Die unglaublichen Geschichten der Hepkaale und ihres wunderbaren Plot-Device – die Kohlfäule

hepkaale_headerDies ist eine der Legenden von Hepkaale und ihrem wundersamen Plot-Device. Hepkaale und ihr Plot-Device sind in vielen Regionen ein beliebtes Thema für unterhaltsame Geschichten. Diese Sammlung stellt verschiedene Anekdoten aus verschiedenen Regionen und Epochen Sma Azirks zusammen. Wahrscheinlich wurden mehrere historische Figuren und Ereignisse zu dieser einen literarischen Figur zusammengeführt. Über den Wahrheitsgehalt der Geschichten mag der geneigte Leser selber befinden.

 

Hepkaale besaß ein Plot-Device, welches die seltsamste je erfundene Maschine war. Sie lebte in Tirüplet und war eine ganz normale, junge Frau mit einem ganz normalen, langweiligen Leben. Bis auf die Tatsache, dass sie ein Plot-Device besaß.

Eines Tages brach in Tirüplet eine Hungersnot aus, und Hepkaales Familie musste  ebenfalls sehr viel hungern, da ihre Kuuruung-Felder vertrocknet waren. Es gab nur halbverfaulten Kuuruung, und ihr wisst ja, dass Kohl auf die Dauer als einziges Nahrungsmittel nicht so toll ist.

„Hepkaale, du musst etwas unternehmen!“

Doch Hepkaale wollte das Plot-Device nicht benutzen, denn die Maschine war ja gefährlich. Doch auch die Nachbarn kamen zu ihr und beknieten sie.

Sie sagten: „Hepkaale, besorg uns etwas anderes als Kohl!“ und dann auch „Bitte Hepkaale, mach schon, wir können Kuuruung nicht mehr sehen!“ und auch noch: „Denk doch an unsere Kinder!“

Also gab Hepkaale schließlich nach. „Nun gut, ich werde es versuchen. Aber ihr wisst ja, dass das Plot-Device eine heimtückische Maschine ist.“

Doch die Leute hatten so viel Hunger und waren des verfaulten Kohls so überdrüssig, dass sie Heimtücke weniger schlimm fanden. Also nahm Hepkaale ihre Maschine und aktivierte sie.

Die Maschine summte und brummte vor sich hin und dann befand sich Hepkaale plötzlich an einem anderen Ort. Es war ein schöner Ort, er lag am tagwärtigen Meer und die Stadt schmiegte sich in einer Bucht an sanfte, grüne Hänge. Dies musste das legendäre Saalich Kuwrii sein, wurde ihr klar. Die reiche Stadt am tagwärtigen Meer, die immerfort in der wärmenden Sonne lag und einfach nur durch ihre Existenz den Reichtum ihrer Bewohner vermehrte. Nur dass es gerade am Regnen war und sie die Stadt daher nicht in ihrer legendären, sonnenbeschienenen Pracht bestaunen konnte.

Hepkaale stand auf einem Hügel, von dem aus sie die ganze Bucht überblicken konnte. Aus Erfahrung wusste sie, dass sie sich lieber beeilen sollte, denn bei einem Plot-Device konnte man nie wissen, wann die Wirkung nachlassen würde. Also rannte sie in die Stadt, um dort einen weisen Ältesten zu finden, den sie fragen konnte, wie sie die Hungersnot in Tirüplet bekämpfen konnte.

Sie lief durch die Vororte und dann mitten hinein in die Stadt bis zu einem großen Marktplatz. Auf dem Platz war gerade kein Markt, aber ein älterer Mann saß unter einem Regenschirm an einem Brunnen. Das musste ihr weiser Alter sein.

„Gute Mann“, sprach sie ihn an. „Ich komme aus Tirüplet und habe eine Frage an deine große Weisheit!“

Daraufhin lachte der Mann schallend. „Aus Tirüplet… Das ist ein gelungener Scherz… Dem beliebigen Ort der Legenden… Großartig, einfach nur großartig. Du bist bestimmt auch wegen dem Komedisten-Treffen hier.“

„Das Kome-Was?“

„Das Komedistentreffen. Komedisten und Unterhaltungskünstler aus dem ganzen Tagland treffen sich diese Woche hier in Saalik Kuwri.“

Hepkaale schaute den Mann verwirrt an. Dann verstand sie, was er meinte: „Unterhaltungskünstler? Du meinst, ich bin ein Scherzbold, der sagt, er käme aus Tirüplet?“

„Genau, aus dem Ort hinter den Bergen, der überall sein könnte.“

„Aber ich komme wirklich aus Tirüplet und suche Hilfe!“

Der Mann lachte erneut. „Und wahrscheinlich erzählst du mir gleich, dass du Hepkaale bist und mit deinem legendären Plot-Device hierher gereist bist.“ Hepkaale schaute ihn verwirrt an. Sie konnte ein „Woher weißt du das?“ einwerfen, dann sprach der Mann weiter: „Großartig. Du spielst deine Rolle einfach großartig!“

„Aber bei uns gibt es eine Hungersnot“, versuchte Hepkaale es erneut.

