Der Pferdehusten von Scha’ihn

Pitait war auf dem Weg nach Köchucht. Die Bewohner von Scha’ihn hatten ihn ausgewählt, in die Hauptstadt der Insel zu reisen, um dort ein Mittel gegen den um sich greifenden Pferdehusten in Scha’ihn zu erbitten.

Pitait wusste nicht, ob die Leute aus Köchucht ihnen helfen können würden, aber er musste es versuchen, denn so wie bisher konnte es nicht weiter gehen. Alle Pferde des Dorfe und die meisten Ochsen waren davon befallen. Selbst Schafen und Hunden macht es zu schaffen. Lediglich sein Elefant schien davon nicht betroffen zu sein. Wahrscheinlich hatten sie ihn deswegen ausgewählt, in die achtzig Kilometer entfernte Stadt zu reisen und Hilfe zu erbitten.

Pitait war noch nie jenseits des Bergrückens gewesen, denn in Scha’ihn gab es fast alles, was sie brauchten. Mit seinen 93 Einwohnern war es der größte Ort im weiten Umkreis. Sein Vater hatte an der Straße nach Tülalörg ein Gasthaus mit Laden eröffnet. Damit hatte er gut verdient, und als vor zehn Jahren ein älterer Mann mit dem Elefanten bei ihnen übernachtete und bei einer Schlägerei tödlich verletzt wurde, hatten sie den Elefanten geerbt.

Pitait mochte das Tier. Es war zwar groß und schwerfällig, aber auch gutmütig und schien ihn genauso in sein Herz geschlossen zu haben wie umgekehrt. Und für das Dorf war der Elefant ein Glücksfall, das konnte man nicht anders sagen. Pitait musste lächeln, als er daran dachte, wie der Elefant unter seinem Kommando einen Baumstamm von der Straße gezogen hatte, der bei einem Sturm umgekippt war. So ein Elefant war besser als die Wagen mit Laserkontrolle, die es angeblich auf der Sejereh gegeben haben sollte. Schließlich konnte so ein Elefant selber nachdenken und man musste ihm nicht jeden einzelnen Schritt diktieren.

Pitait hatte sich schon oft gefragt, ob das Leben auf dem Raumschiff wirklich so war, wie sie es sich immer erzählten. Mit mobilen Sprechgeräten und automatischen Wagen und mit wechselnder Schwerkraft. Vor allem letzteres konnte er sich nur schwer vorstellen. Wie sollte man denn leben können, wenn die Schwerkraft sich änderte und in jedem Raum anders war?

Wenn er so wie auf dieser Reise genauer über das Leben bei ihnen und die Geschichten von der Sejereh nachdachte, fragte er sich manchmal, wie die ersten Menschen auf Amel es geschafft hatten zu überleben. Waren sie dann regelmäßig gegen Wände gelaufen oder hingefallen, weil sie die Schwerkraft nicht gewöhnt waren? Und wie war das mit Regen und Wind auf dem Raumschiff? Pitait konnte sich an keine einzige Geschichte erinnern, wo das Wetter erwähnt wurde. Aber es musste doch auch dort Wetter gegeben haben, denn Pflanzen brauchten doch Regen und Wind, damit sie überleben konnten. Woher sollten die Pflanzen ohne Wind schließlich ihre Energie beziehen?

Andererseits mussten die medizinische Versorgung auf dem Schiff wohl unglaublich gut gewesen sein, wenn man den Geschichten glauben konnte. Die Leute von der Sejereh hätten bestimmt in Nullkommanix ein Gegenmittel für den Pferdehusten gefunden.

Was war wohl aus dem Raumschiff geworden, nachdem die Bewohner auf dem Planeten gelandet und die sieben Landungsstädte gegründet worden waren? Ob die Leute in Köchucht das wohl wussten? Hatten wohl alle Leute das Schiff verlassen, oder lebten auf ihm womöglich noch immer die Nachfahren der Leute, die nicht auf dem Planeten landen wollten? Gab es womöglich in Köchucht eine Möglichkeit, mit diesem Leuten Kontakt aufzunehmen und sie um Hilfe zu bitten? Angeblich sollte es in Köchucht allen möglichen technischen Schnickschnack geben, den es nirgends sonst gab, vielleicht gab es auch so eine Möglichkeit.

Pitait seufzte. Es wäre wohl zu schön, wenn sich das Problem mit dem Pferdehusten so einfach lösen lassen würde.

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3 Antworten zu Der Pferdehusten von Scha’ihn

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  2. 500woerterdiewoche schreibt:

    Köchucht oder Köchlucht?

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