Hepkaale und das altehrwürdige Metzelschwert von Rüngdüngdüng – Teil II

hepkaale_headerTeil I dieser der Geschichte findet ihr hier.

Hepkaale versuchte, das Schwert aus dem steinernen Altar zu ziehen, denn es war ja offensichtlich für sie hier deponiert worden, doch es rührte sich nicht. Sie seufzte. Es war ja auch zu erwarten, dass etwas schief ging, denn wenn das Plot-Device ins Spiel kam, lief nie alles glatt. Sie versuchte es noch ein paar Mal und wackelte am Schwertgriff rum, aber es passierte nichts. Sie sagte sogar den Namen des Schwertes und ihren Namen und befahl dem Schwert, sich aus dem Stein zu lösen, aber das Ergebnis war das Gleiche.

Dann hörte sie ein Geräusch, irgendwie schleifend oder reibend. Dann ein Knacken wie von zerbrechenden Steinen. Etwas, das schwach leuchtete, kam langsam auf sie zu. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie das Licht als solches erkannte, denn es war sehr schwach und wurde nur ganz langsam heller.

Sie sah, dass sie in einem großen Gewölbe mit vielen Säulen aus feinstem Marmor war. Es gab mehrere Zugänge, die alle tiefschwarz waren. Das seltsame Leuchten schien aus den Wänden selber zu kommen und wurde immer heller. Dann sah sie, dass es sich bei dem Licht um leuchtende Fäden handelte, die die Wände durchzogen wie ein Netz aus unterirdischen Fasern eines großen Pilzes. Und sie kamen näher und wucherten aus den Wänden heraus, immer weiter auf sie zu. Hepkaale bekam Angst und kletterte auf den Altar.

Sie stellte sich hin und versuchte erneut das Schwert herauszuziehen, um damit das pilzige Grauen zu bekämpfen. Sie hatte gehört, dass Angst einem zusätzliche Kräfte verleihen könnte. Und Angst hatte sie definitiv genug. Wenn es nur nach der Menge Angst gegangen wäre, hätte sie die Säulen des Gewölbes mit der bloßen Hand zerschmettern können. Aber das Schwert steckte weiter fest und rührte sich keinen Millimeter.

Der seltsame Pilz hatte mittlerweile den Fuß des Altars erreicht.“Knackknack“, arbeitete er sich in den glatten Marmor hinein, während Hepkaale breitbeinig oben drauf stand und mit aller Kraft an dem Schwert, das zwischen ihre Füßen steckte, zog.

„Aaaargh!“, stöhnte sie, als sie plötzlich in ihrem Rücken heftige Schmerzen verspürte. Die Kraft des Pilzes setzte dem Altar derweil weiter zu, bis der Mamor schließlich fast wie in Zeitlupe zerbrach. Hepkaales rechter Fuß kippte mit einer Hälfte des Steines in eine Richtung, der andere Fuß in die andere, ganz langsam immer weiter auseinander.

Als es gerade richtig schmerzhaft wurde und Hepkaale vor Schmerzen aufschrie, hatte der Pilz den Altar soweit zersetzt, dass sie das Schwert herausziehen konnte. Ihr Schmerzensschrei wurde zu einem Triumphschrei und dann wieder zu einem Schmerzensschrei, als sie Schwert voraus nach vorne umkippte.

Das Geflecht des Pilzes war zwar weich und federte ihren Sturz ab, aber es brannte durch ihre Kleidung hindurch wie Brenneseln. Hepkaale schlug mit dem Schwert wild um sich und zerfetzte das Geflecht des Pilzes, wo es nur ging. Der Pilz gab einen Laut von sich, bei dem es sich nur um einen Schmerzensschrei handeln konnte und ließ dann von ihr ab.

„Hoffentlich geht es jetzt endlich wieder nach Hause“, konnte sie noch sagen und dann versetzte sie das Plot-Device wieder.

 

Es war unglaublich hell. Wo war sie? Sie hörte Stimmen, dann ihre Schwester: „Da vorne ist sie! Sie ist wieder da!“

Hepkaale stieß einen genervten Schrei aus, als sich ihre Augen soweit an das Licht gewöhnt hatten, dass sie etwas erkennen konnte. Es war wieder die Dorfstraße von vorhin. Sie wollte nicht hier sein. Wut steig in ihr auf, sie ergriff das Schwert und rannte los. Warum war sie an diesem gottverlassenen Ort? Sie hätte eigentlich auf dem Feld bei ihren Eltern sein sollen. Blindlings rannte sie auf die Leute und ihre Barrikade zu und wirbelte dabei das Schwert herum. Die Dorfbewohner sprangen schnell zur Seite und als sie die Barrikade auf der Brücke erreichte, stoppte sie kaum. Das Schwert schien sich fast von selber zu bewegen und die Barrikade wegzufegen.

Als die Belagerer das sahen, schlug das Plot-Device wieder zu und die Banditen drehten sich um und flüchteten in Terror. Sie wurden in Thadiit danach nie mehr gesehen.

Sibüü und ein paar Einwohner des Dorfes kamen hinter ihr her gelaufen und als Sibüü Hepkaale umarmte, nahm sie das Plot-Device wieder mit.

 

Hepkaale und Sibüü standen am Rand des Feldes ihrer Eltern. Ihre Familie war noch am Arbeiten.

„Da seid ihr ja endlich“, begrüßte ihre Mutter sie und nahm Hepkaale den Beutel mit den Tellern ab. Hepkaale ließ sich ins weiche Gras am Wegesrand fallen und entschied, die nächste Stunde nicht mehr aufzustehen. Doch als zwei Minuten später die Krautsuppe verführerisch duftete, vergaß sie den Entschluss ganz schnell.

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