Hepkaale und der Drache 5

Erster Teil, vorheriger Teil

Hepkaale und Faares waren weiter auf dem Weg nach Norden. Sie waren in einer Gegend angekommen, wo es deutlich kälter als in Tirüplet war. Hepkaale war froh, dass es hier nicht regnete, das wäre noch schlimmer als nur kaltes Wetter gewesen.

Es gab keine Wege hier und sie fanden nur noch selten menschliche Siedlungen. Bis hierher war die Besiedelung Sma Azirks wohl noch nicht richtig vorgedrungen. An einzelnen Häuser kamen sie gelegentlich vorbei, mit Bewohnern, die hauptsächlich von dem lebten, was im Meer wuchs. Essbare Früchte und Pflanzen gab es in dieser Gegend nicht viele. Nicht einmal der sonst überall auf Sma Azirk wachsende Kohl wuchs hier.

Sie folgten verschlungenen Wildwechseln. Hepkaale sehnte sich danach, endlich wieder zu Hause zu sein. Dieses Abenteuer war das mit Abstand beschwerlichst, das sie jemals erleben musste. Wie schön wäre es, wenn sie jetzt zu Hause vor dem Kamin sitzen könnte? Dann würde sie endlich wieder ihre Ruhe haben und könnte jederzeit, wenn ihr die Familie zu viel wurde, in ihre Werkstatt gehen und dort etwas basteln. Aber stattdessen war sie mit einer Ziege unterwegs, und wenn sie in der Richtung weiter gingen, würden sie bestimmt einies Tages den Nordpol erreichen.

Der Wildwechsel traf auf einen anderen Wildwechsel und Faares bog nach Rechts ab. Sie fragte sich, ob er wusste, was er tat, oder ob er einfach nur seinem Instinkt folgte. Was gab es hier überhaupt für Tiere, die so deutliche Wildwechsel austraten? Sie wusste von keinen größeren Tieren, die so weit nördlich lebten, aber das musste nicht viel heißen, denn sie kannte sich hier nicht besonders aus. Sie fragte Faares danach, doch er wusste es auch nicht.

Ein paar Stunden später kamen sie wieder an ein Haus, und Faares entschied, dass sie hier einkehren würden. Hepkaale hoffte, dass sie diesmal besser aufgenommen würden als vor ein paar Tagen, als sie ihre Hahnenkämme bekommen hatte.

„So, ab jetzt wird wieder in voller Montur gereitet“, legte Faares fest. Hepkaale hatte es schon befürchtet. Leider legte er viel Wert darauf, dass sie ihre gesamte Rüstung benutzte, die Ziege als Pferd, das Kohlblatt als Sattel, die Hahnenkämme als Sporen. Wer weiß, welche seltsamen Dinge sie noch ereilen würden auf dieser Reise.

Zum Glück waren die Bewohner dieses Hauses sehr nett und luden sie zu sich in die Stube ein. Es war eine junge Familie, Mann, Frau, fünf Kinder unterschiedlichem Alters. Sie freuten sich, endlich mal wieder Fremde zu sehen, denn hierher verirrte sich nur selten jemand. Faares erzählte von der Ritterschaft und dem Drachen, den er jagen würde und die Kinder fragten ihn immer weiter aus.

Sie fragten ihn so viele Fragen, dass er irgendwann müde wurde. Als er in einem Sessel eingeschlafen war, fragten die Eltern Hepkaale, wer sie sei. Auch sie hatten schon von ihr gehört und wollten natürlich jetzt mehr über das Plot-Device und ihr aktuelles Abenteuer wissen. Sie wollten ihr erst nicht glauben, dass sie wirklich auf Drachenjagd waren, mit einer Ziege als Pferd und einem Kohlblatt als Sattel.

