Nicht ganz so kurze Pause

Hallo ihr Lieben!

 

Eigentlich wollte ich vor Wochen schon neue Geschichten posten, aber leider hat es sich endlos hingezogen, bis wir in der neuen Wohnung endlich Internet hatten. Unfreiwillig haben wir sehr viel darüber gelernt, was Handwerker beim Renovieren von Wohnungen so alles mit Telefonleitungen anstellen können. Nach einigem hin und her war schließlich das Ergebnis, das eine neue Leitung vom Keller bis in unsere Wohnung verlegt werden musste, weil die alte an zu viele Stellen durchgeschnitten und rausgerissen war…

Seit dieser Woche geht es jetzt endlich wieder. In Lauf der nächsten Woche werde ich dann die letzten Recherchearbeiten für die Geschichten, die ich in der Zwischenzeit geschrieben habe, machen und sie dann nach für nach hochladen. Nur soviel sei vorher verraten, Hepkaale war diesmal für mich als Autor sehr anstrengend. Aber das werdet ihr ja sehen.

Soweit also erstmal nur ein kurzes Lebenszeichen von mir und ab nächste Woche geht’s dann wieder rund hier.

 

 

Advertisements
Veröffentlicht unter Sachtext | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Kurze Pause

Heute gibt es mal keine neue Geschichte, da ich diese Woche fleißig am Kisten packen bin und daher nicht zum Schreiben gekommen bin. Aber dass mein Vorpommersches Exil bald ein Ende hat, findet ich einen guten Grund, mal zwei Wochen lang keine neue Geschichte zu posten.

Ende nächste Woche werde ich dann meinen Umzug nach Berlin fahren, danach muss ich dann aber nochmal hierher zurück, weil ich im Mai noch sieben Tage Arbeiten muss. Dann habe ich Ende Mai noch eineinhalb Wochen, um in aller Ruhe in Berlin anzukommen, bevor es dann am 1.6. mit dem neuen Job losgeht. Aber irgendwie freue ich mich auch schon auf meine neue Aufgabe. Dann habe ich endlich, ganz wie in alten Science Fiction-Geschichten vorhergesagt, meinen eigenen kleinen Kernreaktor, denn ich dann entsorgen darf:-)

Veröffentlicht unter Sachtext | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

Hepkaale und die Hochzeit von Zaach – Teil 3

Teil1, Teil 2.

Dieses Mal war das Wecken ein ganz anderes als das von Sibüü zu Hause. Sie wurde sanft gestreichelt und eine sanfte Stimme flüsterte, dass sie aufwachen sollte. Als sie die Augen aufschlug, sah sie erstmal nur viele hübsche Menschen und dann wurde ihr ein Spiegel vor die Nase gehalten.

Die Leute aus Bad Diikuz hatten ganze Arbeit geleistet, das musste Hepkaale ihnen lassen. Sie sah wie eine völlig andere Person aus. Sie richtete sich auf und schaute ihre Hände und Füße an. Sowohl die als auch ihr ganzer Körper schienen makellos zu sein. Dann kamen die Schneider mit einem wunderbaren Kleid.

Hepkaale stand auf und bekam erstmal sehr hübsche Unterwäsche angezogen. Dann wurde ihr das Kleid angezogen. Es passte ziemlich gut, aber die Schneider waren trotzdem nicht zufrieden und markierten ein paar Stellen, die sich noch ändern wollten. Sie tuschelten, und dann verschwanden sie mit samt Kleid wieder.

Dann machen sich die Stylisten wieder über sie her. Während sie dasaß, überlegte sie, dass sie keine Ahnung hatte, wieviel Zeit vergangen war und wie es ihrer Familie ging. Naja, sie würden schon nicht verloren gehen, und es schadete sicherlich nicht, wenn sie alle wussten, wie doof es war, mit dem Plot Device zu reisen. Dann dachte sie an ihre Stylisten und wieviel Spaß sie mit ihnen gehabt hatte und lächelte.

Irgendwann kamen die Schneider wieder und zogen ihr das Kleid erneut an. Es passte noch besser, und als Hepkaale sich in dem großen Spiegel ansah, konnte sie kaum glauben, dass sie es selber war. Sie ließ sogar den Spiegel umdrehen, um festzustellen, ob einfach ein Bild von jemand anderem hinten draufgeklebt war. So eine wunderschöne, elegante Frau… Die Stylisten und Schneider hatten wirklich ein Wunder bei ihr gewirkt.

„Wenn du nach der Prämierung Lust hast“, flüsterte ihr Wasiimaa ins Ohr, „dann kannst du gerne zu einer zweiten Session vorbei kommen. Mir und Bahiiro hat es viel Spaß gemacht.“

Hepkaale lächelte. „Wenn ich Zeit habe, werde ich das machen.“

Dann wurde sie von einer Gruppe Leute zurück durch die Stadt zum Marktplatz und hinter die Bühne geführt. Dort traf sie auf ihre Konkurrenten, die alle bildhübsch waren, zwei andere Frauen und fünf Männer, einer schöner als der andere. „Hallo“, sagte sie in die Runde. „Ich bin Hepkaale.“

Die anderen stellten sich auch vor, ebenso wie der Mann und die Frau, die sich noch zu ihnen gesellten. Sie alle waren für den Styling-Wettbewerb ausgewählt worden und hatten, jeder von einem anderen Wellness-Tempel, eine Schönheitskur verpasst bekommen.

„Wie geht es jetzt weiter?“, fragte Hepkaale die anderen.

„Wir werden auf die Bühne geführt und von unseren jeweiligen Häusern vorgestellt.“

„Dann entscheidet das Publikum, wer am besten hergerichtet wurde“, ergänzt ein anderer Mann.

„Das Haus bekommt dann eine Auszeichnung für das nächste Jahr als das beste Schönheits-Haus.“

„Und das ist gut?“, wollte Hepkaale wissen.

Die anderen nickten. „Für das Haus ist es super. Dann wissen alle Kunden sofort, dass es das beste ist, und sind bereit, mehr Geld zu bezahlen.“

Hepkaale nickte. Falls jemand bereit dafür war, Geld auszugeben, um schöner zu sein, machte es Sinn. Warum das jemand wollen sollte, war eine ganz andere Frage, aber wenn man in Bad Diikuz oder einer anderen großen Stadt aufgewachsen war, war das sicherlich etwas anderes als wenn man in Tirüplet auf den Kohlfeldern aufgewachsen war.

Bevor Hepkaale weiter darüber nachdenken konnte, ging es auch schon los, und die erste Konkurrentin von ihr wurde von einem Helfer über eine Treppe an der Rückseite der Bühne nach oben geführt.

Es gab Applaus und als der nachließ, hörte sie, wie der Moderator auf der Bühne der Kandidatin ein paar Fragen stellte und ihre Antworten laut für das Publikum wiederholte. Was er fragte, konnte sie nicht verstehen, dafür war die Akustik hinter der Bühne zu schlecht. Dann gab es wieder Applaus.

Als nächstes wurde Hepkaale auf die Bühne geschickt. Sie war doch ein wenig nervös, dass so viele Leute ihr zuschauen sollten. Andererseits kannte sie hier niemand – außer Wasiimaa und den anderen natürlich, aber die hatte sie ja vorhin erst kennen gelernt. Und ihre Familie natürlich, aber Familie war Familie.

Bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, stand sie schon auf der Bühne und schaute über den vollen Marktplatz. Hepkaale konnte sich nicht daran erinnern, jemals so viele Menschen auf einem Haufen gesehen zu haben.

Der Moderator stellte ihr ein paar Fragen und Hepkaale beantwortete sie, konnte sich nachher aber nicht daran erinnern, was es für Fragen gewesen waren und was sie geantwortet hatte. Dann musste sie noch zwei Runden auf der Bühne gehen, bekam Applaus und stellte sich dann nach hinten zu ihrer Konkurrentin. Vor dort aus schaute sie zu, wie ihre anderen Konkurrenten auf die Bühne kamen, befragt wurden und herum stolzierten.

Zum Schluss mussten sie alle nochmal nach vorne, sich verbeugen und dann wurden sie von der Bühne und in ein Gasthaus geführt. „Die Jury berät sich jetzt und entscheidet, wer am besten ist“, erklärte ihr einer der Konkurrenten.

„Außerdem wird das Publikum befragt und kann auch abstimmen. Aus beiden Ergebnissen wird dann der Gewinner bestimmt. In ungefähr zwanzig Minuten sind sie fertig.“

Ein Kellner kam und brachte ihnen Getränke, die sich als Teilnehmer nicht bezahlen mussten. Es gab auch ein paar Kleinigkeiten zu Essen. Dann war es soweit und sie wurden wieder abgeholt und zur Bühne geführt. Hepkaale war gespannt, welcher ihrer Konkurrenten wohl gewonnen hatte.

