Hepkaale und der Alkoholmangel 7

hepkaale_headerErster Teil, sechster Teil.

Das Summen und Brummen des Plot-Devices ließ nach. Es regnete nicht, das war gut. Doch als Hepkaale die Luft roch, riss sie die Augen auf. Es roch nach zu Hause, und tatsächlich stand sie wieder in der heimischen Werkstatt. Wer hätte das gedacht, dass diesmal die Reise mit dem Plot-Device so angenehm würde?

Hepkaale seufzte erleichtert. Sie würde dem Bürgermeister den Brief zeigen, und damit wäre ihr Abenteuer zu Ende und in ihrem Leben würde wieder Ruhe einkehren. Vielleicht würde sie Taalij einen Brief schreiben und ihn wissen lassen, dass es ihr gut ging. Dann könnte sie auch den Brief an Taalijs Großonkel mit zurück schicken.

Vom Flur her waren Stimmen zu hören und dann ging die Tür auf. Es waren Sibüü und ihre Mutter.

„Hepkaale! Hepkaale!“, rief Sibüü. „Endlich bist du zurück! Wir haben schon sehnsüchtig auf dich gewartet!“

Sibüü kam auf sie zu gerannt und umarmte sie. „Ich hoffe, du bringst uns endlich den Kohlbrand…“

„Was ist denn los?“, fragte Hepkaale. „Du freust dich doch sonst nicht so, wenn ein Abenteuer zu Ende ist.“

„Der Bürgermeister… Endlich bist du wieder da.“

Hepkaale schaute ihre Mutter fragend an.

„Seit du aufgebrochen bist, hatten wir keine ruhige Minute mehr.“

„Wir hatten das Gefühl, der Bürgermeister wohnt bei uns, so oft hat er nachgefragt, ob du schon zurück bist“, fügte Sibüü hinzu.

„Alle fünf Minuten kam jemand, um zu schauen, ob du mit dem Kohlbrand schon zurück bist. Das ganze Dorf war in seinem Auftrag hier in den letzten Tagen.“

Ein Klopfen war zu hören. Es klang, als würde jemand mit der Faust gegen die Eingangstür hämmern.

„Siehst du? Da kommt der Nächste, um uns zu nerven.“

Es dauerte keine fünf Sekunden, da kam der Schmied, der beste Freund des Bürgermeisters, in ihre Werkstatt gerannt.

„Hepkaale! Hepkaale! Endlich bist du wieder da! Wir brauchen den Kohlbrand, ganz dringend!“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Es gibt keinen Kohlbrand!“

Der Schmied riss die Augen auf. Dann schüttelte er den Kopf. „Warum verarschst du uns?“

Hepkaale seufzte. Doch bevor sie antworten konnte, kam ihre Mutter in die Werkstatt und der Schmied wandte sich an sie.

„Sie will uns den Kohlbrand nicht geben, machen sie was!“

Hepkaales Mutter schaute sie streng an. „Stimmt das?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich habe keinen bekommen. Das Plot Device konnte auch keinen finden.“

„Du lügst“, antwortete der Schmied.

Hepkaale ballte die Fäuste. „Mache ich nicht! Wenn Sie mir nicht glauben, benutzen sie das Plot-Device doch selber!“

Der Schied schaute sie mit vor Wut verzerrtem Gesicht an. „Es war deine Aufgabe, Kohlbrand zu besorgen.“

„Ich habe von Anfang an gesagt, dass es Unsinn ist. Niemand mag Kohlbrand.“

Es klopft an der Haustür und Sibüü flitzte an ihrer Mutter und dem Schmied vorbei, um die Tür aufzumachen.

„Aber wir brauchen ihn als Gastgeschenk.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „So ein Unsinn. Wenn ihr Zelekaah den Krieg erklären wollt, könnt ihr das auch direkt machen.“

„Du willst Zelekaah den Krieg erklären?“

„Der Bürgermeister will es.“

„Will er nicht!“

Hepkaale und der Schmied waren immer lauter geworden.

„Hepkaale!“, unterbrach der Sohn des Bürgermeisters sie. „Gut, dass du wieder da bist, wir warten schon sehnsüchtig auf den Kohlbrand!“

„Es gibt keinen Kohlbrand!“

Der Sohn des Bürgermeisters starrte sie entsetzt an. „Wie kann das sein? Das Plot-Device hat sich doch losgeschickt, um Kohlbrand zu besorgen!“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Das Plot-Device hat mich losgeschickt, um mir zu zeigen, dass man nie! Nie! Niemals! Kohlbrand verschenken sollte.“

„Das kann nicht sein!“

„Kann es und ist es!“

„Aber das Gastgeschenk!“

„Der Bürgermeister von Zelekaah mag überhaupt keinen Kohlbrand!“

„Das denkst du dir nur aus!“

„Tu ich nicht!“ Hepkaale verschränkte die Arme. „Sagt eurem Bürgermeister, dass er keinen Tropfen Kohlbrand bekommen kann!“

„Aber…“

„Wenn er ein Problem damit hat“, polterte Hepkaale, „dann sagt ihm, er soll selber Kohlschnaps besorgen. Bei mir gibt es jedenfalls keinen!“

Hepkaale funkelte die beiden böse an.

