Schejels Schlichtung

Schejel war ausgesandt worden, um im Streit zwischen Kaxerkehepe und Geleneheklye zu schlichten. Er war ein Beamter Mersanas, der in naher Zukunft in eine verantwortungsvolle Position befördert werden sollte. Doch damit die Beförderung wirksam werden konnte, musste er einen Einsatz in den ländlichen Gebieten Mersanas erfolgreich absolvieren.
Bisher hatte er Mersana nur ein einziges Mal für eine Reise verlassen, als er über den Pass nach Sethakuwesh gereist war, um dort mehr über die Lebensweise der von Alewalla kontrollieren Regionen zu erfahren. Die Reise war anstrengend gewesen und hatte vier Wochen auf dem Hinweg und nochmal so lange auf dem Rückweg gedauert. Wenn es nicht notwendig gewesen wäre, hätte er damals liebend gerne auf die Reise verzichtet.
Es war ein interessantes Erlebnis gewesen, das musste er zugeben, aber er war noch immer der Meinung, dass die meisten Reisen den Aufwand, der sie bedeutete, im Grunde genommen nicht wert waren. Sicher, es war gut, dass er Händler gab, die die verstreuten Siedlungen miteinander verbanden, aber warum musste ein Beamter, der eine Bürotätigkeit in der Hauptstadt ausüben wollte, zu den abgelegensten Orten des Landes reisen?
Er kannte natürlich die offizielle Begründung: „Damit die Orte wissen, dass sie in der Hauptstadt ernst genommen werden und ihre Zugehörigkeit zu Mersana nicht anzweifeln.“ Schejel war sich aber nicht sicher, ob diese Begründung wirklich so sinnvoll war, denn fast zwei Drittel der Bevölkerung Mersanas lebten in der Hauptstadt Jehuwep Mersana und umliegenden Höfen. Die übrige Bevölkerung war so weit verteilt, dass sie genau wussten, wie abhängig sie waren, und dass sie sicherlich schnell wieder unter die Herrschaft Alewallas geraten würden, wenn sie sich mit Jehuwep streiten würden.
Seine Meinung über den Sinn von Reisen änderte leider nichts daran, dass diese Reise für seine Beförderung notwendig war. Streit schlichten zwischen zwei abgelegenen Orten, die beide kaum als richtiges Dorf bezeichnet werden konnten.
Zum Glück lagen beide Orte am Meer, so dass er auf einem Händlerschiff mitfahren konnte und nicht wie bei seiner letzten Reise die ganze Strecke zu Fuß wandern musste. Es war deutlich bequemer, auch wenn es nicht wirklich schneller war, da das Schiff bei jedem Hof und jeder Siedlung an der Küste eine Pause zum Handeln einlegte. Und so ein Handel konnte schon mal ein paar Tage dauern.
Doch so lange die Reise auch gedauert hatte, endlich kam Kexerhepe in Sicht. Der Ort war sein erstes Ziel, die Aufgabe war, herauszufinden, warum die beiden Orte weiterhin verfeindet waren und zu versuchen, den Streit zu schlichten, wenn dies möglich war.
Der Ort lag am Ende einer Bucht an einer Stelle, an der die felsige Küste flacher war und eine Besiedelung erlaubte. Schejel war davon nicht überrascht, denn die meisten Siedlungen und Höfe waren an Stellen errichtet worden, die von der Küste aus einfach zu erreichen waren.
Der Steuermann navigierte das Schiff mit erkennbar viel Erfahrung zwischen den Felsen hindurch in die Bucht. Schejel schaute sich den Ort an, fünf Häuser, zwei davon Höfe, die anderen drei wohl von Fischern bewohnt. Eines davon sah aus, als würde es eine Mischung aus Versammlungshalle, Gaststätte und Dorfladen beinhalten, wahrscheinlich auch eine Schule für die Kinder, die zum Steg gelaufen kamen, als sie das Schiff erblickten.
Schejel konnte Rufe über das Wasser hinweg hören und sah kurz darauf, wie sich die Erwachsenen des Ortes zu den Kindern gesellten und zum Steg liefen. Ein Schiff brachte Neuigkeiten, das sorgte in jedem Dorf für Aufregung. Jeder Fremde wurde überall auf Khesib herzlich begrüßt, denn Nachrichten und Abwechslung waren hier selten.
Eine Matrosin, die im Bug des Schiffes stand, rief den Dorfbewohnern etwas zu und warf ihnen kurz darauf Leinen zu, mit denen sie das Schiff fest machten. Dann wurde ein Laufsteg vom Schiff zum Steg gelegt, und die Besatzung konnte das Schiff verlassen. Schejel folgte ihnen.

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Orte in Mersana im Jahr 900 AZ

Dieser Artikel ist Teil des Glossars.

Mersana

Mersana ist ein Fürstentum am Nordhang der zerklüfteten Berge und auf den vorgelagerten Inseln. Seit dem späten sechsten Jahrhundert ist die Region besiedelt. In den Jahren 832 bis 838 kam es zu einem Bürgerkrieg mit der Zentralmacht in Alewalla. Auf Grund des schwierigen Geländes und des rauhen Klimas konnte eine recht große Region gemeinsam die Unabhängigkeit erringen, obwohl das Land sehr dünn besiedelt ist.

Der wichtigste Ort in Mersana ist Jehuwep Mesana, das an der Küste an der Mündung des Werfy liegt. Flsusaufwärts führt die wichtigste Verbindungsstraße Mersanas über die Berge nach Khewerfy.

In Nord-Süd-Richtung ersteckt sich Mersana über 2600 Kilometer an der Küste entlang. Im Jahr 900 AZ lebten etwas mehr als 6000 Menschen im Mersana, die meisten davon in den Fischerdörfern an der Küste.