Veröffentlicht unter Geschichten, Sma Azirk | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Hepkaale und die Hochzeit von Zaach – Teil 2

Als das Summen und Brummen des Plot Devices nachließ, sah Hepkaale, dass sie sich in einer Stadt befanden. In einer größeren Stadt, vielleicht sogar die größte, die Hepkaale je gesehen hatte. Es sah überhaupt nicht wie der Ort aus, zu dem sie wollten und den ihr Bruder ihnen in seinen Briefen beschrieben hatte.

„Das soll Müüredj sein?“, fragte ihre Mutter ungläubig.

„Offensichtlich ist es das nicht“, sagte ihr Vater und zog sich dafür einen zornigen Blick seiner Frau zu.

„Hepkaal, wo sind wir hier!“, fragte ihr Mutter sie streng.

Hepkaale zuckte die Achseln und schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung. Ich habe doch gesagt, dass das Plot Device niemals das macht, was man von ihm will.“

„Aber die Hochzeit! Sag dem Plot Device, dass wir dort hin müssen.“

Hepkaale lächelte. „Das geht nicht, das habe ich euch oft genug erklärt. Das Plot Device bringt mich immer da hin, wo es möchte, das ich bin. Wenn man es einmal gestartet hat, kann man nicht beeinflussen, wann und wo man landet, bis man wieder zu Hause ist.“ Dann wandte sie sich an die ganze Familie. „Kommt, wir nutzen die Gelegenheit und schauen uns die Stadt an.“

„Aber…“

„Kein Aber. Vielleicht finden wir so auch raus, wo wir sind und was wir hier machen müssen, um wieder nach Hause zu kommen.“

„Zur Hochzeit“, warf ihre Mutter kritisch ein.

„Meinetwegen auch zur Hochzeit. Aber solange wir hier nicht das erledigt haben, zum dem es uns hierher gesendet hat, werden wir hier versauern. Das kenne ich schon zu genüge.“

Hepkaale ging los, Sibüü an ihrer Seite und die ganze Familie in ihrer schicken Kleidung hintendrein.

Die Stadt war wirklich groß. Es gab hier viele Häuser, die teilweise sogar mehrstöckig waren. Unten mit einem Laden und oben wahrscheinlich die Wohnung des Besitzers. Es war schon einige Zeit her, dass Hepkaale mal mehrstöckige Häuser gesehen hatte, und manche ihrer Geschwister hatte so etwas tatsächlich noch nie gesehen.

Das Wetter war angenehm warm und trocken, aber da es bewölkt war, konnten sie die Sonne nicht sehen. Daher wussten sie nicht, wo sie sich befanden, aber so hell, wie es trotz Wolken war, vermutete Hepkaale, dass sie ein gutes Stück tagwärts gereist waren.

Es waren einige Menschen auf der Straße unterwegs, die meisten davon gingen in die Richtung, in die auch Hepkaale und ihre Familie gingen. Ein Stück vor ihnen mündete die Straße auf einen großen Platz, auf dem einige Buden aufgebaut waren und auf dem sich viele Menschen tummelten, die alle sehr elegant gekleidet waren. Rechts von ihnen sahen sie, als sie den Platz erreichten, eine große Bühne, auf der eine Kapelle Musik machte.

„Wie cool, ein Jahrmarkt!“ rief Sibüü begeistert. „Kann ich ihn mir anschauen?“ Sie schaute erst zu ihrer Mutter und dann zu Hepkaale. Als ihre Mutter sie auch fragend anschaute, sagte Hepkaale: „Meinetwegen.“

„Jippiiieh! Wenn das Plot Device dann der Meinung ist, dass du alles erledigt hast, werden wir schon hier her wiederkommen, denke ich.“

Hepkaale nickte. „Wir werden uns schon finden.“

Dan wandte sie sich an die anderen. „Ich habe keine Ahnung,w ie lange wir hier bleiben oder warum, also könnte ihr euch auch gerne umschauen. Wir treffen uns dann, wenn es soweit ist, hier wieder.“

„Wann ist es soweit?“, fragte einer ihrer Brüder.

„Ihr werdet wissen, wenn es soweit ist. Mehr kann ich euch dazu nicht sagen.“

Dann stand Hepkaale alleine vor der Bühne und hörte sich die Musik an. Dann kam ein Kinderchor und sag mehr schlecht als recht, aber das war Hepkaale egal. Sie hatte Ruhe vor ihrer Familie und noch nicht rausgefunden, warum sie überhaupt hier war. Vielleicht ging es nur darum, ihre Familie zu bespaßen oder ihre Mutter zu ärgern, die ziemlich maulig war, weil sie nicht sofort zur Hochzeit gereist waren.

Irgendwann stand plötzlich ein sehr elegant gekleideter junger Mann neben Hepkaale und sprach sie an: „Hallo! Ich bin Esiküüsa. Hat du Lust, bei dem Wettbewerb mitzumachen? Jemand wie dich suchen wir.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ein Wettbewerb? Nein Danke.“ Ihr war jedoch klar, dass sie dem nicht würde entgehen können. Warum sonst hatte das Plot Device sie hergeschickt. Als er weiter erzählte, worum es ging, gab sie schließlich auf. Es würde überhaupt keinen Sinn haben, wenn sie sich dagegen wehrte, und dass sie ihre Mutter, noch immer Maulend, über den Platz auf sich zukommen sah, gab den Ausschlag, dass sie doch einwilligte.

Zusammen mit fünf anderen Personen wurde sie auf den Bühne geführt und kurz mit Namen und Wohnort vorgestellt. Das ging jedoch so schnell, dass sich niemand über ihren Namen wundern konnte. Dann wurde sie wieder von der Bühne geführt und von zwei jungen Frauen in Empfang genommen, kaum älter als sie selber.

Die beiden Frauen führten sie eine Gasse entlang und dann über einen geräumigen Hof in ein größeres, luxuriös aussehendes Haus. Hepkaale fragte sich, was ihre Familie jetzt wohl denken würde, aber am Ende war es auch egal, denn so lange sie das hier nicht hinter sich brachte, würden sie nicht zur Hochzeit reisen können.

„Was genau wird jetzt passieren?“

„Wir haben jetzt zwölf Stunden Zeit, aus dir die schönste Frau der Stadt zu machen. Bad Diikutz ist schließlich bekannt für seine Schönheitsfarmen, und wir sind die beste davon.“

Hepkaale zog eine Augenbraue hoch. „Deswegen wirst du auch gewinnen. Wichtig ist, dass es dir die nächsten Stunden gut geht, denn nur, wem es gut geht, der kann auch wirklich hübsch sein.“

Hepkaale lachte. „Ich und hübsch. Da habt ihr euch aber eine schwierige Aufgabe ausgesucht.“

„Du wirst sehen, wir werden es schaffen.“

„Dann fangt mal an.“

Ein ganzer Stab Leute begann, sich um Hepkaale zu kümmern. Manche um ihre Füße und Beine, andere um ihre Hände, ihr Gesicht, ihre Frisur. Es kamen sogar mehrere Schneider und vermaßen ihren ganzen, mittlerweile nackten Körper.

Jetzt war Hepkaale froh, dass sie sich heute früh nicht viel Mühe damit gegeben hatte, sich hübsch zu machen, denn so war es für die Stylisten nicht zu einfach. Außerdem wären ihre Bemühungen dann jetzt sinnlos gewesen.

Manche von ihren Stylisten sahen selber ziemlich gut aus. Junge Männer mit freiem, muskelbepacktem Oberkörper, niedliche junge Frauen, deren Kleidung auch mehr Einblicke ließ, als dass sie verdeckte. Hepkaale fragte sich, ob der oder die eine vielleicht für ein Schäferstündchen zu haben wäre, falls das Plot Device nicht direkt nach dem Ende ihrer Schönheitskur sie wieder wegschicken würde.

Insbesondere eine der Frauen hatte es ihr angetan. Lange, lockige Haare, sportlicher Körper aber sehr filigrane Hände. Während sie ihr ihre Haare bearbeitete, verwickelte sie Hepkaale in ein Gespräch, erst über Bad Diikuz und dann über alles mögliche andere. Ganz selbstverständlich unterhielten sie sich auch über persönliche Dinge und Hepkaale hatte das Gefühl, dass sie durchaus noch miteinander im Bett würden landen können.

Nachdem sie im Gespräch irgendwann bei ihren jeweiligen Vorlieben beim Sex angekommen waren, fragte Hepkaale sie direkt. Es war zwar etwas seltsam, wo die anderen doch auch an ihrem Körper arbeiteten, aber andererseits, dachte Hepkaale, würde sie diese Leute hier so oder so nie wiedersehen, und worauf sollte sie Rücksicht nehmen?

Als Antwort auf Hepkaales Frage beugte sie sich zu ihr runter und gab ihr einen Kuss. „Wenn du das möchtest, doch immer gerne. Falls du Lust darauf hast, können wir auch gerne noch welche von meinen Freunden hier mit einbeziehen.“

„Hmm“, sagte Hepkaale. „Ich sehe da schon den einen oder anderen…“

„Bis die Schneider fertig sind, haben wir noch genug Zeit“, sagte Wasiimaa.

