Briefe von der Sejereh – 4. Antwortbrief, 3. Teil

Erster BriefErster TeilSejereh, den 08.02.2321, Hallo Isma

Warum können Frauen, die Kinder haben, bei euch keinen Beruf haben? Während wir in der Schule sind, können unsere Eltern doch auch arbeiten. Aber wenn ihr natürlich ein Leben lang den selben Beruf habt, wäre es natürlich doof, wenn die einzigen zwei, die den Beruf gelernt haben, Frauen sind, die gleichzeitig schwanger wären. Aber dass ihr dann gleich gar keinen Beruf lernt…

So, wie du dir nicht vorstellen kannst, wie Arbeit ohne Geld funktioniert, kann ich mir nicht vorstellen, wie Raumschiffe mit Geld funktionieren sollen. Warum sollte man für Essen und Kleidung bezahlen müssen? Lebensmittel bekommen wir immer an der Ausgabe. Wenn etwas bestimmtes knapp ist, kann man es als Belohnung für die Arbeit bekommen oder mit anderen gegen etwas anderes tauschen. Wenn man etwas besonderes will, dann kann man auch tauschen, denn manche Leute mögen manche Sachen nicht und andere dafür um so mehr. Am Ende bekommt jeder, was er gerne hätte.

Manchmal, wenn wir etwas besonders seltenes wollen, dann müssen wir eben länger dafür Arbeiten oder eben demjenigen, der es hat oder herstellt, etwas besonders Gutes zum Tausch anbieten. Manche Sachen kann man auch einfach nicht bekommen, weil niemand sie hergibt. Aber das sind dann auch oft Dinge, die man nicht wirklich braucht, sondern nur gerne hätte, weil man sie gerne hätte.

Ich finde es interessant, dass bei euch die Großeltern von den Eltern keinen Ärger bekommen. Bei uns ist das anders. Aber bei uns sind die meisten Alten auch nicht die Eltern der Eltern, wahrscheinlich ist es deswegen anders.

Bei uns ist es ganz normal, dass Eltern nicht nur Mann und Frau sind. Frauensachen – beziehungsweise Männersachen bei Jungs – lernen wir von anderen Frauen in unserem Modul. Mir hat Zahmari ganz viel erklärt. Ihr lasst euch das alles von euren Eltern erklären? Ich finde das seltsam, von Vater und Mutter erklärt zu bekommen, wie das alles funktioniert. Vor deiner Geburt hast du schließlich im Bauch deiner Mutter gesteckt.

Bei uns machen Frauen und Männer wirklich die gleiche Arbeit. Natürlich gibt es Berufe, die gerade von mehr Frauen gemacht werden und solche mit mehr Männern, aber das ändert sich ziemlich oft, weil wir ja auch unsere einzelnen Arbeiten ändern. Momentan haben wir ziemlich viele Frauen, die sich um die Lebenserhaltungssysteme und die Navigation kümmern, aber das kann in ein paar Monaten schon wieder ganz anderes aussehen.

Dürfen bei euch Männer keine Frauenarbeiten machen, wenn Frauen bestimmte Arbeiten auch nicht machen dürfen? Bei uns sind die Fähigkeiten von Männern und Frauen nicht so unterschiedlich, dass sie unterschiedliche Berufe ausüben würden.

Ich frage mich, warum ihr Abends überhaupt spült, wenn es bei euch niemanden interessiert? Bei uns würden wir das schmutzige Geschirr die ganze Woche stehen lassen und nur sonntags spülen, wenn wir Zeit haben. Aber das geht bei uns natürlich nicht.

Von der Erde haben wir noch immer nichts gehört. Aber wir haben eine kurze Botschaft von der Niptaran bekommen, dass bei ihnen alles in Ordnung ist.

Funktioniert es bei euch, dass die Leute jetzt, wo die Strafen härter sind, weniger verbotenes machen? Ich drücke euch die Daumen, dass es klappt.

Es ist beruhigend, wenn Mustabed auch mal etwas gutes sagt, obwohl er sagt, dass alles von der Erde schlecht ist. Vielleicht stellt er ja irgendwann fest, dass er unrecht hat?

Ich finde es schön, dass dein Gemüsebeet toll geworden ist. Ich gratuliere dir zum drittgrößten Kürbis. Hast du dieses Jahr wieder Kürbisse? Wie groß sind sie? Meine Gemüse sind dieses Jahr nicht so gut geworden. Nur die Radieschen sind gut, aber der Rest ist nicht sehr groß geworden.

Wenn du Technik spannend findest, dann solltest du wirklich versuchen, das zu lernen um da zu arbeiten. Ich würde gerne Weltraumnavigation lernen. Und Außeneinsätze würde ich auch gerne machen, wenn ich groß bin. Auf Ordnungshüter habe ich genauso wenig Lust wie du.

Ich freue mich darauf, wieder von dir zu hören.

Ganz viele ganz doll liebe Grüße und bis bald!

Deine Tiri

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Briefe von der Sejereh – 4. Antwortbrief, 2. Teil

Erster BriefErster TeilSejereh, den 08.02.2321, Hallo Isma

Bei uns spielen die Erwachsenen auch Ball, aber sie nehmen es nicht ganz so wichtig wie bei euch. Warum streiten die sich, wenn sie verloren haben? Wenn sie bei uns gespielt haben, dann sitzen sie nachher zusammen und trinken und essen etwas. Manchmal verletzt sich bei uns bei dem Spiel jemand, aber nach dem Spiel vertragen sich alle wieder.

