Die erste Landung in Arphibyl

Hopfüt stieg aus dem Landeschiff und schaute sich um. Das erste, was ihr auffiel, war, dass es noch dunkler war, als sie erwartet hatte. Dabei hatten sie in den letzten Wochen auf der Sejereh die Lichtverhältnisse, die sie hier erwarten würden, in einem Modul, in dem alle Personen lebten, die hier landen wollten, nachgestellt. Etwas mehr als die Hälfte der Landewilligen hatte in den letzten Wochen einen Rückzieher gemacht und war doch auf der Sejereh geblieben, so dass sie jetzt insgesamt 37 Personen in dieser angehenden Kolonie waren.

In tagwärtiger Richtung war ein roter Streifen am Horizont zu sehen und die ganze Landschaft war entsprechend in tiefrotes Licht getaucht. Von ihrem Landeplatz aus konnte Hopfüt über das Meer schauen und sah den Widerschein dessen, was eine Dämmerung sein musste, als Spiegelbild auf der Meeresoberfläche ein zweites Mal.

Ein überraschend warmer Wind wehte ihr ins Gesicht, so dass sie die Kapuze der warmen Jacke, die sie als Schutzkleidung angezogen hatte, absetzen konnte. Sie atmete die würzig riechende Luft tief ein. Sie konnte nicht zuordnen, nach was genau es roch, aber es war überraschend angenehm. Die letzten Tage hatte sie sich Sorgen gemacht, ob die Luft auf der Insel womöglich schlecht riechen würde und ihr davon übel werden würde. Jetzt merkte sie, dass sie sich ganz umsonst Sorgen gemacht hatte.

Sie konnte ein leises Rauschen hören, dass aus allen Richtungen zu kommen schien, immer wieder von lauterem Rauschen übertönt, dass links von ihr seinen Ursprung hatte. Sie schaut in die Richtung und konnte einen kleinen Hügel erkennen, der ihr die weitere Sicht versperrte. Als sie genauer hinschaute, konnte sie erkennen, dass es mehr ein Wall als ein Hügel war.

Sie schaute zu dem Landeschiff und sah, dass die anderen mittlerweile auch ausgestiegen waren und sich umschauten. Der Wind spielte mit den Haaren der Personen, die ihre Kapuzen bereits abgesetzt hatten. Manche der Siedler waren neugierig und erkundeten die Gegend.

Hopfüt bückte sich und berührte den Boden. Keiner von ihnen hatte jemals auf etwas anderem gestanden als auf den Außenwänden der Raumschiffmodule. Von den Landwirtschaftmodulen her kannte sie es, über eine Wiese zu gehen, doch die Wiesen waren immer so gebogen, dass man um das Modul herum gehen konnte. Hier war es anders. Der Planet unter ihnen erschien ihr völlig flach. Sie hatte Bilder von der Erde und auch welche von den anderen Kolonien auf Amel gesehen, aber Bilder waren einfach nicht das Gleiche. Wenn man selber auf einem Planeten stand… das war ein wunderbares Gefühl. Endlich hatten auch sie das Ende ihrer über tausendjährigen Reise erreicht.

Hopfüt stellte sich vor, was ihre Vorfahren wohl dafür gegeben hätten, wenn sie diesen Moment hätten erleben können. Eine generationenlange Reise nimmt ihr glückliches Ende und sie und die Anderen werden den Rest ihres Lebens auf diesem Planeten verbringen und hier eine Zivilisation aufbauen.

Hopfüt wandte sich in Richtung der kleinen Hügel, um dem An- und Abschwellenden Rauschen auf den Grund zu gehen. Die kniehohen Pflanzen, die hier den Boden bedeckten, fühlten sich an ihren Beinen lustig an. Glücklicherweise hatten sie keine Dornen, und eine Analyse durch einen Lander, die sie vor ein paar Monaten durchgeführt hatten, hatte ergeben, dass sie für Menschen ungefährlich waren.

Ein paar Minuten später hatte sie den Hügel erklommen und war sprachlos. Vor ihr lag eine Fläche, die von weißem Material bedeckt war. Den Abschluss der Fläche bildete das Meer, dessen Wellen auf den Strand, denn ein solcher musste es sein, trafen und sich dort brachen. Meterhohe Wellen, jede anders. Ein paar Vögel kreisten über dem Wasser oder schwammen obendrauf und wurden von den Wellen immer wieder hochgehoben. Ihnen schien das nichts auszumachen.

Der Wind war alles andere als gleichmäßig, mal war er stärker, mal schwächer, und er blies deutlich stärker als alles, was sie auf der Sejereh bisher erlebt hatte. Bei manchen Böen musste sie sich richtig gegen den Wind stemmen, um nicht weggeweht zu werden.

Der Stand war nicht eben, sah sie nun, sondern wies ein Wellenmuster auf. Der Wind und das Wasser schienen den Sand, denn um sowas musste es sich bei einem solchen Strand ja handeln, in dieses schöne Muster geformt zu haben.

Ein Stück links von sich sah sie einen kleinen Bach, der an der Seite des Hügels entsprang und dann in Schlangenlinien über den Strand floss, sich verzweigte und wieder zusammen floss und schließlich das Meer erreichte.

Als sie genauer hinschaute, sah sie, dass es noch mehr kleine Flussbetten am Strand gab, die jedoch größtenteils ausgetrocknet waren. Als sie den Strand genauer anschaute, konnte sie überall solche Spuren entdeckten, die sich nicht nur teilten und wieder zusammen fanden, sondern die sich auch überschnitten und kreuzten. Es schien fast so, als würde sich das Wasser nach jedem Regenschauer ein neues Bett suchen, durch das es ins Meer floss. Sie fragte sich, warum der ganze Sand nicht mittlerweile weggespült war, wo doch das Regenwasser immer neue Täler grub. Aber wahrscheinlich führten Wind und Meer dazu, immer wieder neuen Sand an Land zu spülen und sorgten so dafür, dass die Insel nicht abgetragen wurde.

Dann trat Lüsolü neben sie, schaute über den Strand und meinte nach ein paar Minuten: „Es ist wunderschön, oder?“

Hopfüt nickte. „Ich könnte stundenlang hier stehen und den Wellen zuschauen.“

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