Raumschiffgraffiti

Sufrah und Sori hatten zu Hause einen alten Film von der Erde gesehen und erzählten jetzt ihren Mitschülern davon.

„… und dann kam der Junge nach Hause und bekam von seiner Mutter wegen der Graffiti Ärger.“

Faruah und die anderen schauten Sufrah fragend an.

Sufrah und Sori schüttelten den Kopf. „Das wurde in dem Film nicht erklärt, aber es muss etwas sehr böses sein, wenn man überlegt, wieviel Ärger er dafür bekommen hat.“

Ihre Lehrerin kam dazu. „Frau Lehrerin“, wandte sich Sori an sie. „Wissen Sie, was Graffiti sind?“

Ihre Lehrerin überlegte, dann schüttelte sie den Kopf. „Es hat irgendwas mit Kunst zu tun, aber was genau es ist, weiß ich auch nicht. Es ist etwas von der Erde. Ihr müsst eure Kunstlehrerin fragen. Oder schaut im Computer nach.“

Die anderen waren auch neugierig, was Graffiti waren, und so überredeten sie Sufrah und Sori, ihre Kunstlehrerin zu fragen. Die wusste es jedoch auch nicht besser, konnte ihnen aber Tipps geben, wie sie im Computer entsprechende Informationen finden konnten.

Die nächsten Tage verbrachten Sufrah, Sori sowie die mittlerweile ebenfalls neugierig gewordene Faruah am Computer. Es stellte sich heraus, dass ein Graffiti einfach nur etwas war, dass jemand verbotenerweise an eine Wand gesprüht hatte. Sie waren fasziniert davon, dass es den Leuten, die Grafitti machten, egal war, dass sie etwas verbotenes taten. Es gab richtige Wettkämpfe darin und zeitweilig konnte man in allen Städten der Erde welche sehen.

Der Computer hatte hunderte Beispiele, und Sufrah, Sori und Faruah beschlossen, dass sie selber Graffiti auf der Sejereh machen würden. Sie mussten Dawar, Faruahs Bruder, einweihen, denn er konnte ihnen Spraydosen besorgen, weil er bei der Inventur der Lagermodule half.

Zusammen mit Dawar suchten sie sich jeder ein Lieblingsgraffiti aus. Sie verabredeten sich für eine Nacht, in der jeder in einem anderen Verbindungsgang sein Graffiti sprayen sollte, während die anderen Schmiere standen.

Sufrah sprayte als erster, er hatte sich den Spruch „Wer dies liest ist doof“ ausgewählt. Sori sprühte etwas in einer alten Sprache von der Erde, die keiner von ihnen verstand : „Sex & Drugs & Cybersex“. Ihre Begründung war, dass die X und die & als buntes Graffiti hübsch aussahen. Faruah sprühte „Fuck Graffiti“. Dann wüssten die anderen wenigstens, was Graffiti waren.

Doch den besten Spruch sprayte Dawar, denn er malte „Lorna, in Liebe gewidmet“ in vielen bunten Farben an die Wand.

Am nächsten Morgen, als die anderen Bewohner der Sejereh die Sprüche sahen, war die Aufregung groß. Was war passiert? Warum hatte jemand Nachts etwas an die Wand geschrieben. Dummerweise hatten Sufrah und seine Freunde nicht bedacht, dass sie ja ihre Lehrer gefragt hatten, was Graffiti waren, und so dauerte es nicht lange, bis sie einen Haufen Ärger bekamen.

Eine große Versammlung wurde einberufen, in der sie bestraft werden sollten. Ihre Lehrer hatten alles vorbereitet und ausführlich erklärt, was sie gemacht hatten und welche Strafe sie vorsahen. Doch dann stand Lorna auf und sagte: „Also, ich finde die Verbindungsgänge so viel schöner…“

Jemand anderes stimmte ihr zu. Sufrah beobachtete fasziniert, wie noch mehr Leute aufstanden und kund taten, dass sie die Graffiti schön fanden. Dann fragte jemand, welche Regel die vier denn damit gebrochen hätten, dass sie die Verbindungsgänge mit Kunst verschönerten. Das wäre doch früher auch schon vorgekommen.

Es folgte eine lange Diskussion darüber, welche Regeln das Bemalen von Wänden verboten und warum die hier nicht anzuwenden wären. Nach drei Stunden schließlich wurde entschieden, dass man in Zukunft, bevor man heimlich irgendwo Farbe hinsprayte, wenigstens jemand Verantwortlichen informieren musste, dass sich nicht mehrere Leute darum stritten, dass sie die selbe Stelle verschönern wollten.

Sehr zu Sufrahs Überraschung wurde Dawar als Verantwortlicher für die Verschönerung der Verbindungsgänge vorgeschlagen und sogar gewählt. Sufrah vermutete, dass Lorna da ihre Finger im Spiel hatte, denn offensichtlich gefielt ihr, dass eines der Graffiti ihr gewidmet war.

Zum Glück für Sufrah vergaßen die Erwachsenen über die ganzen Diskussionen, dass sie sie eigentlich bestrafen wollten. Sufrah und seinen Freunden war das sehr recht.

Eines Tages, wenn sie groß waren, so beschlossen sie, als die Versammlung vorbei war, würden sie die ganze Sejereh von außen ansprayen und ihr damit ein sehr viel hübscheres Aussehen geben.

Hier ist übrigens die Geschichte, wie früher Verbindungsgänge als Kunst bemalt wurden.

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