Reise nach Hiiderüh

Kiimuh war auf dem Weg nach Hiiderüh. Sein Weg führte ihn durch unberührte Wildnis in tagwärtiger Richtung. Immer wieder musste er seine Machete benutzen, um sich seinen Weg durch den undurchdringlichen Wald freizuschneiden. Die Bäume und Ranken waren verwachsen wie zwei Monate ungewaschenes Haar. Dazu der schwere Geruch der blühenden Pflanzen und das immer gleichmäßige Summen der Insekten.

Die Luft war feucht und der Boden durch den endlosen Regen aufgeweicht. Das hatte er auch erwartet, denn tagwärtige Hände waren immer sehr feucht. Doch hier war es schlimmer als üblich. Bei jedem Schritt versucht der feuchte Waldboden wie ein hungriger Raukos ihm die Stiefel von den Füßen zu saugen.
„Bei Duher und Ragbah!“ fluchte Kiimuh, als ihm mal wieder eine dornige Ranke am Hosenbein zerrte. „Wie soll in dieser Wildnis jemals ein vernünftiger Weg entstehen?“ Nicht zum ersten Mal schimpfte er über seine Aufgabe, einen Weg nach Hiiderüh zu finden und eine gangbare Verbindung zu schaffen. Er musste einerseits die Richtung beibehalten und andererseits Stellen ausweichen, die nicht gangbar waren. Der Fluss, auf den er am zweiten Tag gestoßen war, war so ein Hindernis, das ihm laut gluckernd den Weg versperrte. Auf den Satellitenkarte, die er von seiner Insel hatte und die schon hunderte Jahre alt war, war der Fluss nicht zu sehen gewesen. Der Karte nach war die ganze östliche Seite der Insel ohne größere Flüsse, doch wie sie bereits kurz nach der ersten Besiedelung der Insel feststellen mussten, was da falsch wie blaue Schafswolle.

Als er das Rauschen hörte, das immer lauter wurde und die Luft noch feuchter als sonst wurde, hatte er schon geahnt, dass er sich einem Fluss näherte. Fünf lange Stunden hatte er gebraucht, um eine Stelle zu finden, an der er mit Mühe den Fluss überqueren konnte.

Später war er dann auf die Klippen gestoßen, die waren auch so ein Problem gewesen. Eben noch war er mitten im Wald, umgeben von feuchter Luft und nassem Regen. Doch dann, als er einen der widerspenstigen Äste zur Seite schob, stand er plötzlich vor einem Nichts und der Wind wehte ihm frisch um die Nase, gepaart mit kräftigem Regen.

Von einem Moment zum anderen hatte sich so seine Umgebung völlig verändert. Der Regen war frischer und die Luft roch irgendwie leicht nach Meer. Er hatte Fast das Gefühl, Salz auf der Zunge zu schmecken. Durch die Wolken und den Regen konnte er das Meer nicht sehen, aber es war trotzdem nicht weit entfernt, das war ihm klar.

Es war nicht sehr weit bis zum anderen Ende der Schlucht, höchstens einen Kilometer, aber nach den Tagen im Wald musste er trotzdem blinzeln, um sich an die ungewohnte Weiter zu gewöhnen. Vielleicht hatte es auch an der plötzlichen Helligkeit gelegen, die nach dem Dunkel des Waldes fast blendend war.
Als er jetzt darüber nachdachte, fragte er sich, wie es wohl den Leuten von der Tagseite erging. Ihre Augen waren sicherlich an sehr viel mehr Licht gewöhnt. Er hatte gehört, dass Alpha und Beta zusammen nur ein Tausendstel so hell waren wie Gamma. Trotzdem musste sich doch die meiste Zeit von der Helligkeit geblendet sein, wenn Gamma tausendmal heller war.

Es hatte mehrere Stunden gedauert, bis er eine Möglichkeit gefunden hatte, die Klippen zu überwinden. Bis er soweit war, war er von Regen und Wind völlig durchnässt und am Frieren. Bei Abstieg hatten sich immer wieder steine in seine Hände gebohrt, als er so vorsichtig wie möglich hinab geklettert war. Wenn er sich hier ernsthaft verletzte, dann war es sein Ende, das war ihm klar.
Er wäre nicht der erste, der von einer Wegbahnung nicht zurückkehrte, aber von dieser Gefahr wusste man vorher. Als Ausgleich wurde man gut bezahlt und kam weit herum. Das Wichtigste für ihn war jedoch die Ruhe, die er unterwegs hatte. Wenn ihm nach Menschen war, dann blieb er länger in einem der Orte, aber am Ende war er immer wieder froh, wenn er abreisen konnte. Die Gerüche des Waldes waren dem Gestank von Dörfern oder gar Städten definitiv vorzuziehen. Es war faszinierend, wie weit sich der Gestank großer Siedlungen in den Wäldern der Insel ausbreitete. Wenn er aus nachtwärtiger Richtung kam, konnte er schon Stunden vorher riechen, dass er sich seinem Ziel näherte.

Die meisten Menschen merkten nicht, welchen Geruch ihre Zivilisation in ihrer Umgebung ausbreitete, da sie nur selten die Nähe ihre Orte oder bereits gebahnter Wege verließen. Wenn sie dann doch mal weiter entfernt waren, dachten sie immer, die Abwesenheit des Gestanks der Ort wäre der Geruch des Waldes, aber dem war so nicht.

Außerdem mochten die meisten Menschen den Waldboden nicht. Je mehr ein Weg benutzt wurde, desto mehr wurde er befestigt und der unberührte Wald wich Stück für Stück der Zivilisation.

Manchmal machte es Kiimuh traurig, dass dem so war, aber zum Glück gab er noch genug unberührte Wildnis, so dass auch seine Nachfahren noch Wegbahner sein konnte, wenn sie es wollten.

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Hepkaale und der McGuffin 3

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Teil 1, Teil 2

Als das Summen und Brummen des Plot-Devices nachließ, waren Hepkaale und Sibüü irgendwo im Wald. Sie konnten laute Rufe und Scheppern hören.

„Sieht so aus, als würden wir mehr über die Schlacht erfahren“, flüsterte Hepkaale und die beiden Schwestern schlichen sich vorsichtig durch das dichte Unterholz, Sibüü voran.

