Hepkaale und der Drache 3

Erster Teil und vorheriger Teil.

Hepkaale und Faares waren auf der Suche nach den Seedrachen, die die nördliche Küste Sma Azirks immer wieder verheerten. Sie waren seit mehreren Stunden unterwegs, Faares auf seinem recht kleinen Pferd und Hepkaale auf einem großen Ziegenbock. Es war anstrengend für Hepkaale, den Bock zu reiten, denn ihre Beine waren zu lang, so dass sie zwischendurch immer mal wieder abstieg, um ein Stück zu Fuß zu gehen. Faares meckerte jedes Mal, aber es ging einfach nicht anders.

Die ganze Zeit über erzählte er von den Drachen und wie er, sobald er einen getötet hätte, von alle Leuten entlang der Küste verehrt werden würde. Die begeisterten Empfänge in den Orten schienen ihm wichtiger zu sein als alles andere und Hepkaale vermutete langsam, dass das Töten des Drachen nur ein Mittel zum Zweck war.

Ihr Weg führte sie an der Küste entlang Richtung Norden, denn Faares war der Meinung, dass Drachen den wilden Norden bevorzugen würden. Er begründete es damit, dass die Drachen innerlich glühen würden und daher in kälteren Regionen besser aufgehoben wären, damit sie nicht überhitzten. Hepkaale fand diese Begründung seltsam, aber da sie schon in Tenijeen beschlossen hatte, bei diesem Abenteuer nicht auf Logik zu achten, sagte sie nichts dazu.

Nach einiger Zeit kamen sie in Djuul an. Djuul war ein kleines Fischerdorf in einer geschützten Bucht. Es gab fünf Häuser und eine kleine Hafenmauer. Drei der Häuser waren Bauernhöfe, in einem war ein Laden untergebracht und das fünfte war kleiner und sah unbewohnt aus.

„Hört, liebe Leute!“, rief Faares, als sie in das Dorf ritten. „Hier kommt der Ritter Faares, um den bösen Drachen zu jagen und für Ruhe an der Küste zu sorgen!“

Er wiederholte den Ruf ein paar Mal, doch die einzige Reaktion war, dass er damit eine Gruppe Hühner aufschreckte, die mitten auf der Straße nach Körnern suchten.

„Sie scheinen alle in Angst vor dem Drachen erstarrt zu sein.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Wahrscheinlich sind sie am Arbeiten.“

Der alte Mann blickte böse zu Hepkaale. „Sie haben Angst, das ist sicher.“

Hepkaale seufzte. Sie hatte zwar beschlossen, Faares nicht zu widersprechen, so dass dieses Abenteuer möglichst bald vorüber war, aber es fiel ihr schwer. Sie hatte das Gefühl, dass Faares in einer anderen Welt wie sie lebte.

Er steuerte sein Pferd zielstrebig auf das Haus mit dem Laden zu und Hepkaale folgte ihm widerwillig. Diese ganze Abenteuer war eine einzige Fars, aber das waren ja die meisten Ausflüge mit dem Plot-Device. Sie stiegen ab und banden ihre Reittiere an die dafür vorgesehene Stange. Hepkaale gab ihrem Ziegenbock etwas zu knabbern und dann folgte sie Faares in den kleinen Laden.

Der Laden war voll mit Waren. An jeder Wand waren hohe Regale, die voll mit Nahrungsmitteln, Werkzeug, Haushaltsgegenständen und anderem Kram waren. In der Mitte standen Fässer, und als Hepkaale von einem vorsichtig den Deckel hob, sah sie, dass darin eingelegter Kohl war. Schnell machte sie das Fass wieder zu.

Hepkaale hörte, wie Faares der alten Frau erklärte, dass er ein Drachenjäger sei und dass er nach Djuul gekommen war, um sie vor den Drachen zu beschützen.

„In den letzten Jahren“, sagte die Frau, „hatten wir keinen Ärger mit Drachen. Weder hier in Djuul noch in der näheren Umgebung.“

„Die Drachen haben sicherlich geahnt, dass ich hierher kommen werde“, sagte Faares zufrieden.

Die Frau schaute zu Hepkaale und als sich ihr Blick traf, rollte Hepkaale mit den Augen. Die Frau dachte wohl das gleiche, denn sie zwinkerte Hepkaale kurz zu. Dann sagte sie: „Ihr müsst von euer Reise erschöpft sein. Kommt mir, ich führe euch in die Gaststube.“

Sie führte Faares und Hepkaale über einen Innenhof in einen Anbau des Hauses, in dem es eine Gaststube gab. Drei Frauen und zwei Männer saßen dort an einem Tisch. An einem anderen spielten ein paar Kinder ein Würfelspiel.