Im Folgenden werden die Ort von tagwärtiger Richtung her vorgestellt. Die Übersetzungen der Ortsnamen wurden gewählt, um den Bedeutungsinhalt der Ortsnamen möglichst verständlich wiederzugeben.

Karte von Mersana

Die Karte zeigt das Land Mersana im Jahr 900 AZ. Tagwärts ist oben, Norden unten links. In Grün ist die Grenze Mersanas eingezeichnet.

Teschrenkehepe (Flugwalde, 13 Einwohner) ist der tagwärtigste Ort in Mersana. Teschrenkehepe liegt auf an einer kleinen Bucht am äußeren Ende einer Insel. Die Bucht öffnet sich direkt zum Wilden Meer hin und der Ort wird oft von heftigen Stürmen heimgesucht. Ursprünglich wurde der Ort gegründet, um von dort aus den Leuchtturm auf der Spitze der Insel zu unterhalten. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wurde ein kleiner Ort daraus.

Rentejhirisch (Grauenhagen, 28 Einwohner) liegt wenige Kilometer südlich der tagwärtigen Grenze Mersanas. Der Ort wurde gegründet, um die tagwärtige Grenze abzusichern. In dem kleinen Hafen liegt einer von drei Polizei- und Militärbooten Mersanas.

Tjintelmyhe Fime (Fallwassermünde, 45 Einwohner) liegt an der Mündung der Tjintelmyhe und ist ein kleiner Handelsposten mit Fischerhafen. In der Umgebung des Ortes wird auch Landwirtschaft betrieben, hauptsächlich Getreideanbau. Seit dem Jahr 893 gibt es entlang der Fallwasser eine Passstraßen über die Berge, was viel zum Wachstum der Stadt in den letzten Jahren beigetragen hat.

Guveßby (Handschuhsby, 17 Einwohner) ist ein kleines Dorf auf der Guveß-Insel am Wilden Meer. Es liegt am Ende einer Trichterförmigen Bucht auf einem Hochplateau, ungefähr 50 Meter über dem Meer. Der kleine Hafen des Dorfes ist über eine lange, in den Felsen gehauene Treppe zu erreichen. Zwei Flaschenzüge dienen dazu, Waren zum Dorf hinauf zu befördern.

Tjintelmyhehate (Fallwasserstedt, 18 Einwohner) ist eine recht neue Siedlung im fruchtbaren Tal der oberen Tjintelmyhe. Durch die Öffnung des Tjintelpass wurde an der Straße ein gasthaus erreichtet, um das herum sich drei Höfe angesiedelt haben und dort Landwirtschaft betreiben.

Tißerkehepe (Vogelwalde, 74 Einwohner) liegt auf der Guveß-Insel, dem Festland zugewandt. Durch Berge von den Orten auf der Meeresseite der Insel getrennt, findet der Austausch mit anderen Menschen fast ausschließlich mit dem Festland statt.

Tubhirisch (Bärenhagen, 69 Einwohner) liegt am Wilden Meer auf der Guveß-Insel. Lange Zeit war Tubhirisch der wichtigste Ort der Insel, wurde jedoch in den letzten Jahren von Tißerkehepe überholt. Die Einwohner leben vom Fischfang und von den Tißerleyle-Früchten, die im nachtwärtigen Bereich der Insel in großer Menge wachsen.

Nehen (Gewichtig, 188 Einwohner) liegt zweihundert Kilometer tagwärts von der Hauptstadt Jehuwep Mersana. In Nehen wird Erzbergbau betrieben. Das Roherz wird zum Teil im Ort verarbeitet und zum Teil per Schiff exportiert.

Hedjezxete (Schwellendeiche, 136 Einwohner) liegt am Wilden Meer. In der Nähe dieses Ortes wurde ein großer Leuchtturm errichtet, der den Schiffen den Weg nach Jehuwep Mersana weist. Bei Sturm gilt der Hafen des Ortes als Zuflucht für Schiffe, denen die Fahrt durch die engen Fjorde zur Hauptstadt zu gefährlich ist und die hier geschützt auf besseres Wetter warten.

Jehuwep Mersana (Süderhaven, 4312 Einwohner) ist die Hauptstadt des Landes Mersana. Die Stadt ist eine wichtige Hafenstadt mit sich entwickelnder Industrie und gleichzeitig die älteste Siedlung der Region. Der Name der Stadt war ursprünglich als Witz gedacht, da es sich zum Zeitpunkt ihrer Gründung um eine der nördlichsten Städte Kehsibs handelte. Da sich die Bezeichnung Süderhaven im Sprachgebrach durchgesetzt hat, wurde der Ort ab 658 auch offiziell so genannt.

Teletefeh (Leseufern, 168 Einwohner) ist der zweitälteste Ort der Region und ist seit 617 schon besiedelt. Jeglicher Verkehr Richtung Hauptstadt, der aus nördlicher und nachtwärtiger Richtung kommt, fließt durch Leylekby. Dadurch gibt es in dem kleinen Ort am Hafen mehrere Gasthäuser und sogar eine kleine Bibliothek. Im 861 wurde der Ort, der vorher Fernlochten hieß, in Teletefeh umbenannt.

Leylekby (Fliederby, 68 Einwohner) liegt an einem Fjord des Wilden Meeres, der zwischen mehreren Inseln hindurch verläuft. Um den Ort herum gibt es fruchtbares Land, wo die Einwohner Leylek-Beeren anbauen. Leylekby ist der einzige Ort in Mersana, auf dem diese Beeren angebaut und nicht nur wild gesammelt werden. Die Beeren sind das wichtigste Handelsgut des Ortes.