Wie schade, dass eure Krähen nicht oft gewinnen, außer natürlich gegen die Nashörner. Die scheinen ja richtig gefährlich zu sein. Ich finde es nicht normal, dass die Männer bei euch sich immer prügeln, ob es nun um die Nashörner oder Verbindungsgänge oder was auch immer geht. Macht den Männern das so viel Spaß, sich zu prügeln? Bei uns wären die Männer, wenn sie das öfter machen, längst zum Arzt geschickt worden und hätten ein Beruhigungsmittel bekommen. Ich verstehe nicht, wie eure Erwachsenen zulassen können, dass diese Männer sich einfach prügeln. Es scheinen doch alle zu wissen, wenn sogar die Leute von der Krankenstation schon bereit stehen. Schon seltsam, finde ich.

Ich finde es schön, dass ihr die Jungs mit Schneebällen vertreibt. Geschieht ihnen recht, wenn Mehol immer so eine große Klappe hat. Dann war es genau richtig, dass ihr sie vertrieben habt. Wenn sie sauer waren, hat es sie richtig geärgert, das macht es doch noch schöner für euch.

Manchmal machen wir auch Schneeballschlachten, aber das ist selten, denn die anderen haben meistens keine Lust, sich ihre warmen Sachen anzuziehen und nur zu zweit oder zu dritt ist das nicht so lustig wir mit zehn Kindern.

Ich finde es noch immer seltsam, wie ihr auf der Schadjara lebt. Ich hätte nie gedacht, dass es auf Raumschiffen Vater-Mutter-Kind-Familien geben könnte und dass sich um einen ein Leben lang die selben Eltern kümmern. Aber dass die Eltern sich auch noch um euch kümmern, wenn ihr Erwachsen seid, und dass sie euch helfen, das ist toll. Bei uns ist das leider oft nicht so, denn wenn man Erwachsen ist, kann man ja auch andere Leute um Hilfe bitten. Manche Leute machen das und lassen sich helfen, aber das schaffen bei uns nicht alle. Da wäre es schön, wenn man seine Eltern noch hätte, die einem aus Prinzip helfen und oft auch fragen, ob man Hilfe braucht.

Es ist bestimmt sehr schön, wenn ihr dann Kinder habt und wisst, dass die euch helfen werden, wenn ihr alt seid, dann hat man diese zwei Personen, die sich speziell um einen kümmern. Bei uns kümmern sich alle um die Alten, aber manchmal führt das dazu, dass sich niemand kümmert, wenn die Alten sich nicht auch darum bemühen. Ich hoffe, wenn ich alt bin, dann habe ich auch Leute, die sich um mich kümmern, das wäre schön.

Brot essen wir natürlich auch. Und Müsli und sowas. Unser Essen scheint wirklich das Gleiche wie eures zu sein. Wenn Lamamilch statt Kamelmilch der einzige Unterschied ist, dann ist das nicht viel.

Mit 16 fangen bei uns die Leute, die keine Lust mehr auf Schule haben, auch mit arbeiten an. Aber die meisten von uns machen weiter Schule. Das werde ich auch machen, denn wenn man mehr lernt, kann man sich später mehr Berufe aussuchen. Wer will schon jahrelang immer den gleichen Beruf machen? Die meisten Leute, die mit 16 mit Arbeiten anfangen, gehen als Erwachsene nochmal zur Schule, um weitere Berufe machen zu können.

Mich wundert es, dass die meisten von euch mit 16 schon mit der Schule fertig sind. Aber wenn ihr natürlich nur einen einzigen Beruf lernt, ist es kein Wunder, dass ihr nicht so viel Wissen müsst. Ich stelle mir vor, dass es bei euch noch doofer ist, wenn bei euch jemand junges stirbt, weil dann ja jemand anderes seinen Beruf übernehmen muss. Wie ist das bei euch, wenn jemand einen Beruf hat, von dem ihr nur ein oder zwei Leute braucht? Wenn einer stirbt, muss der andere schnell einen Nachfolger ausbilden, oder?

Da wir bei uns ja die Berufe durchwechseln, gibt es bei uns für jeden Beruf immer eine ganze Reihe Leute, die den Beruf können. Wenn wir die Arbeit verteilen und jemand eine Arbeit machen will, die er nicht gelernt hat, so muss ihm jemand diese Arbeit beibringen. Bei manchen Berufen dauert das natürlich länger, bis man alles kann, was man für den Beruf braucht. Bei Ärzten ist das zum Beispiel so. Den Beruf darf man nur machen, wenn man ihn vorher genug gelernt hat. Zu jeder Zeit gibt es zwei Ausbildungsärzte, die den Beruf lernen und den eigentlichen Arzt unterstützen. Nur, wer eine entsprechende Prüfung bestanden hat, darf dann richtiger Arzt werden. So ist bei uns immer sichergestellt, dass wir einen Arzt haben, der weiß, was er tut.

Ich finde es schade, dass du keinen Beruf lernen darfst, weil du eine Frau bist und nur Sachen machen darfst, für die man nichts lernen muss. Ich hätte überhaupt keine Lust, nur solche Sachen zu machen. Vielleicht bist du ja richtig gut und kannst einen komplizierten Beruf lernen. Das wäre doch schön für dich.

