Hepkaale und der Sumpf von Hubüwot – Teil 2

hepkaale_headerHier ist der erste Teil.

Am nächsten Morgen trafen sich Hepkaale und Sibüü beim Frühstück wieder.

„Hallo Sibüü. Gut geschlafen?“

Sibüü schien ihre schlechte Laune vom Vortag überwunden zu haben. „Ja, war gut. Taarihech hat mir gestern Abend von der Sejereh erzählt und wie es ist, dort zu leben. Nachher will er mir noch seine Andenken zeigen. Wie war deine Nacht?“

Hepkaale blickte zu Defde. „Angenehm. Unsere Ururur-irgendwas-Urgroßeltern sind ein nettes Völkchen.“

Sibüü nickte. „Wenn es hier nicht so viel regnen würde, wäre es echt schön.“

„Er regnet hier aber nun mal so viel“, sagte Defde. „Die Siedler der anderen Kontinente haben weniger Regen als wir hier.“

„Euren Ururururenkeln wird es besser gehen“, sagte Hepkaale. „In Tirüplet gibt es auch Tage, wo die Sonne scheint. Eigentlich gibt es sogar eine ganze Menge Tage mit Sonnenschein.“

„Außer in den letzten vier Wochen“, warf Sibüü ein.

Hepkaale nickte. „Die Alten sind sich sicher, dass es soviel wie in den letzten Wochen in Tirüplet noch nie geregnet hat.

Eine der Älteren – wenn Hepkaale sich richtig erinnerte, hieß sie Zulaaya – sagte: „Das kommt von Zeit zu Zeit vor, dass es wochenlang regnet. Das ist typisch für den Planeten. In jedem Ort Amels kann das passieren.“

Hepkaale warf Sibüü einen Blick zu, dann fragte sie Zulaaya: „Auch in Orten, die am Rande der Wüste liegen?“

Zulaaya nickte. „Auch dort. Selbst mitten in der Wüste kann das passieren. Ich muss es wissen, denn ich habe als Meteorologin gearbeitet, als wir noch auf der Sejereh waren. Ich habe das Wetter auf Amel beobachtet und analysiert.“

„Und wann hört es in Tirüplet auf zu regnen?“, fragte Sibüü.

Zulaaya lachte. „Das ist eine gute Frage. So einfach lassen sich solche Regenperioden nicht bestimmen.“

Als sie Sibüüs enttäuschten Gesichtsausdruck sah, erklärte sie: „Manchmal gibt es sogenannte Atmosphärische Flüsse. Die können sich auf Amel ganz spontan bilden. Das sind Höhenwinde, die viel mehr Feuchtigkeit als normale Luft enthalten. Wo sich ein solcher Fluss einmal gebildet hat, kann die Regenluft wochenlang den gleichen Weg entlang strömen.“

„Wochenlang?“, fragte Hepkaale. „Das muss genau das sein, was bei uns passiert ist.“

Zulaaya nickte. „Sowas kann sehr stabil sein. Normalerweise läuft dieser Fluss am Äquator entlang, deswegen regnet es hier so viel. Aber wenn der Fluss einmal sein gewohntes Bett verlassen hat, kann er überall hinführen. Je weiter ihr vom Äquator weg seid, desto weniger lang hält so ein Wetter an und desto seltener ist es.“

Sibüü sah erleichtert aus. „Das heißt, es hört bei uns bald auf zu regnen und unser Kohl verfault nicht auf den Feldern?“

Nun mischte sich Tachayul ein. „Der Kohl, den wir von der Sejereh mitgebracht haben, wird nicht verfaulen. Er wurde extra so gezüchtet, dass wochenlange Regenzeiten ihn nicht schlecht werden lassen.“

Hepkaale war Sibüü einen triumphierenden Blick zu.

„Oh“, sagte Sibüü. „Dann ist so viel Regen ja gar nicht so schlimm.“

Tachayul nickte. „Zumindest für Kohl nicht. Bei uns führt er nämlich doch zu Problemen.“

„Warum? Ihr müsst doch deswegen nicht verhungern.“

Zulaaya nickte. „Das nicht. Aber das Landeschiff versinkt immer weiter im Sumpf. So lange Wasser vor den Sensoren der Türen ist, lässt es sich nicht mehr öffnen. Also kommen wir nicht mehr rein und können keine Sachen mehr rausholen, bevor es versinkt.“

„Das ist wirklich doof für euch“, sagte Hepkaale.

„Was sind es denn für Sachen, die ihr daraus braucht?“, wollte Sibüü wissen.

Was sich dann an ihr Gespräch anschloss, war ein langer Vortrag der Siedler darüber, wer noch welche Sachen aus dem Landeschiff brauchte und was sie damit vor hatten. In allen Details beschrieben sie Hepkaale, wo ihre Sachen lagen und wie sie aussahen. Hepkaale hatte dabei das ungute Gefühl, dass das Plot-Device einen Haufen Tragearbeit für sie vorgesehen hatte.