Dye Heßeł (Großendorfe, 82 Einwohner) ist der Heimatort der wichtigsten Schnapsbrennerei Mersanas. Der Rote Heßełer wird in viele Regionen Kehsibs exportiert. In Alewalla gehört er zu den teuersten Schnäpsen, die es in gute Lädern zu kaufen gibt. Die Mischung aus Meersalz und den Leylek-Beeren sowie mehreren geheimen Zutaten verleiht der Spezialität ihren unverwechselbaren Charakter.

Kelßeueten (Gräserthale, 7 Einwohner) wurde erste vor wenigen Jahren gegründet. In diesem Hochtal wächst nur wenig und der Ort lebt von dem Gasthaus, dass den Reisenden auf dem Weg zum Werfy-Pass als letzte Versorgungsstation dient.

Szegerkejen (Kleinenleben, 108 Einwohner) liegt in einem breiten Tal, das nur sanft ansteigt. Im Talgrund ist es möglich, Landwirtschaft zu betreiben, weswegen sich dieser Ort auch ohne Hafen halten kann.

Kaxerkehepe (Bruchwalde, 12 Einwohner) ist ein Fischerdorf auf einer der vorgelagerten Inseln. Kaxerkehepe und das am anderen Ufer des Fjords gelegene Geleneheklye sind für ihre erbittert ausgetragene Feindschaft bekannt. Kaxerkehepe wurde von zwei Brüdern mit ihren Familien gegründet, die sich mit ihren Eltern und anderen Brüdern, die Geleneheklye bewohnten, zerstritten hatten. Es wird gesagt, dass die Bewohner der beiden Orte auch heute noch, dreißig Jahre nach ihrer Gründung, kein Wort miteinander reden.

Geleneheklye (Seltenfelde, 26 Einwohner) ist ein Fischerdorf im nachtwärtigen Teil Mersanas. Mehrere Einwohner betreiben eine große Vogelzucht, die jeder Besucher des Ortes besichtigen muss.

Nexenteschenahe (Weitenschlote, 14 Einwohner) ist ein Ort, in dem seit einigen Jahren Kohle gefördert wird. Die Kohle wird auf Karren nach Geleneheklye gebracht und dort auf Schiffe verladen, um nach Jehuwep Mersana oder Nehen geliefert zu werden.

Xaukefekejen (Haltensleben, 31 Einwohner) liegt auf der nachtwärtigsten und nördlichsten Insel Mersanas. Im Hafen des Ortes ist eines der Polizei- und Militärboote Mersanas stationiert.

Jenylkuprie (Schönenbrücke, 25 Einwohner) ist der nachtwärtigste Ort Mersanas. Die Einwohner sind stolz darauf, zu Mersana zu gehören und nicht wie ihre nachtwärtigen Nachbar im Unabhängigkeitskrieg bei Alewalla verblieben zu sein.

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Ankunft im Tal von Topol

Fusuwul, die tagwärtigste Insel von Arphibyl. Es ist jetzt fünfzig Jahre her, dass die ersten Menschen am tagwärtigen Ende der Insel gelandet sind. In dieser Region Fusuwul war bis heute noch keine Menschen, das Tal von Topol ist noch völlig unberührt. Die Bumöh Godon Fusuwuulüü, die Großen Fusuwulischen Eulen, von der ersten Menschen in Unkenntnis der Amelschen Fauna so benannt, sind noch die unangefochtenen Herrscher dieser Gegend, das größte Raubtier der Insel, das selber keine natürlichen Feinde hat.

Wenn die Menschen nicht die Fauna der Erde bei ihrer Benennung der Tiere zu Grund gelegt hätten sondern die Situation auf Amel mehr berücksichtigt hätten, waren die großen Vögel Königsjäger oder Herrscher der Lüfte genannt worden. Aber da für die Siedler alle an ein Leben in der Nacht angepassten Greifflugtiere Eulen sind, wurden sie Große Fusuwulische Eulen genannt, ohne zu bedenken, dass alle Tiere auf Fusuwul auf Grund der nachtwärtigen Lage der Insel an ein Leben mit wenig Licht angepasst sein müssen.

Das Tal liegt im schwachen Licht der Sonnen Alpha und Beta und es wäre für Menschen von der Erde so hell wie eine wolkenlose Halbmondnacht, vielleicht auch etwas dunkler. Im Gegensatz zur Tagseite ist das Farbspektrum auf der Nachtseite dem der Erde sehr ähnlich,  da Alpha und Beta der Sonne der Erde ähnlicher sind als Amels primäre Sonne Gamma.

Das Tal ist nicht sehr eng und an seinem nachtwärtigen Rand fließt ein kleiner Bach talabwärts Richtung Meer. Die Hügel und Berge sind von dichter Vegetation bedeckt, die auf Grund des schwachen Lichtes nur sehr langsam wächst. Aber sie hatte Jahrmillionen Zeit, um sich perfekt an die klimatischen Bedingungen im Tal anzupassen. An den Stellen, wo es regnet, stehen wasserliebende Pflanzen, an den wechselfeuchten Stellen Pflanzen, die weniger Wasser benötigen, und an den nachtwärtigen Hängen der Berge sind Trockenheit liebende Pflanzen angesiedelt, die ihr Wasser aus dem Tau ziehen.

Dieses Gleichgewicht war über Jahrtausende stabil, doch jetzt erreichen die ersten Menschen das Tal und sind damit die Vorboten einer neuen Ära.

Es war eine Gruppe von vielleicht zwanzig Personen, die einem Wildwechsel, der am Bach entlang das Tal hinauf führte, folgte. Von oben waren sie die meiste Zeit nicht zu sehen, da das dichte Dach der Blätter sie abschirmte. Wenn man leise war und der Wind gerade nicht zu stark war, konnte man sie hören. Fairer Weise muss man aber auch sagen, dass sie sich keine Mühe gaben, besonders leise zu sein. Warum sollten sie auch? Sie waren gut bewaffnet und unter dem Dach der Bäume waren sie vor den Eulen sicher. Den am Boden lebenden Jägern waren sie als Beute zu groß, so dass ihnen von der Tierwelt keine Gefahr drohte.