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich habe es mir nicht ausgesucht, und ehrlich gesagt, habe ich auch keine Lust darauf und will eigentlich nur nach Hause, aber das Plot-Device lässt mich nicht.“

„Ja, das ist in den meisten Hepkaale-Geschichten so.“

Hepkaale nickte. „Ich hoffe nur, dass wir bald den Drachen finden werden, ich habe echt keine Lust mehr.“

„Können wir dir irgendwie helfen?“, fragte der Mann.

Hepkaale überlegt. „Wisst ihr etwas, das gegen Drachen hilft?“

Alle überlegten, dann sagte das älteste Kind: „Du brauchst eine Rüstung! Rüstungen helfen gegen Drachen!“

Also überlegten sie, wie Hepkaale an eine Rüstung kommen könnte. Irgendwann sagte die Frau: „Du hast doch noch das alte Ofensieb, das könnte sie doch nehmen.“

Hepkaale hatte ihre Zweifel, doch die anderen fanden die Idee gut. Sie ließen Faares schlafen und gingen alle in den Schuppen hinter dem Haus. In einem Haufen alter Sachen fanden sie schließlich das Metallteil. Sie bogen es so zurecht, dass es zu Hepkaale passte, und die Frau befestigte drei Muschellederriemen daran und band es Hepkaale um.

„Schon besser“, sagte sie. „Jetzt bist du richtig ausgerüstet, um es mit einem Babydrachen aufzunehmen.“

Als Hepkaale sich zum Haus umdrehte, sah sie, dass Faares in der Tür stand und sie beobachtete. Er lächelte, offensichtlich hatte er sofort verstanden, wofür das Ofensieb gedacht war. Sie verbrachten noch ein paar Stunden bei den Leuten und als sie ausgeschlafen und richtig gefrühstückt hatten, ging es weiter.

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Roman-Status #19

Hallo ihr Lieben!

Heute ist es mal wieder an der Zeit, euch vom Fortschritt meines Horjekjobolo-Romans zu berichten. Da habe ich die letzten Tage wieder fleissig dran gewerkelt und am Plot weiter gearbeitet. Allein die Datei mit den Notzien, was passieren soll, hat mittlerweile 21 000 Wörter. Immerhin 13 000 davon habe ich schon geschrieben – daraus sind die 150 000 Wörter geworden, die ich schon geschrieben habe.

Eigentlich hatte ich gar nicht geplant, diese Woche an diesem Roman zu arbeiten sondern wollten mit den Briefen an die Sejereh und der neuesten Hepkaale-Geschichte weiterschreiben. Aber dann habe ich einen Blog-Artikel übers Schreiben gelesen und voll Lust darauf gehabt, endlich den Roman weiter zu schreiben.

Als ich damit anfangen wollte, habe ich dann festgestellt, dass ich ja den Roman noch nicht bis zu Ende geplottet habe. Also dachte ich mir, sollte ich das erst mal fertig machen – zumal ich mittlerweile recht gut weiß, wie das Ende sein wird. Also habe ich mich da rangesetzt und die letzten Tage über 2000 Wörter Planungsnotizen gemacht und mir überlegt, wer sich mit wem worüber streitet, damit sich meine Protagonisten schön zerstreiten.

Außerdem zeichne ich im Moment an einer großen Karte von Mostnike, das komme ich auch gut weiter, aber habe natürlich noch nichts, was ich euch präsentieren könnte. Manchmal muss man eben Aufgaben machen, die sich nicht direkt im Wordcount niederschlagen. Aber nächste Woche gibt es dann hoffentlich wieder eine richtige Geschichte.

 

 

 

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Mücken und die Frage, warum sie auf dem Raumschiff mitgenommen wurden

Schüleraufsatz zum Thema „Natur auf der Sejereh“

Auf der Sejereh gibt es Mücken, das weiß jedes Kind. Wohl jeder hier hat schon die nervige Entdeckung gemacht, dass es Mücken gibt und dass sie stechen. Genauso hat wohl jeder schon mal gefragt, warum die Mücken überhaupt auf die Sejereh mitgenommen wurden.

