Der Zweite der Tage von Tewila

Jihndy war Wächter im Auftrag des Königs von Alewalla. Sie waren ausgesandt worden, um den Bürgermeister von Tewila zu verhaften und in der Stadt wieder für Ordnung zu sorgen. Gestern hatten sie die Stadt erreicht, waren jedoch auf überraschend heftigen Widerstand der Einwohner gestoßen. Es gab auf beiden Seiten Verletzte und Tote. Daraufhin hatten sie sich zurückgezogen und ein paar Kilometer vor der Stadt auf einer Waldlichtung ihr Quartier aufgeschlagen.

Sie hatten sich um ihre Verletzten gekümmert, ihre Ausrüstung überprüft und sich ausgeruht. Kundschafter waren ausgesandt worden, um die Umgebung der Stadt zu erkunden und herauszufinden, was die Stadtbewohner vor hatten.

Jihndy und fünf weitere Wächter waren zu einem nahegelegenen Hof geschickt worden, um dort ihre Vorräte zu ergänzen. Jihndy klopfte kräftig an die Tür.

„Im Namen des Königs! Aufmachen!“

Sie musste ein zweites und ein drittes Mal klopfen, bis endlich die Tür geöffnet wurde.

„Wir sind die sechste Wächterkompanie des Königs und wir würden von ihnen gerne Lebensmittel kaufen“, sagt sie und schaute den älteren Mann, der in der Tür stand, streng an.

Der Mann musterte sie und ihre Begleiter und sagte dann: „Wir verkaufen keine Lebensmittel außerhalb des Marktes.“

Jihndy sah, wie ihre Begleiter ihrer Schwerter fester griffen. Jihndy machte eine beruhigende Handbewegung.

„Für den König werden Sie von ihrer Regel eine Ausnahme machen“, sagte sie bestimmt. Als der Mann nicht sofort reagierte, fügte sie hinzu: „Wenn nicht, sind wir berechtigt, was wir brauchen zu beschlagnahmen.“

„Wenn das so ist“, sagte der Mann sarkastisch, „dann verkaufte ich natürlich gerne.“

Jihndy nickte. Der Mann führte sie in eine Scheune, in der die Vorräte lagerten und die Wächter beluden ihren Karren mit allem, was sie brauchten. Jihndy akzeptierte den Preis, den der Mann ihr sagte, ohne zu diskutieren, auch wenn sie wusste, dass die lokalen Lebensmittelpreise hier deutlich niedriger lagen. Aber nachdem sie den Mann so überrumpelt hatten, fand sie die höheren Preise gerechtfertigt. Und wer wusste schon, wie lange sie hier noch lagern würden und ob sie die Dienste dieses Mannes noch öfter würden in Anspruch nehmen müssen.

Als Jihndy und ihre Gruppe zurück ins Lager kamen, lieferten sie die Lebensmittel ab und ruhten sich mehrere Stunden in ihrem Zelt aus. Dann wurde Jihndy zum Kommandanten gerufen.

„Jihndy“, sagte er, „ich habe einen Auftrag für dich und deine Gruppe. Alle Zugänge aus Westen in die Stadt sind mit Barrikaden geschützt und dazwischen haben sie ein Wachpostenkette aufgestellt. Deine Aufgabe ist es, mit deiner Gruppe einen Weg zu finden, wie wir den Nihr Bablali überqueren und aus tagwärtiger Richtung in die Stadt eindringen können, sofern dies möglich ist. In acht Stunden erwarte ich euren Bericht. Wegtreten.“

Jihndy ging zu ihrer Gruppe zurück und berichtete von ihrem Auftrag. Sie setzten ihr Marschgepäck auf und folgten dann dem Fluss, der an der Rückseite ihres Camps verlief, flussaufwärts, um einen möglichen Übergang zu finden.

Es dauerte fast eine Stunde, bis sie eine Möglichkeit gefunden hatten, das breite Gewässer mit Gepäck zu überqueren. Danach gingen sie etwas tagwärts des Nihr Bablali durch den Wald, um sich der Stadt aus tagwärtigen Richtung zu nähern. Als sie die ersten Häuser erkennen konnten, mussten sie jedoch feststellen, dass auch hier Wachposten aufgestellt worden waren. Sie schlugen sich durch den Wald durch, bis sie den Tewila im Norden der Stadt erreicht hatten und kehrten um, als sie sahen, dass auch auf dem anderen Ufer Posten standen.

Als sie wieder im Camp waren, erstatteten sie Bericht und danach gingen sie in ihr Zelt, um zu schlafen und für den nächsten Tag fit zu sein.

Den ersten Tag von Tewila findet ihr hier, den Dritten hier und den Vierten hier. Einen Stadtplan findet ihr hier.

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3 Antworten zu Der Zweite der Tage von Tewila

  1. Pingback: Results for week beginning 2015-04-20 | Iron Blogger Berlin

  2. 500woerterdiewoche schreibt:

    Das gibt aber noch ne Fortsetzung, oder? 😉

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