„Hey, Leute! Dies sind Faares, der Drachenjäger und Hepkaale, seine Adjutantin. Sie sind eben in Djuul angekommen.“

Der dickste der Männer erhob sich. „Willkommen in Djuul! Ich bin Saafela, der Ortsvorsteher.“

„Ehrenwerte Ortsvorsteher Saafela! Ich bin der Drachenjäger Faares und dies ist meine junge Adjutantin Hepkaale. Wir reisieren entlang der Küste und verkämpfigen in allen Lokalitäten die Drachen, die in den arktischen Landen eine wahre Pestilenz zu seien pflegen.“

Die anderen Besucher der Gaststube schauten ihn verwirrt an. Er sah sich zu Hepkaale um. „Übersetze es, mein Adjutant!“

Hepkaale räusperte sich. „Er will sagen, dass wir Ritter sind und Drachen jagen und dabei Richtung Norden reisen.“

„Ah, das verstehe ich“, sagte eine der älteren Frauen.

„Ritter!“ rief eines der Kinder. „In einer Rüstung!“

Alle Kinder rannten zu Faares hin. „Eine echte Rüstung!“ Sie fassten seine Rüstung an. Faares genoss es offensichtlich, dass er im Zentrum der Aufmerksamkeit stand.

„Wo ist euer Pferd!“, fragte eines der Kinder Hepkaale.

„Sein Pferd steht draußen. Wenn du möchtest, zeige ich es dir!“

„Au ja! Ein Ritterpferd!“

„Faares“, wandte sich Hepkaale an den Ritter. „Ich zeige diesen Kindern das Pferd!“

Mittlerweile standen auch die Erwachsenen bei Faares und stellten ihm Fragen, die er in seiner gestelzten Sprache, die er nur mit Bauern sprach, beantwortete. Mit der Hand gab er Hepkaale ein Zeichen, dass er verstanden hätte.

Hepkaale und die Kinder gingen durch den Laden nach draußen und Hepkaale zeigte den Kindern das Pferd, das mit einem Sattel und einer bunten Decke bedeckt war.

„Und welches ist dein Pferd?“

Hepkaale zeigte auf den Ziegenbock und sagte: „Ich bin Adjutantin. Ich muss noch auf diesem Bock reiten.“

Alle Kinder bestaunten nun den Ziegenbock.

„Wie reitest du darauf? Er hat ja gar keinen Sattel!“

„Ich bin Adjutantin. Ritter Faares sagt, ich muss mir meine Ausrüstung erst verdienen.“

„Aber du brauchst einen Sattel“, widersprach ein junges Mädchen. „Ohne Sattel bist du kein richtiger Ritter.“

Hepkaale lächelte verlegen. „So ist das eben.“

„Ich frage mal meine Mutter nach einem Sattel!“ Das Mädchen lief in den Laden zurück. Sekunden später kam es wieder, die Verkäuferin im Schlepptau.

„Mama! Sie braucht unbedingt einen Sattel, wenn sie Ritterin ist. Wenn ich einmal groß bin und Ritter werde, brauche ich auch einen.“

Die Frau wandte sich an Hepkaale. „Sie behauptet, du würdest einen Ziegenbock reiten und hättest nicht mal einen Sattel?“

Hepkaale nickte. „Stimmt. Ich habe es mir nicht ausgesucht, mit Faares zusammen unterwegs zu sein.“

„Wie kam es dazu?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Das kann ich nicht sagen. Aber ich kann erst nach Hause, wenn ich diese Aufgabe erledigt habe.“

Die Frau musterte Hepkaale prüfend. Dann sagte sie: „Nun gut. Wir haben zwar keinen Sattel, der auf eine Ziege passt, aber ich schaue mal, was ich finden kann für dich.“

Sie ging zurück in den Laden und kramte dort in verschiedenen Kisten, während Hepkaale weitere Fragen der Kinder beantwortete.

Nach ein paar Minuten kam die Frau wieder raus.

„Das ist das einzige, was ich gefunden habe. Ein großes Blatt Norderkohl. Nicht unbedingt der beste Sattel, aber es sollte stabil genug sein.“

Sie legte das ledrige Kohlblatt, das mindestens einen halben Meter breit war, über die Ziege und band es an ihrem Bauch mit einem Bindfaden zusammen. „So, das sollte die nächsten Tage halten.“

„Vielen Dank, liebe Frau! Es wird sowohl mir als auch der Ziege sicherlich helfen.“

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