Wenn ein Kind seinen Lehrer danach fragt, lautet die Antwort meist in der einen oder anderen Variation, dass sie für das biologische Gleichgewicht notwendig sind. Aber mehr als diese Information erhält man selten. Dabei ist die Frage, ob Mücken ein Teil des Ökosystems der Sejereh sein sollten, vor dem Start durchaus kontrovers diskutiert worden. Daher gibt es auf der Niptran keine Mücken, auf der Schadjara und der Sejereh schon.

Doch aus welchem Grund gibt es bei uns Mücken und auf der Niptran nicht? Ist es wirklich Zufall, dass es auf der Sejereh welche gibt und auf der Niptran nicht? Über dieses Thema mehr rauszufinden ist zwar schwierig, aber keineswegs unmöglich.

In den Bordcomputern sind überraschend viele alte Dokumente gespeichert, die man lesen kann, wenn man das möchte. Unter anderem gibt es die Gesprächsprotokolle der Ökologie-Arbeitsgruppe, bei der die Zusammensetzung der Tier- und Pflanzenarten auf den drei Raumschiffen beschlossen wurde. Es wurde sehr lange über sehr viele Tiere geredet, viele Pläne gefasst, genauer untersucht und später wieder verworfen. An den Planungen waren deutlich mehr Menschen beteiligt, als nachher tatsächlich die Erde verlassen haben.

Bis wenige Monate vor dem Abflug der drei Schiffe wurde noch diskutiert, abgewogen, vorgeschlagen und widersprochen. Immer mal wieder wurde auch über Mücken diskutiert. Dabei waren Mücken nicht die einzige kontroverse Art. Auch über Wespen und Bienen wurde diskutiert. Am Ende hat man sich dann entschieden, auf jedem Schiff zwei der drei stechenden Arten mitzunehmen. Der Grund, warum es auf der Sejereh Mücken gibt, ist also: Weil es hier keine Wespen gibt.

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Hepkaale und der Drache 4

Erster Teil, vorheriger Teil

Zwei anstrengende Wandertage später, in denen Faares Hepkaale von seinem zukünftigen Ruhm als Drachentöter vorschwärmte, erreichten sie Rechaadaa, einen weiteren kleinen Ort an der nördlichen Küste Sma Azirks. Der Ort war genauso klein wie Djuul und sah für Hepkaale auch genauso heruntergekommen aus.

Sie fanden wieder ein Gasthaus, in dem sie einkehrten. Faares erzählte wieder stundenlang von dem Drachen, den er jagen würde und wie er dann als Held zurückkommen würde. Hepkaale hielt sich zurück und beteiligte sich kaum an dem Gespräch. Sie genoss es, dass sie bei diesem Abenteuer mal nicht im Mittelpunkt stand. Sie dachte an zu Hause und fragte sich, ob Sibüü und ihre anderen Geschwister sie schon vermissten. Sibüü bestimmt, und wenn es nur deswegen war, weil sie sie nicht auf dieses Abenteuer mitgenommen hatte.

Nach einiger Zeit gab es Essen und danach gingen sie ins Bett – Hepkaale musste im Stall zwischen Pferd und Ziege schlafen.

Nachdem sie geschlafen hatte, gab es Frühstück. Danach brachen sie wieder auf und setzten ihre Reise über holprige Trampelpfade fort. Hepkaale hoffte, dass sie den Drachen bald finden würden, denn sie hatte keine Lust mehr, neben der Ziege her zu gehen und nach etwas zu suchen, das sie, wenn sie ehrlich war, gar nicht finden wollte.

Nach fünf Stunden Fußmarsch kamen sie an ein einsames Haus, das auf einer Klippe mit Blick übers Meer stand. Als sie das Haus das erste Mal sahen, entschied Faares, dass sie dort eine Pause machen würden und dass Hepkaale deswegen den letzten Kilometer reiten müsste.

Es war mühselig, denn die Ziege hatte keine Lust, den Hang zu erklimmen, und dass Hepkaales Beine bis auf den Boden reichten, machte das Reiten nicht gerade einfacher. Immer wieder musste sie die Ziege auf den Hintern hauen, damit sie sich weiter bewegte. Es war mit Abstand das mühseligste Abenteuer, auf das das Plot Device sie je geschickt hatte.