Die nächste Zeit war Hepkaale so beschäftigt, dass sie keine Gedanken an irgendwas verschwendete sondern einfach nur genoss, wie sich alle um sie kümmerten. Nach einiger Zeit und viel Spaß döste sie schließlich glücklich und zufrieden ein.

Wie es dann weitergeht, erfahrt ihr im nächsten Teil.

Veröffentlicht unter Geschichten, Sma Azirk | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Hepkaale und die Hochzeit von Zaach

„Hepkaale! Aufstehen!“

„Noch fünf Minuten“, brummte Hepkaale, als ihrer Mutter sie rief. „Ich will noch fünf Minuten schlafen.“

Aus der Küche waren Stimmen zu hören, aber Hepkaale war noch zu schläfrig, um darauf zu achten. Dann stand plötzlich Sibüü vor ihr und hatte ihr ein nasses, kaltes Handtuch ins Gesicht geklatscht.

„Arrrgh! Sibüü! Was fällt dir ein?“

„Mutter hat gesagt, du musst sofort aufstehen!“

„Möhp!“, sagte Hepkaale und versuchte sich aufzurichten. „Warum denn?“

„Aber das weißt du doch. Heute ist Zaachs Hochzeit!“

„Ja und? Unser Bruder ist fünfhundert Kilometer weit weg. Da ist es doch völlig egal, ob wir aufstehen oder nicht.“

„Nein, ist es nicht. Mutter sagt, dein Plot-Device wird uns hinbringen. Du hättest es ihr versprochen.“

Hepkaale schüttelte den Kopf und maulte: „Hab ich nicht. Ich habe gesagt, dass wir es versuchen können, aber doch nicht vor dem Aufstehen.“

„Dann steh endlich auf, damit wir es versuchen können.“

Hepkaale richtete sich weiter fünf Zentimeter auf. „Muss du mir deswegen gleich mit einem nassen Handtuch ins Gesicht hauen?“

Sibüü wedelte mit dem Handtuch vor ihrem Gesicht rum. „Ich wollte einen Eimer kaltes Wasser nehmen, aber Mutter hat es mir verboten.“

„Da nimmst du natürlich ein nasses Handtuch stattdessen. Hättest du mich nicht netter wecken können?“

„Mutter hat dich schon dreimal geweckt.“

„Na und? Meinst du etwa, ich habe Lust, aufzustehen, wenn ich das Plot Device benutzen soll?“

„Aber es ist doch Zaachs Hochzeit. Da musst du dich doch drauf freuen.“

Hepkaale seufzte. „Wenn ich nur nicht das blöde Plot Device benutzen müsste dafür.“

„Komm schon, was soll schon schiefgehen?“

„Schwerter? Monster? Abstürzende Raumschiffe? Soll ich noch mehr aufzählen?“

„Aber das waren doch alles spannende Abenteuer.“

Hepkaale ließ sich wieder ins Bett fallen.

„Jetzt steh auf“, sagte Sibüü und drückte ihr das kalte, nasse Handtuch wieder ins Gesicht. Da sie jetzt wach awar, entschied Hepkaale, es erstmal zu ignorieren und sich stattdessen möglich komplett unter ihrer warmen Decke zu verkriechen. Bis auf das Gesicht mit dem nassen Handtuch natürlich.

„Mama! Hepkaale will nicht aufstehen!“

„Lass sie. Dann hat sie eben etwas weniger Zeit, sich hübsch zu machen.“

„Ist eh sinnlos“, murmelte Hepkaale mehr zu sich als zu den anderen.

Sibüü hatte das Zimmer verlassen, wie Hepkaale zu ihrer Erleichterung sah.

„Komm, wir machen dich wenigstens schon mal hübsch“, sagte ihre Mutter zu Sibüü.

Hepkaale nahm das nasse Handtuch und warf es ihrer kleinen Schwester hinterher in die Küche. Dann drehte sie sich um, fest entschlossen, wieder einzuschlafen. Warum hatte sie sich nur von ihrer Mutter überreden lassen, das Plot Device zu nutzen? Sie würde es noch bereuen, da war sie sich sicher. Sie bereute es jedes Mal, wenn sie es benutzte. Jedes einzelne verdammte Mal.

Zugegeben, manchmal passierten auch schöne Sachen, wenn sie sich an Ghulaam aus Salak erinnerte… Der war schon gut gewesen. Aber der ganze Ärger drumherum. Wieviel lieber wäre es, einfach nur ein normales Leben zu führen? Eine ganz normale junge Frau, die ihr ganz normales Leben lebte und nicht ständig irgendwelche abstrusen Abenteuer erleben musste.

Sie drehte sich auf die andere Seite. Vielleicht konnte sie so besser einschlafen und dem Plot Device entgehen? Das wäre gut. Sie würde einfach den ganzen Tag im Bett verbringen, und dann wäre die Hochzeit vorbei, und es gäbe keinen Grund mehr, das Plot Device zu benutzen.

Wie schön wäre es doch, wenn es für sie möglich wäre, das Plot Device einfach kaputt zu machen oder wegzuwerfen, aber alles, was sie bisher probiert hatte, hatte nichts gebracht. Das Plot Device war immer wieder zu ihr zurück gekommen.

Sie drehte sich wieder und wieder und dachte dabei über ein Leben ohne Plot Device nach. Aber einschlafen konnte sie nicht mehr. Ganz im Gegenteil, sie wurde immer wacher und als ihr Vater zu ihr kam und fragte, ob sie nicht endlich aufstehen wollte, gab sie auf und stand endlich auf.

Ihre Mutter und Sibüü standen vor dem großen Spiegel und ihre Mutter frisierte ihre kleine Schwester. Die anderen blockierten das Bad, so dass Hepkaale warten musste. Sie schaute in den Spiegel. Wie immer standen ihre Haare in alle Richtungen zu Berge. Auch zehn Stunden frisieren würden bei ihr nichts nutzen, da war sie sich sicher.

Sie ging zu ihrem Schrank, suchte sich ein halbwegs passabeles Kleid raus und zog es an. Sie würde nie so elegant wie ihre anderen Schwestern aussehen. Aber andererseits hatte sie auch keine Lust, jeden Tag eine Stunde im Bad zu verbringen. Und warum sollte sie auch schön aussehen wollen, dachte sie mit einem Anflug von Trotz. Sie war schließlich Hepkaale und mit dem Plot Device wurde sie eh in Abenteuer geschickt, bei denen hübsches Aussehen eher hinderlich war. Stellt eich doch mal eine Schönheit wie eine Porzellanpuppe in einem Schwertkampf vor. Beim ersten Treffer des Gegners würde sie entweder in tausend Stücke zerbrachen oder sich einen Nagel einreißen und darüber heulend zusammenbrechen. Dann doch lieber schlecht frisiert, aber dafür durch die Arbeit mit den Tieren und auf dem Feld mit ausreichender Kraft.

Als ihre Mutter meckerte, weil ihre Schwestern das Bad so lange blockierten, kamen sie endlich raus und Hepkaale konnte sich zumindest das Gesicht waschen. Für mehr hatte sie sicherlich keine Zeit, und mehr machte auch keinen Sinn, wenn man bedachte, dass sie das Plot Device nutzen wollten, um nach Müüredj zu ihrem Bruder zu kommen. Wahrscheinlich würden sie alle über und über mit Schlamm bespritzt bei ihm ankommen und alle würden über sie lachen und ihr Bruder wäre am Ende sauer auf sie deswegen.

Hepkaale seufzte. Sie hatte ihre Familie gewarnt, was wahrscheinlich passieren würde, aber sie waren alle nicht bereit, auf sie zu hören. Also würden sie wohl selber erleben müssen, wie fies es war, sich zum Reisen dem Plot Device anzuvertrauen.

Nach fünf Minuten war sie im Bad mit allem fertig und ihre Schwestern konnten sich weiter die Wimpern zupfen oder was auch immer sie gerade taten. Ihre zwei anderen Brüder warteten auch schon darauf, dass ihre Mutter ihnen die Haare bürsten würde und prüfen würde, ob ihre Kleidung auch richtig saß.

Wie gut, dass sie selber nicht vor hatte, zu heiraten. Es war viel einfacher, ungebunden zu sein, und immer, wenn sie eine andere Person toll fand, mit ihr Zeit im Bett zu verbringen, ohne sich Gedanken über einen Partner machen zu müssen und womöglich mit ihm zu diskutieren, warum sie überhaupt keine Lust auf eigene Kinder hatte. So konnte sie wenigstens tun und lassen, was sie wollte.