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Briefe von der Sejereh – 4. Antwortbrief, 1. Teil

Erster BriefVorheriger Brief

Sejereh, den 08.02.2321, Hallo Isma

Wie schön, wieder von dir zu hören. Ich habe mich sehr gefreut. Ich bin jetzt zehneinhalb Jahre alt und in der fünfte Klasse. Was wir dieses Jahr in der Schule lernen, ist ganz schön kompliziert. Ist das bei euch auch so?

Wenn du möchtest, kannst du meinen Brief gerne deinen besten Freunden zeigen. Genauso wie du schreibe ich ihn aber nur für dich. Kasa und die anderen Freunde von mir wollen auch immer wissen, was du geschrieben hast. Da du damit einverstanden bist, kann ich ihnen den Brief zeigen. Aber nur Kasa und Zumadja, denn die beiden sind meine besten Freundinnen.

Ich finde es sehr schade, dass wir nur so kurze Briefe schreiben dürfen, aber ich kann es natürlich verstehen, dass die anderen das Kom-Modul auch nutzen wollen. Bei uns versuchen sie immer noch, Kontakt mit der Erde aufzunehmen, aber bisher ohne Erfolg. Manchmal versuchen wir auch, mit der Niptaran Kontakt aufzunehmen, aber die sind von uns noch weiter weg als von euch und antworten nur manchmal.

Ich war die letzten Tage, während Dein Brief hier ankam, auch oft im Kom-Modul. Kala hat mir ganz viel erklärt, wie alles funktioniert und einmal hat sie mich sogar helfen lassen, die große Antenne auszurichten. Es war total knifflig, die so zu drehen, dass Dein Signal möglichst gut zu empfangen war. Am Ende war es gut, aber ich habe viel geschwitzt, bis es soweit war.

Bazak geht es gut, sie ist ein gutes Stück gewachsen und hat jetzt ein hellbraunes Fell. Ich finde es faszinierend, dass sie am liebsten Tannenbäume frisst. Alle anderen Tiere mögen Tannenbäume nicht, aber Bazak ist ganz wild darauf. Es war ein lustiger Zufall; dass wir das rausgefunden haben. Wir wollten einen Tannenbaum aus Modul Beta in ein anderes Modul schaffen, um dort das Holz zu verarbeiten. Aber da der Verbindungsgang wegen einer Reparatur gesperrt war, mussten wir durch das Modul, in dem die Lamas leben. Als Bazak mit sah, kam sie gleich angelaufen. Als wir eine Pause gemacht haben, hat sie den Baum beschnuppert und dann angefangen, die Nadeln von den Ästen zu fressen. Wir haben ihr fasziniert zugeschaut. Dann hat Hatab entschieden, dass wir sie die Nadeln fressen lassen und den Stamm danach erst zur Verarbeitung bringen. Seit dem wissen wir, dass Bazak Tannenbäume mag. Die anderen Lamas essen die natürlich auch, aber sie sind nicht so versessen drauf wie sie.

Vor ein paar Wochen durfte Bazak zum ersten Mal etwas für uns tragen. Das war ganz schön aufregend, denn anfangs mochte sie das Tragegeschirr nicht. Aber als sie gesehen hat, dass die anderen Lamas sich das Geschirr anlegen ließen und ich sie mit einem Tannenzweig und Äpfeln gefüttert habe, hat sie sich beruhigt. Dann hat sie brav einen Sack mit Entenfutter quer durch das Modul getragen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich Bazak beigebracht kriege, mich zu beschützen, ich glaube, Lamas machen das nicht. Es ist toll, dass Chubzi dich beschützt und Teyas dich jetzt nicht mehr so viel ärgert. Es freut mich, das Etna jetzt auch ein Kamel hat und ihr fast eine richtige Karawane seid. Das macht Chubzi und dir bestimmt mehr Spaß als alleine zu sein.

Wie schade, dass ihr keine Papageien habt, denn es ist toll, wenn man denen Sprechen beibringt. Papageien sind ziemlich schau. Erdmännchen gibt es bei uns leider keine, die kenne ich nur aus Filmen. Aber da waren sie immer sehr wuselig, das stimmt.

Unser Lagermodul wurde leider vor ein paar Monaten von der Erwachsenen entdeckt und jetzt dürfen wir dort nicht mehr spielen. Aber Bassif hat ein anderes Modul entdeckt, wo selten jemand vorbei kommt. Das ist viel kleiner als das alte Spielmodul, aber wenn wir nicht mehr als vier sind, ist es super.

Wenn wir dort spielen, machen wir das jetzt auch so wie ihr mit eurer Ecke, zwei von uns müssen Wache halten, damit die anderen in Ruhe spielen können. Manchmal, wenn die Jungs was langweiliges spielen, halte ich lieber Wache, als mit denen zu spielen.

Wie schade, dass ihr in eurem Spielmodul keine Schwerelosigkeit habt. Ich finde das immer toll, denn in der Schwerelosigkeit braucht man mehr Geschick und weniger Kraft, um irgendwas gut zu machen. Wenn wir da was sportliches machen, bin ich wenigstens mal nicht die letzte.

Warum wird euch verboten, ein Baumhaus zu bauen und den Jungs nicht? Wenn bei uns etwas verboten wird, dann ist es egal, ob wir Mädchen oder Jungen sind, wenn, dann wird es allen verboten. Es ist wirklich bescheuert, dass es bei euch so ist. Hängt das mit eurem Frauen gehen nicht Arbeiten zusammen? Warum sonst sollten sie Mädchen verbieten, Baumhäuser zu bauen und es Jungen erlauben? Ich finde das seltsam. Vielleicht solltest du darauf achten, wenn du erwachsen bist, dass du es mit den Kindern nicht genauso machst.