Es dauerte über eine halbe Stunde, bis sie das Haus endlich erreicht hatten. Faares klopft an die Tür und jemand rief: „Wartet kurz, ich bin gerade beschäftigt.“ Also warteten Hepkaale und Faares im Regen vor der Tür darauf, dass der Bewohner ihnen öffnete.

Hepkaale stieg von ihrer Ziege ab und band sie am Zaun fest. Faares war darüber nicht erfreut, denn es machte seiner Meinung nach den Eindruck kaputt, aber Hepkaale blieb stur. Nach zwei Minuten gab Faares seine Versuche auf, sie zu überreden, weiter auf der Ziege zu sitzen.

Es dauerte noch eine ganze Weile, bis der Bewohner schließlich die Tür öffnete. „Was wollt ihr? Ich bin gerade damit beschäftigt, Baumkuchen zu backen und ihr kommt ungelegen.“

„Ich bin der Ritter Faares“, sagte Faares. „Wir sind hin, um die Drachen, die elenden Würmer, zu jagen.“

„Drachen! Pah! Damit könnt ihr mir gestohlen bleiben. Ich habe genug Probleme mit den Killerpoden. Die machen mir immer die Netze kaputt, wenn ich Fischen fahre.“

„Bei baldiger Gelegenheit werde ich eure Wünsche an die Seeritterschaft weitergeben, auf dass sie euch von den Killerpoden befreien.“

„Tut das. Und jetzt verschwindet, denn ich muss mich wieder um den Baumkuchen kümmern.“

Hepkaale ging zu ihrer Ziege zurück und löste das Seil. Doch Faares blieb weiter vor der Tür stehen.

„Es ist im Kreise der einfachen Leuten üblich“, sprach er, „die Ritterschaft mit mehr Respekt zu behandeln und sie bei ihrem Queste zu unterstützen. Wollt ihr dies nicht auch?“

„Ich? Euch unterstützen? Das einzige, was ich euch an Unterstützung geben kann, sind ein paar Hahnenkämme.“ Er zeigte auf die Ziege. „Vielleicht könnt ihr die als Sporen benutzen, um eure Reitziege anzutreiben, wenn ihr mal wieder einfache Leute belästigen wollt.“

Er griff hinter sich und warf Faares etwas vor die Füße. Dann schlug er die Tür zu. Faares bückte sich und hob die Hahnenkämme auf. Dann stieg er wieder auf sein Pferd und ließ es zu Hepkaale gehen. Er überreichte ihr die Hahnenkämme. „Hier, die werden dir als Sporen nützlich sein, Adjutant!“

Hepkaqale seufzte. Nicht nur, dass sie eine Zeige ritt und ein Kohlblatt als Sattel hatte, jetzt musste sie auch noch Hahnenkämme als Sporen um ihre Schuhe binden. Sie hatte sich noch nie so albern gefühlt wie bei diesem Abenteuer.

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Briefe von der Sejereh – 3. Antwortbrief, 2. Teil

Sejereh, den 08.02.2320 Hallo Isma
Erster Teil des Briefes…

Für mich wirkt es seltsam von Mutter und Vater erzogen zu werden. Das ist doch bestimmt voll komisch, sich von jemandem etwas sagen zu lassen, die die eigene Mutter oder der eigene Vater ist. Außerdem kann man sich die ja nicht aussuchen. Wie können Eltern und Kinder dann vorher entscheiden, ob sie miteinander klarkommen?

Ich dachte immer, dass ihr, weil ihr ja auch auf einem Raumschiff seid, genauso leben würdet wie wir. Aber offensichtlich ist das nicht so. Ich bin gespannt, was bei euch noch alles anders ist als bei uns. Vielleicht sollte ich mal grundlegende Sachen unseres Lebens hier erklären, und dann kannst du sagen, ob es bei euch genauso ist.

