Hepkaale und die süßen Monstermeerschweinchen – Teil II

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Teil 1

Hepkaale hielt die Augen weiter geschlossen, auch nachdem die Reise mit dem Plot-Device vorbei war. Sie wollte gar nicht wissen, wo sie hier war, es würde ja doch nur wieder auf Ärger hinauslaufen.

Die Luft war hier etwas wärmer als in Tirüplet und roch leicht salzig. Wahrscheinlich hatte sie das Plot-Device irgendwo ans Meer geschickt, sie hatte mal gehört, dass das Meer salzig riechen würde. Vielleicht würde es ausreichen, hier weiter mit geschlossenen Augen zu stehen, bis ihre Maschine genug davon hatte, dass sie zu faul war, sich um das zu kümmern, was auch immer sie hier erledigen sollte.

Als sie lauschte, konnte sie auch ein Rauschen hören, dass sicherlich von den Wellen des Meeres herrührte. Sie hörte den Geräuschen eine Weile zu und öffnete dann schließlich doch die Augen, da sie neugierig war, wie das Meer wohl aussah.

Es war riesig und blau und breitete sich bis zum Horizont aus. Die Sonne stand recht hoch und brachte das Meer unter sich so stark zum Glitzern, dass sie in Richtung Sonne kaum hinschauen konnte. Das Plot-Device hatte sie also ein gutes Stück tagwärts gesandt. Aber dass sie eine größere Stecke zurück gelegt haben musste, war ihr auch vorher schon klar gewesen, denn Tirüplet war weit vom Meer entfernt.

Sie schaute sich um. Sie stand auf einer Klippe und wenige Meter vor ihr ging es steil bergab zum Meer. In die andere Richtung waren Felsen und noch mehr Felsen. Doch sie stand auf einem Weg, oder zumindest einem engen Pfad, der an den Felsen entlang führte.

Wenn sie den Weg nehmen würde, würde sie sicherlich wieder in ein seltsames Abenteuer verwickelt. Also war es besser, hier zu bleiben, wo es im Moment ungefährlich schien.

„Mal schauen, ob ich dickköpfiger bin oder das Plot-Device“, sagte sie zu sich selber, verschränkte die Arme und setzte sich auf einen vorstehenden Felsen mit Blick auf das Meer.

Sie beobachtete die Vögel, die über dem Wasser kreisten. Sie beobachtete die Fische, die an der Oberfläche des Meeres schwammen. Sie beobachtete die Wolken, die auf sie zu und über die Berge hinweg zogen und die Regentropfen, die immer wieder in Schauern um sie herum niederfielen. Dann fing sie wieder von vorne an und beobachtete erneut die Vögel.

„Hey! Wer bist’n du?“, sprach sie irgendwann eine Stimme von hinten an.

„Ich sitze nur hier und warte darauf, dass ich wieder nach Hause kann“, erklärte Hepkaale ohne aufzuschauen. Sollte das Plot-Device seine Probleme doch selber lösen.

„Ich hab im ersten Moment befürchtet“, erklärte die Stimme weiter, „dass du von den Monstermeerschweinchen umgebracht worden bist, so ruhig und still wie du aufs Meer gestarrt hast.“

„Monstermeerschweinchen?“, fragt Hepkaale verwirrt. „Nein“, erklärte sie dann bestimmt. „Keine Monstermeerschweinchen, nur ich und das Meer.“

„Und was machst du mit dem Meer?“

„Es anschauen. Mehr nicht. Ich warte darauf, dass ich wieder nach Hause kann.“

Jetzt drehte sie sich doch um, um zu sehen, mit wem sie sprach. Es war ein junger Mann und er sah gar nicht mal schlecht aus, fand Hepkaale. Dichtes Haar, schwarz und lockig und dazu ein markantes Kinn. Und erst die Augen. So sanft und fesselnd. Zum ersten Mal wankte Hepkaales Entschluss, sich nicht vom Fleck zu bewegen.

