Roman-Status #18 und Veröffentlichung

Heute gibt es mal wieder einen Text über das Schreiben von mir, denn ich habe ja lange nicht mehr von meinem Horjekjobolo-Roman erzählt. Außerdem wird eine Geschichte von mir veröffentlicht, und auch das halte ich für erwähnenswert – auch wenn sie nicht direkt mit Amel zu tun hat.

Mein letzter Roman-Status war ja, dass ich beim NaNoWriMo sehr erfolgreich war. Und wie im vorherigen Jahr auch schon habe ich nach dem Ende des NaNo nicht mehr viel geschafft. Außerdem muss ich für den Roman noch immer das Ende plotten. In den nächsten Szenen müssen sich meine Hauptfiguren sich um alles mögliche Streiten, um so die Geschichte voran zu bringen, aber das sind Sachen, die mir einfach nicht so liegen (weder beim Schreiben noch im normalen Leben).

Aber da der Roman ja ein Stück weit schwierig sein sollte und ich dort Figuren mit mehr Tiefgang ausprobieren wollte, muss ich da wohl durch und demnächst aus den 1200 Wörtern Stichpunkten schätzungsweise 40 – 60 konkrete kurze Szenen planen, die ich dann am Ende nur noch runterschreiben muss. Aber wenigstens weiß ich seit dem letzten NaNo, dass ich das dann auch schaffe, wenn ich eine Deadline habe.

Außerdem gibt es von meinem Schreiben noch etwas positives zu berichten, denn am 21.03.2017 wird von mit ein Text in einer Anthologie veröffentlicht. Das finde ich logischerweise super, also muss ich euch davon erzählen, auch wenn es mit dem Amel-Projekt nichts zu tun hat.

Die Anthologie ist eine Sammlung von Steampunk-Erotik-BDSM-Geschichten und sie erscheint bei Lysandra Books. Es geht da um ein BDSM-Hotel im Steampunk-London und den geheimen Zirkel der dreizehn Steam-Master… Die Beiträge werden von einer spannenden Rahmenhandlung zu einer gemeinsamen Geschichte in dieser faszinierenden Welt verwoben.

Meine Geschichte geht um den schottischen Luftschiffkapitän Clyde Stirling, den ich mir vor längerer Zeit schon ausgedacht habe, und warum er zu Recht zum erlesenen Zirkel der Steam-Master gehört. Natürlich geht es auch um die junge Frau, die den Gerüchte um den legendären Kapitän auf den Grund gehen will…

Wer mehr darüber wissen will, die Seite zur Anthologie findet ihr hier. Da überlegt wird, aus der Anthologie eine Reihe zu machen, sitze ich momentan natürlich daran und plane einen ganzen Roman in der Welt. Und genau an der Stelle gibt es eine Verbindung zum Amel-Projekt, denn das, was ich beim Planen des Horjekjobolo-Romans so gelernt habe, kann ich nun praktisch umsetzen, um nicht die gleichen Fehler erneut zu machen.

Für die Anthologie schreibe ich übrigens unter einem Pseudonym, wer möchte, kann ja raten, welches meines ist. Falls ihr am Samstag auf der Leipziger Buchmesse seid, da wird die Anthologie vorgestellt und es gibt ein Meet & Greet mit den Autoren, so auch mit mir. Ich hoffe, viele von Euch dort zu sehen.

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Protokoll einer ersten Landung – Teil 4

Hier gibt es Teil 1 und Teil 3.

S: Wie ist euer Status?

R: (verzerrt) …dung ist schlecht… viele Schäden… Computer defekt… Notfallfunk…

S: (im Hintergrund) Justiert den Empfänger. Sie haben nur Notfallfunk.

(Es vergehen ein paar Minuten, in denen man nicht viel verstehen kann.)

R: (Die Verbindung wird besser) …Schiff liegt schrägt am Hang.

S: Wir haben unseren Empfänger neu justiert. Hört ihr uns jetzt besser?

R: Ja, etwas… noch immer viel Rauschen zu hören.

S: Wir haben eure Position.

R: Das ist gut. Wir wissen noch nicht, wo wir sind. Vor den Fenstern ist alles weiß.

S: Schnee. Ihr seid ungefähr hundert Kilometer von der Küste entfernt in einem Tal gelandet.

(R sagt etwas, das kam zu verstehen ist.)

R: …wissen wir nicht… (Im Hintergrund sind Stimmen und Rufe zu hören)

R: …bei uns gab es mindestens drei Tote.

S: Oh Scheiße!

R: … und viele Leute sind verletzt. Zalam und Kahumi verarzten die Verletzten. Ich habe zum Glück nur einen Haufen blaue Flecken und Prellungen abbekommen, aber soweit ich es beurteilen kann keine Knochenbrüche. Was könnt ihr uns über unsere Lage sagen?

S: Euer Schiff steckt, die Nase voraus, im Schnee. Ihr seid in einem Tal auf dem Talboden, also keine Gefahr, dass euer Schiff erneut ins Rutschen gerät. Ihr könnt eure Anschnallgurte ohne Gefahr lösen.

R: Wenigstens etwas.

S: Das Tal ist gewunden und führt nach Nordwesten in tagwärtiger Richtung. Nach ungefähr 150 Kilometern öffnet es sich zur Küste hin, bis dahin ist es recht eng mit steilen Wänden.

R: Können wir draußen überleben?

S: Warte kurz, ich frag nach. (Man hört, wie S mit jemand anderem redet, aber zu leise, um Details verstehen zu können.)

S: Unsere Techniker sagen: Nicht auf Dauer. Für Tage und Wochen geht es, wenn ihr euch warm genug anzieht, aber es gibt keine Pflanzen und Tiere in der näheren Umgebung, die euch als Nahrung dienen könnten.

R: Mist.

S: Das stimmt. In ein paar Minuten werden wir hinter dem Planeten verschwinden, dann wird die Verbindung für zwei Stunden unterbrochen sein.

R: In Ordnung. Wir versorgen in der Zeit unsere Verletzten und versuchen uns einen Überblick über die Schäden zu verschaffen.

S: Macht das. Unsere Techniker werden weiter an möglichen Lösungen für eure Situation arbeiten.

***

Zwei Stunden später…

S: Hallo Landeschiff! Könnt ihr uns hören?

(Es vergehen ein paar Sekunden ohne Antwort.)

S: Landeschiff, bitte melden!

S: (zu jemand anderem) Sie scheinen noch nicht in Reichweite zu sein.

S: Hallo Landeschiff! Bitte melden!

(Es vergehen wieder ein paar Sekunden.)

S: Sejereh an Landeschiff. Könnt ihr uns hören?

R: Hier Landeschiff. Wir hören euch.

S: Gut. Wie ist euer Status?

R: Sechs Personen haben die Landung nicht überlebt und zwei weitere sind so schwer verletzt, dass sie noch in Lebensgefahr sind. Vier Leute haben sich Knochen gebrochen oder größere Schürfwunden und fünf von uns sind größtenteils unverletzt. Unsere drei Mediziner haben alle Hände voll zu tun.

S: Oh. Wer ist… (S unterbricht sich selber.) Das ist eigentlich egal. Wie ist der Zustand des Landeschiffs?

R: Der Computer läuft noch immer nicht und auch die zwei Ersatzcomputer funktionieren nicht.

S: Konntet ihr die anderen System prüfen?

R: Das Lebenserhaltung-Ersatzsystem funktioniert, auch wenn es knirschende Geräusche von sich gibt. Das Hauptsystem ist ausgefallen. Im Bereich der Werkstatt gibt es einen kleinen Riss in der Hülle des Landeschiffs. Außerdem ist das Schiff um 60 Grad nach vorne geneigt, was unsere Situation deutlich erschwert.

S: Verstanden.