„Halt, Sibüü!“, zischte Hepkaale. „Sie dürfen uns auf keinen Fall bemerken. „Nicht das sie uns auch noch angreifen.“

Sibüü drehte den Kopf zu Hepkaale zurück und flüsterte: „OK, ich bin vorsichtig.“

Langsam gingen sie weiter, bis die Schlacht zwischen dem dichten Unterholz zu erahnen war.

„Sibüü!“, zischte Hepkaale erneut. Die hielt an und schaute zu ihr zurück. Hepkaale zeigte auf einen knorrigen Baum rechts von ihnen. „Lass uns auf den Baum klettern und von oben schauen.“

Zehn Minuten später saßen die beiden in der Baumkrone und konnten über das dichte Unterholz hinweg schauen.

Es waren viele Menschen mit Schwertern und Rüstungen am Kämpfen, aber nicht wie erwartet blaues Wappen mit Oktopus gegen rotes mit Vogel, sondern beide gemeinsam.

Ihr Gegner schien eine Gruppe riesiger Oktopoden zu sein, die in der Lage waren, aufrecht zu laufen. Hepkaale hatte noch nie von kämpfenden Landoktopoden gehört, aber sie waren unzweifelhaft da.

Die Oktopoden schienen etwas Giftiges an sich zu haben, denn wenn sie Metall berührten, so fing es sofort an zu rosten. Doch das Metall der Menschen schien auch für die Oktopoden gefährlich zu sein, denn wo sie es berührten, tropfte dickes Blut aus ihren Wunden, das wiederum bei Berührung Metall angriff.

Ein unglaublicher Lärm begleitete die Kampfhandlungen, schreiende Menschen, heulende Oktopoden, selbst die Pflanzen wurden in Mitleidenschaft gezogen und sie hörten und sahen mehrere Bäume krachend umstürzen und sich in der Mischung aus Blut und verrostetem Metall auflösen.

„Hepkaale“, sagte Sibüü niedergeschlagen. „Ich will nach Hause.“

Hepkaale nickte. „Ich auch. Ich habe hier genug gesehen, hier können wir nichts ausrichten. Sobald wir wieder zu Hause sind, gehen wir zu deiner Lehrerin und sagen ihr, dass sie keinen McGuffin bekommen kann.“

Sibüü nickte. „Werder hier noch auf dem Schlachtfeld werden wir einen finden.“

Das Plot-Device schien der gleichen Meinung zu sein und das Summen und Brummen ertönte.

***

Als es nachließ, waren Hepkaale und Sibüü wieder in Hepkaales Werkstatt. Von ihrer Mutter, die angelaufen kam und sie stürmisch umarmte, erfuhren sie, dass sie zwei Tage unterwegs gewesen waren und Sibüüs Lehrerin schon nach ihr gefragt hatte. Seit einer Stunde hätte Sibüü schon wieder im Unterricht sein sollen.

„Komm“, sagte Hepkaale. „Wir gehen zusammen hin!“

In der Schule angekommen, war gerade Pause. Sibüü ging zu ihrer Klasse und Hepkaale direkt ins Lehrerzimmer.

„Frau Muubiliim!“

Die Lehrerin, die gerade auf dem Weg zum Teekocher war, hielt an.

„So geht es nicht, Frau Muubiliim. Das mit dem McGuffin war eine totale Katastrophe!“

Die Lehrerin schaute Hepkaale neugierig an. „Warum? Habt ihr ihn gefunden?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Nein. Aber dafür werden wir beide tagelang Alpträume haben.“

Die Lehrerin sah Hepkaale fragend an und Hepkaale erzählte ihr von der Suche.

Die Augen der Lehrerin wurden immer größer und am Ende sagte sie: „Das tut mir wirklich leid, ich wusste nicht, das so etwas passieren könnte. Wenn Sibüü von dem Plot-Device erzählt hat, klang es immer ziemlich ungefährlich.“

Hepkaale nickte. „Ist es nicht. Und jetzt verraten Sie mir jetzt endlich, was wir überhaupt gesucht haben.“

Die Lehrerin seufzte. „Es ging darum, dass die Schüler literarische Stilmittel kennen lernen sollten. Ein McGuffin ist so eines. Er ist ein Mittel, um die Erzählung in Schwung zu bringen. Was genau ein McGuffin dabei ist, ist für die eigentliche Geschichte völlig egal. Es war nur wichtig, das Sibüü und du danach gesucht habt.“

Hepkaale funkelte die Lehrerin wütend an. „Soll das heißen, Sie haben den McGuffin nur erfunden, damit wir das Plot-Device aktivieren?“

Die Lehrerin schaute betreten zu Boden. „Es ist wichtig, dass alle die literarischen Figuren verstehen. Ich dachte, so wäre es viel eindrücklicher. Überleg doch selber mal, wie oft du nach etwas suchst, das für die Abenteuer, die du mit dem Plot-Device erlebst, völlig irrelevant ist.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Es gibt immer einen Grund.“ Dann fügte sie noch hinzu: „Oder es ist, weil Sibüü mich ärgern will, das kommt auch vor.“

„Wie oft hängt das, was du bei deinen Abenteuern erlebst, mit dem zusammen, warum du das Plot-Device aktiviert hast?“

„Nun ja“, sagte Hepkaale nachdenklich. „Manchmal hängt es zusammen, aber manchmal auch nicht.“

Die Lehrerin lächelte bestätigend. „Genau das ist dann ein McGuffin.“

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Hepkaale und der McGuffin 2

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Teil 1

Hepkaale wanderte zum Rand des Schlachtfelds und setzte sich etwas abseits auf einen umgestürzten Baum. Zum Glück hatte sie ihre Tasche dabei, so dass sie in Ruhe Pause machen und etwas essen konnte.

Nach einer Weile kam Sibüü zu ihr. „Hast du rausgefunden, wer die Toten waren und worum sie gekämpft haben“, fragte Hepkaale ihre Lieblingsschwester.

Sibüü schüttelte den Kopf. „Rotes Wappen mit Oktopus gegen blaues Wappen mit seltsamem Vogel.“

Beide Beschreibungen kamen Hepkaale nicht bekannt vor. Vielleicht konnte Sibüüs Lehrerin ihnen sagen, worum hier gekämpft worden war, aber wahrscheinlich war das nicht.

„Hepkaale?“

Hepkaale schaut Sibüü an.