Als die Gruppe die Stelle erreichte, an der Jahre später die Stadt Topol gegründet werden sollte, schlugen sie auf einer Lichtung mehrere Zelte auf. Die Zelte errichteten sie im Kreis und in der Mitte wurde ein Rund aus Steinen errichtet. In diesem Rund schichteten sie Stöcke und Zweige auf, die sie in Brand setzten, um so ein Lagerfeuer zu erhalten.

Während der größere Teil diese Arbeiten verrichtete, gingen zwei Frauen und ein Mann in den Wald, um Tiere zu jagen. Mit ihren Messern gelang es, einen Qöösödje, zu deutsch Baumsitzer, zu erlegen. Diese Tiere hatten einen harten Panzer, der jedoch brüchig wurde, wenn man das Tier lange genug briet. Da an Qöösödjen in den Wäldern Fusuwuls kein Mangel herrschte und die Tiere ähnlich träge wie die Faultiere der Erde waren, waren sie eine beliebte Jagdbeute der Menschen. Ihr Fleisch war sehr wohlschmeckend und nahrhaft, eine Eigenschaft, die auf lange Sicht den Qöösödjes fast zum Verhängnis werden sollte.

Als die Jäger zum Zeltplatz zurück kamen, brannte das Feuer bereits munter vor sich hin und die übrigen hatten es sich unter den zwischen den Zelten im Kreis um das Lagerfeuer gespannten Regendächern bequem gemacht und erzählten sich Geschichten.

Drei Stunden später knackte der Panzer des Qöösödje und es gab Essen, während der Geruch des bratenden Fleisches sich ausbreitete und der Rauch des Lagerfeuers in den dunklen Himmel voller ferner Sterne zog.

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Roman-Status #21

So, diese Woche ist es mal wieder Zeit für einen Roman-Status, auch wenn ich eigentlich nicht viel zu dem Thema berichten kann.

Eigentlich wollte ich dieses Jahr der NaNoWriMo wieder nutzen, um fleißig zu schreiben, aber erstens war meine Technik kaputt, so dass ich den ganzen Oktober keinerlei funktionierende digitale Technik hatte und mit dementsprechend nicht auf den NaNoWriMo vorbereiten konnte. Genau das ist auch der Grund, warum es von mir im Oktober auf dem Blog so lange nichts neues gab, denn ohne Internet keine Blogartikel.

Der zweite Grund, warum ich dieses Jahr am NaNoWrimo nicht teilnehme, hängt mit meinem Brotjob zusammen, denn da mein Chef seit Monaten krank ist, muss ich seine Arbeit als sein Stellvertreter mit machen. Einerseits ist es ziemlich cool, eine Gruppe von 9 Mitarbeitern unter sich zu haben, den Überblick zu behalten und Arbeit zu verteilen. Aber andererseits merke ich auch, wie die zusätzliche Arbeit mich fordert und geistig auslaugt, so dass ich momentan kaum mal zum Schreiben komme. Ich finde das sehr schade, aber da ich hoffe, dass mein Chef demnächst wieder arbeitsfähig sein wird, ist da ja Besserung in Sicht. Außerdem habe ich demnächst ja zwei bis drei Wochen Weihnachtsurlaub, wo ich hoffentlich endlich mal wieder richtig Zeit zum Schreiben habe.

Es war eine Entscheidung, die mir nicht leicht gefallen ist, dieses Jahr nicht beim NaNoWriMo mitzumachen, da ich mich das ganze Jahr schon darauf gefreut hatte. Aber am Ende ist die berufliche Karriere (und mich mal in der Rolle als Führungskraft auszuprobieren) wichtiger als die Frage, ob ich innerhalb eines Monats wieder 50 K Wörter schaffe. Ich hoffe aber, dass ich nächstes Jahr wieder mehr Zeit mit Schreiben verbringen kann, so dass ich mit meinen Romanprojekten endlich wieder voran komme. Drückt mir dafür die Daumen.

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Schakufösch (Fusuwul)

Dieser Artikel ist Teil des Glossars.

Schakufösch ist eine Hafenstadt auf Fusuwul. Im Jahr 1240 hat die Stadt 2891 Einwohner, die hauptsächlich vom Fischfang und vom Handel leben. Im Umland der Stadt wird ein wenig Landwirtschaft betrieben.

Detailkarte Köchlörg

Die Karte zeigt das tagwärtigste Land, Köchlörg, auf Fusuwul im Jahr 1240 AZ. Schakufösch liegt links (im Süden). Die Karte ist in Tag-Nacht-Richtung orientiert.

Die Stadt ist an eine Bucht gelegen, die in tagwärtiger Richtung zum Meer hin offen ist. Schon früh war Schakufösch der wichtigste Hafen im südlichen Teil des Landes Köchlörg. Die Herrscher von Köchucht ließen die Siedlung im Jahr 931 befestigen, um sie gegen Angriffe aus Töplörg zu verteidigen.

In Schakufösch gibt es ein Polizei- und Militäramt mit drei Hauptamtlichen Mitarbeitern. Sie sind für die Sicherstellung von Recht und Ordnung in ganzen Süden Köchlörgs verantwortlich. Neben ihren polizeilichen Aufgaben sind sie auch für die Verwaltung und Buchführung zuständig. Zwanzig nebenamtlichen Mitarbeiter unterstützen sie bei ihren Aufgaben.

