Protokoll einer ersten Landung – Teil 1

Dies ist ein Funkprotokoll der Kommunikation zwischen der Sejereh (S) und dem Rettungs- und Landeschiff #2 (R), wie es im Archiv von Alewalla aufbewahrt wurde. Zwischendurch fehlen einzelne Textpassagen, die im Laufe der Zeit verloren gegangen sind.

T – 20 min

R: Hallo Kommunikationsstation! Könnt ihr uns hören?

S: Hier Kommunikationsstation. Wie hören euch gut, Landeschiff.

R: Sehr gut. Dann können wir diesen Punkt auf der Checkliste abhaken. Ich hoffe nur, es ist nicht wieder umsonst.

S: Ich wüsste nicht, warum es diesmal wieder nicht klappen sollte.

R: Hoffentlich hast du recht.

Im Hintergrund ist eine Durchsage zu hören: Start in 20 Minuten und 0 Sekunden.

S: Habe ich bestimmt.

***

T – 18 min

R: Landeschiff an Kommunikationsstation.

S: Hier Kommunikationsstation.

R: Alle Personen sind bereit. Alle Anschnallgurte für die Landung wurden getestet.

S: Check der Schubdüsen?

R: Läuft… Jetzt kommt das OK.

S: Das läuft heute wie am Schnürchen…

An dieser Stelle fehlen offensichtlich Teile.

***

T – 10 min

R: Berechnung des Massenschwerpunktes und des Tensors abgeschlossen. Flugbahn wird überprüft.

S: Erhalte Daten. Gegenchek läuft.

R: Stromversorgung überprüft und intakt.

S: Noch zehn Minuten bis zum Start.

R: Ich hoffe, das es diesmal auch alles klappt und der Start nicht wie letztes Mal im letzten Moment abgeblasen wird.

S: Das hoffe ich auch. Ich kann eure Checkliste bald nicht mehr sehen.

R (lacht kurz auf): Was meinst du, wie es uns geht? Eigentlich wollten wir schon vor einem halben Jahr im Dreck wühlen und bei jeder Gelegenheit nassregnen.

S: Diesmal klappt es bestimmt. Das Wetter ist perfekt und wir haben alles mehrfach gründlich durchgerechnet.

R: Oh ja, das haben wir.

Ein Pfeifton ist zu hören und R arbeitet weiter die Checkliste ab.

***

T – 8 min

R: Hallo Kommunikationsstation. Prüfung der Triebwerke abgeschlossen.

S: Check! Funktionstest der Andockklammern ebenfalls abgeschlossen.

R: Sehr gut, dann wird es diesmal daran hoffentlich nicht scheitern.

***

T – 6 min

R: Countdownstop pünktlich erreicht. (Andere Stimme:) Hier spricht Mudriez. Die nächsten 30 Sekunden werden wir Zudhey und Zetema gedenken, die beim letzten Startversuch dieses Schiffes auf tragische Weise ihr Leben verloren haben.

***

Dreißig Sekunden Schweigen, in denen lediglich aus dem Hintergrund ein Schluchzen sowie das Brummen der Maschinen zu hören ist.

S (andere Stimme): Die dreißig Sekunden sind vorbei. Der Countdown wird fortgesetzt.

S: T minus sechs Minuten.

R: Zeit läuft. Check des internen Kühlsystems läuft.

S: Notiert, warte auf Ergebnis.

***

T – 5:30 min

R: Check des internen Kühlsystems erfolgreich beendet. Check des externen läuft.

S: Notiert.

***

T – 5:05 min

S: Externes Kühlsystem?

R: Check läuft noch.

***

T – 4:48 min

R: Check externes Kühlsystem abgeschlossen. Beginnt mit der Inspektion des ablativen Schildes.

S: Läuft bereits.

R: Sehr gut. Diesmal läuft alles nach Plan.

S: Ja, diesmal scheint alles gut zu laufen.

