Über den Pass von Ülem

Mufuti schaute sich um. Ihre Händlergruppe hatte gerade den Pass von Ülem überquert und schaute nun in das Tal, durch das der Weg nach Tufüch führte. Es war Mufutis erste Reise mit der Karawane und sie staunte darüber, wie anders die Pflanzen hier waren verglichen mit der tagwärtigen Küste, an der sie bisher unterwegs gewesen war.

Das Tal lag im Dunkeln, wie sie auch erwartet hatte. Aber was sie nicht erwartet hatte, war der schwache Schimmer, der die tagwärtigen Hänge bedeckte. Sie stand mit offenem Mund da und staunte.

Stöli legte ihr eine Hand auf die Schulter: „Heute sehen sie besonders schön aus. Wenn die Özmö’ülem blühen, leuchten die ganzen Hänge.“

„Es ist wundervoll“, stimmte Mufuti zu. „Wie es wohl ist, wenn man mitten drin steht?“

Stöli schüttelte den Kopf. „Nicht halb so schön. Du siehst die einzelnen Blüten, die jeweils nur ganz schwach leuchten und größtenteils dunkel sind. Aber von hier, wo man alle auf einmal sieht, sieht es aus, als würde der ganze Hang leuchten.“

Mufuti nickte. „Dann genieße ich es noch ein wenig von hier, oder wollen wir gleich weiter?“

Sie schaute sich um und sah, dass die anderen ihre Rucksäcke ablegten und die Tiere entluden.

„Traditionell machen wir hier eine Pause und zelebrieren die Überquerung der Berge.“

Stöli wandte sich ab und ging zur Karawane zurück. Mufuti ließ ihren Blick durch das Tal schweifen und suchte ihren Weg. In langen Serpentinen zog er sich am Hang entlang und führte hinab bis in den Talboden. Dann verlor er sich in der Dunkelheit und man sah nur noch das schwache Leuchten der Hänge.

Sie dachte, dass es wahrscheinlich gut war, dass der Weg hierher so lang war und schon vor dem Pass eine Weile im Schatten lag, denn dadurch hatten die Augen ein paar Tage Zeit, sich an die Dunkelheit hier zu gewöhnen, und so war der Anblick sicher noch viel spektakulärer, das erste Licht nach einer langen Nacht. Dann wurde sie von einem Ruf: „Es gibt Essen!“ aus ihren Überlegungen gerissen und ging zu den anderen zurück.

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