„Ja, da hast du recht.“

Sie schauten eine Weile abwechselnd zum Mond Zahybata. Dann sagte Bahz: „Was meinst du, sind unsere Sicherungsseile noch da?“

Anfalka überlegte. „Nach vierundfünfzig Jahren ohne dass sich jemand darum gekümmert hat? Ich weiß nicht.“

„Es ist immerhin luftleerer Raum.“

Anfalka nickte, sagte dann aber: „Naja, luftleer vielleicht. Und die ganze Strahlung. Aber vielleicht haben wir Glück.“

„Das könnte sein. Dieses Mal werden wir zu den ersten gehören, die Aussteigen und uns den Mond anschauen.“

Bahz lächelte. „Das werden wir. Diesmal darf uns niemand verbieten, auf dem Mond herum zu laufen, wenn wir es wollen.“

„Und genau das werden wir machen, so lange wir es wollen.“

Dann lachten sie beide fröhlich und genossen weiter den Anflug auf den kleinen Mond.

Wer die Geschichte des ersten Besuchs auf Zahybata nachlesen möcht, Ihr findet sie hier.

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