„Warum hat uns das Plot-Device auf diesen Friedhof geschickt?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung. Vielleicht brauchen wir ein Schwert, um den McGuffin zu finden.“

„Aber die Schwerter hier sind alle Mist“, sagte Sibüü. „Sie sind alle total verrostet und zerfressen. Nicht eines davon würde den ersten Schlag überstehen.“

Hepkaale klopfte einladend neben sich auf den Stamm. „Komm, setz dich und iss was, vielleicht bekommen wir dann eine Idee, wo wir deinen McGuffin finden.“

Sehr zu Hepkaales Überraschung setzte Sibüü sich gehorsam neben ihre Schwester. Wie kam es, das Sibüü bei diesem Abenteuer so gut auf sie hörte? Lag es daran, dass es diesmal ihre eigene Aufgabe war? Oder lag es an diesem Ort, der schon ziemlich gruselig war.

Die beiden Schwestern aßen ihre Kekse und schauten über da Schlachtfeld, das sich vor ihnen ausbreitete. Es musste wirklich eine schlimme Schlacht gewesen sein, die hier stattgefunden hatte. Mindestens fünfzig tote Kämpfer, von denen nur noch Knochen und Metall übrig waren. Dazu die Lichtung, auf der nicht ein Baum wuchs, nicht mal ein Schössling, obwohl Drumherum alles mit dichtem Wald bedeckt war.

So unreal es wirkte, es war eindeutig da und irgendwann in der Geschichte Amels musste diese Schlacht stattgefunden haben. Wann und wo? Sie hatte keine Ahnung. Wahrscheinlich war die ganze Schlacht genau deswegen völlig sinnlos gewesen, denn wenn es ein wichtiger Kampf gewesen wäre, hätten sie ja in der Schule davon gehört.

„Was machen wir jetzt?“, fragte Sibüü nach einer Weile.

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich habe keine Ahnung.“

„Wir könnten das Schlachtfeld nochmal durchsuchen, ob wir irgendwas brauchbares finden“, schlug Sibüü vor.

„Was, meinst du, können wir hier finden? Alles, was aus Metall war, ist zu verrostet, das sagst du selber. Riechst du das Salz in der Luft? In der Nähe ist das Meer und das Salz sorgt dafür, dass alles noch schneller zerfällt.

„Echt?“ Sibüü schnuppert in der Luft. „Salz lässt alles schneller rosten?“

Hepkaale nickte. „Das habe ich zumindest in der Schule gelernt und es passt hier.“

Sibüü hob einen alten Ast auf und warf ihn aufs Schlachtfeld. Als er ein altes Schwert traf, zerbrachen beide. „Das hier ist ein doofes Abenteuer“, sagt Sibüü.

Hepkaale lächelte und klopfte ihrer Lieblingsschwester auf die Schulter. „Jetzt weißt du, wie Abenteuer mit dem Plot-Device sind und warum ich keine Lust darauf habe.“

„Aber die anderen Abenteuer waren viel besser. Da ist viel mehr passiert.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Es geht hier nicht um besser oder schlechter. Jedes Abenteuer ist anders. Wer weiß, was wir noch alles machen müssen, um deinen McGuffin zu finden.“

Danach saßen sie wieder eine Weile schweigend zusammen und schauten über die Lichtung. Nicht einmal Tiere gab es dort. Sogar die sonst allgegenwärtigen Vögel und Insekten fehlten.

„Zu gerne würde ich wissen“, sagte Sibüü, „was hier passiert ist.“

Dann war plötzlich wieder das Brummen und Summen des Plot-Devices zu hören.

Hier ist Teil 3.

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Hepkaale und der McGuffin

hepkaale_header„Was sollst du suchen?“, fragte Hepkaale ihre Lieblingsschwester Sibüü.
„Den McGuffin!“
„Warum?“
Sibüü zuckte mit den Achseln. „Frag meine Lehrerin, warum sie den so dringend für den Unterricht braucht.“
„Dann such mal schön.“
Sibüü schüttelte den Kopf. „Du sollst mir helfen. Ich brauche das Plot-Device dafür. Schau hier, meine Lehrerin hat es extra für dich aufgeschrieben.“
Sie hielt Hepkaale einen Zettel von der Schule hin.
„Liebe Hepkaale“, stand dort. „Für den Unterricht ist es unabdingbar, dass Sibüü mit Hilfe deines Plot-Devices einen McGuffin besorgt. Ich bin sicher, dass du ihr dabei mit deinem Plot-Device helfen kannst und sie bei ihrer Suche begleitest.“ Dann folgte die Unterschrift der Lehrerin, die Hepkaale aus ihrer eigenen Schulzeit noch zu gut kannte.
„Du siehst, wie haben keine Wahl“, sagte Sibüü und grinste ihre große Schwester an.
Hepkaale seufzte. „Dann los“, sagte sie. „lass es uns schnell hinter uns bringen.“
Hepkaale schnappte sich ihre Tasche für Notfälle, die immer neben dem Plot-Device bereit stand, ergriff Sibüüs Hand und aktivierte das Plot-Device.
***
Als das Summen und Brummen des Plot-Devices nachließ und sie sich umschaute, sah Hepkaale überall um sie herum verrostetes Eisen. Ein Schrottplatz oder ähnliches.
Als sie sich genauer umschaute, sah sie, dass Rost nicht alles war, sondern dass zwischen den Rüstungen und Schwertern auch ausgebleichte Knochen lagen.
„Ein Schlachtfeld?“, fragte Hepkaale ihre Schwester. „Du hast nicht gesagt, dass dein McGuffin auf einem Schlachtfeld zu finden ist.“
Sibüü zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Vielleicht will das Plot-Device, dass wir uns mit Schwertern ausrüsten?“
„Du meinst, wir sind wieder in eine dieser Schwert-und-Blut-Geschichten geraten? Bitte nicht!“
Sibüü war im Gegensatz zu Hepkaale voller Energie. „Ich fände es toll!“ Sie hob ein Schwert auf und fuchtelte damit rum. „Nimm das, du Monster!“
Hepkaale verzog genervt das Gesicht. Wo nahm ihre Schwester nur immer die Energie her? War sie selber, als sie in Sibüüs Alter gewesen war, auch so gewesen? Immer auf der Suche nach Abenteuern?
Ziellos wanderte Hepkaale durch das Schlachtfeld auf der Suche nach dem Grund für ihre Anwesenheit hier. Sie wusste nicht einmal, was genau sie suchten. Hoffentlich hatte Sibüü Recht, dass sie schon wissen würden, was sie suchten, wenn sie es gefunden hatten.
Sibüü zeigte eindeutig mehr Begeisterung für die Suche, stöberte hier und da in den verrosteten Haufen und legte die eine oder andere Sache zur Seite. Es dauerte nicht lange, und sie hatte einen ansehnlichen Haufen Schwerter, Schilde und Rüstungsteile zusammengetragen. Hepkaale hatte keine Ahnung, was sie damit wollte, aber wenn Sibüü der Meinung war, so den McGuffin finden zu können, sollte es ihr recht sein.