R: Ich muss jetzt den anderen wieder helfen. Wir melden uns dann in drei Stunden wieder, dann wissen wir hoffentlich mehr.

S: In Ordnung. Dann euch viel Erfolg.

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Hepkaale und der Alkoholmangel 7

hepkaale_headerErster Teil, sechster Teil.

Das Summen und Brummen des Plot-Devices ließ nach. Es regnete nicht, das war gut. Doch als Hepkaale die Luft roch, riss sie die Augen auf. Es roch nach zu Hause, und tatsächlich stand sie wieder in der heimischen Werkstatt. Wer hätte das gedacht, dass diesmal die Reise mit dem Plot-Device so angenehm würde?

Hepkaale seufzte erleichtert. Sie würde dem Bürgermeister den Brief zeigen, und damit wäre ihr Abenteuer zu Ende und in ihrem Leben würde wieder Ruhe einkehren. Vielleicht würde sie Taalij einen Brief schreiben und ihn wissen lassen, dass es ihr gut ging. Dann könnte sie auch den Brief an Taalijs Großonkel mit zurück schicken.

Vom Flur her waren Stimmen zu hören und dann ging die Tür auf. Es waren Sibüü und ihre Mutter.

„Hepkaale! Hepkaale!“, rief Sibüü. „Endlich bist du zurück! Wir haben schon sehnsüchtig auf dich gewartet!“

Sibüü kam auf sie zu gerannt und umarmte sie. „Ich hoffe, du bringst uns endlich den Kohlbrand…“

„Was ist denn los?“, fragte Hepkaale. „Du freust dich doch sonst nicht so, wenn ein Abenteuer zu Ende ist.“

„Der Bürgermeister… Endlich bist du wieder da.“

Hepkaale schaute ihre Mutter fragend an.

„Seit du aufgebrochen bist, hatten wir keine ruhige Minute mehr.“

„Wir hatten das Gefühl, der Bürgermeister wohnt bei uns, so oft hat er nachgefragt, ob du schon zurück bist“, fügte Sibüü hinzu.

„Alle fünf Minuten kam jemand, um zu schauen, ob du mit dem Kohlbrand schon zurück bist. Das ganze Dorf war in seinem Auftrag hier in den letzten Tagen.“

Ein Klopfen war zu hören. Es klang, als würde jemand mit der Faust gegen die Eingangstür hämmern.

„Siehst du? Da kommt der Nächste, um uns zu nerven.“

Es dauerte keine fünf Sekunden, da kam der Schmied, der beste Freund des Bürgermeisters, in ihre Werkstatt gerannt.

„Hepkaale! Hepkaale! Endlich bist du wieder da! Wir brauchen den Kohlbrand, ganz dringend!“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Es gibt keinen Kohlbrand!“

Der Schmied riss die Augen auf. Dann schüttelte er den Kopf. „Warum verarschst du uns?“

Hepkaale seufzte. Doch bevor sie antworten konnte, kam ihre Mutter in die Werkstatt und der Schmied wandte sich an sie.

„Sie will uns den Kohlbrand nicht geben, machen sie was!“

Hepkaales Mutter schaute sie streng an. „Stimmt das?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich habe keinen bekommen. Das Plot Device konnte auch keinen finden.“

„Du lügst“, antwortete der Schmied.

Hepkaale ballte die Fäuste. „Mache ich nicht! Wenn Sie mir nicht glauben, benutzen sie das Plot-Device doch selber!“

Der Schied schaute sie mit vor Wut verzerrtem Gesicht an. „Es war deine Aufgabe, Kohlbrand zu besorgen.“

„Ich habe von Anfang an gesagt, dass es Unsinn ist. Niemand mag Kohlbrand.“

Es klopft an der Haustür und Sibüü flitzte an ihrer Mutter und dem Schmied vorbei, um die Tür aufzumachen.

„Aber wir brauchen ihn als Gastgeschenk.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „So ein Unsinn. Wenn ihr Zelekaah den Krieg erklären wollt, könnt ihr das auch direkt machen.“

„Du willst Zelekaah den Krieg erklären?“

„Der Bürgermeister will es.“

„Will er nicht!“

Hepkaale und der Schmied waren immer lauter geworden.

„Hepkaale!“, unterbrach der Sohn des Bürgermeisters sie. „Gut, dass du wieder da bist, wir warten schon sehnsüchtig auf den Kohlbrand!“

„Es gibt keinen Kohlbrand!“

Der Sohn des Bürgermeisters starrte sie entsetzt an. „Wie kann das sein? Das Plot-Device hat sich doch losgeschickt, um Kohlbrand zu besorgen!“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Das Plot-Device hat mich losgeschickt, um mir zu zeigen, dass man nie! Nie! Niemals! Kohlbrand verschenken sollte.“

„Das kann nicht sein!“

„Kann es und ist es!“

„Aber das Gastgeschenk!“

„Der Bürgermeister von Zelekaah mag überhaupt keinen Kohlbrand!“

„Das denkst du dir nur aus!“

„Tu ich nicht!“ Hepkaale verschränkte die Arme. „Sagt eurem Bürgermeister, dass er keinen Tropfen Kohlbrand bekommen kann!“

„Aber…“

„Wenn er ein Problem damit hat“, polterte Hepkaale, „dann sagt ihm, er soll selber Kohlschnaps besorgen. Bei mir gibt es jedenfalls keinen!“

Hepkaale funkelte die beiden böse an.

„Aber Hepkaale“, versuchte ihre Mutter sie zu beschwichtigen. „Warum bist du so wütend?“

„Weil Kohlbrand einfach nur eklig ist und alle sich darin einig sind bis auf unseren blöden Bürgermeister.“

Hepkaale schaute wieder zu den beiden Männern und warf ihnen einen weiteren bösen Blick zu.

„Ich glaube“, sagte ihre Mutter zu den beiden, „ihr geht lieber und überbringt dem Bürgermeister die Nachricht.“

Sie schob die beiden aus Hepkaales Werkstatt.

„Was ist passiert?“, fragte Sibüü, als sie und Hepkaale alleine waren.

Hepkaale seufzte. „Eigentlich nicht spannendes. Ich hatte ein paar schöne Tage.“ Hepkaale erzählte von ihrem Abenteuer. „…und alle haben mir gesagt, dass Kohlbrand zu verschenken einer Kriegserklärung gleichkommt.“

„Hoffentlich glaubt dir der Bürgermeister das.“

„Das hoffe ich auch. Ich glaube nämlich nicht, dass wir noch welchen bekommen. Außerdem habe ich einen Brief, den der Bürgermeister von Zelekaah geschrieben hat und in dem er sich darüber beklagt, dass Kohlbrand eklig ist.“

Sibüü schaute Hepkaale an. „Aber dann ist es doch total doof, ihm Kohlbrand schenken zu wollen.“

Hepkaale nickte. „Genau das ist ja mein Problem.“

Sibüü nickte. „Ja, das ist ein Problem. Seit das Plot-Device dich auf die Suche geschickt hat, kam alle paar Minuten jemand, den der Bürgermeister geschickt hat, um zu schauen, ob du schon zurück bist. Nicht mal Nachts haben sie uns in Ruhe gelassen.“

Hepkaale grinste böse. „Jetzt weißt du, warum Reisen mit dem Plot-Device immer so doof sind.“

Sibüü verzog das Gesicht. „Das ist nicht fair. Du reist herum und schaust dir fremde Städte an und bekommst heißen Tee und wir müssen mit den ganzen Blödmännern des Bürgermeisters klarkommen.“

Kurz darauf klingelte es wieder an der Tür und dann wurde gegen die Tür gehämmert. Hepkaale seufzte. Es war bestimmt der Bürgermeister, der seinen Kohlbrand abholen wollte. Sie hörte, wie ihre Mutter im Flur fluchte und Sekunden später kam der Bürgermeister in Hepkaales Werkstatt gestürmt.