Die Fischerflotte umfasst zwölf Schiffe, die Teilweise bis kurz vor die Huduwed Eked operieren und die Basis für die Nahrungsmittelversorgung darstellen. Vor den Küsten von Fuleat bis Ujar ernten die Fischer Ujarische Seegras, das in Schakufösch in einem großen Lagerhaus getrocknet und anschließen in der Mühle des Ortes zu Mehl verarbeitet wird.

Neben Meerestieren und Seegrasmehl bilden die Fulfulüün-Früchte, die überall auf Fusuwul wachsen, eine wichtige Säule der Ernährung der Bewohner. Diese Vitaminreichen Früchte wachsen in den Wäldern um Schakufösch wild und werden von den Bauern geerntet.

Auf der Landzunge südlich von Schakufösch wurde der Wald gerodet. Dort wird ein wenig Landwirtschaft betrieben. Auf Grund der schwachen Lichtverhältnisse durch die Sonnen Alpha und Beta wachsen die Pflanzen hier nur langsam und die geernteten Produkte sind Luxusgüter.

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Briefe von der Sejereh – 4. Antwortbrief, 3. Teil

Erster BriefErster TeilSejereh, den 08.02.2321, Hallo Isma

Warum können Frauen, die Kinder haben, bei euch keinen Beruf haben? Während wir in der Schule sind, können unsere Eltern doch auch arbeiten. Aber wenn ihr natürlich ein Leben lang den selben Beruf habt, wäre es natürlich doof, wenn die einzigen zwei, die den Beruf gelernt haben, Frauen sind, die gleichzeitig schwanger wären. Aber dass ihr dann gleich gar keinen Beruf lernt…

So, wie du dir nicht vorstellen kannst, wie Arbeit ohne Geld funktioniert, kann ich mir nicht vorstellen, wie Raumschiffe mit Geld funktionieren sollen. Warum sollte man für Essen und Kleidung bezahlen müssen? Lebensmittel bekommen wir immer an der Ausgabe. Wenn etwas bestimmtes knapp ist, kann man es als Belohnung für die Arbeit bekommen oder mit anderen gegen etwas anderes tauschen. Wenn man etwas besonderes will, dann kann man auch tauschen, denn manche Leute mögen manche Sachen nicht und andere dafür um so mehr. Am Ende bekommt jeder, was er gerne hätte.

Manchmal, wenn wir etwas besonders seltenes wollen, dann müssen wir eben länger dafür Arbeiten oder eben demjenigen, der es hat oder herstellt, etwas besonders Gutes zum Tausch anbieten. Manche Sachen kann man auch einfach nicht bekommen, weil niemand sie hergibt. Aber das sind dann auch oft Dinge, die man nicht wirklich braucht, sondern nur gerne hätte, weil man sie gerne hätte.

Ich finde es interessant, dass bei euch die Großeltern von den Eltern keinen Ärger bekommen. Bei uns ist das anders. Aber bei uns sind die meisten Alten auch nicht die Eltern der Eltern, wahrscheinlich ist es deswegen anders.

Bei uns ist es ganz normal, dass Eltern nicht nur Mann und Frau sind. Frauensachen – beziehungsweise Männersachen bei Jungs – lernen wir von anderen Frauen in unserem Modul. Mir hat Zahmari ganz viel erklärt. Ihr lasst euch das alles von euren Eltern erklären? Ich finde das seltsam, von Vater und Mutter erklärt zu bekommen, wie das alles funktioniert. Vor deiner Geburt hast du schließlich im Bauch deiner Mutter gesteckt.

Bei uns machen Frauen und Männer wirklich die gleiche Arbeit. Natürlich gibt es Berufe, die gerade von mehr Frauen gemacht werden und solche mit mehr Männern, aber das ändert sich ziemlich oft, weil wir ja auch unsere einzelnen Arbeiten ändern. Momentan haben wir ziemlich viele Frauen, die sich um die Lebenserhaltungssysteme und die Navigation kümmern, aber das kann in ein paar Monaten schon wieder ganz anderes aussehen.

Dürfen bei euch Männer keine Frauenarbeiten machen, wenn Frauen bestimmte Arbeiten auch nicht machen dürfen? Bei uns sind die Fähigkeiten von Männern und Frauen nicht so unterschiedlich, dass sie unterschiedliche Berufe ausüben würden.

Ich frage mich, warum ihr Abends überhaupt spült, wenn es bei euch niemanden interessiert? Bei uns würden wir das schmutzige Geschirr die ganze Woche stehen lassen und nur sonntags spülen, wenn wir Zeit haben. Aber das geht bei uns natürlich nicht.

Von der Erde haben wir noch immer nichts gehört. Aber wir haben eine kurze Botschaft von der Niptaran bekommen, dass bei ihnen alles in Ordnung ist.

Funktioniert es bei euch, dass die Leute jetzt, wo die Strafen härter sind, weniger verbotenes machen? Ich drücke euch die Daumen, dass es klappt.

Es ist beruhigend, wenn Mustabed auch mal etwas gutes sagt, obwohl er sagt, dass alles von der Erde schlecht ist. Vielleicht stellt er ja irgendwann fest, dass er unrecht hat?

Ich finde es schön, dass dein Gemüsebeet toll geworden ist. Ich gratuliere dir zum drittgrößten Kürbis. Hast du dieses Jahr wieder Kürbisse? Wie groß sind sie? Meine Gemüse sind dieses Jahr nicht so gut geworden. Nur die Radieschen sind gut, aber der Rest ist nicht sehr groß geworden.

Wenn du Technik spannend findest, dann solltest du wirklich versuchen, das zu lernen um da zu arbeiten. Ich würde gerne Weltraumnavigation lernen. Und Außeneinsätze würde ich auch gerne machen, wenn ich groß bin. Auf Ordnungshüter habe ich genauso wenig Lust wie du.

Ich freue mich darauf, wieder von dir zu hören.

Ganz viele ganz doll liebe Grüße und bis bald!