Der nächste Teil ist hier zu finden.

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Hepkaale privat

 

Dort hinten ist Hepkaale, zusammen mit ihren Geschwistern arbeitet sie auf dem Kohlfeld ihrer Familie. Sie jäteten Unkraut und suchten nach Schädlingen. Am Tag zuvor hatten sie zwei Reihen Kohl geerntet und morgen würden sie an der Stelle neuen Kohl aussäen.

Im Gegensatz zu ihren Geschwistern genießt Hepkaale die langweilige Arbeit auf den Kohlfeldern. Keine Abenteuer, keine Gefahr und sie weiß genau, warum sie das macht, was sie macht. Sollte es ihr eines Tages gelingen, das Plot-Device loszuwerden, so würde sie ihre eigene Kohlfarm aufmachen, mit eigener Familie und allem. Viele Kinder, die zur Schule gehen würden, während sie auf den Feldern arbeitete. Manchmal würde ihr Mann sie begleiten, aber oft würde er etwas anders zu tun haben. Was gäbe es schöneres als ein langweiliges Leben ohne größere Gefahren?

Sie arbeitet etwas Abseits ihrer Geschwister, die sich bei der Arbeit unterhalten und viel lachen. Früher hat sie sich auch gerne mit den anderen unterhalten, aber seit das Plot-Device sie immer wieder in irgendwelche abstrusen Abenteuer schicktird, weiß sie die Ruhe zu schätzen. Das Wissen, dass sie jederzeit mit den anderen Scherzen und Lachen könnte, ist völlig ausreichend, um ihr ein Gefühl von Geborgenheit zu geben.

Hepkaale schaut sich um. Alle sind am Arbeiten, ein Stück weit von ihr entfernt. Sie konzentrieren sich auf das Unkraut, sogar Sibüü. Sie schaut sich weiter um und blickt in das flache Tal. Sie fühl sich beobachtet, auch wenn sie weit und breit niemanden sehen kann. Sie sieht den kleinen Bach in der Mitte des Tals, rechts und links davon ein Streifen Gras, am Ufer ein paar niedrigen Büsche. Hinter dem Gras das nächste Kohlfeld, das sich an dem flachen Hang hinauf zieht und bis über die Kuppe hinweg reicht. Auf dieser Seite des Baches auch nur Kohl. Weit und breit ist außer ihr und ihren Geschwistern kein Mensch zu sehen. Warum fühlt sie sich so beobachtet?

„Was soll das“, fragte sie sich leise. „Wer beobachtet mich? Warum jetzt, wo doch niemand das Plot-Device aktiviert hat. Meine Arbeit hier ist doch völlig uninteressant.“

Es ist eine gute Frage, warum Hepkaale bei der Feldarbeit interessant sein sollte, wo doch weit und breit kein Abenteuer mit dem Plot-Device in Sicht ist.

„Hey! Das habe ich gehört!“

Hepkaale schaute sich erneut um. Was hatte sie da gehört?“

„Dass kein Abenteuer in Sicht ist, das habe ich gehört! Ihr beobachtet mich schon wieder in der Hoffnung, dass ich das Plot-Device aktiviere. Aber das werde ich nicht. Den Gefallen werde ich weder dem Erzähler noch den Zuhörern tun!“ Hepkaale wandte sich wieder ihrem Kohl zu und versuchte, das Gefühl des Beobachtet-Werdens zu ignorieren. Nach einer Weile schweiften ihre Gedanken ab und sie dachte an Saarb.

„Hey! Das geht jetzt aber zu weit!“, widersprach Hepkaale. „Was ich über andere Leute denke, ist privat und hat in der Geschichte nichts zu suchen.“

Der Autor schaute peinlich berührt aus dem Fenster, bevor er weiter schrieb.

„Richtig so! Wenn du schon über mich schreibst, so respektiere wenigstens mein Privatleben!“ Dann fügte sie noch hinzu: „Das gilt auch für euch, Leser und Zuhörer!“

Befriedigt, ihrem Ärger Luft gemacht zu haben, wandte Hepkaale sich wieder ihren Kohlpflanzen zu. Auch wenn alle sagten, sie sei eine Legendenfigur, so hatte sie doch Recht auf ihre Privatsphäre. Während er ihre Gedanken erzählte, dachte der Erzähler, dass in den ganzen Schreibratgebern tatsächlich eine Regel zur Privatsphäre der Figuren fehlte. Andererseits waren das natürlich auch die Sachen, für die sich die meisten Zuhörer am meisten interessierten.

„Das stimmt überhaupt nicht“, sagte Hepkaale. „Niemand interessiert sich für meine Gedanken. Alle wollen nur hören, wie das Plot-Device mich ärgert und ich für alle Leute Probleme lösen muss, die mir völlig egal sind.“

Du meinst so Sachen, wie mit Schwertern Monster bekämpfen?

„Wahrscheinlich. Dabei wäre es doch viel besser, wenn sie wissen wollen würden, wie ich in Ruhe Unkraut jäte.“ Hepkaale zog eine weitere Ranke aus der Erde. „Genau so! Ich habe überhaupt keine Lust zur Bespaßung der Zuhörer immer irgendwelche gefährlichen Sachen machen zu müssen!“

Sie warf die Ranke weit von sich. „Können die Leute mich nicht mal in Ruhe lassen?“

In letzter Zeit war Hepkaale aus irgendwelchen Gründen immer nur am Meckern in den Geschichten.

„Das ist ja auch kein Wunder. Wenn es euch so ergehen würde wie mir, würdet ihr genauso meckern wie ich. Außerdem meckere ich nur, wenn, wenn ich wieder irgendwelche bescheuerten Abenteuer bestehen muss!“

Hepkaale drehte sich zu den anderen um. „Sibüü! Sibüü! Komm mal her!“

Ihre Geschwister schauten auf, als Hepkaale nach ihrer Schwester rief, und wandten sich dann wieder ihrer Arbeit zu. Sibüü stand auf und lief zu Hepkaale.