Wir atmen Luft oder vielmehr Sauerstoff aus der Luft. Wir trinken Wasser und essen Obst, Gemüse und andere Pflanzen. Und Käse von Kühen, Ziegen und Lamas. Und wir essen Fleisch von verschiedenen Tieren.

Wir kochen vieles von unserem Essen, aber nicht alles. Vor allem Obst und Salat nicht. Wir gehen mit dem vierten Lebensjahr in die Vorschule und ab dem sechsten in die richtige Schule. Wie das mit den Eltern ist, habe ich ja schon erzählt. Wir waschen uns mit Wasser, genauso wie unsere Klos mit Wasser funktionieren.

Einmal im Monat werden bei uns die Arbeiten vergeben. Jeder sagt, was er gerne machen möchte. Für Arbeiten, die keiner will, gibt es Belohnungen. Die werden so lange immer mehr, bis alle Arbeiten aufgeteilt sind und alle zufrieden sind. So findet sich für jede Arbeit immer jemand, der sie machen möchte und damit zufrieden ist. Ich bin gespannt, ob ihr das auch so macht.

Wenn Mauzar für uns kocht, ist es immer lecker. Es ist schön, dass deine Eltern auch für dich kochen. Darfst du dabei manchmal helfen? Ich finde es lustig, dass du zu deinen Großeltern gehst, wenn es bei euch Kohl gibt. Bei uns würden die Altern bei unseren Eltern nachfragen, ob wir schon was gegessen haben. Wenn die uns Essen geben würden und die Eltern das rausfinden, dann würden die Alten von allen anderen Eltern Ärger bekommen. Aber manchmal bekomme ich trotzdem ein Stück Kuchen oder Obst von ihnen, wenn mir das Essen von Mauzar nicht geschmeckt hat. Aber mehr als ein Stück bekommen wir nie.

Bei uns kocht mal der eine und mal der andere. Aber bei uns sind Eltern ja auchg nicht immer ein Mann und eine Frau. Es können genausogut zwei Männer oder zwei Frauen wie bei Kasa sein. Ist das bei euch manchmal auch so? Wer kocht dann bei euch?

Warum sind bei euch nur die Väter nach der Arbeit erschöpft? Bei uns hängt es davon ab, wer welche Arbeit macht. Manchmal ist das Mauzar und manchmal Tufah. Und wenn es beide sind, dann müssen ich und mein großer Bruder Bekur eben Abends helfen. Das finden wir dan doof, aber wenn bei uns Abends niemand spült, dann weiß das am nächsten Tag das ganze Modul und das ist ja auch doof.

Schlimmstenfalls hält uns dann unser Lehrer in der Schule einen Vortrag über die Bedeutung der Sauberkeit. Das ist dann für den entsprechenden Schüler sehr peinlich. Außer natürlich, es ist Frau Zatra, unsere Musik- und Kunstlehrerin; die ist nämlich so penibel dass alle darüber lachen.

Ihr dürft nicht einmal bittere oder saure Früchte essen? Bei uns sagen die Erwachsenen, das gehört zum Älter-werden dazu, dass man lernt, was man bei welcher Gelegenheit einfach so essen darf und was nicht. Wenn ich Tufah richtig verstanden habe, ist das, damit wir selber lernen, uns Sachen einzuteilen, so dass wir später noch was davon haben. Das ist ein wenig unfair, weil Kasa saure Früchte mag und ich nicht, aber das kann man eben nicht ändern.

Wie lustig, dass ihr euren Lehrer beobachtet habt. Wenn wir sowas machen würden, würde es jemand merken und wir würden richtig viel Ärger dafür bekommen, selbst wenn es total langweilig war.