„Ist das nicht langweilig?“

Hepkaale nickte. Er hatte einen niedlichen Akzent. Wahrscheinlich war er nicht viel älter als sie. „Langweilig schon. Aber auch ungefährlich“, erklärte sie schließlich.

„Aber nur, weil das Wetter heute so ruhig ist. Du solltest es mal bei Sturm sehen.“

„Ich hoffe nicht, dass ich so lange hierbleiben muss.“

„Und du musst dabei die ganze Zeit das Meer beobachten?“ Er schaute ihr direkt in die Augen. „Möchtest du nicht lieber mit in unser Dorf kommen.“

Hepkaale überlegte. „Eigentlich nicht. Dann wird nur wieder irgendwas schreckliches passieren.“

„Hmm, schade.“

„Möchtest du nicht lieber mit mir hier warten?“, fragte Hepkaale nach einer kurzen Pause.

„Nee, ich muss zurück ins Dorf. Hier draußen ist die Gefahr zu groß, dass mich die Meerschweinchen erwischen.“

Wie schade, dachte sich Hepkaale. Sie könnte Stunden damit vebringen ihn anzuschauen.

„Willst du wirklich nicht mitkommen“, fragte er nach.

„Hmm, und hier draußen sind die Monstermeerschweinchen und im Dorf nicht?“

Der junge Mann zögerte kurz. „Nein, ins Dorf haben sie sich bisher nicht getraut.“

Monstermeerschweinchen klang sehr danach, als wäre das der Grund, warum das Plot-Device sie hierher geschickt hatte. Sie sollte versuchen, sich möglichst von ihnen fern zu halten. Also doch mit ins Dorf, zumal diese schönen… Sie riss sich zusammen.

„Na gut, wenn es dort keine Monstermeerschweinchen gibt, komme ich mit. Ich heiße übrigens Hepkaale aus Tirüplet.“

„Und ich bin Ghulaam aus Salak.“

 

Eine halbe Stunde und einen langen Fußmarsch später kamen sie in Salak an. Der Ort lag an einem kleinen Fluss in einem engen Tal und die Häuser waren direkt an die hier sehr steilen Felswände gebaut. In der Mitte des Ortes an einer engen Meeresbucht war ein kleiner Hafen.

Ghulaam nahm sie mit nach Hause. Er entschuldigte sich dafür, dass er ihr kein tolles Essen anbieten könne, aber seine Eltern waren mit ihrem Fischerboot gerade unterwegs und seine Geschwister in der Schule.

„So müssen wir mit Brot und Räucherfisch vorlieb nehmen.“

„Räucherfisch? Sowas gibt es bei uns in Tirüplet nicht.“

Während er den Tisch deckte, erzählte sie von Tirüplet und den unzähligen Kohl-Gerichten, die sie dort kannten. Sie hatte zwar von Fischen gehört und auch schon welche gesehen, aber gegessen hatte sie bisher noch keine.

Der Räucherfisch entpuppte sich als überraschend lecker und nach dem Essen schlug Ghulaam vor, dass sie ja einen Mittagsschlaf machen könnten und zwinkerte ihr dabei zu. Hepkaale bestaunte den muskulösen Oberkörper des Jünglings, als er sein Hemd auszog und sich auf das Bett setzte. Dann schaute er sie herausfordernd an.

„Kommst du?“

Sie nickte und zog sich ebenfalls aus. Zehn Minuten später schliefen sie miteinander. Und die Monstermeerschweinchen warteten netterweise, bis sie fertig waren und eine Weile eng umschlungen geruht hatten.

Teil 3

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3 Antworten zu Hepkaale und die süßen Monstermeerschweinchen – Teil II

  1. 500woerterdiewoche schreibt:

    Das sind aber rücksichtsvolle Meerschweinchen 😛

  2. Pingback: Results for week beginning 2014-08-18 | Iron Blogger Berlin

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