Hepkaale und der Alkoholmangel 5

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Erster Teil, vierter Teil.

Das Summen und Brummen des Plot-Devices wurde leiser und erstarb dann ganz. Hepkaale hoffte nur, dass sie nicht wieder irgendwo mitten in einer Katastrophe landen würde. Es war warm und regnete nicht, das war schon mal ein guter Anfang. Die Luft roch würzig mit einer leicht salzigen Note. Der leichte Wind fühlte sich angenehm an. Ein leises Rauschen war zu hören und als sie die Augen öffnete, sah sie, wie sich die Sonne im Meer vor ihr spiegelte.

Sie schaute sich um. Hinter ihr war ein Ort, zu dem eine Landungsbrücke gehörte, die weit ins Meer hinaus ragte. Mehrere kleine Schiffe waren an ihr vertäut. Meeresvögel kreisten über dem Steg und stießen gelegentlich hernieder. Ein paar einzelne Wolken zogen am Himmel dahin. Mehrere Fischer waren mit dem Ausladen ihres Fangs beschäftigt und vor einem der Häuser stand eine Gruppe aus drei Frauen und zwei Männern und unterhielt sich.

Hepkaale ging auf die Gruppe zu und rief: „Hallo!“

Die fünf Personen drehten sich zu ihr um.

„Hallo! Wer bist du?“

„Wo kommst du her?“

„Wo willst du hin?“

Hepkaale ging weiter auf die Leute zu. „Ich bin Hepkaale aus Tirüplet und soll nach Kohlbrand suchen.“

Die fünf schauten sie fragend an.

„Die Hepkaale aus den Legenden?“

Hepkaale nickte. Sie hatte es schon oft genug erlebt, dass die Leute schon Legenden über sie und das Plot-Device gehört hatten.

„Was ist Kohlbrand?“, fragte der jüngere der Männer.

„Ein Schnaps, der aus Kohl gebrannt wird“, erklärte eine der Frauen.

„Ein ziemlich übel schmeckendes Zeug“, ergänzte Hepkaale.

„Ich habe es vor ein paar Jahren in Merülaah mal probieren müssen. Glaubt mir, es gibt nicht viel ekligeres.“

Der junge Mann, der recht niedlich aussah, wie Hepkaale feststellte, sah sie an. „Warum suchst du Kohlbrand, wenn er so eklig ist?“

Hepkaale erzählte die Geschichte von ihrem Bürgermeister und warum er unbedingt Kohlbrand haben wollte.

„Aber was machst du dann bei uns?“, wollte der junge Mann wissen.

„Das Plot-Device hat mich hierher geschickt.“

Der junge Mann schaute zu den anderen und sagte dann: „Aber bei uns gibt es keinen Kohlbrand.“

Hepkaale nickte. „Das hatte ich schon befürchtet. Aber wahrscheinlich habt ihr ein anderes Problem, wegen dem mich das Plot-Device hierher geschickt hat.“

„Was für ein Problem sollte das sein“, fragte eine der jungen Frauen.

Die anderen schauten sich fragen an und zuckten mit den Schultern. „Ich wüsste nicht, bei welchem Problem wir Hilfe brauchen könnten.“

Hepkaale schaute die anderen ungläubig an. „Ihr habt kein Problem?“

Die anderen schüttelten den Kopf.

„Kein Problem“, sagte der junge Mann. „Du kannst ja einfach die freie Zeit hier genießen. Möchtest du was essen oder trinken?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich habe gerade erst gegessen, vielen Dank.“

„Dann komm, ich zeige dir die schönsten Stellen von Taruulaar.“

Er ergriff Hepkaales Hand und zog sie mit sich.

***

Der Ort war nicht sehr groß, zwanzig oder dreißig Häuser, aber es gab eine kleine Schule mit Bibliothek, einen Bäcker und zwei kleine Läden sowie eine Destillerie, deren Besitzer aber nie im Leben freiwillig Kohlbrand hergestellt hätte.

Das unbestrittene Zentrum des Ortes war die Seebrücke, an der die Fischerboote anlegten und die Meerestiere entluden, die die Basis der Nahrungsversorgung des Ortes waren. Hepkaale musste mehrere Spezialitäten probieren, die teilweise seltsam und teilweise lecker waren.

Anschließend führte ihr Begleiter, der Taalij hieß, sie zu den schönsten Stellen in der Umgebung des Ortes. Es gab große, alte Bäume und steile Klippen und Hügel, von denen aus man einen wunderbaren Blick über das Meer hatte. Am einer Stelle gab es in den Klippen zum Meer hin eine kleine Höhle, in deren Eingang sie eine Pause machten.

„Es ist schön hier“, sagte Hepkaale.

Taalij nickte. „Das ist es. Manchmal ist es anstrengend, in Taruulaar zu leben, denn der Ort ist schon sehr abgelegen, aber es ist auch schön.“

„Mit Tiruplet ist es ähnlich“, sagte Hepkaale. „Schön, aber einsam. Es ist schön, dass es auf Sma Azirk tatsächlich Orte gibt, die keine Probleme haben.“

Taalij schaute sie an und lächelte. Wenn er so lächelte, sah er einfach zum Anbeißen aus, fand Hepkaale. Ob er sie wohl auch attraktiv fand? Vielleicht dauerte es ja noch eine Weile, bis das Plot-Device sie weiter schickte.

Taalij erzählte ihr von seinem Leben in Taruulaar und wie anstrengend es war, wenn man als Fischer arbeitete und gleichzeitig den Eltern auf dem Hof helfen musste. Hepkaale war froh, dass sie zu Hause nur den Hof hatten, das war schon Arbeit genug.

Er fragte sie über ihre Familie aus und sie erzählte von ihren Geschwistern und ihren Eltern. Insbesondere über Sibüü schien er schon viel zu wissen, auch wenn nicht alles stimmte, was in den Legenden über ihre Lieblingsschwester erzählt wurde.

Als ein paar Wolken vor der Sonne vorbeizogen, wurde es kühler und sie kuschelte sich an ihn an. Sie genoss die ruhige Zeit, in der sie einfach nur neben ihm saß, und sie beiden sich von ihrem Leben erzählten. Er legte seinen Arm um sie und sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter, während sie auf das Meer hinaus schauten und die Wolken beim Ziehen beobachteten.

Hepkaale fragte sich, wann sie das letzte Mal einen so schönen Nachmittag verbracht hatte. Friedliche Ruhe, ein hübscher Mann, an den sie sich anlehnen konnte und dazu ein kleines Picknick und keine Aufgaben, die auf sie warteten. Seit ihrer Kindheit hatte sich nicht mehr so einen schönen Nachmittag verbracht, vermutete sie.

Sie schaute ihn an und sie kamen sich näher. Würden sie sich küssen? Sie hob ihren Kopf ein wenig und dann berührten sich ihre Lippen. Es war wie ein Traum, ein wunderbarer Traum. Seine Lippen auf ihren, ihre Zungen, die sich berührten. Hepkaale war glücklich wie lange nicht mehr.

Doch dann dachte sie an das Plot-Device und wich von ihm zurück. „Du weißt, dass ich jederzeit verschwinden könnte, oder?“

Taalij nickte. „Das Plot-Device. Ein Grund mehr, keine Minuten zu verschwenden.“

Er zog ihren Kopf zu sich heran und sie erwiderte seinen Kuss.

Den sechsten Teil findet ihr hier.

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