„Natürlich gibt es die“, erklärte der weise Alte. „Irgendein Problem gibt es ja immer.“

Hepkaale beschloss, ihm von ihrem Problem zu erzählen, ob er es nun hören wollte oder nicht. „Bei uns wächst nur noch Kuuruung, und das verfault auch noch. Niemand in Tirüplet kann noch Kohl sehen. Es ist alles ganz arg schlimm bei uns.“

„Kuuruunk, die Nahrung der seltsamen Leute in den Bergen, natürlich. Und meine Antwort darauf müsste dann wohl lauten: Esst doch einfach das ganze Kraut auf und pflanzt was anderes, beispielsweise … ähm … wie wäre es mit Reis? Reis müsste doch in Tirüplet auch wachsen, oder nicht?“

„Reis?“ Hepkaale überlegte. Könnte das funktionieren? Sie wusste nicht viel über Reis, nur dass er viel Wasser brauchte. Aber davon hatten sie in Tirüplet ja genug.

„Vielen Dank! Du hast mir sehr geholfen“, bedankte sie sich bei dem Mann. Jetzt musste sie nur noch Reissamen finden. Sie beeilte sich, zu einem anderen Marktplatz zu kommen, wo es vielleicht heute etwas zu kaufen gab. Und tatsächlich fand sie auf dem Untermarkt einen Stand mit Reissämlingen und dazu kaufte sie noch ein Buch über Reisanbau.

Dann wartete sie darauf, dass das Plot-Device sie nach Tirüplet zurück schicken würde, denn ihre Aufgabe hier war ja offensichtlich erledigt. Worauf wartete ihre Maschine also noch? Sie setzt sich auf den Rand eines Brunnen und beobachtete das bunter Treiben auf dem Marktplatz.

Sie saß schon eine gefühlte Ewigkeit da, als sie plötzlich eine Stimme nach ihr rufen hörte.

„Hepkaale! Hepkaale! Da ist sie!“

Eine Gruppe seltsam gekleideter Leute kam auf sie zu, Kleidung, die ihnen an manchen Stellen zu groß und an anderen zu klein schien. Mehrere Personen hatten sich extra-große Ohren angesteckt oder eine Riesennase. Das war sehr seltsam. Und mitten in dieser Gruppe war der weise Alte, mit dem sie gesprochen hatte.

Die Leute umringten sie.

„Sie sieht doch ganz normal aus“, sagte einer.

„Ich finde sie recht langweilig“, entgegnete ein zweiter.

„Ich finde es toll, wie normal sie aussieht“, widersprach ein dritter.

„Was wollt ihr von mir“, fragt Hepkaale schließlich.

„Der hier behauptet, du wärest eine Hepkaale und würdest deine Rolle richtig gut spielen.“

Hepkaale schaute von den seltsamen Leute zu ihrem Alten und wieder zurück. „Ich bin Hepkaale, aber welche Rolle spiele ich?“

Die Gruppe um sie herum lachte.

„Was? Warum lacht ihr?“

„Du machst das überraschend gut, dafür dass du so langweilig angezogen bist…“

Hepkaale betrachtete sich. Ihre Hose und ihr Pullover erschienen ihr bisher immer normal. Vielleicht auch langweilig, das mochte sein, aber was war daran schlimm? Und bei diesen seltsamen Leuten klang es so, als wäre es schlimm.

„Sie ist voll inspirierend“, sagte einer der Komedisten, denn um solche handelte es sich ja offensichtlich. „Vielleicht sollte ich es auch so versuchen.“

„Oh ja, das wäre mal was Neues.“

„Großartige Idee.“

Hepkaale schaute verwirrt von einem zum anderen. Dann hörte sie ein Summen und Brummen von ihrer Maschine und plötzlich war sie wieder in ihrer Werkstatt in Tirüplet. Sie rannte aus dem Haus und sofort strömte das ganze Dorf zusammen, um von ihr zu erfahren, wie sie ihr Kuuruung-Problem lösen würden. Als sie jedoch die vorgeschlagene Lösung hörten, was es mit der Begeisterung schnell vorbei. Aber sie wussten ja aus Erfahrung, dass Lösungen, die mit Hilfe des Plot-Devices gefunden wurden, zwar funktionierten, aber oft nicht sehr angenehm waren.

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3 Antworten zu Die unglaublichen Geschichten der Hepkaale und ihres wunderbaren Plot-Device – die Kohlfäule

  1. fliegenderplattenkondensator schreibt:

    Das ist eine sehr anschauliche Geschichte, irgendwie, man kann sich so gut hineinversetzen. Die Leute benehmen sich halt so äh, leutig. Ich mags. 🙂 Und ich find es spannend. Ich verstehe nur nicht ganz, warum die Bevölkerung nach Hepkaales Rückkehr die Lösung des Problems so unbegeistert aufnimmt, wenn doch Hepkaale selbst sie in dem Moment, wo sie ihr vorgeschlagen wird, für eine gute Idee hält bzw. bei weitem nicht so negativ reagiert? Haben die Bevölkerung ihrer Stadt und sie nicht dieselbe Gedankenwelt? Das erscheint mir etwas inkonsistent. Ansonsten wirklich cooles Konzept mit dieser legendären Figur.

    • amelprojekt schreibt:

      Ja, nun, es ist halt eine Legende, und als solche ist Hepkaale natürlich … ähm… legendär und damit natürlich was anders als die normalen Leute. Und ausserdem hat sie ja auch keine Lust und freut sich dementsprechend, überhaupt einen Lösungsvorschlag zu kriegen, während die Leute natürlich den ganzen Kohl essen müssen und deshalb unbegeistert sind.

  2. Pingback: Results for week beginning 2014-07-07 | Iron Blogger Berlin

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