Außer natürlich, wenn ihre Familie etwas von ihr wollte oder Sibüü sie mal wieder überredet hatte, das Plot Device zu benutzen. Sie fragte sich, wie es funktionieren sollte mit dem Plot Device, wenn sie ein eigenes Kind hätte, das sie alle paar Stunden stillen musste. Sie würde es schließlich nicht mitnehmen können. Ob ein Säugling wohl als Argument zählen würde, das Plot Device nicht mehr benutzen zu müssen? Hepkaale schüttelte den Kopf. Das würde Sibüü bestimmt nicht als Grund akzeptieren.

„Wie weit seid ihr?“ schallte die Stimme ihrer Mutter durch das Haus. „Wir müssen langsam los!“

Hepkaale schüttelte den Kopf, unterließ es aber, ihre Mutter darauf hinzuweisen, dass sie nicht beeinflussen konnten, wann das Plot Device sie wohin bringen würde. Sie hatte es oft genug versucht, aber sie glaubte lieber Sibüü, dass das Plot Device sie immer an die richtige Stelle bringen würde.

Zehn Minuten später stand die ganze Familie geschniegelt in Hepkaales Werkstatt und hielt sich an ihr und sich gegenseitig fest. Hepkaale seufzte, und betätigte dann den Knopf des Plot Devices.

Ob das Plot Device Hepkaale und ihre Familie direkt zur Hochzeit bringt, erfahrt ihr nächste Woche.

Veröffentlicht unter Geschichten, Sma Azirk | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Entenjagd – Teil 1

Batah und Sany wollten kein Chaos anrichten, als sie sich in Modul Delta-Vier schlichen, um dort die Ziegen zu streicheln. Wenn sie geahnt hätten, was sie damit für eine Aufregung verursachen würden, hätten sie es sicherlich nicht gemacht. Aber da sie es nicht ahnten, nahm alles seinen Lauf.

Es fing damit an, dass Batah und Sany nach der Schule schnell mit ihren Hausaufgaben fertig waren. Die Erwachsenen hatten keine Zeit, weil sie irgendeine Besprechung hatten, und die älteren Kinder wollten nicht mit ihnen spielen, denn sie waren ja erst in der ersten Klasse. Die beiden Freunde saßen zwischen den Erbsensträuchern in ihrem Modul und naschten heimlich Erbsen, als Batah sagt: „Du, Sany, wollen wir die Ziegen streicheln gehen?“

Sany war sofort Feuer und Flamme für die Idee, und so stapften die beiden los, querfeldein durch ihr Wohnmodul zum Ausgang. Sany wusste schon, wie man die Türen öffnete, und so kamen sie in den Verbindungsgang. Da sie beide auf dem Raumschiff aufgewachsen waren, konnten sie sich ohne Probleme in der Schwerelosigkeit, die dort herrschte, bewegen.

Zum Glück waren um diese Zeit kaum Erwachsene unterwegs, so dass die beiden ungesehen von einem Gang in den nächsten schweben konnten und fünf Minuten später vor der Tür zu Modul Delta-Vier standen.

Es dauerte nicht lange, und Sany hatte auch diese Tür geöffnet. Wenn man wusste, welche Tasten die Großen drückten, war es kein Problem, zumindest wenn Batah half, dass er an die Tasten kam. Noch bevor das Schott sich richtig geöffnet hatte, schlüpften die beiden hindurch und liefen den langen Abhang hinab, der zum Boden des Moduls führte, wo normale Schwerkraft herrschte.

In der Ferne konnten sie schon den Pferch mit den Ziegen sehen. Sie standen gerade alle am Zaun und warteten wahrscheinlich auf ihre Fütterung. Zum Glück waren im Moment keine Erwachsenen im Modul, so dass niemand mit ihnen schimpfen konnte.

Sie liefen am Hühnerhof vorbei und dann kürzten sie am Ententeich entlang ab und schreckten so die ganze Schar Enten auf. Dann mussten sie noch an den Schafen und Schweinen vorbei und schon hatten sie das Ziegengehege erreicht.

Aus der Schule kannten sie es schon, denn sie waren mehrfach hier gewesen und hatten die Ziegen gestreichelt. Auch in ihrer Freizeit waren schon gelegentlich hier, aber es waren immer Erwachsene dabei, die ihnen sagten, was sie machen durften und was nicht.

Diesmal war es anders. Sie waren alleine und niemand konnte ihnen etwas verbieten. Andererseits, das wussten sie beide, waren Ziegen auch gefährlich, also hatte sie sich darauf geeinigt, dass sie auf dieser Seite des Zauns bleiben würden und die Ziegen über den Zaun hinweg streicheln würden.

Als sie zum Zaun kamen, kamen die Ziegen gleich angelaufen. Batah rupfte etwas Gras aus und hielt es den Ziegen hin, die es gierig fraßen. Dann streichelten sie die Tiere, die sich bereitwillig streicheln ließen. Gelegentlich meckerte die eine oder andere Ziege, aber das war ja normal.

Nach einer Weile entschieden Batah und Sany, dass es für sie an der Zeit wäre, zurück zu gehen, nicht dass irgendwelche Erwachsenen sie hier noch erwischen würden. Sie liefen wieder an den Schweinen und Schafen vorbei und dann am Ententeich, der jetzt leer war. Offensichtlich waren die Enten wo anders hingeflogen, als sie sie auf dem Hinweg aufgeschreckt hatten. Dann liefen sie am Hühnerstall vorbei und die Rampe hinauf zum Ausgang.

Die Tür stand offen, das war ungewohnt, aber manchmal kam so etwas vor, dass jemand das Schott absichtlich offen ließ, daher dachten die beiden sich nichts dabei. Sie schwebten durch die Verbindungsgänge zurück nach Hause und freuten sich, dass alles so gut geklappt hatte. Doch was sie dann später erwartete und wieviel Chaos ihr Ausflug angerichtet hatte, das erzähle ich euch ein anderes Mal.

Veröffentlicht unter Geschichten, Sejereh | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Der Mond des Mondes

Was vorher geschah, findet ihr hier.

Seit mittlerweile zwei Wochen waren sie auf dem Mond Zahybata. Anfalka, Bylda und Bahz kannten den kleinen Himmelskörper mittlerweile sehr gut. Sie waren sogar auf der dem Raumschiff abgewandten Seite gewesen, hatten dort eine Weile gespielt und waren mehrfach ganz um ihn herum gelaufen.

Die Raumanzüge waren unpraktisch, aber alle drei sahen ein, dass sie notwendig waren. Es war allemal besser, in einem Raumanzug auf einem Mond herum zu laufen als ohne Raumanzug in der Sejereh zu bleiben.

Ihr Lehrer hatte ihnen erklärt, warum sie mit dem Landeschiff auf dem Mond landen konnten, während die Sejereh weiter in Richtung des inneren Planetensystems flog. Es hing damit zusammen, dass es einen zweiten Mond gab, der sich Zahybata regelmäßig etwas alle 20 Jahre stark annäherte. Durch ihn war es dem Rettungsschiff möglich, stark genug zu bremsen und zu beschleunigen, dass sie die Sejereh anschließend wieder erreichen konnten. Den drei Kindern war nicht klar, warum dies durch einen anderen Mond möglich war, aber sie nahmen es, wie so vieles, erstmal als Tatsache hin.

Vor ein paar Tagen hatte Menzar zusätzlich einen Mond entdeckt, der um den Mond Zahybata kreiste. Es war sozusagen ein Mondmond. Anfalka, Bylda und Bahz hatten ihn sich im Teleskop angeschaut, aber er sah recht langweilig aus. Es war einfach nur ein Punkt im Teleskop. Menzar sagte, es wäre ein Felsen mit dreissig Metern Durchmesser, aber die drei waren sich einig, dass das nicht stimmen konnte.

In den nächsten Tagen, hatte Menzar gesagt, würde Scharschar, wie sie den Mondmond nannten, ihnen noch näher kommen und sie würden vielleicht sogar etwas mehr erkennen können. Ganz genau wusste er es aber noch nicht, da er kein Himmelsmechaniker war und die Bahn deswegen nicht genau berechnen konnte.

„Ist es sowas wie der andere Mond?“, hatte Bahz gefragt. „Der kommt uns ja auch immer näher.“

Menzar schüttelte den Kopf. „Der andere Mond ist viel größer, sogar so groß, dass er unseren Mond abbremst. Der Mondmond ist viel kleiner.“ Sie hatten verstehend genickt, auch wenn ihnen nicht klar war, was es bedeutete.

Heute hatte Menzar sie wieder zu sich ans Teleskop gerufen. Anfalka war insgeheim froh, dass sie heute einen Tag ohne die klobigen Raumanzüge verbringen konnte. Noch schöner wäre es natürlich, wenn sie ohne draußen hätten rumlaufen können, aber das ging nunmal nicht.