„Was höre ich da? Du weigerst dich, uns Kohlbrand zu geben?“ Das Gesicht der Bürgermeisters war wutverzerrt.

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich weigere mich nicht.“ Sie versuchte, ihre Stimme unter Kontrolle zu halten und möglichst ruhig zu klingen, doch es gelang ihr nicht richtig. „Es gibt auf Sma Azirk keinen Kohlbrand, weil niemand so blöd ist, welchen herzustellen.“

„Das kann nicht sein! Der Bürgermeister von Zelekaah…“

„Der Bürgermeister von Zelekaah mag überhaupt keinen Kohlbrand“, schrie Hepkaale zurück und wedelte mit dem Brief vor der Nase des Bürgermeisters herum.

„Wir brauchen ihn als Gastgeschenk!“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Lesen sie selber!“

Endlich ergriff der Bürgermeister den Brief. Als er die entsprechende Stelle las, wurden seine Augen immer größer. Als er fertig gelesen hatte, warf er den Brief nach Hepkaale, drehte sich um und verließ wutschnaubend die Werkstatt.

„Hoffentlich hat er etwas daraus gelernt und entschuldigt sich bei dir“, sagte Sibüü, doch Hepkaale schüttelte den Kopf.

„Der doch nicht. Beim nächsten Problem wird er wieder ankommen und das ganze Drama geht von vorne los.“ Dann lächelte sie. „Aber wenigstens habe ich ein paar schöne Tage gehabt.“

Sibüü verzog das Gesicht. „Ja, du! Aber wir hier nicht.“

So, endlich ist die Geschichte mit dem Alkoholmangel fertig. Ich hätte nicht gedacht, dass Hepkaale so viel Spaß haben würde bei der Suche nach Alkohol. Aber so ist das manchmal.

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Hepkaale und der Alkoholmangel 6

hepkaale_header

Erster Teil, fünfter Teil.

Einige Zeit später hörten sie Stimmen oben auf der Klippe. Hastig zogen sie sich wieder an und kurz darauf kam eine junge Frau – sie war Hepkaale als Taalijs Schwester vorgestellt worden – zu ihnen.

„Ich hab euch schon überall gesucht!“

Hepkaale zog ihre Bluse noch zurecht. Taalij fragte: „Warum? Ich habe doch gesagt, dass ich Hepkaale die schönsten Stellen von Taruulaar zeigen wollte. Und genau das habe ich gemacht.“

Hepkaale und Taalij sahen sich an und grinsten. Die schönsten Stellen von Taruulaar… Insbesondere die schönsten Stellen eines bestimmten Bewohners des Ortes…

„Die anderen wollen wissen, ob Hepkaale heute Abend noch da ist. Die Dorfältesten haben vorgeschlagen, das mit einem gemeinsamen Essen zu feiern, falls sie so lange bleiben möchte.“ Sie sah bittend zu Hepkaale.

„Ich würde gerne, aber du weißt doch, wie wenig ich beeinflussen kann, was das Plot-Device macht.“

„Das heißt, du würdest gerne bleiben?“, fragte sie hoffnungsvoll.

Hepkaale nickte. „Wenn es nach mir ginge, würde ich gerne noch länger hier bleiben. Aber meine Meinung zählt für das Plot-Device ja leider nicht so viel.“

Sie nickte. „Ich werde das so den anderen sagen.“

„Wollen wir auch zurück in die Stadt?“

Hepkaale nickte. „Meinetwegen. Ich hätte nichts dagegen, irgendwo hinzugehen, wo es bequemer ist als hier. Meine Knie…“

Taalij lachte. „Meinem Hintern geht es nicht viel besser… Komm!“

Er ergriff ihre Hand und zusammen folgten sie seiner Schwester zurück in den Ort.

***

Alle Bewohner des Fischerdorfs wollten mit Hepkaale reden. Lieber hätte sie die Zeit mit Taalij alleine verbracht, aber das war leider nicht möglich. Hepkaale kannte es ja schon zu genüge, dass sie eine Berühmtheit war und alle mit ihr reden wollten. Vor allem der Bürgermeister ließ sich nicht abwimmeln.

Nach ein paar Stunden hatte sie dann mit allen Leuten geredet und alle darüber aufgeklärt, dass sie Kohlbrand für ihren Bürgermeister besorgen musste. Danach endlich konnte sie wieder Zeit mit Taalij verbringen. Da der Tag lang gewesen war und es für Taalij auch passte, entschied sie, bei ihm eine Nacht zu verbringen.

Eng umschlungen schliefen sich ein und als Hepkaale aufwachte, stelle sie fest, dass sie selten bei einem Abenteuer so gut geschlafen hatte. Zum Glück war das Plot-Device diesmal so gnädig, sie ausschlafen zu lassen.

Zum Frühstück kam ein älterer Mann zu Besuch, mit dem sie am Vortag schon gesprochen hatte.

„Hepkaale“, sagte er. „Mir ist da noch was eingefallen.“

Hepkaale schaute mit vollem Mund auf. „Hm?“

„Du hast doch gesagt, dass euer Bürgermeister den Kohlbrand an einen anderen Bürgermeister verschenken will.“

Hepkaale nickte.

„Da habe ich gedacht, dass ja der Onkel von meiner Frau, der in Zelekaah wohnt, dort Bürgermeister ist.“

Hepkaale schluckte das letzte Stück Räucherfisch runter. „Genau das ist derjenige, den es zu beschenken gilt.“

„Also tatsächlich“, sagte der Mann und holte einen Brief aus der Tasche. „Dann dürfte dich dieser Brief interessieren, den er meiner Frau geschickt hat.“

Er hielt Hepkaale den Brief hin.

„Der Brief ist schon zwei Jahre alt. Aber er schreibt darin, dass euer Bürgermeister zu Besuch war und ihm schon wieder diesen ekligen Tirüplet-Schnaps aus Kohl geschenkt hat.“

„Kohlbrand“, sagte Hepkaale.

„Genau.“

Der Mann schaute Hepkaale an. „Du solltest eurem Bürgermeister das mit dem Kohlbrand ausreden. Mulaaj, also der Bürgermeister von Zelekaah, hat sich ziemlich darüber aufgeregt. Ich bin mir sicher, er würde sich freuen, wenn ihr keinen Kohlbrand für ihn habt.“

Hepkaale grinste. „Das ist super. Darf ich mir den Brief ausleihen?“

Der Mann nickte. „Meine Frau sagt, du kannst ihn haben.“

Er gab Hepkaale den Brief. Hepkaale war klar, dass der Brief wohl der Grund war, warum sie in diesem Ort gelandet war, aber sie hatte ihre Zweifel daran, dass das Abenteuer damit schon zu Ende war. Irgendwo gab es bestimmt noch Leute, die Hilfe brauchten und ihr im Gegenzug Kohlbrand anbieten konnte. Das Plot-Device war schließlich zu gemein, um sie so einfach davon kommen zu lassen.

„Ich glaube, bald wirst du zur nächsten Station deiner Reise geschickt“, sagte Taalij.

Hepkaale nickte. „Das befürchte ich auch. Aber bis dahin genieße ich die Zeit hier bei euch noch.“ Sie gab Taalij einen Kuss auf die Wange. „Vergiss mich nicht, wenn ich wieder weg bin.“

Taalij lächelte. „Wie könnte ich das? Du bist eine Legende, und in Fleisch und Blut noch viel besser als in den Geschichten.“

„Ich werde dich auch nie vergessen, wo auch immer mich meine Abenteuer hinführen werden“, sagte Hepkaale. „Und vielleicht komme ich ja eines Tages mal wieder hier vorbei…“

Dann ertönte wieder das Summen und Brummen des Plot-Devices und Hepkaale wurde zum nächsten Teil ihres Abenteuer gesandt.

