Abenteuer mit dem Aerobictrainer

Khador und Zarka saßen in einem unbenutzten Lagerraum und lasen in einem Buch, das sie nicht haben sollten. Das Buch hatten sie bei Alsana in einer verschlossenen Kiste gefunden. Normalerweise zumindest war die Kiste verschlossen, denn an diesem Tag war sie nur zugeklappt. Das Buch war bestimmt interessant. Erwachsene hielten schließlich die meisten interessanten Sachen geheim. Und so hatten sie das Buch genommen und in ihrer Tasche versteckt.

Drei Stunden später hatten die beiden endlich Gelegenheit, sich in ihrem Versteck zu treffen. Khador hatte das Buch dabei und Zarka hatte eine Lampe besorgt. Sie setzten sich in eine Ecke und schlugen das Buch auf. Das Buch hieß „Abenteuer mit dem Aerobictrainer“.

„Abenteuer“, stelle Zarka fest. „Das klingt doch vielversprechend.“

Khador nickte und blätterte weiter. Die nächsten Seiten erhielten viel Text. In dem ganzen Buch schien es keine Bilder zu geben. Fest entschlossen, das Buch trotzdem zu mögen, blätterte er wieder zum Anfang.

Zarka begann vorzulesen: „Olivias eleganter, weiblicher Körper, der von ihrem sehr knappen Bikini mehr umschmeichelt als umhüllt wurde, glänzte vor Schweiß, als sie in das leere Schwimmbecken, an dessen Rand der wundervoll muskulöse Aerobictrainer in seiner knappen, fast transparenten Badehose stand, stieg.“

Sie machte eine Pause. Die Sätze in diesem Buch waren ganz schön lang. Sie konnte zwar alle Wörter lesen – sie waren schließlich schon in der zweiten Klasse – aber so lange Sätze war sie nicht gewöhnt.

„Lies weiter“, sagte Khador, der noch nicht so gut wie sie lesen konnte.

Sie nahm das Buch und las den nächsten Satz. Wie sich herausstellte, schwamm Olivia in einem Schwimmbecken, immer hin und her, während der Aerobictrainer um das Schwimmbecken herum ging und sie beobachtete.

„Sie merkte“, las Zarka vor, „dass ihm gefiel, was er durch die vollkommen ebene Oberfläche des Wassers, die glatt wie ein Spiegel aber sehr viel durchsichtiger war, von ihr sehen konnte.“

„Wie kann denn das Wasser in dem Becken eben sein?“, unterbrach Khador sie und schüttelte den Kopf. „Das muss doch gekrümmt sein, sonst gäbe es doch keine Schwerkraft.“

„Hmm“, überlegte Zarka. „Das stimmt. Eigentlich kann das Wasser nicht eben sein. Zumindest nicht, wenn es genug ist, dass man darin schwimmen kann.“

„Stimmt“, sagte Khador. „Diese Olivia schwimmt eindeutig darin, also muss es auch genug Wasser sein.“

„Und damit muss es auch gekrümmt sein.“

„Warum versteckt Alsana ein Buch, dass so schlecht ist, dass Wasser falsch in einem Schwimmbecken ist? Jedes Kind weiß doch, dass Wasser gekrümmt ist wegen der Schwerkraft der Module.“

„Vielleicht hat sie es versteckt, weil es so schlecht ist?“

Khador nickte. „Das muss es sein. Außerdem ist das Buch langweilig. Die Olivia schwimmt ja nur hin und her und der komische Aerobictrainer steht am Rand und schaut ihr zu. Was ist daran schon besonderes? Ich habe dir ja auch schon beim Schwimmen zugeschaut.“

„Ich habe eine Idee. Was hältst du davon, wenn wir Alsana ihr Buch zurückbringen?“

Khador war noch skeptisch. „Was sagen wir ihr? Wir haben es schließlich ohne Erlaubnis genommen.“

Zarka nickte. „Das stimmt. Aber wenn wir ihr sagen, dass das Buch wirklich so schlecht ist, dass es versteckt werden sollte, dann ist sie bestimmt stolz auf uns.“

Khador lachte. „Das stimmt. Lass uns das machen.“

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