R: Wird auch Zeit. Wir haben den Countdown schon oft genug angefangen.

Hier fehlt wieder ein Teil des Protokolls.

***

T – 30 Sekunden

R: Alle Checks abgeschlossen.

S: 30 Sekunden und Zeit läuft. Jetzt wird es ernst für euch.

R: Endlich.

S. 20 Sekunden – 19 – 18 – 17 – 16 – 15 – 14 – 13 – 12 – 11

R: Nun macht schon.

S: 10 – 9 – 8 – 7 – 6 – 5 – 4 – 3 – 2 – 1 – 0. Andockklammern gelöst.

R: Triebwerke auf 0,3 % Leistung.

S: Ich sehe, wie ihr euch bewegt.

R: Ich merke es auch. Erhöhen Schub auf 0,8 %.

S: Noch 30 Sekunden, dann könnt ihr aufdrehen.

R: 1,2 %. Alle Systeme normal.

S: 10 Sekunden. Ihr seid auf dem richtigen Kurs.

R: 2 % … 3 % … 5 % … 7 % … 10 %.

S: Ihr seid aus dem Gefahrenbereich. Jetzt liegt nur noch Weltraum vor euch. Ihr könnt aufdrehen.

R: Zum Glück. Seit dem Unglück mit Zudhey und Zetema bin ich voll nervös, solange wir nicht frei sind.,

S: Diesmal hat es ohne Probleme geklappt.

R: Zum Glück. Wir leiten die Orbitabsenkung ein.

***

T + 18 min

R: Orbitabsenkung erfolgreich.

S: Kurs bestätigt. Jetzt könnt ihr euch erstmal zurücklehnen.

R: Triebwerke aus, Schwerelosigkeit erreicht. Signalisierung des Endes der Beschleunigungsphase erreicht. Wir sprechen uns dann später.

Es folgen 25 Minuten Funkstille. Im Anschluss daran sprechen verschiedene Leute vom Landeschiff mit ihren Freunden auf der Sejereh. Diese Gespräche sind zu Ende, als das Landeschiff und die Sejereh auf Grund ihrer unterschiedlichen Umlaufbahnen auf gegenüberliegenden Seiten des Planeten sind.

***

In den nächsten vier Tagen wird der Orbit des Landeschiffs immer weiter abgesenkt, wie aus den Funkprotokollen hervorgeht. Danach erfolgen die letzten Vorbereitungen für den finalen Abstieg.

R: Alle Personen befinden sich angeschnallt in ihren Positionen.

S: Notiert. Durch das Teleskop können wir euch sehen. Die Sensoren sagen, ihr seid auf dem richtigen Kurs.

R: Das hoffe ich doch, denn jetzt wird es endgültig ernst. Nach der nächsten Triebwerkszündung gibt es kein zurück mehr.

S: Ihr schafft das. Alles ist perfekt vorbereitet, was sollte jetzt noch schiefgehen?

R: Nichts, aber nervös bin ich trotzdem.

S: Kein Grund dazu. Das Wetter über Mitrizyrh ist perfekt, euer Landeschiff in einwandfreiem Zustand und jeder weiß perfekt, was er zu tun hat.

R: Ich weiß. Aber nach dem Fehlstart und den zehn Countdownabbrüchen bin ich trotzdem nervös, auch wenn ich weiß, dass alles perfekt vorbereitet ist. 30 Sekunden bis zur Zündung.

S: Wir haben euch auf dem Bildschirm. Euer Schiff sieht majestätisch aus, ein wunderbarer Anblick, wie die Sonne euer Schiff über dem Planeten beleuchtet.

R: Schön, dass ihr es wenigstens genießen könnt.

S: Wir zeichnen alles auf. Dann könnt ihr es genießen, wenn ihr gelandet seid.

R: Zehn Sekunden… 8 … 5 … 3 – 2 – 1. Schub! Jetzt gibt es kein zurück mehr.

***

Hier findet ihr den zweiten Teil.

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