Hepkaale und der Drache 2

Hier ist der erste Teil.

„Du wärst gerne ein Drachenjäger“, sagte der junge Mann hinter dem Tresen zu dem selbsternannten Drachenjäger.

„Was ist ein Drachenjäger?“, wollte Hepkaale wissen.

„Du musst über Drachenjäger folgendes wissen“, sagte der ältere Mann. Er ergriff Hepkaales Hand und zog sie mit sich zu einem der Tische. Ihre Erfahrung mit dem Plot-Device sagte ihr, dass sie garantiert auf Drachenjagd gehen musste, bevor sie wieder nach Hause zurück konnte. Es gefiel ihr nicht, aber wann passierte das schon mal, wenn das Plot-Device sie irgendwo hin schickte.

Er erzählte ihr von den Drachen, die den Norden Sma Azirks unsicher machten und die dortigen Bewohner terroriserten. Dann erzählte er ihr von den Drachenjägern, die auch Ritter genannt werden, und die gut gerüstet in den Kampf gegen die Drachen zogen.

„Ein Leben voller Gefahr, aber auch voller Ruhm und Ehre. Wenn ein Ritter in eine Stadt kommt, dann laufen sofort alle Bewohner zusammen, um ihn zu verehren. Es ist ein Leben in Saus und Braus, das ein Ritter führt. Aber um echter Ritter zu werden, muss man natürlich einen Drachen besiegt haben. Es reicht nicht aus, dass man sich wie einer kleidet.“

Hepkaale fragte sich, in was für eine abstruse Geschichte das Plot-Device sie diesmal verwickelt hatte.

„Bist du ein Drachenjäger?“

Der alte Mann schüttelte traurig den Kopf. „Bisher nicht. Ich versuche einer zu sein, aber mir fehlt noch der passende Drache. Aber irgendwann werde ich einen finden und erlegen, und dann werde ich ein echte Ritter sein!“

Hepkaale versucht, sich den alten Mann in einer Rüstung auf einem Pferd vorzustellen, aber das Bild passte einfach nicht. Er sollte am Kamin sitzen und den Enkeln Geschichten von früher erzählen, so wie er ihr von den Drachen und Rittern erzählte.

Der Mann musterte Hepkaale eindringlich. „Ein guter Ritter braucht immer einen Adjutanten. Du siehst aus, als würdest du einen guten abgeben. Davon mal abgesehen, dass du eine Frau bist, aber das ist ja nicht weiter wichtig.“

Hepkaale rollte mit den Augen. Sie ahnte schon, wie dieses Abenteuer ausgehen würde. Sie als Häufchen Asche vor einem wütenden Drachen. Vielleicht nicht unbedingt sie selber, aber mindestens ihr Pferd und der Möchtegern-Ritter-Opa.

„Ehrlich gesagt“, sagte Hepkaale, „habe ich überhaupt keine Lust, Drachen zu jagen. Ich habe eigentlich was ganz anderes zu tun.“

„Ach Papperlapapp“, widersprach ihr der Möchtergern-Ritter. „Du wirst mein Adjutant. Meine Atjutantin. Wie auch immer. Du kommst mit.“

Hepkaale seufzte. „Habe ich eine Wahl?“

Der Mann schüttelte den Kopf. „Das Schicksal hat uns zusammengeführt.“

„Oder mein blödes Plot-Device“, murmelte Hepkaale leise.

Der alte Mann schien es nicht gehört zu haben. „Komm, wir reisen sofort ab. Dein Gepäck kannst du hier abholen, wenn wir zurück sind.“ Er stand auf und zog Hepkaale mit sich zum Tresen.

„Page! Wir reisen ab! Diese junge Frau wird mein Adjutant.“

Der junge Mann hinter dem Tresen schaute Hepkaale neugierig an. „Echt jetzt?“

Hepkaale zuckte mit den Achseln. „Ich habe wohl keine Wahl.“

„Was ihr Gepäck betrifft“, sagte er, doch Hepkaale unterbrach ihn.

„Ich reise ohne Gepäck.“

„Um so besser. Wir müssen los. Steht dein Pferd auch im Stall?“

Hepkaale schaute ihn überrascht an. „Pferd? Ich habe kein Pferd.“

„Kein Pferd? Wie bist du hierher gekommen?“

Hepkaale lächelte. „Keine Ahnung. Irgendwer wird mich mitgenommen haben.“

Der Ritter musterte sie skeptisch. Dann sagte er: „Egal. So wahr ich Faares heiße, ich werde dir ein Reittier besorgen!“

Er wandte sich wieder an den jungen Mann. „Sag, Page, wir möchten gerne ein Pferd erwerben.“

Der Page schüttelte den Kopf. „Wir sind doch kein Pferdehandel. Das einzige Pferd, das wir haben. Ist ein Esel, und der gehört dem Herrn der Bergfeste. Das einzige, was wir anbieten können, ist ein Ziegenbock.“

Faares verdrehte die Augen, nickte dann aber. „Ziegenbock wird schon gehen, Hauptsache, er ist kräftig und sie kann darauf reiten.“

„Das ist nicht dein ernst, oder?“

Faares schaute Hepkaale entrüstet an. „Es muss heißen ‚Euer ernst‘! Und es ist ernst. Ohne Reittier geht es nicht.“

Hepkaale seufzte. Dieses Abenteuer wurde immer mehr zur Lachnummer, also konnte sie auch einen Ziegenbock reiten. Hauptsache, es war bald vorbei.

„Dann los! Holen wir mein Pferd und deinen Bock und dann brechen wir auf!“

Hier geht es zu Teil 3.

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