Hepkaale und der Sumpf von Hubüwot – Teil 1

hepkaale_header„Hepkaale, du musst dir was gegen dieses feuchte Wetter einfallen lassen.“

Hepkaale seufzte. „Warum immer ich?“

Ihre kleine Schwester Sibüü ließ nicht locker.

„Du hast ein Plot-Device. Damit kannst du bestimmt etwas dagegen tun, dass es so oft regnet. Ich habe die Nase voll von schlechtem Wetter.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Wie sollte das Plot-Device etwas gegen schlechtes Wetter ausrichten können?“

„Aber Hepkaale“, beharrte Sibüü. „Bestimmt wird der ganze Kohl auf dem Feld schlecht, wenn es so weiter regnet. Dann haben wir nichts mehr zu essen.“

„Nein, Sibüü, ich benutze das Plot-Device nicht.“

Doch es kam natürlich, wie es kommen musste und irgendwann hatte Sibüü es geschafft, ihre Schwester zu überreden.

***

Das Plot-Device summte und brummte und kurz darauf waren sie irgendwo angekommen. Noch bevor Hepkaale ihre Augen öffnete, merkte sie, dass es regnete. Dann korrigierte sie ihre Gedanken, es regnet nicht einfach nur sondern goss wie aus Eimern.

Als sie ihre Augen ein paar Sekunden später öffnete, war sie schon durch und durch nass.

„Das hast du ja gut hingekriegt“, wandte sie sich vorwurfsvoll an ihre Schwester.

„Ich war das gar nicht“, widersprach Sibüü. „Außerdem regnet es hier noch mehr als bei uns.“

Hepkaale schaute sich um. Sie waren in einem dichten Wald gelandet. Bäume, Lianen, Unterholz… Alles klitschnass vom Regen. Warum ließ sie sich nur immer von Sibüü dazu überreden, das Plot-Device zu benutzen? Sie wusste doch gut genug, dass es immer nur zu Problemen führte. Warum gelang es ihr nicht, daraus zu lernen?

Sie schaute sich nochmal gründlicher um, aber die Welt sah dadurch auch nicht besser aus. Hoffentlich war das Plot-Device nicht der Meinung, dass Sibüü mal ein paar Tage in richtig heftigem Regen verbringen sollte, um den Regen zu Hause nicht mehr schlimm zu finden. Auf allen Seiten gab es nur nassen Wald und dahinter noch mehr nassen Wald.

„Was machen wir nun?“, fragte sie ihre kleine Schwester. „Es war schließlich deine Idee, dass wir das Plot-Device benutzen sollten.“

Sibüü schaute sich um und antwortete dann kleinlaut: „Ja, schon, aber hier ist es noch nasser als zu Hause. Ich will zurück nach Hause.“

Hepkaale schaute ihre Schwester streng an.

„Ich weiß auch nicht, was wir nun tun sollen“, sagte Sibüü schließlich.

Hepkaale seufzte. „Na toll. Jetzt sind wir hier, regnen nass und wissen beide nicht, was wir tun sollen. Ich habe dir ja gleich gesagt, dass das Plot-Device bei schlechtem Wetter nicht hilft.“

„Hepkaale“, jammerte Sibüü. „Ich will nach Hause.“

„Das hättest du dir vorher überlegen sollen. Komm, wir schauen mal, ob es hier irgendwo einen Weg gibt.“

Es dauerte eine Weile, bis sie einen Weg gefunden hatten. Es war mehr ein Wildwechsel als ein Weg, aber wenigstens bot er ihnen eine Möglichkeit voran zu kommen. Nach zehn Minuten kamen sie auf einen breiteren Pfad, des aussah, als wäre er von Menschen angelegt worden.

Wenn es hier Menschen gab, dachte Hepkaale, dann hätten die auch ein Haus. Menschen, die mitten im Wald wohnten, waren immer gastfreundlich, dort würden sie bestimmt ihre nassen Sachen trocknen können. Jetzt musste sie nur noch rausfinden, ob sie sich nach rechts oder nach links wenden sollte. Spontan entschied sich Hepkaale für den Weg nach rechts, denn der führte leicht bergab, also ging es sich da einfacher als bergauf.

***

Zwei Stunden später kamen sie an den Rand eines kleinen Ortes, ein paar Häuser, die dicht beieinander standen.