Als alle mit ihren Erklärungen fertig waren, war es bereits so spät, dass es Zeit zum Mittagessen war. Es war ein richtiges Festmahl, dass die Siedler für sie auftischten und Hepkaale dachte, dass sie das wenigstens ein bisschen für die kommende Tragearbeit entschädigte.

„Man hat ja nicht alle Tage Ururur-irgendwas-Urenkel zu Besuch.“

Nach dem Essen, als Hepkaale dachte, dass ein Mittagsschlaf genau das Richtige für sie wäre, brummte und summte das Plot-Device wieder.

***

Als sie sich umschaute und die ungewohnte Umgebung sah, war ihr sofort klar, dass sie sich in dem Landeschiff befand. Zum Glück war Sibüü bei ihr, so dass sie die ganze Arbeit nicht alleine machen musste. Nach dem Essen fühlte sie sich noch immer viel zu träge für schwere Arbeiten.

„Toll!“, sagte Sibüü begeistert. „Im echten Landeschiff!“

Sie standen in der Mitte des Landeschiffs an einer Stelle, wo sich zwei Gänge kreuzten. Zwischen den Gängen an den abgeschrägten Ecken war jeweils eine Tür.

„Ich muss mir unbedingt alles anschauen“, sagte Sibüü. „Darf ich?“

Hepkaale nickte. „Wenn du etwas findest, dass die Siedler haben wollen, bring es hierher.“

„Mach ich“, rief Sibüü und lief den Gang entlang.

Hepkaale öffnete eine Tür. Es war eine geräumige Kabine mit gemütlich aussehenden Betten. Hepkaale gähnte. Fünf Minuten Mittagsschlaf würde sie sich gönnen, wenn sie schon mal die Möglichkeit dazu hatte. Sie suchte sich das größte Bett aus und legte sich hin.

***

„Hepkaale!“, rief Sibüü und weckte sie damit wieder auf. „Ich habe alles, an dass ich mich erinnern konnte, zusammengetragen.“

Hepkaale streckte sich. „Sehr gut“, sagte sie verschlafen. Sie hatte wohl länger geschlafen, als sie beabsichtigt hatte. Sie stand auf.

„Das Landeschiff ist toll!“, sagte Sibüü. „Wenn es hier sowieso im Sumpf versinkt, meinst du, wir könnten es mitnehmen?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Das wird das Plot-Device bestimmt nicht zulassen.“

„Es wäre aber toll. In Tirüplet würde es bestimmt nicht im Sumpf versinken.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Wenn wir es mitnehmen würden, würde es bei uns bestimmt auch so viel regnen wie hier.“

„Schade. Es wäre schön, sowas zu Hause zu haben.“

Hepkaale schaute den Haufen Sachen, die Sibüü zusammengetragen hatte, durch. Ihr fielen noch ein paar Sachen ein, die sie noch suchen mussten. Als sie zehn Minuten später die letzte der Sachen, an die Hepkaale sich erinnern konnte, auf den Haufen legten, summte und brummte das Plot-Device wieder.

***

Als das Summen und Brummen nachließ, standen Hepkaale und Sibüü wieder im Regen. Hepkaale öffnete ihre Augen. Sie standen mitten in dem Ort auf dem Weg, direkt am Ufer des Sees, in dem das Landeschiff versank. Von den Siedlern war nichts zu sehen.

„Na toll“, sagte Hepkaale. „Da suchen wir deren Zeug zusammen und dann lassen sie uns alleine.“

„Ich werde schon wieder nass“, jammerte Sibüü. „Wann kommen wir endlich nach Hause zurück?“

„Du kennst das Plot-Device doch“, sagte Hepkaale streng. „Erst wenn es genug davon hat, uns zu ärgern, dürfen wir nach Hause.“

„Aber Hepkaale“, jammerte Sibüü weiter, doch ein lauter Ruf unterbrach sie. Kurz darauf kamen die Siedler aus ihren Häuser.

„Da seid ihr ja wieder. Wir dachten schon, ihr wärt verschwunden.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Das Plot-Device war der Meinung, wir sollten euren Krempel aus dem Landeschiff holen. Da ist er.“ Sie zeigt auf den Haufen Zeug, den sie aus dem Landeschiff mitgebracht hatten.

Die Siedler bestürmten Hepkaale mit Danksagungen. Eigentlich, dachte sie, gebührte der Dank mehr Sibüü als ihr, denn sie hatte ja die ganzen Sachen zusammengetragen. Aber dann sah sie, dass Sibüü genauso mit Danksagungen überhäuft wurde und ihr schlechtes Gewissen war beruhigt.

Nachdem alle ihren Dank losgeworden waren, dauerte es nicht mehr lange, bis das Brummen und Summer der Plot-Devices das Ende des Abenteuers ankündigte.

***

Wieder Regen, diesmal aber nicht so kräftig. Hepkaale öffnete ihre Augen und sah, dass sie vor ihrem Haus standen.

„Schon wieder Regen“, sagte sie zu Sibüü.

„Aber es ist unser eigener Regen. Der ist viel besser als der von Hubüwot. Ich werde mich nie mehr über unseren eigenen Regen beschweren.“

Hepkaale lächelte. „Ich werde dich bei Gelegenheit daran erinnern.“

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