Letzter Teil.

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Hepkaale und der Alkoholmangel 5

hepkaale_header

Erster Teil, vierter Teil.

Das Summen und Brummen des Plot-Devices wurde leiser und erstarb dann ganz. Hepkaale hoffte nur, dass sie nicht wieder irgendwo mitten in einer Katastrophe landen würde. Es war warm und regnete nicht, das war schon mal ein guter Anfang. Die Luft roch würzig mit einer leicht salzigen Note. Der leichte Wind fühlte sich angenehm an. Ein leises Rauschen war zu hören und als sie die Augen öffnete, sah sie, wie sich die Sonne im Meer vor ihr spiegelte.

Sie schaute sich um. Hinter ihr war ein Ort, zu dem eine Landungsbrücke gehörte, die weit ins Meer hinaus ragte. Mehrere kleine Schiffe waren an ihr vertäut. Meeresvögel kreisten über dem Steg und stießen gelegentlich hernieder. Ein paar einzelne Wolken zogen am Himmel dahin. Mehrere Fischer waren mit dem Ausladen ihres Fangs beschäftigt und vor einem der Häuser stand eine Gruppe aus drei Frauen und zwei Männern und unterhielt sich.

Hepkaale ging auf die Gruppe zu und rief: „Hallo!“

Die fünf Personen drehten sich zu ihr um.

„Hallo! Wer bist du?“

„Wo kommst du her?“

„Wo willst du hin?“

Hepkaale ging weiter auf die Leute zu. „Ich bin Hepkaale aus Tirüplet und soll nach Kohlbrand suchen.“

Die fünf schauten sie fragend an.

„Die Hepkaale aus den Legenden?“

Hepkaale nickte. Sie hatte es schon oft genug erlebt, dass die Leute schon Legenden über sie und das Plot-Device gehört hatten.

„Was ist Kohlbrand?“, fragte der jüngere der Männer.

„Ein Schnaps, der aus Kohl gebrannt wird“, erklärte eine der Frauen.

„Ein ziemlich übel schmeckendes Zeug“, ergänzte Hepkaale.

„Ich habe es vor ein paar Jahren in Merülaah mal probieren müssen. Glaubt mir, es gibt nicht viel ekligeres.“

Der junge Mann, der recht niedlich aussah, wie Hepkaale feststellte, sah sie an. „Warum suchst du Kohlbrand, wenn er so eklig ist?“

Hepkaale erzählte die Geschichte von ihrem Bürgermeister und warum er unbedingt Kohlbrand haben wollte.

„Aber was machst du dann bei uns?“, wollte der junge Mann wissen.

„Das Plot-Device hat mich hierher geschickt.“

Der junge Mann schaute zu den anderen und sagte dann: „Aber bei uns gibt es keinen Kohlbrand.“

Hepkaale nickte. „Das hatte ich schon befürchtet. Aber wahrscheinlich habt ihr ein anderes Problem, wegen dem mich das Plot-Device hierher geschickt hat.“

„Was für ein Problem sollte das sein“, fragte eine der jungen Frauen.

Die anderen schauten sich fragen an und zuckten mit den Schultern. „Ich wüsste nicht, bei welchem Problem wir Hilfe brauchen könnten.“

Hepkaale schaute die anderen ungläubig an. „Ihr habt kein Problem?“

Die anderen schüttelten den Kopf.

„Kein Problem“, sagte der junge Mann. „Du kannst ja einfach die freie Zeit hier genießen. Möchtest du was essen oder trinken?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich habe gerade erst gegessen, vielen Dank.“

„Dann komm, ich zeige dir die schönsten Stellen von Taruulaar.“

Er ergriff Hepkaales Hand und zog sie mit sich.

***

Der Ort war nicht sehr groß, zwanzig oder dreißig Häuser, aber es gab eine kleine Schule mit Bibliothek, einen Bäcker und zwei kleine Läden sowie eine Destillerie, deren Besitzer aber nie im Leben freiwillig Kohlbrand hergestellt hätte.

Das unbestrittene Zentrum des Ortes war die Seebrücke, an der die Fischerboote anlegten und die Meerestiere entluden, die die Basis der Nahrungsversorgung des Ortes waren. Hepkaale musste mehrere Spezialitäten probieren, die teilweise seltsam und teilweise lecker waren.

Anschließend führte ihr Begleiter, der Taalij hieß, sie zu den schönsten Stellen in der Umgebung des Ortes. Es gab große, alte Bäume und steile Klippen und Hügel, von denen aus man einen wunderbaren Blick über das Meer hatte. Am einer Stelle gab es in den Klippen zum Meer hin eine kleine Höhle, in deren Eingang sie eine Pause machten.

„Es ist schön hier“, sagte Hepkaale.

Taalij nickte. „Das ist es. Manchmal ist es anstrengend, in Taruulaar zu leben, denn der Ort ist schon sehr abgelegen, aber es ist auch schön.“

„Mit Tiruplet ist es ähnlich“, sagte Hepkaale. „Schön, aber einsam. Es ist schön, dass es auf Sma Azirk tatsächlich Orte gibt, die keine Probleme haben.“

Taalij schaute sie an und lächelte. Wenn er so lächelte, sah er einfach zum Anbeißen aus, fand Hepkaale. Ob er sie wohl auch attraktiv fand? Vielleicht dauerte es ja noch eine Weile, bis das Plot-Device sie weiter schickte.

Taalij erzählte ihr von seinem Leben in Taruulaar und wie anstrengend es war, wenn man als Fischer arbeitete und gleichzeitig den Eltern auf dem Hof helfen musste. Hepkaale war froh, dass sie zu Hause nur den Hof hatten, das war schon Arbeit genug.

Er fragte sie über ihre Familie aus und sie erzählte von ihren Geschwistern und ihren Eltern. Insbesondere über Sibüü schien er schon viel zu wissen, auch wenn nicht alles stimmte, was in den Legenden über ihre Lieblingsschwester erzählt wurde.

Als ein paar Wolken vor der Sonne vorbeizogen, wurde es kühler und sie kuschelte sich an ihn an. Sie genoss die ruhige Zeit, in der sie einfach nur neben ihm saß, und sie beiden sich von ihrem Leben erzählten. Er legte seinen Arm um sie und sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter, während sie auf das Meer hinaus schauten und die Wolken beim Ziehen beobachteten.

Hepkaale fragte sich, wann sie das letzte Mal einen so schönen Nachmittag verbracht hatte. Friedliche Ruhe, ein hübscher Mann, an den sie sich anlehnen konnte und dazu ein kleines Picknick und keine Aufgaben, die auf sie warteten. Seit ihrer Kindheit hatte sich nicht mehr so einen schönen Nachmittag verbracht, vermutete sie.

Sie schaute ihn an und sie kamen sich näher. Würden sie sich küssen? Sie hob ihren Kopf ein wenig und dann berührten sich ihre Lippen. Es war wie ein Traum, ein wunderbarer Traum. Seine Lippen auf ihren, ihre Zungen, die sich berührten. Hepkaale war glücklich wie lange nicht mehr.

Doch dann dachte sie an das Plot-Device und wich von ihm zurück. „Du weißt, dass ich jederzeit verschwinden könnte, oder?“

Taalij nickte. „Das Plot-Device. Ein Grund mehr, keine Minuten zu verschwenden.“

Er zog ihren Kopf zu sich heran und sie erwiderte seinen Kuss.

Den sechsten Teil findet ihr hier.

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Hepkaale und der Alkoholmangel 4

hepkaale_header

Erster Teil, dritter Teil.

