Papopolipos kommt in dieser Geschichte nicht vor

Papopolipos ist gar kein auf der Sejereh üblicher Name, und deswegen heißt der Protagonist auch nicht so. In Wirklichkeit kommt Papopolipos gar nicht vor, und deswegen ist es auch nicht nachzuvollziehen, warum er gleich im ersten Satz erwähnt wird.

Andererseits habe ich keine Ahnung, wer in dieser Geschichte der Protagonist sein könnte, und da dementsprechend diese Geschichte auch keinen Helden hat, kann ich genauso gut mit Papopolipos anfangen wie mit allem anderen. Ich hätte auch mit dem Wetter und der Landschaft anfangen können. Das würde dann in etwa so klingen:

Die Spitze des Rabawohbergs war nicht zu sehen, denn sie war erstens in Wolken gehüllt und zweitens war niemand in der Nähe, der sie hätte sehen können. Es würde nämlich noch ein paar Minuten dauern, bis das Landemodul von der Sejereh landen würde, und selbst da war niemand an Bord. Und bis das soweit ist, schauen wir uns den Berg – oder zumindest das, was wir von ihm sehen können – noch etwas genauer an. Der Berg hat recht steile Flanken, die von irgendwelchem, bisher nicht näher bekannten Grünzeug überwuchert sind. Es könnten Bäume sein oder etwas ähnliches, vorausgesetzt, es gibt auf dem Planeten Bäume. Die Bergflanke erstreckt sich steil bis zum Meer, wo die Wellen unaufhörlich an die Felsen schlagen und versuchen, das Land immer weiter abzutragen. Ein paar Felsen ragen aus dem Meer hervor, sind aber nicht so hoch wie der Berg. Durch den beständigen Regen gibt es einige Bäche, die den steilen Hang hinab fließen und sich ins Meer ergießen.

Die Spitze des Berges ist, wie gesagt, nicht zu erkennen, da sie von den Wolken verhüllt wird. Wenn man vom Meer her den Berg hinauf gehen würde, so würde der Regen, je höher man steigt, immer schwächer werden, bis er schließlich in Nebel überginge, der immer dichter wird, so dass man irgendwann keine dreißig Meter weit mehr schauen könnte. Leider kann man das natürlich nicht machen, denn, wie schon gesagt, es ist ja niemand in der Nähe, und außerdem ist auf dem ganzen Planeten kein einziger Mensch.

Ihr könntet natürlich jetzt fragen, warum ich dann sage, dass man keine dreißig Meter weit schauen kann, aber das liegt natürlich daran, dass zwar im Moment keine Menschen auf dem Planeten sind, aber dass sich welche in der Umlaufbahn um Amel befinden, die das Ziel haben, den Planeten zu kolonisieren, nachdem sie über 1000 Jahre mit ihrem Raumschiff von der Erde hierher gereist sind. Aber das hat noch ein paar Minuten Zeit, also betrachten wir den Berg noch ein wenig.

Das Grünzeug, das an seinen Hängen wächst, ist natürlich nicht grün im irdischen Sinne, da die Sonne des Planeten eine geringere Temperatur hat und sich die Flora auf diesem Planeten daher an andere Farben angepasst hat. Aber das stört die Leute auf dem Raumschiff nicht, denn sie haben sich in den letzten Generationen, seit klar ist, dass sie diesen Planeten kolonisieren werden, genetisch bereits an das rötere Licht angepasst. Und dementsprechend hat das Grünzeug eben die Farbe, die die Leute, die später auf dem Planeten landen werden, als grün bezeichnen, eine im mittleren sichtbaren Spektralbereich.

Und mit dem ganzen Regen kann man eh die Farben nicht sonderlich gut erkennen, also ist es auch müßig, mehr Zeit als unbedingt nötig mit philosophischen Betrachtungen über die Bezeichnung von Farben und Spektralbereichen zu verbringen. Zumal das eigentlich spannende ja noch bevorsteht, und zwar in wenigen Minuten.

Wenn die dichten Wolken nicht wären, könnten wir es mit einem guten Fernrohr schon am Himmel sehen, ein leuchtender Punkt, der sich langsam unserer Position nähert, aber noch sehr weit entfernt ist. Wir könnten ihn nur erkennen, wenn wir genau wüssten, wo wir suchen müssen, und wenn wir ein entsprechendes Fernrohr hätten. Und natürlich, wenn unser Blick die Wolken durchdringen könnte.