Deine Tiri

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Briefe von der Sejereh – 4. Antwortbrief, 2. Teil

Erster BriefErster TeilSejereh, den 08.02.2321, Hallo Isma

Bei uns spielen die Erwachsenen auch Ball, aber sie nehmen es nicht ganz so wichtig wie bei euch. Warum streiten die sich, wenn sie verloren haben? Wenn sie bei uns gespielt haben, dann sitzen sie nachher zusammen und trinken und essen etwas. Manchmal verletzt sich bei uns bei dem Spiel jemand, aber nach dem Spiel vertragen sich alle wieder.

Wie schade, dass eure Krähen nicht oft gewinnen, außer natürlich gegen die Nashörner. Die scheinen ja richtig gefährlich zu sein. Ich finde es nicht normal, dass die Männer bei euch sich immer prügeln, ob es nun um die Nashörner oder Verbindungsgänge oder was auch immer geht. Macht den Männern das so viel Spaß, sich zu prügeln? Bei uns wären die Männer, wenn sie das öfter machen, längst zum Arzt geschickt worden und hätten ein Beruhigungsmittel bekommen. Ich verstehe nicht, wie eure Erwachsenen zulassen können, dass diese Männer sich einfach prügeln. Es scheinen doch alle zu wissen, wenn sogar die Leute von der Krankenstation schon bereit stehen. Schon seltsam, finde ich.

Ich finde es schön, dass ihr die Jungs mit Schneebällen vertreibt. Geschieht ihnen recht, wenn Mehol immer so eine große Klappe hat. Dann war es genau richtig, dass ihr sie vertrieben habt. Wenn sie sauer waren, hat es sie richtig geärgert, das macht es doch noch schöner für euch.

Manchmal machen wir auch Schneeballschlachten, aber das ist selten, denn die anderen haben meistens keine Lust, sich ihre warmen Sachen anzuziehen und nur zu zweit oder zu dritt ist das nicht so lustig wir mit zehn Kindern.

Ich finde es noch immer seltsam, wie ihr auf der Schadjara lebt. Ich hätte nie gedacht, dass es auf Raumschiffen Vater-Mutter-Kind-Familien geben könnte und dass sich um einen ein Leben lang die selben Eltern kümmern. Aber dass die Eltern sich auch noch um euch kümmern, wenn ihr Erwachsen seid, und dass sie euch helfen, das ist toll. Bei uns ist das leider oft nicht so, denn wenn man Erwachsen ist, kann man ja auch andere Leute um Hilfe bitten. Manche Leute machen das und lassen sich helfen, aber das schaffen bei uns nicht alle. Da wäre es schön, wenn man seine Eltern noch hätte, die einem aus Prinzip helfen und oft auch fragen, ob man Hilfe braucht.

Es ist bestimmt sehr schön, wenn ihr dann Kinder habt und wisst, dass die euch helfen werden, wenn ihr alt seid, dann hat man diese zwei Personen, die sich speziell um einen kümmern. Bei uns kümmern sich alle um die Alten, aber manchmal führt das dazu, dass sich niemand kümmert, wenn die Alten sich nicht auch darum bemühen. Ich hoffe, wenn ich alt bin, dann habe ich auch Leute, die sich um mich kümmern, das wäre schön.

Brot essen wir natürlich auch. Und Müsli und sowas. Unser Essen scheint wirklich das Gleiche wie eures zu sein. Wenn Lamamilch statt Kamelmilch der einzige Unterschied ist, dann ist das nicht viel.

Mit 16 fangen bei uns die Leute, die keine Lust mehr auf Schule haben, auch mit arbeiten an. Aber die meisten von uns machen weiter Schule. Das werde ich auch machen, denn wenn man mehr lernt, kann man sich später mehr Berufe aussuchen. Wer will schon jahrelang immer den gleichen Beruf machen? Die meisten Leute, die mit 16 mit Arbeiten anfangen, gehen als Erwachsene nochmal zur Schule, um weitere Berufe machen zu können.

Mich wundert es, dass die meisten von euch mit 16 schon mit der Schule fertig sind. Aber wenn ihr natürlich nur einen einzigen Beruf lernt, ist es kein Wunder, dass ihr nicht so viel Wissen müsst. Ich stelle mir vor, dass es bei euch noch doofer ist, wenn bei euch jemand junges stirbt, weil dann ja jemand anderes seinen Beruf übernehmen muss. Wie ist das bei euch, wenn jemand einen Beruf hat, von dem ihr nur ein oder zwei Leute braucht? Wenn einer stirbt, muss der andere schnell einen Nachfolger ausbilden, oder?

Da wir bei uns ja die Berufe durchwechseln, gibt es bei uns für jeden Beruf immer eine ganze Reihe Leute, die den Beruf können. Wenn wir die Arbeit verteilen und jemand eine Arbeit machen will, die er nicht gelernt hat, so muss ihm jemand diese Arbeit beibringen. Bei manchen Berufen dauert das natürlich länger, bis man alles kann, was man für den Beruf braucht. Bei Ärzten ist das zum Beispiel so. Den Beruf darf man nur machen, wenn man ihn vorher genug gelernt hat. Zu jeder Zeit gibt es zwei Ausbildungsärzte, die den Beruf lernen und den eigentlichen Arzt unterstützen. Nur, wer eine entsprechende Prüfung bestanden hat, darf dann richtiger Arzt werden. So ist bei uns immer sichergestellt, dass wir einen Arzt haben, der weiß, was er tut.

Ich finde es schade, dass du keinen Beruf lernen darfst, weil du eine Frau bist und nur Sachen machen darfst, für die man nichts lernen muss. Ich hätte überhaupt keine Lust, nur solche Sachen zu machen. Vielleicht bist du ja richtig gut und kannst einen komplizierten Beruf lernen. Das wäre doch schön für dich.