Den zweiten Teil dieses Briefes gibt es nächste Woche, den dritten übernächste, diesmal in drei Teile geteilt, da ich in Urlaub bin.

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Die Legende vom Anfang Horjekjobolos – 5. Strophe

Fünfte  Strophe – Ausbreitung der Menschen

(Der Übersetzer liegt mit Erklätung krank im Bett, habt also Verständnis, wenn die Übersetzung diesmal etwas holprig ausfällt…)

Die Menschen forschten überall,
eine ganze lang‘ Kolonne.
So kamen sie ganz Knall auf Fall
zu Schatten und zur Sonne.

Sie siedelten an allen Hängen,
im Wald und auf den Steinen.
Am Fluss und allen Stränden
wohnten sie in neuen Heimen.

Die Insel war bald voll bewohnt
mit vielen treuen Leuten;
die Landung hatte sich gelohnt
weil alle sich so freuten.

Die erste Strophe finde ihr hier und die vierte hier.

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Jäger trifft Reh – Teil 1

Sayaat betrat das Ufer Goozaldozils. Er war nicht ganz freiwillig hier, das musste er zugeben, aber er hatte sich nunmal dafür entschieden, Jäger zu werden, und so musste er sich diese Prüfung stellen. Die Abschlussprüfung, eine erfolgreiche Jagd auf Goozaldozil war das Entscheidende, um als erwachsener Jäger in die Gilde aufgenommen zu werden. Er hatte geübt. Viel geübt. Jetzt endlich war die Zeit gekommen, dass er unter Beweis stellen konnte, dass er würdig war, den Titel eines Jägers zu tragen.

Er war ein wenig nervös, denn niemand wusste, was einen bei dieser Prüfung erwartete. Über die Hälfte der Jäger kehrte nie zurück. Niemand wusste, was mit ihnen geschah. Kein erwachsener Jäger erzählte, was ihm auf der Insel widerfahren war. Sayaat war sich nicht sicher, ob sie sich einfach nicht erinnerten, oder ob sie nichts sagen wollten. Er wusste nur, dass er eines die hiesigen Tiere erlegen und seinen Kopf als Trophäe mitbringen musste. Er musste es innerhalb von 30 Stunden schaffen, denn dann würde das Boot wieder ans Ufer kommen und ihn abholen. Wenn er nicht zurück war, würde er auf der Insel bleiben müssen.

Vorsichtig pirschte er mit Pfeil und Bogen durch das dichte Unterholz. Schon nach kurzer Zeit fand er einen Wildwechsel. Er untersuchte die Spuren der Tiere und stellte fest, dass es im wesentlichen die selben Tiere wie auf Dokozil, seiner Heimatinsel, waren, eine Mischung aus einheimischen Tieren, wie Schorylen und Raakebären, und Tieren, die von den Menschen nach Amel gebracht worden waren, wie Rehe und Ziegen. Das war gut, denn er wusste, worauf er bei der Jagd dieser Tiere achten musste.

Er folgte dem Wildwechsel weiter und fand schließlich eine Stelle, an der gut versteckt sitzen und den Tieren auflauern konnte. Vorsichtig verließ er den Pfad und versteckte sich. Dann wartete er. Es war eine gute Stelle, denn mehrere Wildwechsel trafen sich hier, aber trotzdem war er von hinten geschützt.

Als er wartete, fragte er sich, was der Grund dafür war, dass so viele Anwärter nicht zurück kehrten. Welche wilden Tiere gab es hier, von denen er nichts wusste? Gab es andere Gefahren? Giftige Pflanzen vielleicht?

Die Tatsache, dass nur drei von zehn Jägeranwärtern nach Dokozil zurück kehrten, hatte dazu geführt, dass eine Mitgliedschaft in der Jägergilde sehr hoch angesehen war. Alle wichtigen Leute auf Dokozil waren in der Jägergilde und wenn er zurück kehrte, würde er auch ein Teil von ihnen sein.

Er musste nicht sehr lange warten, bis ein Reh vorbei kam, das er mit einem gut gezielten Pfeil tötete. Es fiel direkt auf den Wildwechsel. Es war geradezu lächerlich einfach gewesen. Er kämpfte sich durch das Unterholz auf den Wildwechsel und untersuchte es. Es war ein kräftiges Tier und hätte ihrem ganzen Dorf als Mahlzeit gereicht. Er überlegte, ob er wenigstens das Fell abziehen sollte, doch wahrscheinlich war es besser, nur den Kopf zu nehmen.

Er hatte ihn gerade abgeschnitten und eingepackt, als ihn von hinten Hände packten. Noch bevor er sich umdrehen konnte, wurde ihm ein dunkler Sack über den Kopf gestülpt. Seine Hände wurden ihm auf den Rücken gedreht und gefesselt, genauso wie seine Füße. Kurz darauf wurde er wortlos angehoben und von mehreren Personen getragen.

Das war offensichtlich das, was den Jägern passierte, die nicht zurück kehrten und jetzt war es auch ihm passiert. Panik bereitete sich in ihm aus, und als er versuchte, sich zu wehren, wurde er kräftig geschlagen. Gefesselt würde er keine Möglichkeit haben zu entfliehen. Krampfhaft versuchte er, die Panik zurückzudrängen. Jetzt kam es darauf an, dass er einen kühlen Kopf behielt.