Das Plot-Device summte und brummte, und als Hepkaale ihre Augen wieder öffnete, stand sie auf einem Weg. Vor ihr lag ein bewaldetes Tal, an deren linken Rand eine kleine Stadt war, zu der der Weg hinführte. Wahrscheinlich der nächste Ort, zu dem das Plot-Device sie schickte.

Wenigstens regnete es hier nicht, was ja schon mal ein Fortschritt war. Die Wolken sahen jedoch aus, als könnte es jederzeit beginnen. Schnell machte sie sich auf den Weg, um in der Stadt anzukommen, bevor es zu spät war, wo doch ihre Kleidung gerade erst trocken geworden war. Hoffentlich würde sie es schaffen.

Als die ersten Tropfen fielen, hatte sie gerade den Stadtrand erreicht. Der Regen wurde schnell stärker und Hepkaale flüchtete sich in einen Bäckerladen.

„Hallo, junge Fremde“, begrüßte sie eine ältere Verkäuferin. „Womit kann ich dienen?“

Ihr Akzent klang ungewohnt, aber das sagte ihr nur, dass sie nicht in der Nähe Tirüplets war.

„Ich soll nach Kohlbrand suchen.“

„Kohlbrand?“, fragte die Frau verdutzt. Dann schüttelte sie den Kopf. „So jung und schon so verzweifelt…“

Hepkaale lachte. „Ich will das Zeug ja nicht trinken.“ Dann erzählte sie der Frau die Geschichte, warum sie nach Kohlbrand suchte.

„Euer Bürgermeister hat einen Vogel, wenn er der Meinung ist, dass irgendwer sich über Kohlbrand freut.“

Hepkaale nickte. „Das ist mir auch klar. Aber dummerweise bin ich diejenige, die losgeschickt wurde, um Kohlbrand zu besorgen. Bevor ich keinen habe, werde ich wahrscheinlich nicht nach Hause zurückkehren können.“

Die Verkäuferin schaute Hepkaale mitleidig an. „Das ist eine gemeine Strafe. Was hast du verbrochen?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Nichts. Ich habe nur ein Plot-Device und deswegen muss ich immer die unmöglichsten Probleme lösen.“

„Du bist also wirklich die Hepkaale auf den Geschichten? Die mit dem Plot-Device?“

Hepkaale nickte. „Ja, leider. Deswegen lande ich ja auch ständig irgendwo, wo es Probleme gibt.“

„Heißt das, wir haben Probleme?“

„Habt ihr keine?“

Die Frau schüttelte den Kopf. „Eigentlich geht es uns ganz gut. Klar, die Bauern meckern immer über das Wetter, aber da der eine Regen und der andere Sonnenschein will, kann man das ignorieren, finde ich. Davon abgesehen haben wir soweit ich weiß keine Probleme.“

„Das wäre ja mal eine positive Überraschung“, sagte Hepkaale.

Die Frau nickte. „Ist doch auch mal schön. Möchtest du was essen?“

Hepkaale nickte. Wer weiß, wo das Plot-Device sie als nächstes hinschicken würde. „Gerne.“

Die Verkäuferin reichte Hepkaale ein belegtes Brötchen mit Käse und Salat.

„Würde es dich stören, wenn ich meine Nichte herhole? Sie ist ein großer Fan deiner Geschichten und würde dich sicherlich gerne selber kennen lernen.“

Hepkaale lächelte. „Mach ruhig. Ich habe allerdings keine Ahnung, wann das Plot-Device der Meinung ist, dass ich weiterreisen sollte.“

„Also stimmen die Geschichten über dich in diesem Punkt.“

Hepkaale nickte. „Leider ja.“

Die Frau verließ den Verkaufsraum nach hinten und Hepkaale setzte sich mit ihrem Brötchen an einen der Holztische. Das Brötchen war gut und Hepkaale schaute aus dem Fenster auf die regennasse Straße und genoss es, zur Abwechslung mal von einem trockenen Ort aus zusehen zu können.

Kurz darauf kam die Frau mit ihrer Nichte im Schlepptau wieder. „Das ist Raaka, meine Nichte.“

„Hallo Raaka, ich bin Hepkaale aus Tirüplet.“

„Hallo! Bist du wirklich die Hepkaale?“

Hepkaale lächelte. „Ich weiß nicht, ob ich die Hepkaale bin, aber ich habe ein Plot-Device.“

„Wirklich? Das ist ja toll. Ich finde deine Geschichten toll. Vor allem die, wo du mit den Meerschweinchen kämpfst…“

Hepkaale stöhnte. „Erinner mich nicht daran. Die Viecher waren echt gruselig.“

„Aber du warst großartig mit der Heugabel.“

Hepkaale seufzte. „Ich fand es schrecklich. Es war voll schmierig und anstrengend.“

„Er zähl mal, wie es wirklich war“, sagte die Frau. „Wir kennen ja nur die Geschichte, die man sich erzählt.“

Hepkaale nickte. „Das kann ich machen.“ Und so erzählte Hepkaale in aller Ruhe die Geschichte, wie sie mit den Monstermeerschweinchen gekämpft hatte. Dazu aßen sie Kuchen und tranken Tee, den die Frau gekocht hatte.

Hier geht es zum fünften Teil.

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Hepkaale und der Alkoholmangel 3

Erster Teil, zweiter Teil.

Das Summen und Brummen des Plot-Devices ließ nach. Es regnete. Hepkaale überlegte, ob sie ihre Augen öffnen oder lieber geschlossen lassen sollte. Sie wollte gar nicht wissen, in welche absonderliche Situation das Plot-Device sie schon wieder gebracht hatte. Warum ließ sie sich nur immer von Sibüü dazu überreden, das Plot-Device zu benutzen?

Der Regen fiel weiter auf sie. Sie seufzte. Dann öffnete sie ihre Augen und schaute sich um. Sie stand in einem dichten Wald. Große Bäume, die Kronen im Dunst des Nebels weichgezeichnet. Der Regen schien Wasser zu sein, das an den Blättern der Bäume kondensierte und dann auf sie herab tropfte. Sehr große Regentropfen.

Sie befand sich in einem Tal, rechts und links von ihr stieg das Land an, vor ihr fiel es sanft ab. Links von ihr floss ein kleiner Bach Richtung Tal. Hepkaale fragte sich, wo sie hier Kohlbrand finden sollte. Es sah so aus, als wäre noch nie ein Mensch in diesem Tal gewesen und als würde auch niemand einen Grund haben, jemals hierher zu kommen. Was wollte das Plot-Device schon wieder von ihr?

Sie überlegte, ob sie dem Tal folgen sollte oder ob es besser wäre, nach oben zu gehen. Normalerweise hätte sie sich für oben entschieden, denn von Bergen aus sah man einfach mehr, aber in diesem Fall war sie sich nicht sicher, denn der Wald war zu dicht, um durch ihn hindurch sehen zu können. Zum Glück gab es wenigstens nicht so viel Unterholz, so dass sie gut durchkommen würde, egal wohin sie sich wand.

Sie ging einen Schritt auf den Bach zu, doch als ihre Füße im weichen, schlammigen Waldboden einsanken, entschied sie, lieber nicht dem Bach zu folgen. Sie konnte sich noch zu gut an einen anderen Ausflug mit dem Plot-Device erinnern, bei dem sie bis zu den Knien im Schlamm versunken war. Darauf hatte sie keine Lust.

Als Hepkaale den Bergkamm erreicht hatte, sah sie nur weiteren Wald in alle Richtungen und es regnete noch immer. Sie überlegte, ob sie sich einfach hinsetzen und abwarten sollte, aber bei dem Wetter würde das keinen Spaß machen. Von dem Tal weg schien der Wald ebener zu sein, wahrscheinlich eine Art Hochplateau oder ähnliches. Wenn doch nur der blöde Regen aufhören würde.