„Komm, Sibüü“, rief Hepkaale ihrer Schwester zu, die ein Stück zurück geblieben war. „Hier ist ein Ort.“

Sibüü gab nur ein mürrisches Brummen als Antwort. Als Hepkaale dem Ort näher kam, sah sie, dass es so etwas wie einen zentralen Platz gab, um den herum die Häuser errichtet worden waren. Der Platz war von kleinen Bäumen und Unkraut überwuchert und in der Mitte konnte Hepkaale Wasser sehen. Es spiegelte. Fast sah es so aus, als würde ein Objekt aus Metall direkt unter der Oberfläche liegen.

Mehrere Personen standen in fremdartiger Kleidung am Rand des Platzes und schauten auf das Wasser. Solche Kleidung hatte sie noch nie gesehen. Sie glänzte fast und alles war sehr farbenfroh, ganz im Gegensatz zur trüben Umgebung.

„Hallo!“, rief Hepkaale, als sie sich ihnen näherte. „Wir wurden vom Regen überrascht. Können wir…“

Die Leute drehten sich überrascht um und schauten Hepkaale erschrocken an.

„Wer bist du?“

„Wo kommst du her?“

„Was machst du hier?“

„Ich bin Hepkaale aus Tirüplet“, sagte sie. Diese Antwort schien den Leuten jedoch nicht zu reichen.

„Wie bist du hierher gekommen?“

„Ich dachte, wir wären die einzigen in Sma Azirk.“

„Wir kann das sein?“

„Vielleicht“, sagte Hepkaale, „kann ich euch mehr erzählen, wenn ihr mir erstmal sagt, wo ich hier bin. Ich bin im Moment etwas desorientiert.“

Ein älterer Mann, Hepkaale schätzte ihn auf ungefähr 50 Jahre, sagte: „Wir nennen diesen Ort Hübüwot.“

„Hubüwot?“, fragte Hepkaale. „Das kann nicht sein. Hubüwot sieht ganz anders aus als euer Ort hier.“

„Dieser Ort heißt nun mal Hübüwot.“

Eine Jugendliche mischte sich ein. „Wir sind vor drei Jahren mit unserem Landeschiff hier gelandet. Wir sind die ersten Siedler in Sma Azirk.“ Sie schaute Hepkaale eindringlich an. „Dachten wir zumindest, denn du bist ja auch noch da, und mit dir vielleicht noch andere?“

„Die ersten Siedler“, sragte Sibüü, die mittlerweile angekommen war, fasziniert.

„Außer meiner Schwester Sibüü ist sonst niemand hier“, stellte Hepkaale Sibüü vor.

„Wie cool“, sagte Sibüü an Hepkaale gewandt. „Das sind also unsere Ururur-irgendwas-ur-Großeltern.“

Die anderen schauten Hepkaale und Sibüü verwirrt an.

„Ich habe ein Plot-Device“, erklärte Hepkaale. „Das schickt mich mal hierhin und mal dahin und manchmal auch in andere Zeiten, wenn es das für notwendig hält.“

„Ein Plot-Device? Was ist das?“, fragte der ältere Mann.

„Davon musst du uns mehr erzählen“, sagte ein junges Mädchen von vielleicht neun Jahren.

Hepkaale nickte. „Ich kann euch gerne mehr davon erzählen, aber bitte irgendwo, wo es trockener als hier ist. Dieser Regen…“

„Hier regnet es eigentlich immer“, erklärte eine ältere Frau. „Deswegen versinkt hier auch alles im Schlamm. So wie unser Landeschiff mittlerweile fast ganz versunken ist“, sie deutete mit einem Kopfnicken auf den Platz, „so versinken auch unsere Häuser Stück für Stück.“

„Seit drei Monaten können wir das Landeschiff nicht einmal mehr betreten“, ergänzte ein Kind.

***

Fünf Minuten später saßen sie in einem großen Raum und Hepkaale erzählte den Siedlern von Tirüplet und ihrem Plot-Device. Irgendwann war es spät geworden und Sibüü ging zusammen mit den anderen Kindern ins Bett. Zum Glück für sie gab es im Gemeinschaftsschlafsaal ein freies Bett für sie. Zwei Stunden später gingen die Erwachsenen auch ins Bett, Hepkaale zusammen mit einem jungen Mann.

Hier geht’s zu Teil 2.

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