Er versuchte, sich auf den Weg zu konzentrieren und ihn sich möglichst genau einzuprägen. Richtungswechsel, die er spürte, Wasserläufe, die er hören konnte, Lichtungen, auf denen er den Wind spürte. Einfach alles versuchte er sich zu merken.

Nach einiger Zeit wurde er unsanft auf den Boden geworfen.

„Jäger! Wie ist dein Name?“, fragte ihn eine befehlsgewohnte Stimme.

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Buchpräsentation und Lesung

Hallo Liebe Leser,

da ich das ganze Wochenende unterwegs war, um mein Buch zu promoten, gibt es diese Woche nur einen kurzen Bericht. Ich hoffe, ihr könnt mir verzeihen, dass es deswegen diese Woche keine neue Geschichte zu Amel gibt.

Von meiner Steampunk-Veröffentlichung habe ich ja früher schon erzählt (z. B. hier). Vor einiger Zeit hatte die Verlagschefin angefragt, wer von den Autoren Lust hätte, bei der Eutiner Feierey einen Verlagsstand zu machen. Spontan habe ich da zugesagt und zwei andere Autoren vom Verlag auch, so dass wir also dieses Wochenende in Eutin waren.

Unseren Stand vom Lysanda Books Verlag hatten wir gemeinsam mit den Leuten vom , die mit fünf oder sechs Autoren da waren, so dass wir nicht so einsam waren und uns abwechseln konnten.

Der erste Tag war ziemlich verregnet – es hat die ersten sechs Stunden nur geschüttet. Dementsprechend war auch nicht so viel los. Für uns war das aber gar nicht so schlecht, weil die Leute, die trotz des Wetters da waren, alle in der Halle mit den Buchständen waren. Wir Buchverkäufer hatten deutlich weniger Langeweile als die ganzen Stände, die draußen waren.

Außerdem wurde das Bühnenprogramm in die Halle verlegt, wodurch nochmal mehr Leute in der Halle waren. Allerdings waren die Gespräche mit den Besuchern dadurch auch schwieriger, weil es einfach lauter war.

Die Lautstärke war auch für die Lesungen ein Problem, zumal die eh in der hintersten Ecke waren und dementsprechend schlecht besucht waren. Bei mir waren zum Beispiel vier Zuhörer, von denen zwei nach der Hälfe rausgegangen sind, weil sie wohl mit der Erotik in meinem Text nicht klar gekommen sind. Naja, wenn man zu einer Erotik-Lesung geht, sollte man eigentlich wissen, was einen erwartet, aber nun gut. Mit den anderen beiden Besucher habe ich dafür so lange diskutiert, dass irgendwann ein Ordner kam und meinte, dass er bald den Raum abschließen wollte.

Bei einer anderen Lesung ist ein mittelalterlicher Schwertkämpfer durch die Halle gelaufen, und hat die Leute unter Androhung von Schwerthieben zur Lesung geschickt. Da war dann mehr los, aber am Ende war ich doch der einzige, der ein Buch gekauft hat.

Das Bücher-kaufen war eh eines meiner Ziele für dieses Wochenende, da ich kaum noch ungelesene Bücher habe, auf die ich zu Lesen Lust habe. Am Ende waren es zehn Stück, wovon ungefähr die Hälfte von den Autoren signiert wurde. Was die Bücher zum Lesen betrifft, war das Wochenende ein voller Erfolg (auch wenn ich noch mehr Bücher hatte, die ich gerne mitgenommen hätte, aber ich hatte meinen Rollkoffer nicht dabei).

Wir hatten Glück mit unserer Standposition, denn direkt nebenan war das Amt für Ætherangelegenheiten und hat Zeitreisepässe verkauft und gestempelt. Da war immer was los, und so sind viele der Leute dann auch an unseren Stand gekommen.

Was ich auch gelernt habe, ist, wie wichtig es ist, für Frauen einen ansprechenden Stand zu haben. Bei einem Pärchen konnte man es richtig beobachten, wie er eigentlich gerne zu unserem Stand wollte, aber dummerweise mit ihr Händchen hielt. Sie stand etwas Abseits und er hat mehrere Versuche unternommen, sie zu unserem Stand zu ziehen, aber sie hat immer dagegen gehalten, so dass die beiden ohne gute Bücher weiter gegangen sind.

Nachdem wir das beobachtet haben, haben wir darauf geachtet und festgestellt, dass es öfter so abläuft, wenn auch nicht ganz so auffällig. Zum Glück haben die meisten Pärchen doch an unserem Stand geschaut.

Verkaufstechnisch war die ganze Aktion nicht so richtig erfolgreich, aber wir haben immerhin über zehn Bücher verkauft – wieviele genau weiß ich nicht, da ich irgendwann weg musste. Aber da wir ein lustiges Wochenende hatten und uns viel mit anderen Autoren austauschen konnten, war es insgesamt ein gelungenes Wochenende.

Hier noch ein Bild von den anwesenden Steampunks vor der wunderschönen Schlosskulisse.

 

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Landung in Methö

Die Wellen brandeten an das Ufer Methös. Vögel und Insekten kreisten über dem Wasser, die Vögel fingen Meerestiere, die Insekten fraßen Plankton. Immer mal wieder ringelte sich ein Tentakel aus dem Wasser und schnappte sich einen der angreifenden Vögel oder ein größeres Insekt und zog es unter Wasser.

