Hepkaale und der Alkoholmangel 3

Erster Teil, zweiter Teil.

Das Summen und Brummen des Plot-Devices ließ nach. Es regnete. Hepkaale überlegte, ob sie ihre Augen öffnen oder lieber geschlossen lassen sollte. Sie wollte gar nicht wissen, in welche absonderliche Situation das Plot-Device sie schon wieder gebracht hatte. Warum ließ sie sich nur immer von Sibüü dazu überreden, das Plot-Device zu benutzen?

Der Regen fiel weiter auf sie. Sie seufzte. Dann öffnete sie ihre Augen und schaute sich um. Sie stand in einem dichten Wald. Große Bäume, die Kronen im Dunst des Nebels weichgezeichnet. Der Regen schien Wasser zu sein, das an den Blättern der Bäume kondensierte und dann auf sie herab tropfte. Sehr große Regentropfen.

Sie befand sich in einem Tal, rechts und links von ihr stieg das Land an, vor ihr fiel es sanft ab. Links von ihr floss ein kleiner Bach Richtung Tal. Hepkaale fragte sich, wo sie hier Kohlbrand finden sollte. Es sah so aus, als wäre noch nie ein Mensch in diesem Tal gewesen und als würde auch niemand einen Grund haben, jemals hierher zu kommen. Was wollte das Plot-Device schon wieder von ihr?

Sie überlegte, ob sie dem Tal folgen sollte oder ob es besser wäre, nach oben zu gehen. Normalerweise hätte sie sich für oben entschieden, denn von Bergen aus sah man einfach mehr, aber in diesem Fall war sie sich nicht sicher, denn der Wald war zu dicht, um durch ihn hindurch sehen zu können. Zum Glück gab es wenigstens nicht so viel Unterholz, so dass sie gut durchkommen würde, egal wohin sie sich wand.

Sie ging einen Schritt auf den Bach zu, doch als ihre Füße im weichen, schlammigen Waldboden einsanken, entschied sie, lieber nicht dem Bach zu folgen. Sie konnte sich noch zu gut an einen anderen Ausflug mit dem Plot-Device erinnern, bei dem sie bis zu den Knien im Schlamm versunken war. Darauf hatte sie keine Lust.

Als Hepkaale den Bergkamm erreicht hatte, sah sie nur weiteren Wald in alle Richtungen und es regnete noch immer. Sie überlegte, ob sie sich einfach hinsetzen und abwarten sollte, aber bei dem Wetter würde das keinen Spaß machen. Von dem Tal weg schien der Wald ebener zu sein, wahrscheinlich eine Art Hochplateau oder ähnliches. Wenn doch nur der blöde Regen aufhören würde.

Hepkaale setzte sich wieder in Bewegung und ging immer in die Richtung, die ihr am einfachsten erschien. Wahrscheinlich würde sie unabhängig davon, in welche Richtung sie ging, irgendwann bei einer Katastrophe landen, bei der sie helfen musste. Das war nun mal die Art der Plot-Devices.

***

Zwei Stunden marschierte Hepkaale durch den Wald, bis sie schließlich auf einen Weg stieß, der sie ein paar Stunden später zu einem einsamen Hof führt. Sie klopfte und eine alte Frau öffnete die Tür.

„Hallo! Ich bin Hepkaale aus Tirüplet und würde mich gerne bei Ihnen aufwärmen.“

„Hepkaale? Komischer Name. Naja, komm rein.“

Das Haus bestand nur aus einem großen Raum, der gleichzeitig Küche, Schlafzimmer, Stube und Werkstatt zu sein schien. Offensichtlich waren es sehr arme Leute, die hier wohnten, was Hepkaale nicht überraschte, denn reiche Leute würden nicht so abgelegen im Wald wohnen wollen.

„Möchtest du einen heißen Tee?“

Hepkaale nickte. „Das wäre sehr nett von Ihnen.“

Kurz darauf schlürfte Hepkaale heißen Tee.

„Wohnen Sie alleine hier?“

Die Frau schüttelte den Kopf. „Die anderen sind alle arbeiten. Das Leben hier draußen ist hart.“

Hepkaale nickte. „Wem sagen sie das. Tirüplet ist auch sehr abgelegen.“

„Dafür ist es bekannt. Ist das Leben bei euch wirklich so wie in den Geschichten?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Die meisten Geschichten sind übertrieben. Wir müssen hart arbeiten und das Schicksal wirft und immer wieder Stöcke zwischen die Beine.“

Die alte Frau seufzte. „Manchmal frage ich mich, ob die Menschen nicht lieber auf der Erde geblieben wären anstatt nach Amel zu reisen. Das Leben dort muss wunderbar gewesen sein.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Das glaube ich nicht. Die hatten bestimmt auch ihre Probleme.“

„Meinst du?“

Hepkaale nickte. „Ich bin schon ziemlich weit rumgekommen, und egal, wo man hinkommt, wenn Menschen in der Nähe sind, gibt es Probleme. Immer! Das scheint mir ein Naturgesetz zu sein.“

„Dann stimmt es also, dass du immer dort auftauchst, wo es Probleme gibt?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich glaube eher, dass die Leute ihre Probleme gerne auf mich abwälzen, weil sie sie dann nicht selber lösen müssen.“

Die alte Frau trank einen Schluck Tee. „Meinst du, wir werden dich auch bitten, unsere Probleme zu lösen?“

„Bestimmt. Es wäre zu schön, wenn dem nicht so wäre.“

Die alte Frau lachte. „Bisher sind wir ohne dich eigentlich ganz gut klargekommen. Ich hoffe, dass wir das auch weiterhin schaffen.“

„Das hoffe ich. Ich habe nämlich überhaupt keine Lust mehr, die Probleme anderer Leute zu lösen.“

Der alte Frau schaute Hepkaale neugierig an. „Warum bist du hier?“

Hepkaale seufzte. „Ich soll Kohlbrand besorgen. Unser Bürgermeister möchte dem Bürgermeister von Zelekaah welchen schenken.“

„Kohlbrand?“, fragte die alte Frau ungläubig. „Wollt ihr Zelekaah den Krieg erklären?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Angeblich soll der Bürgermeister das Zeug mögen.“

Die alte Frau schüttelte den Kopf. „Das kann ich mir nicht vorstellen. Warum sollte irgendwer dieses Zeug freiwillig trinken?“

„Das frage ich mich auch.“

„Vielleicht solltest du eurem Bürgermeister sagen, das er einen Vogel hat.“

Hepkaale grinste böse. „Das wäre wohl das richtige.“

Die alte Frau lachte. „Hier in der Gegend gibt es definitiv keinen Kohlbrand, das kann ich dir versprechen.“

Hepkaale seufzte erleichtert. „Dann ist ja gut.“

„Da du hier also nichts zu tun hast, kannst du ja deinen Aufenthalt hier genießen und mir Gesellschaft leisten.“

Hepkaale nickte. „Das klingt gut. Der Tee ist lecker, es regnet nicht rein und ist schön warm hier. Da bleibe ich doch gerne noch eine Weile.“

Die nächsten drei Stunden saßen die beiden Frauen am Tisch, tranken Tee, aßen Kuchen und unterhielten sich über alles mögliche.

Teil 4 ist hier.

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3 Antworten zu Hepkaale und der Alkoholmangel 3

  1. 500woerterdiewoche schreibt:

    Dieses Mal scheint es ja sehr ruhig zu verlaufen 🙂 Aber ich wette, das dicke Ende kommt noch…

  2. Pingback: Results for week beginning 2017-01-30 | Iron Blogger Berlin

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