„Durch das Teleskop könnt ihr Scharschar sehen. Man kann jetzt seine Form erkennen.“

Bylda schaute als erstes hindurch, dann Bahz und zuletzt Anfalka. „Du musst da am Rand schauen“, sagte Bahz zu ihr. Anfalka schaute in das Teleskop, konnte aber am Rand des Bildes nur noch einen Teil von Scharschar sehen. Dann war er ganz verschwunden.

„Och nöö, jetzt ist er weg“, beschwerte sie sich.

Menzar stellte das Teleskop neu ein und jetzt sah sie Scharschar richtig. Er war irgendwie kartoffelförmig mit einer größeren Beule an einer Seite und einem Loch an einer anderen Stelle. Anfalka schaute ein paar Minuten. „Dreht der sich?“, fragte sie Menzar.

Menzar nickte. „Er rotiert ziemlich schnell. In etwas mehr als einer Stunde dreht er sich.“

Menzar justierte das Teleskop erneut und Bahz schaute nochmal hindurch. „Er sieht wirklich anders aus als vorhin.“ Menzar erzählte ihnen etwas über die Rotation von Asteroiden und wie man die bestimmen konnte, wenn man nicht so nah war wie sie an Scharschar.

„Was ist das?“, fragte Bahz plötzlich.

„Was ist?“

„Da kam etwas ins Bild geflogen“, sagt Bahz. „Etwas langes. Es ist mit Scharschar zusammengestossen.“

Sofort war Menzar am Teleskop und schob Bahz zur Seite. „Tatsächlich. Da ist wirklich etwas mit Scharschar kollidiert. Es ist viel länger als Scharschar.“ Menzar nahm am Computer, mit dem das Teleskop verbunden war, einige Einstellungen vor. „Ich mache ein paar Bilder davon uns speichere sie.“

„Ich will mir das auch mal anschauen“, sagte Bylda. Menzar ließ sie schauen.

Bylda schaute eine Weile und sagte dann: „Er wandert schon wieder aus dem Bild, diesmal aber nach oben.“

„Nach oben?“

Menzar schaute sich das Bild auf dem Bildschirm an und verglich es mit den vorherigen Bildern.

„Du hast recht. Er hat jetzt einen anderen Kurs. Da muss ich Radjies informieren.“

Er nahm das Telefon und wählte die Nummer von Radjies, der bei dieser Mission der Kapitän war.

„Menzar, es ist grad ganz schlecht“, meldete Radjies sich.

„Es ist aber wichtig.“

„Das ist unser Problem hier auch. Ich habe überhaupt keine Zeit.“

„Aber etwas ist mit Scharschar zusammengestossen und jetzt ist er vom Kurs abgekommen.“

Radjies schnaubte. „Wenn wir sonst keine Probleme hätten. Im Bereich Oktinad ist das Sicherheitsgerüst zerbrochen. Da können wir uns um Scharschar keine Gedanken machen. Wir müssen erst Tazneh retten.“

Damit legte er auf.

„Meint ihr“, fragte Anfalka, die jetzt am Teleskop saß, „dass es ein Stück des Sicherheitsgerüsts ist, das mit Scharschar zusammen gestoßen ist?“

Menzar nickte. „Es ist definitiv etwas künstliches, dafür ist die Form zu seltsam.“

„Scharschar verschwindet schon wieder nach oben.“

Menzar justierte das Teleskop erneut.

„Kann es sein, dass Scharschar uns näher kommt? Ich habe das Gefühl, er ist größer geworden.“

Menzar brummte zustimmend.

„Was ist das? Da kommt noch ein Lichtpunkt ins Bild.“

Menzar schaute sich das Bild auf dem Bildschirm an. „Du hast recht.“ Er änderte ein paar Einstellungen und der neue Punkt rückte ins Zentrum der Aufnahme. „Es muss ein kleines Objekt sein. Vielleicht ein weiteres Bruchstück des Sicherheitsgerüsts. Höchstens drei Meter groß.“

Er änderte weitere Einstellungen, während Anfalka weiter durch das Teleskop schaute. Dann erklärte er: „Ich habe das Teleskop so eingestellt, dass es den Punkt findet und immer in der Mitte hält.“

„Ich sehe das Stück, das in Scharschar steckt“, sagte Anfalka. „Scharschar ist nicht im Bild sondern seitlich verschwunden. Ah, jetzt kommt er wieder rein.“

Anfalka, Bahz und Bydla wechselten sich damit ab, den Punkt zu beobachten, während Menzar irgendwas rechnete.

„Scharschar scheint um den Punkt zu kreisen, immer das Sicherheitsgerüst zu dem Punkt hin“, sahte Bydla.

Menzar nickte. „Das stimmt. Aber in Wirklichkeit ist es so, dass der Punkt um das Sicherheitsgerüst kreist. Und das steckt in Scharschar und dreht sich mit ihm um ihn herum. Und alles zusammen umkreist Zahybata.“

„Ganz schön viele Drehungen“, sagte Bydla.

Teleskop versuchte, am Computer etwas auszurechnen. „Das ist seltsam“, murmelte er. „Die Bahn des Punktes scheint nicht zu stimmen. Er bewegt sich nicht um den Schwerpunkt sondern um das Sicherheitsgerüst.“

„Das ist ja auch viel länger als Scharschar“, sagte Bahz. „Ich würde mich auch lieber darum drehen.“

„So funktioniert das nicht. Wenn es die Schwerkraft ist, muss es um den Mittelpunkt kreisen.“

„Also ist es hier nicht die Schwerkraft?“, fragte Anfalka.

„Das ist es ja, was so seltsam ist. Es sei denn…“

Menzar vertiefte sich wieder in seine Berechnungen. „Ich glaube, der Punkt ist mit dem Gerüst verbunden. Mit einem Seil. Ja, das muss es sein.“

„Also ist es Tazneh, ganz klar“, schlussfolgerte Anfalka. „Radjies sagte ja, dass sie nach ihm suchen.“

Menzar griff zum Telefon und rief wieder Radjies an.

„Was jetzt schon wieder?“, blaffte er sie an.

„Habt ihr Tazneh gefunden?“

„Er ist davon getrieben.“

„Er kreist um Scharschar.“

„Waaaas?“

„Wir sehen ihn im Teleskop!“

„Wartet.“

Sie konnten hören, wie Radjies etwas sagte, das nicht an sie gerichtet war. Dann hörten sie Schritte und kurz darauf ging die Tür zum Beobachtungsraum auf und eine Gruppe Leute drängte sich herein.“

„Wo? Wo ist Tazneh?“

Menzar zeigte auf den Bildschirm. „Ein Stück des Sicherheitsgerüsts ist mit Scharschar zusammengestoßen. Daran ist er noch fest.“

Er nahm ein paar Einstellungen vor. „Das sind die Aufnahmen der letzten zwanzig Minuten. Man sieht ganz deutlich, wie er um den Ausleger kreist und nicht um den Massenschwerpunkt. Also muss er mit einem Seil befestigt sein.“

„Wo fliegt er hin? Wie kriegen wir ihn schnell zurück?“

Menzar schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht. Scharschar ist durch den Zusammenstoß von seiner Bahn abgekommen. Eine neue konnte ich noch nicht berechnen, ich bin ja kein Himmelsmechaniker.“

„Wer kann das?“, fragte Radjies in die Runde. „Setzt euch sofort dran und rechnet mit Menzars Daten.“

Anfalka, Bylda und Bahz hatten sich in eine Ecke verdrückt. Hoffentlich würde niemand bemerken, dass sie noch hier waren. Eine Gruppe Leute setzte sich an einen freien Tisch, aktivierte dort die Bildschirme und begann zu rechnen. Die drei Kinder verstanden nicht, was genau sie machten, konnte aber die Worte „Kompliziert“, „Taumeln“ und „Seltsam“ immer wieder hören.

Nach einer Viertelstunde berichtete einer von ihnen die ersten Ergebnisse: „Wir können es nicht genau sagen, er taumelt zu viel. Sicher ist, dass er sich uns weiter annähern wird, möglicherweise wird er Zahybata um weniger als zweihundert Meter verfehlen, wahrscheinlich werden es aber eher 500 sein.“

„Wie kriegen wir dabei Tazneh zurück?“

„Vier Leute mit Raumanzügen. Die Geschwindigkeit, mit der Scharschar an uns vorbei fliegt, wird nur wenige zehn Meter pro Sekunde sein. Je nachdem, auf welcher Seite er sich gerade befinden.“

„Wann?“

„In einer halben Stunden.“

„Gut, vier Leute sollen die Rettungsmission durchführen. Alle anderen sollen sich ins Landeschiff zurückziehen. Los, los, beeilt euch!“

Sofort brach hektisches Treiben aus. Anfalka, Bylda und Bahz saßen weiter in ihrer Ecke und hofften, dass niemand sie in ihre Kabine schicken würde. Es war einfach zu spannend. Menzar beobachtete Tazneh weiter mit dem Teleskop. Die Himmelsmechaniker versuchten weiter, den Kurs, den er wahrscheinlich nehmen würde, zu berechnen. Radjies koordinierte derweil die Vorbereitung der Rettungsmission sowie die Rückkehr der übrigen Leute auf der Oberfläche.