An einer anderen Stelle, etwas weiter vom Ufer entfernt, kam es zu einem Kampf zwischen einem größeren Vogel und einem Oktopus. Ob der Vogel den Oktopus fangen wollte oder ob der Vogel das Opfer war, ließ sich nicht feststellen. Das Wasser schien um die beiden Kämpfer herum zu kochen, so sehr wirbelten sie es auf. Dann gelang es dem Oktopus, den große Vogel komplett unter Wasser zu ziehen. Kurz darauf war von dem Kampf des Meeres gegen die Luft nichts mehr zu sehen.

Dann konnte man in der Ferne, gerade so lauter als die beständige Brandung, Rufe hören. Es war ein neues Geräusch, dass die Insekten und Vögel noch nicht kannten. Sie waren unsicher und zogen sich vom Meer zurück, als die Rufe lauter wurden.

Nach einer Weile konnte man auch das Platschen von Rudern im Wasser hören. Dann kam ein Ruderboot in den Wellen zum Vorschein, besetzt mit fünfzehn Männern und Frauen. Im Hinteren Teil des Ruderbootes standen einige Kisten, so hoch gestapelt, dass sie über den Rand des Bootes hinaus schauten. Der Steuermann saß oben auf den Kisten und bediente das Ruder.

Die Rufe, die man hören konnte, waren sein, mit denen er der Mannschaft befehle gab. Er dirigierte das Boot direkt an den flachen Strand. Drei Personen sprangen ins flache Wasser und zogen das Boot weiter an Land. Dann gingen auch alle anderen bis auf den Steuermann von Bord.

Nachdem die sieben Männer und sieben Frauen von Bord gegangen waren, entluden sie die Kisten und schleppten sie bis an den Rand des Waldes, der die Insel bedeckte. Als sie fertig waren, zogen zwei der Männer das Boot wieder ins Wasser und sprangen dann hinein. Das Boot lag nun viel weniger tief im Wasser und konnte ohne Probleme wenden.

Der Steuermann blickte zum Strand und rief den Leuten am Ufer zu: „Ihr seid selber Schuld, dass ihr auf diese Insel verbannt wurdet. Bessert euch und lernt, wie eine Gesellschaft funktioniert, dann werden aus euch vielleicht bessere Menschen.“

Dann gab er den beiden verbliebenen Ruderern ein Zeichen, die das Boot mit kräftigen Schlägen von der Insel weg ruderten. Die am Ufer verbliebenen Personen trugen die Kisten in den Wald hinein und dann wurde es wieder ruhig am Ufer. Nach einer Weile kehren die Insekten zurück, und als die Vögel sahen, dass nichts aufregendes mehr passierte, kehrten sie auch wieder übers Wasser zurück.

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Essenswunsch: Chilli con Carne

Anfalka, Bahz und Bylda warteten ungeduldig darauf, dass ihr Rettungsschiff an der Sejereh andockte. Sie waren seit über vier Monaten auf dem Schiff und hatten den Mond Zahybata besucht. Sie hatten sich heimlich an Bord geschlichen, waren aber schon nach drei Tagen entdeckt worden.

Sehr zu ihrem Leidwesen hatten die Erwachsenen darauf bestanden, dass sie trotzdem zur Schule gingen, auch wenn der Unterricht per Funkübertragung und Computer erfolgte. Zusätzlich bekamen sie noch Extra-Unterricht als Strafe dafür, dass sie sich an Bord geschlichen hatten. Anfalka, Bahz und Bylda waren sich einig, dass sie sich nie wieder heimlich auf ein Schiff schleichen würden, denn so viel Unterricht machte keinen Spaß.

Doch so schlimm der Unterricht war, das Essen war schlimmer. Es gab immer nur das gleiche Zeug, irgendwelches Brot und Konserven und dazu gelegentlich Vitamintabletten. Sie sehnten sich alle drei danach, endlich mal wieder was richtiges zu Essen zu bekommen,

Sobald sie wieder auf der Sejereh waren, würden sie sofort zur Küche rennen und dort etwas vernünftiges Essen. Tahen, der in der Küche arbeitete, hatte sie bereits vor ein paar Tagen gefragt, was sie Essen wollten, wenn sie zurück an Bord der Sejereh waren. Alle waren das gefragt worden. Da sie drei nicht eingeplant waren, hatte Kubtahi entschieden, dass sie sich auf ein gemeinsames Gericht einigen mussten.

Mehrere Stunden hatten sie zusammen gesessen und überlegt, was sie unbedingt mal wieder essen wollten. Kartoffeln oder Couscous, Fleisch oder Fisch, welches Gemüse dazu? Anfalka wollte unbedingt Bohnen essen. Bahz wollte lieber Mischgemüse und Bylda wollte hauptsächlich Fleisch. Sie waren sich einig darin, dass es etwas sein sollte, das kräftig gewürzt war. Das Essen auf dem Rettungsschiff hatte einfach keinen Geschmack, alles, was er hier gab, schmeckt bestenfalls nach Pampe.

„Aber warum wollt ihr keine Bohnen?“, fragte Anfalka zum wiederholten Male.

„Ich habe nicht gesagt, dass ich keine Bohnen will“, widersprach Bahz. „Ich habe nur gesagt, dass ich noch etwas anderes dazu will und nicht als einziges Gemüse Bohnen.“

„Aber ich will Bohnen“, beharrte Anfalka.

