Die Suppenkugel

Die Geschichte mit der Suppenkugel fing ganz harmlos an, nämlich damit, dass Wazai und Laylaka von ihrer Lehrerin beauftragt wurden, einen Topf Suppe zum alten Batik in Modul Gamma vier zu bringen. Sie hatten das schon öfter gemacht, denn ihrer Lehrerin war der Meinung, dass die Geschichten, die der alte Batik den Kindern dann immer erzählte, sehr lehrreich waren. Also ließ sie jeden Freitag zwei Kinder den Topf Suppe rübertragen. Und diesmal waren Wazai und Laylaka dran.

Laylaka nahm den Topf und Wazai öffnete ihr die Türen. Bis zum Übergang in den Gamma-Bereich der Sejereh verlief ihr Weg auch ohne Probleme, aber dann war der Durchgang wegen irgendwelchen Arbeiten gesperrt und sie mussten dem Umweg über den Delta-Gamma-Verbindungsgang nehmen. Und als sie den betraten, fing ihr Abenteuer so richtig an, denn der Delta-Gamma-Verbindungsgang rotierte nicht und hatte damit auch keine Schwerkraft.

Wazai stieß sich kräftig ab und schwebte den Gang entlang. Laylaka folgte ihm. Doch während sie dem anderen Ende entgegen schwebte, bemerkte sie, dass mit der Suppe etwas nicht in Ordnung war, denn sie stieg an den Wänden des Topfes hoch.

„Hey! Was soll das?“, rief sie und Wazai schaute sich zu ihr um. Da hatte die Suppe schon den Rand des Topfes erreicht und die heiße Suppe begann, die Außenseite des Topfes entlang zu fließen. Wenn die ihre Finger erreichen würde, würde sie sich ganz schön verbrennen.

Wazai ergriff einen der Handgriffe und bremste so ab. Wenn Laylaka ihn erreichte, würde er sie bremsen können. Er hoffte nur, dass das auch das Problem mit der Suppe lösen würde. Langsam kam sie näher und starrte schockiert auf die Suppe, die sich immer weiter an der Außenseite des Topfes ausbreitete.

Als sie nah genug war, schlang er seinen Arm um ihre Hüfte und hielt sie an. Was daraufhin passierte, überraschte sie beide, denn die Suppe lief wieder zurück, dann aber nicht wieder in den Topf rein sondern löste sich ab und bildete zusammen mit der Suppe, die noch im Topf geblieben war, eine Scheibe oder ein Knäul, das sich langsam weiter vom Topf entfernte, dabei immer runder und schließlich zu einer Kugel wurde. Sie bewegte sich langsam durch den Gang und drehte sich dabei langsam. Es sah sehr seltsam aus, mit den kleinen Kräuterstückchen, die sich wie Kometen in einem Sonnensystem drehten. Die Kugel näherte sich beim Schweben immer mehr der linken Wand an.

Laylaka schaute der Kugel mit offenem Mund hinterher. Dann sagte Wazai: „Komm, wie müssen unbedingt die Suppe einfangen, bevor sie mit einer Wand zusammenstößt.“

Die beiden stießen sich kräftig ab und schwebten der Suppe hinterher und überholten sie. Zum Glück war die Kugel relativ langsam unterwegs, so dass sie das Ende des Verbindungsgangs erreichten, bevor die Suppe dort war. Als Laylaka den Topf der Suppe entgegen streckte, sah sie, dass die Suppenkugel breiter als der Topf war.

„Du musst unbedingt alles einfangen“, sagte Wazai.

„Dann lass dir schnell etwas einfallen, wir du die Kugel schmaler bekommst.“

„Wie?“

„Vielleicht kannst du Pusten?“

Wazai fing sofort an, gegen die langsam näher kommende Suppenkugel zu pusten, und gerade so gelang es Laylaka, den größten Teil der Suppe wieder einzufangen und durch die Tür ins nächste Gamma-Modul zu bringen, bevor die heiße Flüssigkeit den Topf wieder verlassen konnte. Lediglich ein paar Tropfen waren daneben gegangen und hatten sie getroffen. Aber bei ihrer bunten Hose würde das niemandem auffallen.

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5 Antworten zu Die Suppenkugel

  1. Pingback: Results for week beginning 2015-06-22 | Iron Blogger Berlin

  2. 500woerterdiewoche schreibt:

    Das endet aber abrupt 😦

    • Also, ich fand die Stelle, wo das Abenteuer zu Ende ist, eine gute Gelegenheit zum aufhören. Aber vielleicht gibt es ja irgendwann ein Widersehen mit den beiden… Ich habe da schon eine Idee 🙂

      • 500woerterdiewoche schreibt:

        Ich bin gespannt…

        Mit abrupt meinte ich vor allem, wie kurz du es dann abhandelst, dass sie die Suppe wieder einfangen, und zack, alles kein Problem mehr, Abenteuer vorbei. Wenn du das damit vergleichst, wie viel Vorgeschichte über eine Person, die nicht mal auftaucht, der Anfang enthält, entsteht einfach ein Ungleichgewicht.

      • Ah, so ist das gemeint. Ja, da sollte ich in Zukunft mehr drauf achten.

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