Es dauerte einige Zeit, bis alles vorbereitet war. Radjies blaffte die ganze Zeit irgendwelche Leute an, weil sie ihm zu langsam waren.

„Wenn ihr Tazneh retten wollt, dann beeilt euch! Wenn er weg ist, können wir ihn nicht mehr einholen!“

„Rechnet schneller! Wir müssen wissen, wo er sich befinden wird! Sagt nicht wieder: Das geht nicht! Das lasse ich nicht durchgehen.“

Byldas Blick fiel auf eine Uhr und sie stellte fest, dass sie eigentlich seit zwanzig Minuten im Unterricht sitzen sollten. Bahz, Anfalka und sie waren sich aber darin einig, dass sie erst zum Unterricht gehen würden, wenn jemand sie dazu zwang. Bei der Beobachtung der Rettungsmission für Tazneh würden sie sicher viel mehr lernen als in einer langweiligen Schulstunde.

Dann hörten sie, wie die ersten Leute von der Oberfläche zurück kamen und durch die Luftschleuse das Raumschiff betraten. Dann gab es wieder viel Hektik, als die vier Leute der Rettungsmission sich auf den Weg machten und mit ihren Raketenanzügen das Rettungsschiff einer nach dem anderen durch die Luftschleuse verließen.

Der Teleskopraum hatte sich mittlerweile deutlich geleert. Nur die Himmelsmechaniker, Menzar und Radjies waren noch da. Und die drei Kinder natürlich, die alles beobachteten. Auf einem der Bildschirme hatte Radjies sich das Übersichtsbild, das sie mit Hilfe ihres Radars gewannen, anzeigen lassen, so dass Anfalka und die anderen alles super beobachten konnten.

An den Seiten der Übersicht waren die Monde Zahybata und Tzuchdar zu sehen, die sich in den nächsten Tagen immer mehr annähern würden. Dazwischen war als Punkt Scharschar zu sehen mit dem Teil des Sicherheitsgerüsts, das deutlich in eine Richtung zeigte und langsam rotierte. Um das Sicherheitsgerüst wiederum herum rotierte ein Punkt, der Tazneh darstellte. Vier weitere Punkte entfernten sich langsam von Zahybata, die Rettungsgruppe.

Menzar hatte ein Signal von Taznehs Raumanzug aufgefangen, das besagte, dass der Anzug noch intakt war, aber die Funkanlage defekt und er daher keine Nachrichten aus größerer Entfernung empfangen konnte.

„Möglicherweise wird Scharschar mit Zahybata zusammenstoßen“, erklärten die Himmelsmechaniker plötzlich.

„Ein Zusammenstoß?“

„Es ist nicht wahrscheinlich“, sagte einer von ihnen. „Aber es ist möglich.“

„Wird er das Rettungsschiff treffen?“

„Auf keinem Fall, wir sind halb auf der anderen Seite des Mondes. Wenn dann wird er auf der gegenüberliegenden Seite einschlagen. Aber wahrscheinlich wird er uns verfehlen.“

„Bereitet trotzdem alles für einen Notstart und heftige Erschütterungen vor!“

Auf dem Bildschirm war deutlich zu sehen, wie die anderen Raumfahrer sich dem Mondmond näherten und ihn schließlich, noch vor dem Moment der größten Annäherung, erreichten.n Sie schwirrten um Tazneh herum und schafften es schließlich, ihn von dem Seil zu lösen, als Scharschar sich gerade so drehte, dass sie auf Zahybata zuflogen. So brauchten sie nicht viel Schub, um zurück zu gelangen.

Doch als Scharschar sich dann weiter Zahybata näherte, passierte das Unglück. Das Sicherheitsgerüst, das sich in den Mondmond gebohrt hatte, verfing sich in dem Gerüst, das noch auf Zahybata befestigt und unbeschädigt war.

Das gab dem Mondmond, der sonst knapp an Zahybata vorbei geflogen wäre, einen Stoß, so dass er seine Richtung änderte und dann ganz langsam, fast wie in Zeitlupe, auf den Mond fiel. In Wirklichkeit, das wussten Anfalka und ihre Freunde, war es nicht so langsam, aber weil das Gerüst so lang war, sah es so langsam aus. Dann gab es eine Erschütterung, die das gesamte Rettungsschiff hoch hüpfen ließ. Das Ergebnis war ein gebrochenes Bein und ein Arm sowie eine Menge blauer Flecken.

Zum Glück hatten sich Anfalka und die anderen in einer Nische versteckt gehalten, so dass ihnen tatsächlich vergleichsweise wenig passierte. Bylda hatte eine Beule am Kopf und Bahz blaue Flecken an einem Arm, aber sonst waren sie unverletzt geblieben.

Zwanzig Minuten später, in denen alle das Rettungsschiff nach Schäden durchsuchten, brachte die Rettungsgruppe Tazneh zum Rettungsschiff zurück. Wie sich herausstellte, ging es ihm gut, er hatte nur einen Schock erlitten, als ihm klar wurde, dass er sich unkontrolliert von dem Mond entfernte. Danach konnte er sich an nichts mehr erinnern. Zum Glück hatte seine Helmkammera alles aufgezeichnet, so dass er sich seine Erlebnisse als Film nochmal anschauen konnte.

In den nächsten zwei Tagen wurde das Sicherungsgerüst wieder aufgebaut, und dann konnte ihre Mission auf Zahybata weitergehen.

Was auf dem Rückweg zur Sejereh noch passierte, findet ihr hier.

Veröffentlicht unter Geschichten, Sejereh | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Hepkaale und die Vogelplage 2

Teil 1 ist hier.

Als das Brummen und Summen nachließ, standen Hepkaale, Sibüüund Gahuul in einer Ebene, dem Sonnenstand nach irgendwo in der Nähe des Terminators. Hepkaale und Sibüü, die das Plot Device schon öfter benutzt hatten, waren nicht weiter überrascht, aber Gahuul dafür um so mehr. Es schien, als wäre er auf einen Schlag nüchtern geworden.

„Was ist passiert? Wo bin ich? Wo sind wir?“

Er roch noch immer intensiv nach Alkohol, als ging Hepkaale einen Schritt zur Seite. „Du hast uns vorhin um Hilfe gebeten, erinnerst du dich?“

Gahuul überlegte angestrengt und sagte dann: „Aber ich wollte doch nur was zu trinken.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Du hast gesagt, wir sollen dir helfen. Wie genau das geht, weiß ich auch nicht, aber das Plot Device hat offensichtlich entschieden, dass wir dafür hier am richtigen Ort sind.“

Gahuul schaute sich um. „Hier? Aber wo sind wir hier?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung.“

„Aber mach dir keine Sorgen“, ergänzte Sibüü gut gelaunt. „Das ist bei dem Plot Device immer so und am Ende wird es ein tolles Abenteuer.“

„Ein Abenteuer“, fragte Gahuul misstrauisch.

„Ja!“, sagte Sibüü und hüpfte um ihn und Hepkaale herum. „Ist es nicht herrlich, wie anders es hier ist als bei uns zu Hause?“

Hepkaale schaute sich um und versuchte herauszufinden, was ihre kleine Schwester meinen könnte. Die Gegend war ziemlich flach und es wuchsen kaum Bäume hier, eher nur Sträucher. Dazu kam die Bodenvegetation, die irgendwie gerupft aussah. Außerdem stank es ziemlich. Sie konnte nicht verstehen, warum Sibüü so begeistert war, aber in einem hatte ihre Schwester recht: Es war hier wirklich sehr anders als bei ihnen zu Hause.

„Wo bekomme ich jetzt was zu trinken“, wollte Gahuul wissen.

„Keine Ahnung“, antwortete Sibüü. „Aber das Plot Device wird sich schon etwas dabei gedacht haben.“

Hepkaale nickte und sagte sarkastisch: „Klar. Wahrscheinlich, wie es mich am besten Ärgern kann.“

„Aber Hepkaale“, sagte Sibüü. „Freu dich doch auch mal.“

Hepkaale stöhnte. „Würde ich, wenn du mich nicht ständig dazu überreden würdest, sinnlose Reisen mit dem Plot Device zu machen.“

„Aber die Reisen sind doch nie sinnlos.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Sind sie. Die meiste Zeit bin ich mit irgendwas beschäftigt, was völlig sinnlos ist. Meisten mit viel rumlaufen irgendwo, wo ich nie hin wollte.“

„Und zu so etwas habt ihr mich mitgenommen“, fragte Gahuul entrüstet.