„Was haltet ihr von Spaghetti Bolognese?“, fragte Bylda.

Bahz und Anfalka schüttelten den Kopf.

„Das ist kein Gemüse.“

„Und keine Bohnen!“, fügte Anfalka hinzu.

„Wir könnte Spaghetti mit Gemüsesoße bestellen.“

„Nur, wenn es Spaghetti Bolognese sind. Ich will nicht nur Gemüse.“

„Also Spaghetti mit Gemüsebolognese?“

„Mit schön viel Fleisch!“

„Und Bohnen!“

„Kräftig gewürzt“, fügte Bylda hinzu. „Es muss kräftig gewürzt sein.“

„Spaghetti mit kräftig gewürzter Gemüse-Bolognese-Soße also“, stellte Bahz fest.

„Also Chili con Carne, oder?“

Sie schauten Anfalka an.

„Chili con Carne ist fast wie Bolognese mit Gemüse.“

„Genau. Mit Hackfleisch und Gemüse.“

„Und Bohnen. Genau das, was wir wollen.“

Also hatten sie Tahen Bescheid gesagt, dass sie Chili con Carne wollten. Jetzt endlich war es soweit und sie dockten an der Sejereh an. Anfalka, Bahz und Bylda standen ganz vorne an der Tür und konnten es kaum erwarten. Fast konnten sie das Chili con Carne durch die geschlossene Luke schon riechen, so sehr freuten sie sich darauf. Dann öffnete sich endlich die Schleuse und sie konnten das Chilli con Carne tatsächlich schon riechen.

Was ein paar Jahrzehnte später geschah, findet ihr hier.

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Roman-Status #20

So, es ist mal wieder an der Zeit, etwas zu meinem Romanschreiben zu sagen. Um ehrlich zu sein gibt es da momentan nicht viel neues zu berichten, denn mein Horjekjobolo-Roman ruht momentan. Der Grund dafür ist ein anderes Buchprojekt, wo ich möglicherweise einen Verlagsvertrag bekommen könnte und das deswegen Vorrang hat.

Es ist kein Amel-Roman, hat aber insofern etwas damit zu tun, als dass ich das, was ich beim Schreiben der Horjekjobolo-Romans gelernt habe, auch hier umsetze und verbessere. Daher will ich euch an dieser Stelle davon berichten.

Alles fing damit an, dass ich eine Kurzgeschichte in einer Anthologie veröffentlicht habe. Aus der Anthologie ist geplant, eine Romanreihe zu machen, bei der die Autoren, die gute Ideen für einen Roman haben, zu ihrem Charakter eine längere Geschichte schreiben. Die ersten drei Einzelromane sollen nächstes Jahr erscheinen.

Dafür ist natürlich Voraussetzung, dass wir entsprechende Ideen haben. Also habe ich damit angefangen, mir zu überlegen, was für eine spannende Geschichte sich um meinen Charakter ergeben kann.

Nun ja, um ehrlich zu sein, habe ich mich davor hingesetzt und darüber nachgedacht, welche Art von Geschichten ich besonders gut schreiben kann. Also wird es in irgendeiner Form eine Abenteuergeschichte. Dank meines Horjekjobolo-Projekts habe ich gelernt, dass ich auch Spaß daran habe, die Interaktion und Entwicklung von Figuren zu beschreiben, also wird das bei dem geplanten Roman auch ein wichtiger Punkt sein.

Nachdem ich jetzt also wusste, was ich gut schreiben kann, musste die Frage der groben Handlung geklärt werden. Das ging noch relativ einfach, ich war mir nur nicht sicher, ob die Handlung für einen ganzen Roman reicht.

Als nächstes habe ich mir dann überlegt, wer alles zur Besatzung des Luftschiffs gehört (7 Personen). Die haben erstmal Dummy-Namen wie „Mädchen für Alles“ oder „Heizer 1“ bekommen.

Als das Grundpersonal so benannt war, habe ich mich als nächstes hingesetzt und habe mir überlegt, welche Szenen ich in welchem Abschnitt brauche, damit die Story sich entwickelt. Das hat fast zwei Monate gedauert. Insbesondere hat es sich als nicht ganz einfach erwiesen, den zeitlichen Überblick zwischen den Gegenspielern und den Helden zu behalten, aber ich glaube, es jetzt ganz gut gelöst zu haben. Das Ergebnis der Detailplanung sind ungefähr 5000 Wörter, in denen ich die 139 Szenen in zehn Abschnitten grob vorgeplant habe.

Nachdem die Story jetzt etwas detaillierter stand, musste ich mir wieder Gedanken über die Figuren machen und habe dabei viel über sie gelernt. Außerdem habe ich  rausgefunden, warum der Held der Held ist und welche technische Erfindung ihn dazu befähigt. Dazu musste ich einen weiteren Abschnitt mit 7 Szenen einfügen, so dass ich jetzt 146 Szenen á 500 – 1000 Wärter plane.

Jetzt hatte ich das Gefühl, dass die Story rund genug ist, dass etwas daraus werden kann, also habe ich ein Exposé für den Roman geschrieben. Das hat mich nochmal zwei Wochen gekostet, da ich nicht sicher war, wie ein Exposé aussieht (ich habe erst einmal ein Roman-Exposé geschrieben und das hat bei dem Schreibwettbewerb nicht gewonnen, ist also kein Vergleich).

