Hepkaale und das altehrwürdige Metzelschwert von Rüngdüngdüng – Teil I

hepkaale_headerDies ist der erste Teil einer weiteren unglaublichen Geschichten der Hepkaale und ihres wunderbaren Plot-Devices. Ein Hinweis noch zur Aussprache der Namen: Auf Sma Azirk werden alle Vokale kurz ausgesprochen, es sei denn, es sind Doppelvokale, dann sind sie lang.

Es war bisher ein ganz normaler Tag im Leben der Hepkaale. Sie war zusammen mit ihren Eltern auf dem Feld, um dort Getreide zu ernten. Das Feld lag von ihrem Heimatort Tirüplet aus ein Stück tagwärts hinter zwei Hügeln. Sie und ihre Schwestern hatten schon drei Stunden gearbeitet, als ihre Eltern riefen: „Hepkaale! Hepkaaaale, komm mal her!“

Hepkaale fluchte leise. Wer weiß, was ihre Eltern wieder von ihr wollten? Als sie ein zweites Mal riefen, legte sie ihr Werkzeug weg und ging ans andere Ende des Feldes zu ihnen.

„Was ist denn?“, fragte sie genervt.

„Wir haben die Teller und Löffel zu Hause vergessen“, sagte ihr Mutter. „Lauf mal schnell nach Hause und hole sie, sonst können wir die Krautsuppe, die wir mitgenommen haben, nicht essen.“

„Und beeil dich, du bist die Schnellste und wir haben schließlich Hunger.“

Hepkaale wollte gerade zu einem Einwand ansetzen, doch ihr Vater kam ihr zuvor: „Du kannst deine kleine Schwester Sibüü mitnehmen. Die läuft ja auch recht schnell und dann musst du nicht alleine gehen.“ Dann fügte er noch streng hinzu: „Und jetzt keine Diskussion mehr, geht los!“

Hepkaale seufzte. Wie sie es hasste, dass immer sie diese blöden Aufgaben übernehmen musste. Sie schnappte sich ihr Schwester und die beiden liefen los.

 

Sie hatten gerade den Hügel überquert und sahen schon den nächsten Hügel, hinter dem Tirüplet lag, als Sibüü langsamer wurde.

„Was ist los?“, fragte Hepkaale, die schon ein Stück voraus war.

„Ich kann nicht mehr, lass uns langsamer gehen und für den Rückweg dein Plot-Device benutzen. Dann sind wir auch rechtzeitig zurück.“

Hepkaale versuchte, ihrer Schwester zu widersprechen, doch da sie genauso außer Atem war, gab sie schnell nach. Wahrscheinlich werde ich das noch bereuen, dachte sie sich, als sie ins Tal hinab stapfte.

 

Eine halbe Stunde später waren sie zu Hause und hatten Teller und Löffel in einen Beutel gepackt. Den Beutel hängte sich Hepkaale um und dann gingen sie in die mit allerlei Werkzeug und Bauteilen vollgestopfte Werkstatt, um das Plot-Device zu aktivieren.

„Wollen wir nicht doch lieber laufen?“, fragte sie ihre Schwester. „Du weißt doch, wie das mit dem Plot-Device immer läuft.“

„Aber Hepkaale…“, quengelte ihre Schwester. „Du hast es doch versprochen. Und außerdem tun mir meine Füße weh.“

Nicht zum ersten Mal verfluchte Hepkaale sich dafür, dass sie ihrer Lieblingsschwester keinen Wunsch abschlagen konnte. Also aktivierte sie das Plot-Device, schloss die Augen und hoffte das beste.

 

Als sie die Augen wieder öffnete, stand sie auf einem Dorfplatz. Es war sehr hell, die Sonne schien höher zu stehen als in Tirüplet. Wahrscheinlich waren sie irgendwo in tagwärtigeren Landen. Wenigstens hatte sie den Beutel mit Tellern und Löffeln noch. Ihre Schwester stand neben ihr und schaute sich mit großen Augen um.

„Wo sind wir hier?“, fragte Sibüü schließlich.

Hepkaale schüttelte den Kopf. Sie hatte keine Ahnung, wo genau sie waren, außer dass sie ein gutes Stück tagwärts gereist waren. Und das schränkte ihre Position nicht sehr ein.

Dann wurde ihr klar, dass sie Rufen und Poltern hören konnte. Irgendwo waren Menschen, die ihnen vielleicht mehr verraten konnten.

„Komm mit“, sagte sie zu Sibüü und ging los.

Die Dorfstraße war nicht sehr gepflegt und ein Teil der Häuser hatte deutliche Schäden. Am Ende des Dorfes versperrte eine Barrikade aus Gerümpel die Brücke über den Fluss und eine laute Menschenmenge stand davor auf der Straße und bewachte die Barrikade. Hepkaale ging direkt auf die Leute zu.

„Entschuldigung“, sagte sie, als sie sich den Leuten näherte. „Können Sie…“

Mehrere Personen wirbelten herum und schauten sie mordlüstern an.