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Briefe von der Sejereh – 4. Antwortbrief, 1. Teil

Erster BriefVorheriger Brief

Sejereh, den 08.02.2321, Hallo Isma

Wie schön, wieder von dir zu hören. Ich habe mich sehr gefreut. Ich bin jetzt zehneinhalb Jahre alt und in der fünfte Klasse. Was wir dieses Jahr in der Schule lernen, ist ganz schön kompliziert. Ist das bei euch auch so?

Wenn du möchtest, kannst du meinen Brief gerne deinen besten Freunden zeigen. Genauso wie du schreibe ich ihn aber nur für dich. Kasa und die anderen Freunde von mir wollen auch immer wissen, was du geschrieben hast. Da du damit einverstanden bist, kann ich ihnen den Brief zeigen. Aber nur Kasa und Zumadja, denn die beiden sind meine besten Freundinnen.

Ich finde es sehr schade, dass wir nur so kurze Briefe schreiben dürfen, aber ich kann es natürlich verstehen, dass die anderen das Kom-Modul auch nutzen wollen. Bei uns versuchen sie immer noch, Kontakt mit der Erde aufzunehmen, aber bisher ohne Erfolg. Manchmal versuchen wir auch, mit der Niptaran Kontakt aufzunehmen, aber die sind von uns noch weiter weg als von euch und antworten nur manchmal.

Ich war die letzten Tage, während Dein Brief hier ankam, auch oft im Kom-Modul. Kala hat mir ganz viel erklärt, wie alles funktioniert und einmal hat sie mich sogar helfen lassen, die große Antenne auszurichten. Es war total knifflig, die so zu drehen, dass Dein Signal möglichst gut zu empfangen war. Am Ende war es gut, aber ich habe viel geschwitzt, bis es soweit war.

Bazak geht es gut, sie ist ein gutes Stück gewachsen und hat jetzt ein hellbraunes Fell. Ich finde es faszinierend, dass sie am liebsten Tannenbäume frisst. Alle anderen Tiere mögen Tannenbäume nicht, aber Bazak ist ganz wild darauf. Es war ein lustiger Zufall; dass wir das rausgefunden haben. Wir wollten einen Tannenbaum aus Modul Beta in ein anderes Modul schaffen, um dort das Holz zu verarbeiten. Aber da der Verbindungsgang wegen einer Reparatur gesperrt war, mussten wir durch das Modul, in dem die Lamas leben. Als Bazak mit sah, kam sie gleich angelaufen. Als wir eine Pause gemacht haben, hat sie den Baum beschnuppert und dann angefangen, die Nadeln von den Ästen zu fressen. Wir haben ihr fasziniert zugeschaut. Dann hat Hatab entschieden, dass wir sie die Nadeln fressen lassen und den Stamm danach erst zur Verarbeitung bringen. Seit dem wissen wir, dass Bazak Tannenbäume mag. Die anderen Lamas essen die natürlich auch, aber sie sind nicht so versessen drauf wie sie.

Vor ein paar Wochen durfte Bazak zum ersten Mal etwas für uns tragen. Das war ganz schön aufregend, denn anfangs mochte sie das Tragegeschirr nicht. Aber als sie gesehen hat, dass die anderen Lamas sich das Geschirr anlegen ließen und ich sie mit einem Tannenzweig und Äpfeln gefüttert habe, hat sie sich beruhigt. Dann hat sie brav einen Sack mit Entenfutter quer durch das Modul getragen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich Bazak beigebracht kriege, mich zu beschützen, ich glaube, Lamas machen das nicht. Es ist toll, dass Chubzi dich beschützt und Teyas dich jetzt nicht mehr so viel ärgert. Es freut mich, das Etna jetzt auch ein Kamel hat und ihr fast eine richtige Karawane seid. Das macht Chubzi und dir bestimmt mehr Spaß als alleine zu sein.

Wie schade, dass ihr keine Papageien habt, denn es ist toll, wenn man denen Sprechen beibringt. Papageien sind ziemlich schau. Erdmännchen gibt es bei uns leider keine, die kenne ich nur aus Filmen. Aber da waren sie immer sehr wuselig, das stimmt.

Unser Lagermodul wurde leider vor ein paar Monaten von der Erwachsenen entdeckt und jetzt dürfen wir dort nicht mehr spielen. Aber Bassif hat ein anderes Modul entdeckt, wo selten jemand vorbei kommt. Das ist viel kleiner als das alte Spielmodul, aber wenn wir nicht mehr als vier sind, ist es super.

Wenn wir dort spielen, machen wir das jetzt auch so wie ihr mit eurer Ecke, zwei von uns müssen Wache halten, damit die anderen in Ruhe spielen können. Manchmal, wenn die Jungs was langweiliges spielen, halte ich lieber Wache, als mit denen zu spielen.

Wie schade, dass ihr in eurem Spielmodul keine Schwerelosigkeit habt. Ich finde das immer toll, denn in der Schwerelosigkeit braucht man mehr Geschick und weniger Kraft, um irgendwas gut zu machen. Wenn wir da was sportliches machen, bin ich wenigstens mal nicht die letzte.

Warum wird euch verboten, ein Baumhaus zu bauen und den Jungs nicht? Wenn bei uns etwas verboten wird, dann ist es egal, ob wir Mädchen oder Jungen sind, wenn, dann wird es allen verboten. Es ist wirklich bescheuert, dass es bei euch so ist. Hängt das mit eurem Frauen gehen nicht Arbeiten zusammen? Warum sonst sollten sie Mädchen verbieten, Baumhäuser zu bauen und es Jungen erlauben? Ich finde das seltsam. Vielleicht solltest du darauf achten, wenn du erwachsen bist, dass du es mit den Kindern nicht genauso machst.