Hepkaale setzte sich wieder in Bewegung und ging immer in die Richtung, die ihr am einfachsten erschien. Wahrscheinlich würde sie unabhängig davon, in welche Richtung sie ging, irgendwann bei einer Katastrophe landen, bei der sie helfen musste. Das war nun mal die Art der Plot-Devices.

***

Zwei Stunden marschierte Hepkaale durch den Wald, bis sie schließlich auf einen Weg stieß, der sie ein paar Stunden später zu einem einsamen Hof führt. Sie klopfte und eine alte Frau öffnete die Tür.

„Hallo! Ich bin Hepkaale aus Tirüplet und würde mich gerne bei Ihnen aufwärmen.“

„Hepkaale? Komischer Name. Naja, komm rein.“

Das Haus bestand nur aus einem großen Raum, der gleichzeitig Küche, Schlafzimmer, Stube und Werkstatt zu sein schien. Offensichtlich waren es sehr arme Leute, die hier wohnten, was Hepkaale nicht überraschte, denn reiche Leute würden nicht so abgelegen im Wald wohnen wollen.

„Möchtest du einen heißen Tee?“

Hepkaale nickte. „Das wäre sehr nett von Ihnen.“

Kurz darauf schlürfte Hepkaale heißen Tee.

„Wohnen Sie alleine hier?“

Die Frau schüttelte den Kopf. „Die anderen sind alle arbeiten. Das Leben hier draußen ist hart.“

Hepkaale nickte. „Wem sagen sie das. Tirüplet ist auch sehr abgelegen.“

„Dafür ist es bekannt. Ist das Leben bei euch wirklich so wie in den Geschichten?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Die meisten Geschichten sind übertrieben. Wir müssen hart arbeiten und das Schicksal wirft und immer wieder Stöcke zwischen die Beine.“

Die alte Frau seufzte. „Manchmal frage ich mich, ob die Menschen nicht lieber auf der Erde geblieben wären anstatt nach Amel zu reisen. Das Leben dort muss wunderbar gewesen sein.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Das glaube ich nicht. Die hatten bestimmt auch ihre Probleme.“

„Meinst du?“

Hepkaale nickte. „Ich bin schon ziemlich weit rumgekommen, und egal, wo man hinkommt, wenn Menschen in der Nähe sind, gibt es Probleme. Immer! Das scheint mir ein Naturgesetz zu sein.“

„Dann stimmt es also, dass du immer dort auftauchst, wo es Probleme gibt?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich glaube eher, dass die Leute ihre Probleme gerne auf mich abwälzen, weil sie sie dann nicht selber lösen müssen.“

Die alte Frau trank einen Schluck Tee. „Meinst du, wir werden dich auch bitten, unsere Probleme zu lösen?“

„Bestimmt. Es wäre zu schön, wenn dem nicht so wäre.“

Die alte Frau lachte. „Bisher sind wir ohne dich eigentlich ganz gut klargekommen. Ich hoffe, dass wir das auch weiterhin schaffen.“

„Das hoffe ich. Ich habe nämlich überhaupt keine Lust mehr, die Probleme anderer Leute zu lösen.“

Der alte Frau schaute Hepkaale neugierig an. „Warum bist du hier?“

Hepkaale seufzte. „Ich soll Kohlbrand besorgen. Unser Bürgermeister möchte dem Bürgermeister von Zelekaah welchen schenken.“

„Kohlbrand?“, fragte die alte Frau ungläubig. „Wollt ihr Zelekaah den Krieg erklären?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Angeblich soll der Bürgermeister das Zeug mögen.“

Die alte Frau schüttelte den Kopf. „Das kann ich mir nicht vorstellen. Warum sollte irgendwer dieses Zeug freiwillig trinken?“

„Das frage ich mich auch.“

„Vielleicht solltest du eurem Bürgermeister sagen, das er einen Vogel hat.“

Hepkaale grinste böse. „Das wäre wohl das richtige.“

Die alte Frau lachte. „Hier in der Gegend gibt es definitiv keinen Kohlbrand, das kann ich dir versprechen.“

Hepkaale seufzte erleichtert. „Dann ist ja gut.“

„Da du hier also nichts zu tun hast, kannst du ja deinen Aufenthalt hier genießen und mir Gesellschaft leisten.“

Hepkaale nickte. „Das klingt gut. Der Tee ist lecker, es regnet nicht rein und ist schön warm hier. Da bleibe ich doch gerne noch eine Weile.“

Die nächsten drei Stunden saßen die beiden Frauen am Tisch, tranken Tee, aßen Kuchen und unterhielten sich über alles mögliche.

Teil 4 ist hier.

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Hepkaale und der Alkoholmangel 2

hepkaale_headerTeil 1 ist hier.

Hepkaale saß zusammen mit Sibüü in der Küche und schälte Kartoffeln.

„Warum wolltest du dem Bürgermeister nicht helfen?“, fragte Sibüü ihre große Schwester.

„Du willst doch nur, dass ich das Plot Device benutze und dich mitnehme.“

Sibüü schaute nach unten und murmelte: „Gar nicht.“

„Außerdem finde ich es unsinnig, das Plot-Device zu benutzen, weil unser Bürgermeister keinen Alkohol mehr hat. Das Plot-Device sollte nur bei wirklich schlimmen Dingen benutzt werden oder am Besten gar nicht.“

Hepkaale pfefferte eine geschälte Kartoffel in den Topf. „Das Plot-Device bringt ja doch nur Ärger.“

Sibüü wollte etwas sagen, aber nach einem Blick auf ihre große Schwester ließ sie es bleiben.

Es vergingen ein paar Minuten, in denen sie schweigend Kartoffeln schälten und jeweils ihren Gedanken nachhingen. Dann fragte Sibüü plötzlich:

„Sag mal, Hepkaale, warum glaubst du, dass es nicht schlimm ist, wenn es keinen Kohlbrand gibt?“

Hepkaale überlegte. Dann sagte sie: „Zelekaah ist drei Tagesreisen von uns entfernt. Was sollen sie machen? Selbst wenn sie ihre fünf Polizisten nach Tirüplet schicken würden, wären sie so alleine, dass sie gegen alle Bewohner Tirüplets nichts ausrichten könnten.“

„Was anderes können sie nicht machen?“

„Sie können keinen Kohl mehr von uns kaufen. Aber da sie den meisten Kohl weiterverkaufen und gut daran verdienen, werden sie das nicht machen. Außerdem können wir unseren Kohl ja auch nach Maalfuf verkaufen, soviel weiter als Zelekaah ist der Ort auch nicht entfernt.“

Sibüü unterbrach ihre Arbeit und schaute Hepkaale an. „Warum will der Bürgermeister dann überhaupt Kohlbrand haben? Wäre es dann nicht völlig egal, was Zelekaah von uns hält?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Es ist für uns viel einfacher, wenn wir unseren Kohl über Zelekaah verkaufen. Wir müssen uns das Leben nicht unnötig schwer machen. Aber um den Bürgermeister von Zelekaah freundlich zu stimmen, könnten wir ihm auch etwas anderes schenken.“

Sibüü nahm die nächste Kartoffel und schälte sie. „Dein Problem ist also, dass der Bürgermeister ausgerechnet Kohlbrand verschenken will. Warum?“

„Wenn du das Zeug jemals probiert hättest, wüsstest du, was ich meine.“

Hepkaale verzog angewidert das Gesicht, als sie an den Geschmack dachte. „Ich verstehen nicht, warum irgendwer das Zeug trinken will. Wenn ich der Bürgermeister von Zelekaah wäre, würde ich mich von so einem Geschenk beleidigt fühlen.“

Hepkaale nahm die nächste Kartoffel.