„Was ist los?“, rief sie schon von weitem.

„Sag mal“, fragte sie ihre Schwester, „bin ich immer nur am Meckern?“

Sibüü überlegte. „Weiß nicht. Wenn du das Plot-Device benutzt schon. Oder wenn ich dich dazu überreden will.“

„Aber sonst nicht, oder?“ Hepkaale warf ihrer Schwester einen Blick zu. Die nickte. „Meistens nicht.“

„Seht ihr!“, sagte Hepkaale triumphierend. „Es ist alles eure Schuld!“

Sibüü schaute ihre Schwester verwirrt an. „Mit wem redest du?“

„Mit den Lesern und Zuhörern. Die erzählen schon wieder eine Legende über mich.“

Sibüü wurde ganz aufgeregt. „Echt? Ein neues Abenteuer? Nimm mich mit!“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich habe das Plot-Device nicht aktiviert, ich gehe nirgendwo hin.“

„Ich war es auch nicht“, warf Sibüü ein. „Wirklich nicht! Aber schade ich es schon.“

„Vielleicht weiß der Erzähler etwas darüber, was er heute von mir erzählt.“ Sie riss eine weitere Ranke aus der Erde. „Du! Erzähler! Weißt du, was ich dieses Mal blödes machen soll?“

Hepkaale warf eine weitere Ranke weg. Wahrscheinlich war das das Spannendste, was sie an diesem Tag machen würde.

„Das fände ich gut, dann könnt ihr mich ja in Ruhe lassen“, sagte Hepkaale und ignorierte Sibüüs enttäuschtes Gesicht. Dann wandte sie sich wieder dem Unkraut zu und jätete es mit neuem Elan.

Und wenn sie davon noch nicht genug hat, dann jätet sie noch heute Unkraut auf Kohlfeldern.

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Hepkaale und die Wunschsteine

„Heplaale, gut dass du hier bist“, rief eine junge Frau, als Hepkaaale die Augen öffnete. „Nur du kannst uns helfen!“

Hepkaale stöhnte. Wie konnte das Plot-Device sie hierher bringen, obwohl sie es nicht aktiviert hatte und nicht einmal in seiner Nähe gewesen war. Fing das Plot-Device jetzt schon von selber an, sie zu ärgern?

„Wo bin ich“, fragte sie schließlich die junge Frau.

„Wir sind hier in Samaküür“, sagte sie. „Ich bin Kinjaa.“

„Hmm“, sagte Hepkaale mehr zu sich selber als zu Kinjaa. „Was mache ich hier?“

„Ich hatte gehofft, dass du herkommst. Wir brauchen eine Heldin!“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Du suchst eine Heldin und hoffst auf mich? Wären da Kalmar-Woman oder der Raketenmann nicht besser?“

„Ach Quatsch“, sagte Kinjaa und schüttelte den Kopf. „Das sind doch nur Figuren aus Geschichten.“

Hepkaale war verwirrt. „Aber ich bin doch auch eine Figur aus einer Legende“, sagte sie. Dann fügte sie noch hinzu: „Das sagen zumindest immer alle, denen ich begegne.“

„Nein“, widersprach die junge Frau. „Bei dir ist das anders. Außerdem hat es ja offensichtlich geklappt. Eben habe ich noch die beiden Wunsch-Steine aneinander gehauen und schon bist du da.“

Das erklärt, warum ich das Plot-Device nicht benutzt habe. „Wunschsteine? Was sind Wunschsteine?“

Kinjaa zeigte ihr die beiden ungefähr apfelgroßen Steine. „Das sind Wunschsteine.“

Sie gab Hepkaale einen der Steine. Hepkaale befühlte ihn und wiegte ihn in ihrer Hand. Er fühlte sich metallisch und glatt an, leicht kühl.“

„Ist das Plottium?“, fragte sie.

Die Frau schaute sie mit großen Augen an. „Du bist wirklich Hepkaale, oder?“

Hepkaales Gesicht sah man ihre Verwirrung an. „Natürlich. Wer soll ich sonst sein?“

„Dann funktionieren die Wunschsteine endlich. Ich wollte es nicht glauben, als der Händler sagte, die Steine wären aus Plottium.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Deswegen hast du mich hierher gerufen? Um rauszufinden, ob es Plottium ist?“

„Nun ja“, antwortete sie und nahm Hepkaale den zweiten Stein wieder ab. „Wir haben ein Problem mit Schapuut. Er soll…“

„Das will ich gar nicht wissen“, unterbrach Hepkaale sie.

„Aber du bist doch eine Heldin aus Legenden“, widersprach die junge Frau ihr. Sie schaute Hepkaale flehend an.

„Nein!“, sagte Hepkaale streng. „Wenn du die Legenden wirklich kennen würdest, dann wüsstest du, was ich von Plottium halte.“ Sie stemmte die Arme in die Hüften und schaute Kinjaa herausfordernd an.

„Du bist eine Heldin, die alle Probleme löst“, sagte sie trotzig.

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Bin ich nicht. Auf keinem Fall. Ich will nur meine Ruhe haben. Ich habe überhaupt keine Lust, ständig für irgendwelche Unbekannte irgendwelche abstrusen Probleme zu lösen.“ Sie funkelte die junge Frau wütend an. „Wenn ich könnte, hätte ich das Plot-Device schon längst weggeworfen. Es macht nur Ärger!“

„Aber…“ wollte die junge Frau widersprechen, doch Hepkaale ließ sie nicht ausreden.

„Kein Aber. Du hast deine Wunschsteine und ich mein Plot-Device. Du solltest deine eigenen Probleme selber lösen – und die von anderen auch, denn Plottium ist unberechenbar. Auf keinem Fall solltest du mich mit deinen Wunschsteinen nerven, denn mein Plot-Device ist schon unberechenbar genug.“ Hepkaale verschränkte die Arme. „Untersteh dich, mich jemals wieder hierher zu rufen.“

Jetzt könnte das Plottium sie eigentlich wieder nach Hause schicken, dachte Hepkaale, aber es passierte nichts.