Heute habe ich dann entschieden, dass ich das Exposé jetzt meinen Testlesern zuschicken sollte. Da liegt es nun und jetzt warte ich darauf, ob ich Antworten bekommen. Ich hoffe, dass es auf Zustimmung stößt und ich ganz viele Verbessungsvorschläge bekomme.

Soweit für dieses Mal. Ich werde euch auf dem Laufenden halten, wenn es etwas neues gibt, versprochen!

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Hepkaale und der Drache 10

Erster Teil, vorheriger Teil.

Der Drache schaute den im Matsch liegenden Faares an. Hepkaale war überrascht davon, dass er Faares nicht gleich mit seinem feurigen Atem röstete. Andererseits stellte Faares offensichtlich keine Gefahr für den Drachen dar. War das der Grund, warum der Drache nicht weiter angriff?

Der Drache schüttelte sich, doch Faares lag weiter im Matsch und rührte sich nicht. Was war mit ihm passiert? Hepkaale überlegte, ob sie sich Faares nähern sollte, um zu schauen, was mit ihm war. Sie betrachtete den Drachen und kam zu dem Schluss, dass sie Faares im Moment nicht helfen konnte. Wenn sie sich Faares näherte, würde sich der Drache womöglich bedroht fühlen und sie beide rösten.

Der Drache beäugte Faares misstrauisch und schlich dann langsam in großen Kreisen auf ihn zu. Hepkaale, die sich hinter einen Felsen gekauert hatte, schien er gar nicht zu beachten. Ihr war es durchaus recht, dass der Drache sich nur auf Faares konzentrierte. Wenn es um Gefahren ging, war sie der Meinung, dass sie besser andere Leute als sie selber treffen sollten.

Der Drache hatte sich Faares soweit genähert, dass er ihn berühren konnte. Mit der Schnauze stupste er den Ritter an, der daraufhin stöhnte, aber sich nicht weiter bewegte. Vorsichtig schlich der Drache weiter um Faares rum und betrachtete ihn von allen Seiten. Mehrfach, als der Drache ihn anstubste, versuchte er kraftlos, ihn wie eine lästige Fliege zu verscheuchen.

Als der Drache merkte, dass von Faares keine Gefahr mehr ausging, stubste er ihn kräftiger an. Dann nahm der Drache Faares ins Maul und hob ihn hoch, biss jedoch nicht zu. Dann nahm er Anlauf und flog mit Faares im Maul davon.

Hepkaale schaute ihm nach, wie er an der Küste entlang flog und in der Ferne immer kleiner wurde. Sie zog ihre Möchtegern-Rüstung aus und befreite die Ziege vom Sattel und ließ sie laufen. Dann setzte sie sich hin und sagte: „So, Plot-Device, damit wäre mein Auftrag wohl erfüllt, oder? Dann kannst du mich ja nach Hause bringen.“

Sie rechnete nicht damit, vom Plot-Device eine entsprechende Reaktion zu bekommen, und war um so überraschter, als sie das vertraute Summen und Brummen hörte.

***

Hepkaale wollte erleichtert seufzen, als das Summen und Brummen nachließ, brach dann aber mittendrin ab. Sie war nicht zu Hause. Warum war sie nicht zu Hause? Reichte es dem Plot-Device nicht, dass sie wochenlang mit Faares durch unwegsames Gelände unterwegs gewesen war?

Hepkaale öffnete die Augen. Felsen. Sie saß irgendwo zwischen Felsen und konnte die Brandung des Meeres hören.

„Hepkaale!“ Faares Stimme. Hepkaale schaute sich um. Schräg hinter ihn schien ein Weg durch die Felsen zu führen, und diesen Weg kam Faares nun entlang.

„Hallo Faares!“, sagte sie und stand auf. „Was ist mit dem Drachen? Wie bist du ihm entkommen?“

„Ach, der Drache. Der ist gar nicht so schlimm, wenn man ihn erstmal näher kennt. Komm mit, ich stelle dich ihm vor.“

Hepkaale folgte Faares den Weg entlang durch die Felsen, bis sie an eine große, geräumige Höhle kamen. Auf der einen Seite der Höhle lag der Drache und schlief, die andere Seite hatte Faares sich wohnlich eingerichtet mit einem Bett aus Stroh, ein paar Felsen zum Sitzen und einem Holztisch, auf dem sein Teekessel stand und dampfte.

„Wie kommt es, dass du dir mit dem Drachen eine Höhle teilst?“

„Nun ja“, sagte Faares. „Irgendwie war er netter als ich und hat mich nach dem Kampf hierher gebracht und mir heißes Wasser zu trinken gegeben. Als es mir dann wieder besser ging, habe ich Kräuter gesammelt und zusammen mit Wasser in meinen großen Teekessel gemacht. Dann habe ich ihm beigebracht, den Tee zu kochen und seitdem trinken wir immer zusammen Tee.“

„Ihr trinkt Tee zusammen?“

Faares nickte. „So ein Drache ist super, um sich Tee zu kochen. Ich sammel die Kräuter und er macht das Wasser heißt. Möchtest du auch eine Tasse Drachentee?“

Er wartete keine Antwort ab und gab ihr eine Tasse mit dampfendem Tee. Hepkaale musste zugeben, dass der Tee ziemlich lecker war. Als sie die leere Tasse wieder auf den Tisch stelle, summte und brummte das Plot-Device wieder und brachte sie endlich nach Hause.

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