„Aber er mag den Geschmack doch, oder nicht?“

Hepkaale nickte. Dann fügte sie hinzu: „Aber das zeigt nur, dass es einen schrecklichen Geschmack hat.“

„Du könntest doch unserem Bürgermeister trotzdem helfen.“

„Niemals! Nicht für Kohlschnaps!“, sagte Hepkaale heftig.

Sibüü zuckte zusammen. „Aber Hepkaale“, sagte Sibüü, „so war das doch nicht gemeint. Ich dachte nur, wenn du dem Bürgermeister hilfst, dann wird es uns vielleicht auch mal helfen.“

Hepkaale lachte sarkastisch. „Der wird uns nur helfen, wenn er mich überreden will, das Plot-Device für ihn zu benutzen.“

„Aber das versucht er ja.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich werde davon wieder nur Ärger haben.“

Sibüü schaute Hepkaale lächelnd an: „Und eine kleine Schwester, die sehr stolz auf dich ist.“

„Das wird dir nichts nützen, ich werde das Plot-Device nicht wegen Kohlbrand nutzen.“

„Was wäre, wenn der Bürgermeister uns für die Benutzung des Plot-Devices zwei Ziegen schenken würde?“

„Zwei Ziegen… hmm… wenn es zwei Schafe wären, könnten wir drüber reden…“

„Siehst du! Darum musst du den Bürgermeister bitten“, sagte Sibüü grinsend.

„Vergiss es. Ich werde ihn um nichts bitten, das ist eine Idee, auf die er von alleine kommen muss.“

Sibüü murmelte irgend etwas, das Hepkaale nicht verstand.

***

Als sie eine Stunde später beim Mittagessen saßen., klopfte es an der Tür. Hepkaales Vater öffnete. Es war der Bürgermeister.

„Hallo Herr Bürgermeister, war können wir für Sie tun?“

„Hallo! Ich wollte mit ihrer Hepkaale sprechen.“ Er schaut zur am Tisch versammelten Familie.

„Ich wollte nochmal nachfragen, ob du wegen dem Kohlbrand etwas unternimmst.“

Hepkaale schüttelte den Kopf.

„Du musst es auch nicht umsonst machen. Als Anerkennung würde ich dir zwei Schafe vermachen.“

„Drei Schafe!“, sagte Hepkaale und verschränkte die Arme. Darauf folgte das unvermeidliche Feilschen und am Ende einigten sie sich auf zwei Schafe und ein Lamm. Dafür sollte Hepkaale bis zum Abend das Geschenk für den Bürgermeister aus Zelekaah besorgen.

„Sehr gut“, freute sich Sibbü. „Wann fangen wir an?“

Hepkaale schaute ihre Lieblingsschwester streng an. „WIR machen gar nicht. Du wirst schön hierbleiben und helfen.“

„Aber Hepkaale! Ich will doch mit!“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Nein! Wenn ich mich schon auf so eine gefährliche Reise begeben muss, dann musst du für mich heute Nachmittag helfen. Ich werde Mutter fragen, ob du vorbildlich warst!“

Sibüü zog einen Schmollmund. „Das ist unfair!“

„Dass du mich schon wieder überredet hast, das ist unfair“, konterte Hepkaale, stand auf und ging in die Werkstatt, wo ihr Plot-Device stand.

Hier ist Teil 3.

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Hepkaale und der Alkoholmangel

hepkaale_headerJemand donnerte mit der Faust an die Tür.

„Hepkaale! Schnell! Mach auf, es ist dringend!“

Dann wurde wieder gegen die Tür gehämmert. Hepkaales Geschwister schienen sich über diese Abwechslung zu freuen, aber Hepkaale war nicht erfreut. Wie sollten sie jemals unter ihrer Aufsicht mit ihren Hausaufgaben fertig werden, wenn ständig jemand kam und sie unterbrach? Sahen die anderen nicht ein, wie wichtig es war, dass sie in der Schule etwas lernten?

Als das Hämmern an der Tür nicht aufhörte, stand Hepkaale auf und öffnete. Es war der Sohn des Bürgermeisters. Er sah aus, als wäre etwas sehr schreckliches passiert. Oder vielleicht mehr, als würde etwas sehr schreckliches demnächst passieren, dachte sich Hepkaale.

„Schnell, Hepkaale, du musst uns helfen. Ganz Tirüplet ist in Gefahr!“

„Warum ich?“ Das war eine Frage, über die Hepkaale schon öfter nachgedacht hatte. Warum kamen immer alle mit ihren Problemen zu ihr und lösten sie nicht selber? In anderen Orten, in denen sie nicht wohnte, konnten die Leute ihre Probleme doch auch selber lösen.

„Beeil dich!“, sagte der junge Mann stattdessen, ergriff ihre Hand und zog sie hinter sich her.

Als sie auf die Straße kamen, fluchte Hepkaale. Es regnete. Die halbe Straße war voller Pfützen und sie hatte weder einen Regenschirm noch wasserdichte Stiefel an. Sie hatte nicht einmal richtige Schuhe an sondern nur ihre Hauspantoffeln. Wie hätte sie auch ahnen können, dass sie entführt wurde, während sie darauf aufpasste, dass ihre jüngeren Geschwister ihre Hausaufgaben machten?

Als sie beim Haus des Bürgermeisters ankamen, war Hepkaale von oben bis unten nass. Sie hoffte nur, dass es wenigstens ein richtiger Notfall war und sie nicht gerufen worden war, weil die Katze des Bürgermeisters mal wieder unter einen Schrank gekrochen war und jetzt dort fest steckte.

Die Haushälterin des Bürgermeisters öffnete ihnen die Tür und als sie sah, wie nass Hepkaale war, reichte sie ihr ein trockenes Handtuch.

Hepkaale trocknete sich die nassen Haare ab. Als sie fertig war und sich umschaute, stand sie alleine im Flur. Sowohl der Sohn des Bürgermeisters als auch die Haushälterin hatten sie alleine gelassen. Hepkaale fragte sich, ob es in Wirklichkeit überhaupt kein Problem gab und sich heute nur alle gegen sie verschworen hatten, um einen schlechten Tag noch schlechter zu machen. Wahrscheinlich hatten ihre Geschwister in der Zwischenzeit schon die halbe Wohnung auf den Kopf gestellt, während sie hier sinnlos im Flur des Bürgermeisters stand.

Schließlich kam die Haushälterin wieder. Sie gab Hepkaale eine Tasse heißen, dampfenden Tee. „Hier, damit du dich aufwärmen kannst.“

Dankbar nahm Hepkaale sie an. Vorsichtig trank sie einen Schluck. Als sie gerade merkte, wie die Wärme ihren Magen erreichte, kam der Sohn des Bürgermeisters zurück, seinen Vater im Schlepptau.

„Hepkaale! Wie gut, dass du Zeit hast. Wir brauchen ganz dringend deine Hilfe.“

„Nun, dass ich Zeit habe, ist übertrieben…“, begann Hepkaale, doch der Bürgermeister unterbrach sie. „Ich weiß ja, dass du unserem Dorf sehr gerne hilfst und dir dafür die nötige Zeit nimmst, auch wenn du sie nicht hast. Und zwar haben wir folgendes Problem.“

Der Bürgermeister erzählte ihr, dass Tirüplet ja nur ein kleiner Ort sei und dass der Ort Zelekaah viel mächtiger sei. Daher müsse Tirüplet darauf achten, Zelekaah und insbesondere den zugegebenermaßen etwas arroganten Bürgermeister immer zufrieden zu stellen. Er erklärte lang und breit, was die Ursache für diese Probleme seiner Meinung nach war und warum man das nicht ändern konnte. Mehrfach musste Hepkaale ein Gähnen unterdrücken. Als ihre Teetasse leer war, stand die Haushälterin zum Glück schon mit der Kanne bereit, um Hepkaales Tasse nachzufüllen.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis der Bürgermeister ihr erklärt hatte, dass der Bürgermeister von Zelekaah zu Besuch kam, auf Kohlbrand stand und dass es in Tirüplet keinen Kohlschnaps mehr gab.