„Los!“, forderte Hepkaale Kinjaa auf. „Wünsch mich wieder nach Hause!“

„Nicht bevor das Problem – “, widersprach sie, aber den Rest hörte Hepkaale nicht mehr, weil das Summen und Brummen des Plot-Devices plötzlich zu hören war.

***

Als Hepkaale die Augen wieder öffnete, stand sie in ihrer Werkstatt. Sibüü stand am Tisch mit dem Plot-Device und hatte einen Finger auf dem Knopf. Als sie Hepkaale sah, versuchte sie verzweifelt, eine unschuldige Mine aufzusetzen, aber es gelang ihr nicht.

„Hepkaale!“ sagte sie. „Verzeih mir, aber du warst weg, und da dachte ich…“

Hepkaale lief zu ihrer Lieblingsschwester und umarmte sie. „Danke, Sibüü, du hast mich gerettet!“

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Nicht ganz so kurze Pause

Hallo ihr Lieben!

 

Eigentlich wollte ich vor Wochen schon neue Geschichten posten, aber leider hat es sich endlos hingezogen, bis wir in der neuen Wohnung endlich Internet hatten. Unfreiwillig haben wir sehr viel darüber gelernt, was Handwerker beim Renovieren von Wohnungen so alles mit Telefonleitungen anstellen können. Nach einigem hin und her war schließlich das Ergebnis, das eine neue Leitung vom Keller bis in unsere Wohnung verlegt werden musste, weil die alte an zu viele Stellen durchgeschnitten und rausgerissen war…

Seit dieser Woche geht es jetzt endlich wieder. In Lauf der nächsten Woche werde ich dann die letzten Recherchearbeiten für die Geschichten, die ich in der Zwischenzeit geschrieben habe, machen und sie dann nach für nach hochladen. Nur soviel sei vorher verraten, Hepkaale war diesmal für mich als Autor sehr anstrengend. Aber das werdet ihr ja sehen.

Soweit also erstmal nur ein kurzes Lebenszeichen von mir und ab nächste Woche geht’s dann wieder rund hier.

 

 

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Kurze Pause

Heute gibt es mal keine neue Geschichte, da ich diese Woche fleißig am Kisten packen bin und daher nicht zum Schreiben gekommen bin. Aber dass mein Vorpommersches Exil bald ein Ende hat, findet ich einen guten Grund, mal zwei Wochen lang keine neue Geschichte zu posten.

Ende nächste Woche werde ich dann meinen Umzug nach Berlin fahren, danach muss ich dann aber nochmal hierher zurück, weil ich im Mai noch sieben Tage Arbeiten muss. Dann habe ich Ende Mai noch eineinhalb Wochen, um in aller Ruhe in Berlin anzukommen, bevor es dann am 1.6. mit dem neuen Job losgeht. Aber irgendwie freue ich mich auch schon auf meine neue Aufgabe. Dann habe ich endlich, ganz wie in alten Science Fiction-Geschichten vorhergesagt, meinen eigenen kleinen Kernreaktor, denn ich dann entsorgen darf:-)

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Hepkaale und die Hochzeit von Zaach – Teil 3

Teil1, Teil 2.

Dieses Mal war das Wecken ein ganz anderes als das von Sibüü zu Hause. Sie wurde sanft gestreichelt und eine sanfte Stimme flüsterte, dass sie aufwachen sollte. Als sie die Augen aufschlug, sah sie erstmal nur viele hübsche Menschen und dann wurde ihr ein Spiegel vor die Nase gehalten.

Die Leute aus Bad Diikuz hatten ganze Arbeit geleistet, das musste Hepkaale ihnen lassen. Sie sah wie eine völlig andere Person aus. Sie richtete sich auf und schaute ihre Hände und Füße an. Sowohl die als auch ihr ganzer Körper schienen makellos zu sein. Dann kamen die Schneider mit einem wunderbaren Kleid.

Hepkaale stand auf und bekam erstmal sehr hübsche Unterwäsche angezogen. Dann wurde ihr das Kleid angezogen. Es passte ziemlich gut, aber die Schneider waren trotzdem nicht zufrieden und markierten ein paar Stellen, die sich noch ändern wollten. Sie tuschelten, und dann verschwanden sie mit samt Kleid wieder.

Dann machen sich die Stylisten wieder über sie her. Während sie dasaß, überlegte sie, dass sie keine Ahnung hatte, wieviel Zeit vergangen war und wie es ihrer Familie ging. Naja, sie würden schon nicht verloren gehen, und es schadete sicherlich nicht, wenn sie alle wussten, wie doof es war, mit dem Plot Device zu reisen. Dann dachte sie an ihre Stylisten und wieviel Spaß sie mit ihnen gehabt hatte und lächelte.

Irgendwann kamen die Schneider wieder und zogen ihr das Kleid erneut an. Es passte noch besser, und als Hepkaale sich in dem großen Spiegel ansah, konnte sie kaum glauben, dass sie es selber war. Sie ließ sogar den Spiegel umdrehen, um festzustellen, ob einfach ein Bild von jemand anderem hinten draufgeklebt war. So eine wunderschöne, elegante Frau… Die Stylisten und Schneider hatten wirklich ein Wunder bei ihr gewirkt.

„Wenn du nach der Prämierung Lust hast“, flüsterte ihr Wasiimaa ins Ohr, „dann kannst du gerne zu einer zweiten Session vorbei kommen. Mir und Bahiiro hat es viel Spaß gemacht.“

Hepkaale lächelte. „Wenn ich Zeit habe, werde ich das machen.“

Dann wurde sie von einer Gruppe Leute zurück durch die Stadt zum Marktplatz und hinter die Bühne geführt. Dort traf sie auf ihre Konkurrenten, die alle bildhübsch waren, zwei andere Frauen und fünf Männer, einer schöner als der andere. „Hallo“, sagte sie in die Runde. „Ich bin Hepkaale.“

Die anderen stellten sich auch vor, ebenso wie der Mann und die Frau, die sich noch zu ihnen gesellten. Sie alle waren für den Styling-Wettbewerb ausgewählt worden und hatten, jeder von einem anderen Wellness-Tempel, eine Schönheitskur verpasst bekommen.

„Wie geht es jetzt weiter?“, fragte Hepkaale die anderen.

„Wir werden auf die Bühne geführt und von unseren jeweiligen Häusern vorgestellt.“

„Dann entscheidet das Publikum, wer am besten hergerichtet wurde“, ergänzt ein anderer Mann.

