Gespensterjagd auf dem Raumschiff

„Los, komm, Kaminescho, wir müssen wissen, ob es das Gespenst gibt.“

Rasas und Kaminescho schwebten so leise sie konnten durch den Verbindungsgang. Sie durften um diese Zeit nicht hier sein. Wenn sie erwischt würden, dann würden sie eine ganze Menge Ärger bekommen. Es war Rasas Idee gewesen, dass sie Nachts auf Gespensterjagd gehen würden. Kaminescho hielt den ganzen Ausflug für ziemlich sinnlos, aber Rasas hatte ihn überredet, also machte er mit.

Sie schwebten durch den unbeleuchteten Verbindungsgang. Kaminescho fragt sich, warum er sich von ihr hatte überreden lassen, mitten in der Nacht aus seiner Wohnung zu schleichen und mit ihr zusammen in ein Rettungsschiff einzubrechen. Warum konnte sie ihn immer wieder zu so etwas überreden?

Die Zugangsschleuse war kein Problem. Kaminescho hatte genug Ahnung von den Computern der Sejereh, um die Tür ohne Warnung an die Zentrale zu öffnen. Drei Minuten später konnten sie das Rettungsschiff, dass an einem der Module befestigt war, betreten.

„Los schnell“, sagte er zu Rasas. „Sonst müssen wir noch drei Minuten warten, bis es wieder hier ist.“

Er schob sie vor sich her in die Schleusenkammer. Dann öffnete sich der Zugang und sie waren im Schiff drin. Kaminescho fand die absolute Ruhe in dem leeren Schiff gespenstisch. Manchmal knackte eines der Systeme, aber davon abgesehen herrschte völlige Stille. Außerdem roch es seltsam in den Rettungsschiffen. Er wusste nicht genau, warum es so war, aber er hatte es bisher in jedem Rettungsschiff, in dem er war, gerochen.

„Hier müsste es gut sein“, flüsterte Rasas und holte das aufklappbare Stativ aus ihrem braunen Stoffbeutel.

„Du musst nicht flüstern“, flüsterte Kaminescho zurück. „Hier kann uns keiner hören.“

„Außer den Gespenstern.“ Rasas Hinweis war genauso leise wie Kamineschos Antwort: „Es gibt keine Gespenster.“

„Aber um das sicher zu wissen, müssen wir jetzt leise sein.“

Kaminescho seufzte. Gegen Rasas Argumente kam man einfach nicht an. Sie hatte immer noch etwas zu sagen und am Ende war man der gegenteiligen Meinung, die man vorher gehabt hatte. Warum fand er Rasas dann trotzdem so toll? Er strich sie seine lockigen Haare aus der Stirn.

„Wann ist es soweit?“, fragte er sie.

Sie steckte den Fotoapparat auf das Stativ. Dann raschelte es, als sie in ihrem Beutel kramte. Sie zog eine Uhr mit leuchtenden Zeigern hervor.

„Zwölf Minuten noch. Wenn die Glocke dieser Uhr Mitternacht schlägt, dann löst der Fotoapparat aus.“

„Um nicht vorhandene Gespenster zu fotografieren.“

Er konnte sie lächeln hören, als sie „Genau!“ sagte. Dann fügte sie noch hinzu: „Warum kochst du uns nicht einen Früchtetee? Es ist ganz schön kalt hier.“ Sie zog ihren Strickpullover demonstrativ am Hals zusammen.

Kaminescho brummte zustimmend. In den Rettungsschiffen war es immer kühl, wenn sie nicht gerade in Benutzung waren.

Fünf Minuten später stand er wieder neben Rasas und sie hielten beide dampfenden Tee in der Hand. Die beiden gingen zur Schleuse und warteten vor der Schleusentür darauf, dass es Mitternacht wurde.

Dann schlug die Glocke plötzlich zwölf Uhr und mit einem in dem stillen Rettungsschiff unnatürlich lauten Klack löste der Fotoapparat aus.

„Siehst du!“, sagte Kaminescho zu seiner Freundin. „Ich habe dir doch gesagt, dass hier kein Gespenst unterwegs ist.“

Rasas nickte. „Ich weiß. Aber jetzt haben wir ein Foto, das beweist, dass hier keines ist, und das ist doch viel besser.“

Sie warfen ihre Teebeutel in den Mülleimer. Dann griff Rasas nach Kamineschos Hand. Mit der anderen nahm sie das Stativ mit der Kamera und so verließen sie Hand in Hand das Rettungsschiff. Als die Schleusentür sich schloss, sah man eine Klappe in der Decke aufgehen und ein Gespenst schaute daraus hervor.

Dann sank der Vorhang nieder und Applaus erklang in der Versammlungshalle der Sejereh.

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