Nun, nehmen wir mal an, dass das alles der Fall wäre – als Geschichtenerzähler kann man schließlich alles annehmen, was man möchte – dann würden wir sehen, wie der Punkt immer heller wird und nach einer Weile wieder verblasst. Hier unten auf der Oberfläche des Planeten würde es sicherlich niemand bemerken, was am Himmel wichtiges geschieht, und das nicht nur, weil niemand da ist und die Wolken es verdecken. Das Meer brandet wie eh und je an die Küsten, die Pflanzen sammeln Sonnenlicht und der Regen prasselt unaufhörlich nieder. Die Vögel kreisen über der Brandung, wobei es natürlich keine echten Vögel sind, aber es handelt sich um fliegende Tiere mit ähnlichen Formen wie die Vögel auf der Erde. Also nennen wir sie Vögel, damit es einfacher ist, wir sind ja schließlich keine Biologen, die alles ganz genau bestimmen müssen.

Es würde dann noch eine Weile dauern, bis wir das Objekt wieder sehen könnten, nämlich in dem Moment, in dem es den Fallschirm aufspannt, erst nur als dunklem Punkt vor dem blauen Himmel, und dann beim Näherkommen würden wir die Farben des Fallschirms erkennen könnten, hauptsächlich dunkelblau, denn auf den Fallschirm ist ein Bild der Erde gedruckt, und da ja die Farben verschoben sind, würden wir das blau gar nicht sehen können und das grün wäre blau. Das Objekt würde eine Zickzacklinie am Himmel beschreiben, uns aber immer näher kommen. Irgendwann könnten wir dann die Landekapsel erkennen, die ziemlich groß und schwer ist. Die Aufgabe des Landemodul ist es schließlich, Proben auf dem Planeten einzusammeln und wieder in eine niedrige Umlaufbahn zu befördern. Dort wird sie dann ein anderes Modul abholen und zur Sejereh weiterbefördern.

Die Landekapsel baumelt am Fallschirm, und als sie immer näher kommt und dabei immer langsamer wird, sehen wir, wie sie hin und her schwingt, vom Wind mal in die eine und mal in die anderen Richtung ausgelenkt. Sie verschwindet mehrfach aus unserem Blickfeld, weil andere Berge sie verdecken, doch immer wieder würde sie auftauchen, wenn nicht die Wolken unseren Blick versperrten.

Als sie schließlich die Unterseite der Wolken durchbricht, ist sie schon sehr nah, und die letzten hundert Meter legt sie in wenigen Sekunden zurück. Sie kommt schließlich am Fuß des Berges zum Stehen, in einem Bereich, wo das Land etwas flacher ist. Dann gibt es ein lautes Zischen und eine kleine Rakete startet und zieht den Fallschirm, der sich automatisch von der Kapsel gelöst hat, mit sich, so dass die Kapsel nun freisteht.

Der beständige Regen prasselt um sie herum nieder, und nur selten reißen die Wolken auf und geben einen Blick auf die Sonne preis, als das Landemodul in den nächsten Tagen seine Geräte benutzt, um verschiedene Proben aus der Umgebung zu sammeln und mit Hilfe einer kleinen Flugdrohne auch etwas weiter entfernte Pflanzen einsammeln.

Nach 193 Stunden ist ihre Mission schließlich beendet, nicht mehr benötigte Experimente werden abgeworfen und der zentrale Behälter mit den Proben und wissenschaftlichen Daten wird von einer kleinen Rakete in den Himmel geschossen, die dann in 35 Kilometern Höhe zielgenau von einem Sammelmodul der Sejereh eingefangen wird.

Nachdem wir das nun geklärt haben, bleibt einzig noch die Frage offen, warum wir am Anfang den Namen Papopolipos erwähnt haben, wenn der doch so unwichtig ist. Das klärt sich jedoch recht einfach, denn der Wissenschaftler, der vor über tausend Jahren auf der Erde das Untersuchungsmodul entworfen und zusammengestellt hat, hieß Papopolipos, und dementsprechend wurde das ganze Modul nach ihm benannt.

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