„Das Haus bekommt dann eine Auszeichnung für das nächste Jahr als das beste Schönheits-Haus.“

„Und das ist gut?“, wollte Hepkaale wissen.

Die anderen nickten. „Für das Haus ist es super. Dann wissen alle Kunden sofort, dass es das beste ist, und sind bereit, mehr Geld zu bezahlen.“

Hepkaale nickte. Falls jemand bereit dafür war, Geld auszugeben, um schöner zu sein, machte es Sinn. Warum das jemand wollen sollte, war eine ganz andere Frage, aber wenn man in Bad Diikuz oder einer anderen großen Stadt aufgewachsen war, war das sicherlich etwas anderes als wenn man in Tirüplet auf den Kohlfeldern aufgewachsen war.

Bevor Hepkaale weiter darüber nachdenken konnte, ging es auch schon los, und die erste Konkurrentin von ihr wurde von einem Helfer über eine Treppe an der Rückseite der Bühne nach oben geführt.

Es gab Applaus und als der nachließ, hörte sie, wie der Moderator auf der Bühne der Kandidatin ein paar Fragen stellte und ihre Antworten laut für das Publikum wiederholte. Was er fragte, konnte sie nicht verstehen, dafür war die Akustik hinter der Bühne zu schlecht. Dann gab es wieder Applaus.

Als nächstes wurde Hepkaale auf die Bühne geschickt. Sie war doch ein wenig nervös, dass so viele Leute ihr zuschauen sollten. Andererseits kannte sie hier niemand – außer Wasiimaa und den anderen natürlich, aber die hatte sie ja vorhin erst kennen gelernt. Und ihre Familie natürlich, aber Familie war Familie.

Bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, stand sie schon auf der Bühne und schaute über den vollen Marktplatz. Hepkaale konnte sich nicht daran erinnern, jemals so viele Menschen auf einem Haufen gesehen zu haben.

Der Moderator stellte ihr ein paar Fragen und Hepkaale beantwortete sie, konnte sich nachher aber nicht daran erinnern, was es für Fragen gewesen waren und was sie geantwortet hatte. Dann musste sie noch zwei Runden auf der Bühne gehen, bekam Applaus und stellte sich dann nach hinten zu ihrer Konkurrentin. Vor dort aus schaute sie zu, wie ihre anderen Konkurrenten auf die Bühne kamen, befragt wurden und herum stolzierten.

Zum Schluss mussten sie alle nochmal nach vorne, sich verbeugen und dann wurden sie von der Bühne und in ein Gasthaus geführt. „Die Jury berät sich jetzt und entscheidet, wer am besten ist“, erklärte ihr einer der Konkurrenten.

„Außerdem wird das Publikum befragt und kann auch abstimmen. Aus beiden Ergebnissen wird dann der Gewinner bestimmt. In ungefähr zwanzig Minuten sind sie fertig.“

Ein Kellner kam und brachte ihnen Getränke, die sich als Teilnehmer nicht bezahlen mussten. Es gab auch ein paar Kleinigkeiten zu Essen. Dann war es soweit und sie wurden wieder abgeholt und zur Bühne geführt. Hepkaale war gespannt, welcher ihrer Konkurrenten wohl gewonnen hatte.

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Hepkaale und die Hochzeit von Zaach – Teil 2

Als das Summen und Brummen des Plot Devices nachließ, sah Hepkaale, dass sie sich in einer Stadt befanden. In einer größeren Stadt, vielleicht sogar die größte, die Hepkaale je gesehen hatte. Es sah überhaupt nicht wie der Ort aus, zu dem sie wollten und den ihr Bruder ihnen in seinen Briefen beschrieben hatte.

„Das soll Müüredj sein?“, fragte ihre Mutter ungläubig.

„Offensichtlich ist es das nicht“, sagte ihr Vater und zog sich dafür einen zornigen Blick seiner Frau zu.

„Hepkaal, wo sind wir hier!“, fragte ihr Mutter sie streng.

Hepkaale zuckte die Achseln und schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung. Ich habe doch gesagt, dass das Plot Device niemals das macht, was man von ihm will.“

„Aber die Hochzeit! Sag dem Plot Device, dass wir dort hin müssen.“

Hepkaale lächelte. „Das geht nicht, das habe ich euch oft genug erklärt. Das Plot Device bringt mich immer da hin, wo es möchte, das ich bin. Wenn man es einmal gestartet hat, kann man nicht beeinflussen, wann und wo man landet, bis man wieder zu Hause ist.“ Dann wandte sie sich an die ganze Familie. „Kommt, wir nutzen die Gelegenheit und schauen uns die Stadt an.“

„Aber…“

„Kein Aber. Vielleicht finden wir so auch raus, wo wir sind und was wir hier machen müssen, um wieder nach Hause zu kommen.“

„Zur Hochzeit“, warf ihre Mutter kritisch ein.

„Meinetwegen auch zur Hochzeit. Aber solange wir hier nicht das erledigt haben, zum dem es uns hierher gesendet hat, werden wir hier versauern. Das kenne ich schon zu genüge.“

Hepkaale ging los, Sibüü an ihrer Seite und die ganze Familie in ihrer schicken Kleidung hintendrein.

Die Stadt war wirklich groß. Es gab hier viele Häuser, die teilweise sogar mehrstöckig waren. Unten mit einem Laden und oben wahrscheinlich die Wohnung des Besitzers. Es war schon einige Zeit her, dass Hepkaale mal mehrstöckige Häuser gesehen hatte, und manche ihrer Geschwister hatte so etwas tatsächlich noch nie gesehen.

Das Wetter war angenehm warm und trocken, aber da es bewölkt war, konnten sie die Sonne nicht sehen. Daher wussten sie nicht, wo sie sich befanden, aber so hell, wie es trotz Wolken war, vermutete Hepkaale, dass sie ein gutes Stück tagwärts gereist waren.

Es waren einige Menschen auf der Straße unterwegs, die meisten davon gingen in die Richtung, in die auch Hepkaale und ihre Familie gingen. Ein Stück vor ihnen mündete die Straße auf einen großen Platz, auf dem einige Buden aufgebaut waren und auf dem sich viele Menschen tummelten, die alle sehr elegant gekleidet waren. Rechts von ihnen sahen sie, als sie den Platz erreichten, eine große Bühne, auf der eine Kapelle Musik machte.