„Hey! Was wollt ihr hier? Wo kommt ihr her?“

„Wir sind aus Tirüplet“, antwortete Hepkaale. „Und wir wüssten gerne, wo wir hier sind.“

Daraufhin schauten sich die Leute seltsam an. „Tirüplet? Wirklich Tirüplet, der Ort aus den Legenden?“

Hepkaale nickte. Freude mischte sich daraufhin in die Mienen der Leute.

„Du willst uns aber nicht weismachen, dass DU Hepkaale bist, oder?“

Hepkaale nickte erneut. „Die bin ich!“

Daraufhin ging ein Freudenschrei durch die Leute, der von einigen Pfeilen der Belagerer beantwortet wurde, die jedoch alle die Barrikade nicht überflogen.

„Die Prophezeiung! Hepkaale, die Thadiit mit dem altehrwürdigen Metzelschwert von Rüngdüngdüng retten wird!“

„Was…“ konnte Hepkaale noch fragen und dann trug sie das Brummen und Summen des Plot-Devices hinfort.

 

Als sie die Augen wieder öffnete, blieb es trotzdem dunkel. Die Luft war kühl und fühlte sich feucht an. Und es war still. So still, dass sie ihren eigenen Atem hören konnte. Und irgendwo weit weg ein gelegentliches Tropfen von Wasser, das auf den Boden fiel.

Wie nach jeder Reise mit dem Plot-Device fragte sie sich, wo sie nun war. Eines Tages würde sie sicherlich durch das Plot-Device sterben, weil sie irgendwo unter Wasser oder im Weltraum materialisierte. Diesmal hatte sie offensichtlich wieder überlebt, auch wenn es so grabesstill war, dass sie nur ihren eigenen Atem hören konnte.

Nur ihr eigener Atem? Wo war Sibüü? Sie tastete wild um sich, dann rief sie nach ihr, doch eine Antwort kam nur vom Echo. Sibüü war vom Plot-Device an dieser Stelle wohl nicht für nötig gehalten worden.

Hepkaale tastete wieder um sich und fand auf beiden Seiten leicht feuchten, unebenen Felsen. Der Boden war ebenfalls uneben und führte in einer Richtung bergab und in die andere hoch. Aus dem Bauch heraus entschied sie sich für bergab. Langsam und vorsichtig tastete sie sich an der unebenen Wand entlang. Meter für Meter schlurfte sie über den feuchten Boden und prüfte jeden Schritt mehrfach, um nicht zu stolpern und in der Dunkelheit hinzufallen. Trotz alle Vorsicht hatte sie schon einige blaue Flecken von hervorstehenden Felsen abbekommen, als sie sich nach einer Stunde oder zweien hinsetzte, um Pause zu machen.

 

Als sie die Augen wieder öffnete, war es noch immer dunkel und still, aber das Echo ihres Atems klang jetzt anders, als wäre sie in einem größeren Raum.

Sie saß noch immer an die Wand gelehnt, aber hier war die Wand gerade und glatt. Wie war sie hierher gekommen? Dann fiel ihr auf, dass sie auf einer Treppe saß. Der Boden war hier ebenfalls glatt und sie lehnte an so etwas wie einer Säule, wie sie ertasten konnte.

Als sie aufstand und die Säule weiter nach oben verfolgte, merkte sie, dass es sich um so eine Art Altar handelte. Und mitten drin steckte etwas, das sich verdächtig wie ein Schwert anfühlte. Hepkaale hatte zwar noch nie ein Schwert gehalten, aber bei manchen Dingen weiß man einfach sofort, was es ist. Und was sollte auch sonst in einem Altar in einer dunkle Höhle stecken? Wahrscheinlich war es das altehrwürdige Metzelschwert von Rüngdüngdüng, von dem die Dorfbewohner gesprochen hatten. Wenn das so war, dann sollte sie es wohl besser herausziehen.

 

Hier geht es zu Teil II der Geschichte.

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4 Antworten zu Hepkaale und das altehrwürdige Metzelschwert von Rüngdüngdüng – Teil I

  1. UND DANN??? O_____O

    Argh. Wieso hörst du denn ausgerechnet da auf? Wann geht es weiter? Wie geht es weiter? Wie wird sie das Metzelschwert von Rüngdüngdüng (im Ernst? XD) einsetzen, um die Bewohner von Thadiit zu retten? Und warum hat Hepkaales Familie noch nicht davon gehört, dass man Suppe auch trinken kann? Es bleibt spannend… werden sie überhaupt jemals ihre Suppe essen?

    Dein Plot-Device ist schon toll und zum Geschichtenschreiben sicher sehr hilfreich. Ich finde das wirklich gut. 🙂

    • amelprojekt schreibt:

      Der zweite Teil ist schon geschrieben, den muss ich nur noch abtippen, mal schauen, wann ich das endlich schaffe. Und dann erfährt man auch endlich, dass ein bösartiger Riesenpilz für die Geschichte wichtig ist…
      Ja, ich weiß, der Cliffhanger ist fies, aber das war nun mal die beste Stelle dafür.

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