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Nicht wir. Sibüü wollte es so.“

„Jetzt soll ich wieder Schuld sein!“

Hepkaale nickte. „Natürlich. Und nachdem wir hier nichts zu tun haben, kannst du dich ja auch genauso gut hinsetzen und rechnen üben.“

Sibüü verzog das Gesicht. „Aber doch nicht hier! Hier ist es so anders.“

Hepkaale nickte nachdrücklich. „Genau hier. Ich bin mir sicher, dass das Plot Device uns nur deswegen hierher geschickt hat, damit du rechnen üben kannst.“ Dann fügte sie streng hinzu: „Und jetzt keine Widerrede mehr!“

„Und was machen wir jetzt“, wollte Gahuul wissen.

„Warten, was denn sonst? Ich sehe nichts, das wir hier machen könnten.“

Hepkaale setzte sich an einer Stelle, wo das Gras noch in Ordnung zu sein schien, hin und verschränkte die Arme. Immer noch grummelnd setzte sich Sibüü neben sie und packte ihre Sachen zum Rechnen üben aus. Gahuul stand noch immer neben ihnen.

„Wenn du möchtest“, sagte Hepkaale, „dann kannst du gerne ein wenig rumlaufen. Du bist mit uns hier, also wird das Plot Device dich auch finden, wenn wir weiterreisen.“

„Sicher?“

„Glaub mir, ich war schon oft genug so unterwegs.“

„Na gut, dann schaue ich mich mal um.“

Damit ging Gahuul los und schaute sich um. Hepkaale schaute den Wolken beim ziehen zu und betrachtete die Sonne, die nur teilweise über den Horizont ragte. Dann schaute sie wieder zu Sibüü, ob sie auch wirklich am Üben war.

Gahhul stocherte mit dem Fuß im Schmutz und untersuchte etwas, das Hepkaale nicht erkennen konnte. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass Sibüü sie beobachtete. „Rechnen, Schwesterherz! Nicht in der Gegend herum schauen.“

Als Sibüü weiter rechnete, sah Hepkaale, dass Gahuul jetzt auf die Knie gegangen war, und etwas untersuchte. Er hob etwas auf, roch daran und dann schien es, als würde er es essen.

„Was gefunden?“, fragte Hepkaale.

Gahuul schaute auf, wie Hepkaale fand, mit einem schuldbewussten Gesicht. „Nein, es ist nichts!“

Hepkaale seufzte. Da hatte sie es schon mal geschafft, dass Sibüü freiwillig rechnen übte, und dann musste Gahuul seltsame Sachen machen.

Hepkaale drehte sich zu Sibüü um und sagte streng: „Du rechnest weiter.“ Dann stand sie auf und ging zu Gahuul. Es hatte offensichtlich etwas vom Boden aufgehoben, das ein wenig wie eine verunglückte Torte aussah. Es hätte aber auch eine verrottete Pflanze oder ein Haufen Scheiße von einem Tier sein können.

Hepkaale ging neben ihm, aber in ausreichend Abstand, in die Hocke. „Was ist es?“

Er schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung. Aber lecker ist es.“

„Du hast es gegessen? Ohne zu wissen, was es ist?“

Gahuul nickte. „Egal,was es ist, es ist mit viel Alkohol hergestellt worden.“

„Oh“, sagte Hepkaale. Und bevor sie noch mehr sagen konnte, ertönte wieder das Summen und Brummen des Plot Devices.

Hey“, hörte Hepkaale Sibüüs Stimme, als das Summen und Brummen nachließ. „Ich wollte gerade die Lösung für die Aufgabe aufschreiben.“

Hepkaale lächelte. Vielleicht hatte diese Reise doch etwas gutes, zumindest für die Rechenfähigkeiten von Sibüü. Dann schaute sie sich um.

Sie standen am Rand eines Dorfes auf einem unbefestigten Weg, der eigentlich kaum mehr als ein Trampelpfad war. Hepkaale überlegte noch, was sie nun machen sollten, als die ersten Dorfbewohner sie entdeckten.

„Hallo! Ihr seid neu! Kommt her und erzählt uns, was es neues gibt!“

Hepkaale und ihre Begleiter gingen in das Dorf und wurden fröhlich empfangen. Gahuul freute sich besonders, als ihm ein Glas Kohlschnaps angeboten wurde. Hepkaale lehnte dankend ab und trank lieber wie Sibüü einen Saft.

Die Leute fragten sie aus, wo sie herkamen – aus Tirüplet – und wo sie hinwollten – zurück nach Tirüplet – und warum sie nach Tayaar gekommen waren – weil es auf dem Weg lag. Sie wurden zum Essen eingeladen und alle 21 Bewohner des Dorfes wollten mit ihnen sprechen.

Es war bereits einige Zeit vergangen, als zwei Mädchen aufgeregt angelaufen kamen: „Die Vögel! Die Vögel kommen!“

Sofort war das Dorf in heller Aufregung und alle Bewohner versuchten, soviel sie konnten in die Häuser zu schleppen. Hepkaale und die anderen aus Tirüplet wussten erst nicht, was los war, aber lernten nach einiger Zeit, dass es sich um einen Schwarm Furihirits handelte, die eine Plage waren, wenn sie irgendwo einfielen.

Es dauerte nicht lange, bis die ersten Vögel das Dorf erreicht hatten, und wie die Ältesten es schon befürchtet hatten, landeten sie direkt auf dem Dorfplatz. Die Einwohner hatten sich derweil in ihre Häuser zurückgezogen und beobachteten die Vögel durch die Fenster.

So etwas hatte Hepkaale noch nie gesehen. Sie schienen alles zu fressen, das sie finden konnten, selbst Erde und Holzstücke schienen vor Ihnen nicht sicher zu sein. Die Bewohner verteidigten ihre Häuser so gut es ging und griffen die Vögel an, wenn sie zu dicht heran kamen.

Hepkaale und die anderen halfen, so gut es ging, aber es war offensichtlich, dass die Dorfbewohner mehr Erfahrung hatten. Sie holten sich alle den einen oder anderen Kratzer. Dann rief Gahuul plötzlich: „Die Vögel! Jetzt weiß ich, wo der Alkoholkuchen herkam!“

Dann fing es an, auf die Vögel wie von Sinnen einzuschlagen. Er merkte gar nicht, dass sie ihn dabei verletzten. Die, die er erwischt hatte, warf er auf einen Haufen und sammelte sie. Irgendwann fingen die Vögel an, ihn zu meiden und einen großen Bogen um ihn zu machen. Er nahm seine Beute, und brachte sie zum nächsten Haus.

„Was willst du mit den Vögeln?“

„Da brennen wir Schnaps draus. Die sind voller Alkohol!“

Als die Vögel später weiterzogen, setzte er seinen Plan in die Tat um. Zusammen mit einer Menge Gewürze kochte er die Tiere aus und fing den Dampf auf. Leider war das Ergebnis völlig ungenießbarer Schnaps und sogar Gahuul spuckte ihn sofort wieder aus.

Da der Schnaps nicht genießbar war, probierte er, ob die Vögel essbar waren. Die alten schmeckten ihm nicht, aber die drei Jungvögel waren gut. Er gab den anderen kleine Stücken zum Probieren, und Hepkaale musste zugeben, dass man sie durchaus essen konnte und sie als Alternative zur täglichen Kohlsuppe gut waren.

„Die Vögel sind echt lecker“, erklärte Gahuul. „Viel viel besser als Kohlschnaps. Ich glaube, nachdem ich die probiert habe, wird mir Kohlschnaps nicht mehr schmecken.“

Kurze Zeit später brummte und summte das Plot Device wieder und brachte die drei Abenteurer wieder ins heimische Tirüplet.

Veröffentlicht unter Geschichten, Sma Azirk | Verschlagwortet mit , , , , , , | 2 Kommentare

Hepkaale und die Vogelplage

Hepkaale und Sibüü waren auf dem Weg nach Hause, als sie Gahuul begegneten. Er kam ihnen entgegen geschwankt und redete irgend etwas, das die beiden Schwestern nicht verstanden. Als er näher kam, fiel er Hepkaale um den Hals.

„Hepkaale“, nuschelte er. „Du musst mir helfen! Inner Kneipe gibts nix mehr zu saufen.“

Hepkaale drückte ihn von sich weg. „Das ist kein Grund, so aufdringlich zu sein.“

„Außerdem hast du für heute genug gesoffen“, stimmte ihr Sibüü zu.

„Aber es gibt nichts mehr. Ihr müsst mir helfen.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Dir helfen? Soweit kommt es noch. Wir haben anderes zu tun.“

Hepkaale ging um ihn herum und sie und Sibüü setzten ihren Weg fort. Sie beeilten sich, damit Gahuul ihnen nicht folgen konnte. Sibüü sah sich kurz um und sagte: „er läuft ganz schöne Schlangenlinien.“

Hepkaale schaute sich auch um. „Für seinen Pegel ist er uns ganz schön auf den Fersen. Komm, wir gehen schneller.“

Als sie zehn Minuten später zu Hause ankamen, hatten sie einen guten Vorsprung, er hatte erst den Ortseingang erreicht. Schnell schlossen sie die Tür hinter sich und erzählten ihrer Mutter und ihren Geschwistern von Gahuul.