„Wie cool, ein Jahrmarkt!“ rief Sibüü begeistert. „Kann ich ihn mir anschauen?“ Sie schaute erst zu ihrer Mutter und dann zu Hepkaale. Als ihre Mutter sie auch fragend anschaute, sagte Hepkaale: „Meinetwegen.“

„Jippiiieh! Wenn das Plot Device dann der Meinung ist, dass du alles erledigt hast, werden wir schon hier her wiederkommen, denke ich.“

Hepkaale nickte. „Wir werden uns schon finden.“

Dan wandte sie sich an die anderen. „Ich habe keine Ahnung,w ie lange wir hier bleiben oder warum, also könnte ihr euch auch gerne umschauen. Wir treffen uns dann, wenn es soweit ist, hier wieder.“

„Wann ist es soweit?“, fragte einer ihrer Brüder.

„Ihr werdet wissen, wenn es soweit ist. Mehr kann ich euch dazu nicht sagen.“

Dann stand Hepkaale alleine vor der Bühne und hörte sich die Musik an. Dann kam ein Kinderchor und sag mehr schlecht als recht, aber das war Hepkaale egal. Sie hatte Ruhe vor ihrer Familie und noch nicht rausgefunden, warum sie überhaupt hier war. Vielleicht ging es nur darum, ihre Familie zu bespaßen oder ihre Mutter zu ärgern, die ziemlich maulig war, weil sie nicht sofort zur Hochzeit gereist waren.

Irgendwann stand plötzlich ein sehr elegant gekleideter junger Mann neben Hepkaale und sprach sie an: „Hallo! Ich bin Esiküüsa. Hat du Lust, bei dem Wettbewerb mitzumachen? Jemand wie dich suchen wir.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ein Wettbewerb? Nein Danke.“ Ihr war jedoch klar, dass sie dem nicht würde entgehen können. Warum sonst hatte das Plot Device sie hergeschickt. Als er weiter erzählte, worum es ging, gab sie schließlich auf. Es würde überhaupt keinen Sinn haben, wenn sie sich dagegen wehrte, und dass sie ihre Mutter, noch immer Maulend, über den Platz auf sich zukommen sah, gab den Ausschlag, dass sie doch einwilligte.

Zusammen mit fünf anderen Personen wurde sie auf den Bühne geführt und kurz mit Namen und Wohnort vorgestellt. Das ging jedoch so schnell, dass sich niemand über ihren Namen wundern konnte. Dann wurde sie wieder von der Bühne geführt und von zwei jungen Frauen in Empfang genommen, kaum älter als sie selber.

Die beiden Frauen führten sie eine Gasse entlang und dann über einen geräumigen Hof in ein größeres, luxuriös aussehendes Haus. Hepkaale fragte sich, was ihre Familie jetzt wohl denken würde, aber am Ende war es auch egal, denn so lange sie das hier nicht hinter sich brachte, würden sie nicht zur Hochzeit reisen können.

„Was genau wird jetzt passieren?“

„Wir haben jetzt zwölf Stunden Zeit, aus dir die schönste Frau der Stadt zu machen. Bad Diikutz ist schließlich bekannt für seine Schönheitsfarmen, und wir sind die beste davon.“

Hepkaale zog eine Augenbraue hoch. „Deswegen wirst du auch gewinnen. Wichtig ist, dass es dir die nächsten Stunden gut geht, denn nur, wem es gut geht, der kann auch wirklich hübsch sein.“

Hepkaale lachte. „Ich und hübsch. Da habt ihr euch aber eine schwierige Aufgabe ausgesucht.“

„Du wirst sehen, wir werden es schaffen.“

„Dann fangt mal an.“

Ein ganzer Stab Leute begann, sich um Hepkaale zu kümmern. Manche um ihre Füße und Beine, andere um ihre Hände, ihr Gesicht, ihre Frisur. Es kamen sogar mehrere Schneider und vermaßen ihren ganzen, mittlerweile nackten Körper.

Jetzt war Hepkaale froh, dass sie sich heute früh nicht viel Mühe damit gegeben hatte, sich hübsch zu machen, denn so war es für die Stylisten nicht zu einfach. Außerdem wären ihre Bemühungen dann jetzt sinnlos gewesen.

Manche von ihren Stylisten sahen selber ziemlich gut aus. Junge Männer mit freiem, muskelbepacktem Oberkörper, niedliche junge Frauen, deren Kleidung auch mehr Einblicke ließ, als dass sie verdeckte. Hepkaale fragte sich, ob der oder die eine vielleicht für ein Schäferstündchen zu haben wäre, falls das Plot Device nicht direkt nach dem Ende ihrer Schönheitskur sie wieder wegschicken würde.

Insbesondere eine der Frauen hatte es ihr angetan. Lange, lockige Haare, sportlicher Körper aber sehr filigrane Hände. Während sie ihr ihre Haare bearbeitete, verwickelte sie Hepkaale in ein Gespräch, erst über Bad Diikuz und dann über alles mögliche andere. Ganz selbstverständlich unterhielten sie sich auch über persönliche Dinge und Hepkaale hatte das Gefühl, dass sie durchaus noch miteinander im Bett würden landen können.

Nachdem sie im Gespräch irgendwann bei ihren jeweiligen Vorlieben beim Sex angekommen waren, fragte Hepkaale sie direkt. Es war zwar etwas seltsam, wo die anderen doch auch an ihrem Körper arbeiteten, aber andererseits, dachte Hepkaale, würde sie diese Leute hier so oder so nie wiedersehen, und worauf sollte sie Rücksicht nehmen?

Als Antwort auf Hepkaales Frage beugte sie sich zu ihr runter und gab ihr einen Kuss. „Wenn du das möchtest, doch immer gerne. Falls du Lust darauf hast, können wir auch gerne noch welche von meinen Freunden hier mit einbeziehen.“

„Hmm“, sagte Hepkaale. „Ich sehe da schon den einen oder anderen…“

„Bis die Schneider fertig sind, haben wir noch genug Zeit“, sagte Wasiimaa.

Die nächste Zeit war Hepkaale so beschäftigt, dass sie keine Gedanken an irgendwas verschwendete sondern einfach nur genoss, wie sich alle um sie kümmerten. Nach einiger Zeit und viel Spaß döste sie schließlich glücklich und zufrieden ein.

Wie es dann weitergeht, erfahrt ihr im nächsten Teil.

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