Jadras lange Reise – vierter Teil

Teil 1, Teil 3

Nachdem sie ihren Esel im Mietstall abgeholt hatte, führte sie ihn zum Hafen und zur Mitur. Das Schiff war eher klein und ganz aus Holz. Lediglich die Maschine und der Schornstein schienen aus Metall zu sein. Neben der Maschine gab es zwei Masten für Segel. Es gab zwei Aufbauten und in einer davon befand sich sicherlich die Maschine. Die anderen Aufbauten dienten dann wohl als Mannschaftsquartier.

Als Jadra sich dem Schiff näherte, wurde ihr klar, dass es nicht so klein war, wie es aussah, es waren nur die anderen Schiffe um es herum größer. Die Mitur hätte auch im Hafen von Patarsmark stehen können, ohne dort als etwas besonderes aufzufallen.

Ari Hadad stand an Deck, und als er sie sah, winkt er ihr und lachte.

„Jadra! Hier sind wir. Komm, Jadra, dann können wir dich zu dem Getreide in den Laderaum stecken und die Luke zumachen.“

„In den Laderaum?“ Jadra kamen Zweifel, ob es wirklich eine so gute Idee gewesen war, eine Kabine auf Aris Schiff zu buchen.

„Mensch, Ari!“ sagt ein Besatzungsmitglied, dass neben Ari an der Reling stand, „vergraul uns doch nicht die Fahrgäste.“ Dann wandte der Mann sich an Jadra. „Ich bin Mafyar. Mir gehört die Mitur zusammen mit Ari Hadad. Du musst ihm verzeihen, er ist eben ein Scherzkeks.“

Jadra war noch nicht ganz beruhigt, aber als sie die Kabine und den Stall für den Esel sah – in dem Stall standen schon zwei kleine Pferde – gesehen hatte, legten sich ihre Sorgen. Es entsprach alles der Beschreibung, die Ari ihr in der Verkehrsbörse gegeben hatte.

„Immer, wenn der Gong schlägt, gibt es Essen“, erklärte ihr Mafyar. „Da wir nur viel Seeleute sind, essen wir für gewöhnlich an unserem Arbeitsplatz. Du kannst dir aussuchen, ob du in deiner Kabine essen willst oder dich irgendwo an Deck aufhältst.“

Jadra nickte. „Ich werde darüber nachdenken.“

„Sehr gut“, sagte Ari. „Ich wünsche dir viel Erfolg beim Denken.“

Jadra sah, wie Mafyar die Augen verdrehte.

„Bist du schon mal auf einem Frachtschiff gefahren?“

Jadra schüttelte den Kopf. „Ich bin zweimal mit den Fischern im tagwärtigen Meer rausgefahren, aber das waren jeweils nur ein paar Stunden auf See.“

„Hier ist es anders“, sagte Mafyar. Dann erklärte er ihr, zu welchen Zeiten sie sich besser in der Kabine aufhalten sollte und zu welchen Zeiten sie an Deck herumlaufen konnte. Sie erfuhr, welche Auswirkungen das Wetter auf das Leben an Bord hatte und dass niemand damit rechnete, dass der Regen in den nächsten Tagen aufhören würde. Es dauerte ein paar Minuten, bis Mafyar mit erzählen fertig war, zumal Ari immer wieder irgendwelche Kommentare in die Runde warf.

Als ihre Einweisung fertig war, brachte sie den Esel in den Stall, der die Pferde mit lautem I-Ah begrüßte. Die Pferde ihrerseits begrüßte ihn mit leisem Schnauben. Danach ging sie in ihre eigene Kabine, um sich einzurichten.

Ihre Kabine war ziemlich klein, vielleicht eineinhalb Meter breit und zweieinhalb lang. Das Bett war an der Wand befestigt und konnte, wenn man schlafen wollte, aufgeklappt werden. Wenn das Bett zugeklappt war, gab es einen kleinen Tisch und einen Stuhl. Ein kleiner Wandschrank vervollständigte das Mobiliar. An der Außenwand war ein rundes Bullauge, durch das Jadra auf den Fluss und den Hafen schauen konnte.

Zwei Stunden später ging die Fahrt endlich los. Jadra hatte die Kapuze ihrer Jacke tief ins Gesicht gezogen. Sie hatte sich einen Platz am Bug des Schiffs gesucht, an dem sich nicht im Weg stand. Mafyar stand am Steuerrad und brüllte seinen Leuten irgendwelche Befehle zu. Die meisten davon wurden von Ari mit Kommentaren beantwortet. Aber soweit Jadra das sehen konnte, führten alle Matrosen Mafyars Befehle richtig aus.

Das Schiff fuhr mit Hilfe der Maschinen von der Kaimauer weg und dann auf den Fluss hinaus, der hier mindestens dreihundert Meter breit war. In der Mitte des Flusses drehten sie, um als das Schiff in Fahrtrichtung stand, sah Jadra, dass sie schon ein gutes Stück flussabwärts getrieben waren. Die Strömung musste hier ziemlich stark sein. Wahrscheinlich war es unerlässlich, gute Maschinen zu haben, um hier fahren zu können.

Als das Schiff in Fahrrichtung gedreht war, wurden die Segel gehisst, denn genauso wie in Takutapah wehte hier der Wind fast immer aus tagwärtiger Richtung. Als sie die Stadt verließen, wurden die Ufer des Uasabi steiler und dicht bewaldet.

Jadra konnte sich von dem Anblick der vorbeiziehenden Landschaft nicht sattsehen. Die vielen Pflanzen am Ufer, gelegentlich andere Schiffe, die ihnen entgegen kam, kleine Siedlungen, die die Bäume am Ufer gerodet hatten, um einen Zugang zum Wasser zu haben, manchmal Kinder, die im Fluss badeten. Einmal sah sie sogar eine Rotte wilder Schweine, die im Fluss schwamm.

Den nächsten Teil  findet ihr ihn hier.

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