„Das er das Trinken aber auch nicht sein lassen kann.“

„Wie doof“, sagte Sibüü, „dass Wirt ihm immer noch etwas verkauft.“

Ihre Mutter nickte. „Es ist eine Schande. Aber da können wir nichts gegen machen, es gibt in Tirüplet einfach zu viele Leute, die es in Ordnung finden.“

„Ich finde es nicht in Ordnung“, sagte Sibüü.

„Ich auch nicht“, ergänzte Hepkaale.

„Vielleicht sollten wir etwas dagegen unternehmen.“

„Ich glaube nicht, dass wir ihm helfen können“, bremste Hepkaale den Enthusiasmus ihrer Lieblingsschwester.

Sibüü ließ sich nicht beirren. „Natürlich können wir etwas unternehmen, du hast schließlich ein Plot Device. Damit können wir jedes Problem lösen!“

Hepkaale stöhnte. „Nicht schon wieder das Plot Device. Wir können es doch nicht jedes Mal benutzen, sobald wir nicht wissen, wie wir jemandem helfen können.“

Sibüü verdrehte die Augen. „Es ist immer das Gleiche mit dir. Da hast du so ein tolles Plot Device und dann weigerst du dich, es zu benutzen.“

„Ich bin ja auch immer die Leidtragende“, antwortete Hepkaale ihrer jüngeren Schwester.

„Ich finde die Idee nicht schlecht“, sagte ihre Mutter. „Wenn ihr ihm damit helfen könnt, ist ein wenig Anstrengung doch in Ordnung. Stell dir vor, das Plot Device würde ihn kurieren.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Es würde mich eher in einen See mit Branntwein werfen, als ihm helfen. Glaub mir, ich kenne das Plot Device gut genug.“

„Aber Hepkaale“, jammerte Sibüü. „Es ist schon so lange her, dass du jemandem mit deinem Plot Device geholfen hast.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Es kann gar nicht lange genug her sein. Du weißt doch, wie anstrengend es immer ist.“

„Aber auch lustig.“

Hepkaale dachte an das Abenteuer mit dem Plot Device, bei dem sie sich selber in einer Zeitschleife getroffen hatte. Das war überhaupt nicht lustig gewesen, sondern nur anstrengend.

Sibüü sah ihre große Schwester flehend an. „Och bitte, bitte, Hepkaale. Lass es uns wenigstens versuchen. Ich bin doch deine Lieblingsschwester.“

Hepkaale seufzte. Sie wusste, wann es aussichtslos war, ihrer kleinen Schwester zu widersprechen. Das wusste sie nur zu gut, mindestens ebenso wie dass das Plot Device immer nur Probleme machte.

„Das finde ich super“, sagte Sibüü, und Hepkaale dachte, dass ihre Schwester sie einfach zu gut kannte. „Ich gehe gleich und hole Gahuul, damit wir gleich loslegen können.“

„Vorher packst du aber eine Tasche mit deinen Schulsachen“, sagte Hepkaale streng. „Wenn wir das Plot Device benutzen, musst du unterwegs, wenn wir Zeit dafür haben, auch fleißig rechnen üben.“

Sibüü verzog das Gesicht. „Aber Hepkaale! Das ist gemein.“

Hepkaale verschränkte die Arme. „Dann bleiben wir eben hier.“

„Nein, das will ich auch nicht. Aber ausgerechnet Rechnen? Kann ich nicht lieber für Landwirtschaftskunde was lernen? Das wäre doch viel besser.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Nein, Sibüü. Rechnen oder gar nicht. Ich wäre lieber für hier bleiben, aber du wolltest ja unbedingt. Du kannst es dir aussuchen.“

„Manno! Das ist gemein.“ Sibüü schaute Hepkaale durchdringend an, aber Hepkaale blieb ernst. „Na gut, du hast gewonnen.“

„Dann lauf mal los.“

Während Sibüü ihre Tasche packte und dann los lief, um Gahuul zu holen, packte Hepkaale für sich und Sibüü eine Tasche mit Wechselkleidung und allem, von dem sie dachte, dass sie es auf ihrem Ausflug noch brauchen könnten.

Zehn Minuten später war Sibüü wieder da, einen verwirrten Gahuul im Schlepptau.

„Was soll das?“, beschwerte er sich. „Warum zerrst du mich hierher?“

Sibüü antwortete, aber er hörte ihr offensichtlich nicht zu sondern beschwerte sich weiter.

„Komm mit“, sagte sie schließlich zu ihm und zog ihn hinter sich her in Hepkaales Werkstatt. Hepkaale folgte ihnen. Sie hatte wenig Lust, aber wenn sie es schon nicht verhindern konnte, dann wollte sie wenigstens Gahuul möglichst schnell wieder aus ihrer Werkstatt rausbekommen. Sie ergriff Sibüüs Hand und drückte den Knopf des Plot Devices und aktivierte es.

Den Rest der Geschichte findet ihr hier.

Veröffentlicht unter Geschichten, Sma Azirk | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

Furihitis, die terminatischen Vögel

Dieser Artikel ist Teil des Glossars.

Furihirits sind eine Vogelart, die im Bereich des Terminators lebt. Ihre Körper sind recht leicht und sie habe große Flügel für ihr Körpergewicht. Sie könne bis zu zwanzig Zentimeter lang werden und haben mit ihrem doppelten Flügelpaar oft eine Spannweite von bis zu einem Meter. Ihre Körper sind grau, oft mit helleren Köpfen. Ihre Flügel sind grau-schwarz-weiß gemustert, wobei jeder Furihirit ein eigenes Muster hat.

Verwandte Individuen haben oft ähnliche Muster auf ihren Flügel, aber es ist durchaus auch normal, dass keine Ähnlichkeit zwischen den Geschwistern eines Wurfs besteht. Es wird vermutet, dass sie Furihirits an Hand ihrer Muster gegenseitig erkennen.

Furuhirits ernähren sich von Insekten, Früchten und Körnern, aber auch von Oktopoden, Fischen und Plankton. Sie sind Generalisten, die in sehr verschiedenen Umgebungen Nahrung finden. Sie ziehen entlang des Terminators, immer auf der tagwärtigen Seite. In den Bereichen der Drehpole sind die weiter in tagwärtiger Richtung, im Bereich der Bahnpole erreichen sie die Dämmerungszone. Sie folgen dabei der Planetenrotation und ziehen immer in die gleiche Richtung.

Sie haben einen Beutel, ähnlich der Beuteltiere der Erde. Im Gegensatz zu irdischen Beuteltieren legen sie aber ihre Eier in den Beutel und brüten sie so aus. Dabei transportieren die Männchen die Eier, die ihnen das Weibchen in den Beutel legt.

Wie es den Furihirits gelingt, dass alle Eier einer Kolonie, die durchaus tausende Vögel umfassen kann, gleichzeitig zum Schlüpfen bereit sind, ist bisher ungeklärt. Die Vögel paaren sich auf ihren Reisen häufig und ein Männchen kann durchaus Eier verschiedener Weibchen ausbrüten. Die ungefähr drei Wochen, die zwischen Schlüpfen und flügge werden vergehen, kümmert sie die Kolonie gemeinsam um die Aufzucht der Küken. Sobald die Küken flugfähig sind, zieht die Kolonie weiter.

Die Naturforscher Amels sind sich einig, dass die Kolonien von Furihirits weiterziehen, damit sie eine einzelne Regionen nicht übermäßig leerfressen. So haben die jeweiligen Regionen immer genug Zeit, dass sich Flora und Fauna vom Einfall der Furihirits erholen können.

Für die Bauern auf Amel ist eine Furihirits-Plage eine große Gefahr, da diese die Felder leer fressen. Es gab wiederholt Versuche, einen Furihirits-Schwarm von Feldern zu vertreiben, aber durch die spitzen Schnäbel sind die Vögel durchaus wehrhaft und haben schon den einen oder anderen Siedler auf dem Gewissen.

Da der Zug der Furihirits regelmäßig um den Terminator führt, haben sich die Bauern in vielen Regionen darauf eingestellt und ernten ihre Felder ab, bevor die Vögel bei ihnen einfallen.

Verschiedentlich wird berichtet, dass Menschen versucht haben, die Vögel zu essen. Sie sind genießbar, aber auf Grund ihres ranzigen Geschmacks kein sehr beliebtes Essen, Lediglich in Sma Azirk gibt es in einer Region Menschen, die diese Vögel essen, selbst wenn sie etwas anderes zur Auswahl haben. Dazu kochen sie die frisch gefangenen Jungvögel für sieben Stunden zusammen mit verschiedenem Gemüse und Gewürzen.

Veröffentlicht unter Fauna, Huduwed Eked, Jibel, Khesib, Sachtext, Sma Azirk | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen