Die Kaninchen von Fusuwul

Der Strand von Fusuwul. Das Licht ist dämmerig, zwei schwache Sonnen beleuchten diese Seite des Planeten. Es sind Alpha und Beta, die zentralen Sterne des Systems, in dem sich Amel befindet. Der Stern Gamma, um den Amel kreist und mit dem zusammen Amel um Alpha und Beta kreist, ist von Fusuwul aus nicht zu sehen. Er bescheint die andere Seite des Planeten.

Für die Siedler von der Erde würde das dämmrige Licht so hell sein wie in einer trüben Vollmondnacht. Die beiden weit entfernten Sonnen sind zu schwach, um den Himmel deutlich zu erhellen, doch ihr Licht reicht aus, um auf der Insel Details zu erkennen. Alle paar Erdentage kommt es zu einer gegenseitigen Bedeckung der beiden primären Sterne. Für die Tiere auf Fusuwul ist diese Helligkeit normal, es ist für sie Tag.

Ein konstanter Wind aus tagwärtiger Richtung bringt Wärme und Nährstoffe nach Fusuwul. Dichte Vegetation bedeckt einen großen Teil der Insel. Pflanzen, die hocheffektive Photosynthese mit dem Licht von Alpha und Beta betreiben, überwuchern die Hügel, von denen die Insel bedeckt ist. Hinzu kommt Vegetation, die sich von den Nährstoffen ernährt, die der Wind von der Tagseite nach Fusuwul bringt.

Kopffüßler leben im umgebenden Meer und auch in den Seen und Flüssen, die sie in großer Vielfalt bevölkern. Es gibt einige Vogelarten, die sowohl im Meer als auch an Land leben. Hinzu kommen einige Tiere, die ausschließlich an Land leben. Die auffälligsten sind kleine, in vielen bunten Farben vorkommende Pelztiere, die ein wenig an die Kaninchen der Erde erinnern und die nur auf den tagwärtigsten Inseln Arphibyls beheimatet sind. Konsequenterweise werden sie von den Siedlern Arphibylsche Kaninchen genannt werden. Doch noch hat kein Mensch seinen Fuß auf eine der Inseln Arphibyls gesetzt und die noch namenlosen Kaninchen leben ihr Leben so, wie sie es seit Jahrtausenden gewöhnt sind.

Zwei oder drei ältere Kaninchen behalten den nahegelegenen Strand im Auge, falls ihnen aus dem Meer eine Gefahr drohen sollte, während ein paar andere den Himmel beobachten, um die ganze Gruppe bei Gefahr durch fliegende Jäger warnen zu können. Die anderen Kaninchen genießen den warmen Wind und fressen sich satt. Immer mal wieder wackelt eines der Kaninchen vielsagend mit den Ohren, um so seine Artgenossen auf eine besonders leckere Pflanze aufmerksam zu machen. Das Wackeln mit den Ohren ist eine Spezialität der arphibylschen Kaninchen, denn ihre Ohren geben beim Wackeln raschelnde Geräusche von sich, mit denen die Tiere miteinander kommunizieren.

Noch ist alles friedlich auf Fusuwul. Leichter Regen hängt in der Luft und sorgt für leichte Abkühlung. Die Gruppe Kaninchen ist am Fressen und Wache halten und die beiden Sonnen stehen schon recht tief und werden in Kürze untergehen. Es sind keine Feinde der Kaninchen zu sehen und auch die Wachkaninchen sind entspannt und knabbern an Pflanzen in ihrer Nähe.

Dann ist ein leises Rauschen zu hören, das schnell lauter wird. Die Wachkaninchen können die Ursache des Rauschens noch nicht sehen, doch als es immer weiter anschwillt, geben sie Alarm. Binnen Sekunden hat sich die ganze Gruppe unter einem Baum mit weit herunter hängenden Zweigen eingefunden. Die Wachkaninchen stehen am Rand ihres Verstecks und schauen sich um, wo der plötzliche, immer lauter werdende Lärm herkommt. Die übrigen Kaninchen kauern sich zusammen. Keine Bewegung ist zu hören, kein einziges Ohr wackelt.

Dann kommt ein leuchtender Punkt in Sicht, der immer größer und heller wird und schon bald die beiden Sonnen überstrahlt. Die Wachkaninchen ziehen sich vom Rand des Baumes zurück zu den anderen Kaninchen. Ein Jungtier gerät in Panik, wird jedoch von den älteren Tieren schnell gebändigt.

Immer näher kommt das Licht und das Brausen. Schon können die Kaninchen das Licht durch die Blätter der Bäume schimmern sehen und können erkennen, dass es mehrere Lichter sind. Dann ist ein riesiges, glänzendes Objekt zu sehen, das vom Himmel herab geglitten kommt und schließlich mit lautem Getöse und einem deutlichen Zittern des Bodens im Sand zwischen dem Versteck der Kaninchen und dem Meer landet.

Erstarrt vor Schreck beobachten die Kaninchen das Objekt scharf. Das Brausen ist mittlerweile verstummt und die Lichter sind dunkel geworden, doch ein Summen wie von Millionen Insekten ist noch zu hören. Dann zischt es und eine Klappe öffnet sich an der Seite des Dinges. Alle Augen der Kaninchen sind nun auf das Ding gerichtet, aus dem seltsame Wesen, wie sie noch nie welche gesehen haben, herauskommen.

Die Wesen verteilen sich und schauen sich um. Dabei werden sie von den Kaninchen argwöhnisch beobachtet. Sie schauen sich ihre Umgebung an und eines der Wesen entdeckt die Kaninchen. Es gibt seltsame Geräusche von sich und kurz darauf stehen sechs der Wesen vor den angsterfüllten Kaninchen und schauen sie an. Sie geben wieder Geräusche von sich. Dann drehen sie sich um und gehen zu ihrem Objekt zurück.

Die Wachkaninchen teilen den anderen mit, dass sie in der Nähe der Wesen vorsichtig sein sollen, diese aber wohl nicht gefährlich sind. Nur ganz langsam wagen sich die Kaninchen eines nach dem anderen wieder unter ihrem Baum hervor und fressen weiter.

Nach einer Weile hört es auf zu regnen. Die Kaninchenohren wackeln schon wieder. Damit ist ein weiteres Kapitel in ihrem Leben abgeschlossen. Die Sonnen schicken ihre letzten Strahlen über den Horizont und gehen dann unter.

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