„Du hast mich hierher zitiert, nur damit ich Kohlbrand besorge?“

Der Bürgermeister nickte. „Ich bin wirklich verzweifelt. Tirüplet ist der einzige Ort auf der Welt, wo Kohlschnaps gebrannt wird und er steht nun mal auf das Zeug.“

Hepkaale verzog angewidert das Gesicht. „Bei dem Geschmack von dem Zeug wundert es mich nicht, dass niemand sonst so verzweifelt ist, aus Kohl Schnaps herzustellen.“

Der Bürgermeister sah sie entrüstet an: „Aber Hepkaale. Du musst doch stolz auf die Erzeugnisse Tirüplets sein.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Doch nicht auf Kohlbrand. Man sollte ihn verbieten.“

„Doch, Hepkaale, Kohlbrand ist für Tirüplet wichtig. Und genau deswegen wirst du uns welchen besorgen.“

„Aber woher? Wenn es in Tirüplet keinen Kohlbrand gibt, dass gibt es keinen.“

Jemand klopfte an der Tür und der Bürgermeister und Hepkaale waren abgelenkt. Die Haushälterin öffnete die Tür. Es war Sibüü, die vor der Tür stand.

„Was willst du hier?“, fragt Hepkaale überrascht.

„Mutter sagt, ich soll schauen, wo du abgeblieben bist.“

Hepkaale schaute ihre Schwester streng an. „Habt ihr ihr nicht gesagt, dass der Bürgermeister mich sprechen wollte?“

Sibüü nickte. „Das haben wir, aber sie wollte uns nicht glauben. Du sollst nach Hause kommen und Kartoffeln schälen.“

Hepkaale sah triumphierend zum Bürgermeister. „Da haben Sie es. Ich werde anderswo dringender gebraucht als bei ihnen. Wünsche noch einen schönen Tag!“

Hepkaale drehte sich um, ging zur Tür und schob Sibüü vor sich her in den Regen.

„Aber Hepkaale…“ rief ihr der Bürgermeister hinterher, doch sie reagierte nicht darauf.

Teil 2 findet ihr hier.

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Wie der Hund Galp mit den Pinguinen Freundschaft schloss

Wie der Hund Galp mit den Pinguinen Freundschaft schloss

„Großmutter Fadati, erzähl uns eine Geschichte.“

Großmutter Fadati schaute die Kinder ein. „Eine Geschichte… Hm, was wollt ihr denn für eine Geschichte hören?“

Die Kinder, die um Fadati herum saßen, schrien alle durcheinander.

„Etwas spannendes!“

„Action!“

„Mit niedlichen Tieren!“

„Was lustiges!“

Großmutter Fadati überlegte, welche Geschichte sie den Kindern erzählen sollte. Dann hatte sie eine Idee: „Hab ich euch schon mal erzählt, wie mein Hund Galp mit den Pinguinen Freundschaft geschlossen hat?“

„Nein!“

„Erzähl!“

„Ja, erzähl bitte!“

Großmutter Fadati lächelte. „Dann passt mal gut auf:

Es war, als ich ungefähr so alt wie ihr war. Da hatte der Hund von einer Freundin meiner Mutter gerade neue Welpen bekommen. Ich bettelte bei meiner Mutter so lange, bis ich einen von den Welpen als Haustier bekam.

Ich nannte meinen Hund Galp. Sie war echt niedlich, noch ganz klein und tollpatschig. Sie war neugierig, hatte aber vor allem neuen auch Angst und hat sich dann immer auf meine Füße gesetzt, wenn sie Angst hatte. Aber trotzdem wollte sie immer alle mitbekommen und es sah immer sehr lustig aus, wenn sie auf meinen Füßen saß und den Kopf reckte, um mehr sehen zu können.

Eines Tages, als sie vielleicht fünf Monate alt war, ging ich mit ihr ins Meeresmodul. Wir hatten Glück, denn es schneite gerade. Es dauerte ein paar Minuten, bis sie die Angst vor den Schneeflocken verlor, aber dann tollte sie wild herum und versuchte, die Schneeflocken zu fangen. Es war ziemlich lustig, wie sie immer wieder den Flocken entgegen sprang und wie sie auf dem Eis ausrutschte und sich dann wieder aufrappelte.

Sie wurde immer mutiger und lief weiter rum. Irgendwann lief sie dann über eine Schneewehe und traf auf die Pinguine. Sie schaute die Pinguine neugierig an, doch als die sich bewegten, bekam sie Angst und kam sofort zu mir zurück gelaufen.

Da ich nicht wusste, was sie erschreckt hatte, ging ich über die Schneewehe. Sie folgte mit dich auf dem Fuß und war wohl der Meinung, dass ich sie beschützen würde. Dann sah ich die Gruppe Pinguine, die am Rand des Wassers auf dem Eis stand. Acht Pinguine auf dem Eis und drei im Wasser.

„Schau mal, Galp, Pinguine!“

Langsam wurde sie ein wenig mutiger, blieb jedoch noch immer in meiner Nähe. Nach einer Weile kam ein Pinguin auf uns zu gewatschelt. Galp versteckte sich sofort wieder auf meinen Füßen. Der Pinguin watschelte um uns herum und schaute uns von allen Seiten kritisch an.

Galp schaute ihn kritisch an und als der Pinguin halb um uns rum war, traute sie sich von meinen Füßen herunter und ging vorsichtig auf ihn zu. Der Pinguin wurde davon überrascht und blieb stehen. Galp ging langsam auf ihn zu. Sie war viel kleiner als der Pinguin, der bestimmt dreißig Zentimeter groß war. Als der Pinguin nichts weiter machte, beschnupperte sie ihn. Das irritierte nun wiederum den Pinguin, der mit seinen Flossen flappte, was Galp so erschreckte, dass sie sofort wieder zu mir gerannt kam und sich wieder auf meine Füße setzte.

Jetzt kam der Pinguin näher und begutachtete nun seinerseits Galp. Als nichts weiter passierte. Traute sie sich auch wieder von meinen Füßen herunter und beschnupperte weiter den Pinguin. Irgendwann wurde er ihr wohl zu langweilig und sie begann wieder, den Schneeflocken hinterher zu jagen.

Das fand der Pinguin wiederum interessant und er folgte ihr watschelnd durch den Schnee. Irgendwann kam Galp den anderen Pinguinen, die noch immer am Ufer standen, nahe und die Pinguine fühlten sich von ihr bedroht. Sie schauten sie böse an und watschelten auf sie zu. So viele Pinguine waren Galp nicht ganz geheuer und sie flüchtete wieder. Da ich zu weit weg war, versuchte sie, sich hinter dem Pinguin zu verstecken, der uns vorher beäugt hatte. Er richtete sich auf, und auch wenn er noch kleiner war als die anderen Pinguine, so hörten sie doch auf, Galp zu verfolgen. Und von da an waren Galp und der Pinguin beste Freunde.“

Damit beendete Großmutter Fadati ihre Geschichte.

„Jetzt will ich auch einen Hund!“, sagte eines der Kinder.

„Ich will lieber einen Pinguin!“, sagte ein anderes.

„Da müsst ihr eure Eltern fragen“, sagte Fadati. „Aber ich kann euch sagen, so ein Hund ist viel Arbeit und ein Pinguin noch mehr. Und darüber hinaus kann ich euch sagen, dass es jetzt Zeit ist, ins Bett zu gehen.“

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