Den zweiten Teil dieses Briefes gibt es nächste Woche, den dritten übernächste, diesmal in drei Teile geteilt, da ich in Urlaub bin.

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Die Legende vom Anfang Horjekjobolos – 5. Strophe

Fünfte  Strophe – Ausbreitung der Menschen

(Der Übersetzer liegt mit Erklätung krank im Bett, habt also Verständnis, wenn die Übersetzung diesmal etwas holprig ausfällt…)

Die Menschen forschten überall,
eine ganze lang‘ Kolonne.
So kamen sie ganz Knall auf Fall
zu Schatten und zur Sonne.

Sie siedelten an allen Hängen,
im Wald und auf den Steinen.
Am Fluss und allen Stränden
wohnten sie in neuen Heimen.

Die Insel war bald voll bewohnt
mit vielen treuen Leuten;
die Landung hatte sich gelohnt
weil alle sich so freuten.

Die erste Strophe finde ihr hier und die vierte hier.

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Jäger trifft Reh – Teil 1

Sayaat betrat das Ufer Goozaldozils. Er war nicht ganz freiwillig hier, das musste er zugeben, aber er hatte sich nunmal dafür entschieden, Jäger zu werden, und so musste er sich diese Prüfung stellen. Die Abschlussprüfung, eine erfolgreiche Jagd auf Goozaldozil war das Entscheidende, um als erwachsener Jäger in die Gilde aufgenommen zu werden. Er hatte geübt. Viel geübt. Jetzt endlich war die Zeit gekommen, dass er unter Beweis stellen konnte, dass er würdig war, den Titel eines Jägers zu tragen.

Er war ein wenig nervös, denn niemand wusste, was einen bei dieser Prüfung erwartete. Über die Hälfte der Jäger kehrte nie zurück. Niemand wusste, was mit ihnen geschah. Kein erwachsener Jäger erzählte, was ihm auf der Insel widerfahren war. Sayaat war sich nicht sicher, ob sie sich einfach nicht erinnerten, oder ob sie nichts sagen wollten. Er wusste nur, dass er eines die hiesigen Tiere erlegen und seinen Kopf als Trophäe mitbringen musste. Er musste es innerhalb von 30 Stunden schaffen, denn dann würde das Boot wieder ans Ufer kommen und ihn abholen. Wenn er nicht zurück war, würde er auf der Insel bleiben müssen.

Vorsichtig pirschte er mit Pfeil und Bogen durch das dichte Unterholz. Schon nach kurzer Zeit fand er einen Wildwechsel. Er untersuchte die Spuren der Tiere und stellte fest, dass es im wesentlichen die selben Tiere wie auf Dokozil, seiner Heimatinsel, waren, eine Mischung aus einheimischen Tieren, wie Schorylen und Raakebären, und Tieren, die von den Menschen nach Amel gebracht worden waren, wie Rehe und Ziegen. Das war gut, denn er wusste, worauf er bei der Jagd dieser Tiere achten musste.

Er folgte dem Wildwechsel weiter und fand schließlich eine Stelle, an der gut versteckt sitzen und den Tieren auflauern konnte. Vorsichtig verließ er den Pfad und versteckte sich. Dann wartete er. Es war eine gute Stelle, denn mehrere Wildwechsel trafen sich hier, aber trotzdem war er von hinten geschützt.

Als er wartete, fragte er sich, was der Grund dafür war, dass so viele Anwärter nicht zurück kehrten. Welche wilden Tiere gab es hier, von denen er nichts wusste? Gab es andere Gefahren? Giftige Pflanzen vielleicht?

Die Tatsache, dass nur drei von zehn Jägeranwärtern nach Dokozil zurück kehrten, hatte dazu geführt, dass eine Mitgliedschaft in der Jägergilde sehr hoch angesehen war. Alle wichtigen Leute auf Dokozil waren in der Jägergilde und wenn er zurück kehrte, würde er auch ein Teil von ihnen sein.

Er musste nicht sehr lange warten, bis ein Reh vorbei kam, das er mit einem gut gezielten Pfeil tötete. Es fiel direkt auf den Wildwechsel. Es war geradezu lächerlich einfach gewesen. Er kämpfte sich durch das Unterholz auf den Wildwechsel und untersuchte es. Es war ein kräftiges Tier und hätte ihrem ganzen Dorf als Mahlzeit gereicht. Er überlegte, ob er wenigstens das Fell abziehen sollte, doch wahrscheinlich war es besser, nur den Kopf zu nehmen.

Er hatte ihn gerade abgeschnitten und eingepackt, als ihn von hinten Hände packten. Noch bevor er sich umdrehen konnte, wurde ihm ein dunkler Sack über den Kopf gestülpt. Seine Hände wurden ihm auf den Rücken gedreht und gefesselt, genauso wie seine Füße. Kurz darauf wurde er wortlos angehoben und von mehreren Personen getragen.

Das war offensichtlich das, was den Jägern passierte, die nicht zurück kehrten und jetzt war es auch ihm passiert. Panik bereitete sich in ihm aus, und als er versuchte, sich zu wehren, wurde er kräftig geschlagen. Gefesselt würde er keine Möglichkeit haben zu entfliehen. Krampfhaft versuchte er, die Panik zurückzudrängen. Jetzt kam es darauf an, dass er einen kühlen Kopf behielt.

Er versuchte, sich auf den Weg zu konzentrieren und ihn sich möglichst genau einzuprägen. Richtungswechsel, die er spürte, Wasserläufe, die er hören konnte, Lichtungen, auf denen er den Wind spürte. Einfach alles versuchte er sich zu merken.

Nach einiger Zeit wurde er unsanft auf den Boden geworfen.

„Jäger! Wie ist dein Name?“, fragte ihn eine befehlsgewohnte Stimme.

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