„Aber Hepkaale“, versuchte ihre Mutter sie zu beschwichtigen. „Warum bist du so wütend?“

„Weil Kohlbrand einfach nur eklig ist und alle sich darin einig sind bis auf unseren blöden Bürgermeister.“

Hepkaale schaute wieder zu den beiden Männern und warf ihnen einen weiteren bösen Blick zu.

„Ich glaube“, sagte ihre Mutter zu den beiden, „ihr geht lieber und überbringt dem Bürgermeister die Nachricht.“

Sie schob die beiden aus Hepkaales Werkstatt.

„Was ist passiert?“, fragte Sibüü, als sie und Hepkaale alleine waren.

Hepkaale seufzte. „Eigentlich nicht spannendes. Ich hatte ein paar schöne Tage.“ Hepkaale erzählte von ihrem Abenteuer. „…und alle haben mir gesagt, dass Kohlbrand zu verschenken einer Kriegserklärung gleichkommt.“

„Hoffentlich glaubt dir der Bürgermeister das.“

„Das hoffe ich auch. Ich glaube nämlich nicht, dass wir noch welchen bekommen. Außerdem habe ich einen Brief, den der Bürgermeister von Zelekaah geschrieben hat und in dem er sich darüber beklagt, dass Kohlbrand eklig ist.“

Sibüü schaute Hepkaale an. „Aber dann ist es doch total doof, ihm Kohlbrand schenken zu wollen.“

Hepkaale nickte. „Genau das ist ja mein Problem.“

Sibüü nickte. „Ja, das ist ein Problem. Seit das Plot-Device dich auf die Suche geschickt hat, kam alle paar Minuten jemand, den der Bürgermeister geschickt hat, um zu schauen, ob du schon zurück bist. Nicht mal Nachts haben sie uns in Ruhe gelassen.“

Hepkaale grinste böse. „Jetzt weißt du, warum Reisen mit dem Plot-Device immer so doof sind.“

Sibüü verzog das Gesicht. „Das ist nicht fair. Du reist herum und schaust dir fremde Städte an und bekommst heißen Tee und wir müssen mit den ganzen Blödmännern des Bürgermeisters klarkommen.“

Kurz darauf klingelte es wieder an der Tür und dann wurde gegen die Tür gehämmert. Hepkaale seufzte. Es war bestimmt der Bürgermeister, der seinen Kohlbrand abholen wollte. Sie hörte, wie ihre Mutter im Flur fluchte und Sekunden später kam der Bürgermeister in Hepkaales Werkstatt gestürmt.

„Was höre ich da? Du weigerst dich, uns Kohlbrand zu geben?“ Das Gesicht der Bürgermeisters war wutverzerrt.

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich weigere mich nicht.“ Sie versuchte, ihre Stimme unter Kontrolle zu halten und möglichst ruhig zu klingen, doch es gelang ihr nicht richtig. „Es gibt auf Sma Azirk keinen Kohlbrand, weil niemand so blöd ist, welchen herzustellen.“

„Das kann nicht sein! Der Bürgermeister von Zelekaah…“

„Der Bürgermeister von Zelekaah mag überhaupt keinen Kohlbrand“, schrie Hepkaale zurück und wedelte mit dem Brief vor der Nase des Bürgermeisters herum.

„Wir brauchen ihn als Gastgeschenk!“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Lesen sie selber!“

Endlich ergriff der Bürgermeister den Brief. Als er die entsprechende Stelle las, wurden seine Augen immer größer. Als er fertig gelesen hatte, warf er den Brief nach Hepkaale, drehte sich um und verließ wutschnaubend die Werkstatt.

„Hoffentlich hat er etwas daraus gelernt und entschuldigt sich bei dir“, sagte Sibüü, doch Hepkaale schüttelte den Kopf.

„Der doch nicht. Beim nächsten Problem wird er wieder ankommen und das ganze Drama geht von vorne los.“ Dann lächelte sie. „Aber wenigstens habe ich ein paar schöne Tage gehabt.“

Sibüü verzog das Gesicht. „Ja, du! Aber wir hier nicht.“

So, endlich ist die Geschichte mit dem Alkoholmangel fertig. Ich hätte nicht gedacht, dass Hepkaale so viel Spaß haben würde bei der Suche nach Alkohol. Aber so ist das manchmal.

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2 Antworten zu Hepkaale und der Alkoholmangel 7

  1. 500woerterdiewoche schreibt:

    Hepkaale kann eben auch ohne Alkohol Spaß haben 😉

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