Von der Erde gibt es bei uns auch nichts neues. Bei uns haben auch ein paar Leute vorgeschlagen, dass wir uns jetzt selber weiterentwickeln sollen, aber die Mehrheit ist der Meinung, dass es besser ist, wenn wir nicht zu viel ändern. Bei uns weiß ich niemanden, der sagt, dass alles von der Erde schlecht ist. Warum glauben bei euch die Leute, dass Mustabed recht hat? Es ist doch offensichtlich, dass manche Sachen von der Erde gut sind. Die Anleitungen zum Herstellen von Medizin zum Beispiel. Warum glauben die Leute bei euch Mustabed? Ich verstehe das nicht.

Bei uns reden die Erwachsenen und vor allem die Alten auch oft davon, wie es war, als wir noch regelmäßig von der Erde gehört haben. Das muss auch schön gewesen sein, wenn sich dann alle getroffen haben und zusammen die Botschaften angehört haben.

Das mit dem Geld hat unsere Lehrerin versucht, uns zu erklären. Ich habe sie gefragt, was Taschengeld ist und dass du auf der Schadjara welches bekommst. Sie sagt, dass man Geld nimmt, um Dinge gegen andere Dinge zu tauschen, aber bei uns auf der Sejereh machen wir das nicht so. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man auf einem Raumschiff mit Geld lebt.

Ordnungshüter haben wir natürlich auch. Das ist bei uns eine der Arbeiten, die immer ganz viele Leute machen wollen, weil man nicht viel tun muss und mit anderen meckern darf. Das ist aber auch eine der Tätigkeiten, die man bei uns nicht beliebig oft machen darf. Mehr als vier Wochen im Jahr darf niemand Ordnungshüter werden. Das ist so ähnlich wie Koch, das darf man auch nur acht Wochen im Jahr machen.

Strafen gibt es bei uns auch, aber da müssen dann alle drüber diskutieren, ob es reicht, eine Weile nicht mit der Person zu reden oder ob mehr als Strafe notwendig ist. Es ist doof, dass das mit den Strafen bei euch nicht richtig funktioniert, aber dein Vater hat natürlich recht, dass eingesperrte Leute nicht helfen können.

Warum willst du, dass dein Mann Kapitän wird? Wäre es nicht besser, wenn du selber Kapitän würdest? Dann könntest du doch selber die Leute überreden, das so wie wir zu machen.

Es ist doch doof, dass die Männer, die sich bei euch geprügelt haben, keine Strafe bekommen haben. Und dass euer Gang dann einfach gar nicht gestrichen wurde, ist auch doof. Aber wie gut, dass nicht eine der Gruppen wollte, das einfach nichts gemacht wird, dann hätte die ja ihren Willen bekommen.

Wie schön, dass du auch ein Gemüsebeet hast. Ich finde ein eigenes Gemüsebeet toll, denn da kann ich selber entscheiden, wann ich was esse. Dieses Jahr versuche ich auch mal, einen Kürbis anzupflanzen. Mein Apfel ist leider nicht zu einem Apfelbaum geworden. Federblumen gibt es bei uns nicht, aber ich habe Kapuzinerkresse angepflanzt. Die blüht auch schön bunt.

Wir haben auch immer viele Hausaufgaben auf. Da geht es uns wohl nicht besser als euch. Wir müssen oft den Erwachsenen beim Arbeiten helfen. Unser Lehrer sagt, das ist, damit wir alles mal kennen lernen.

In der Schule finde ich im Moment Mathe sehr spannend. Geschichte ist auch spannend, aber warum muss ich Erdkunde lernen, wenn wir nichts mehr von der Erde hören? Die Erde ist doch so weit weg, das kann doch für uns nicht wichtig sein.

Welche Arbeiten möchtest du am liebsten machen, wenn du groß bist? Und welche gar nicht? Ich muss jetzt aufhören zu schreiben, sonst wird der Brief wieder zu lang und Kala meckert wieder mit mir.

Hoffe, bald wieder von dir zu hören.

Ganz viele liebe Grüße und bis zum nächsten Mal

Deine Tiri

 

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Briefe von der Sejereh – 3. Antwortbrief, 1. Teil

Erster BriefVorheriger Brief

Sejereh, den 08.02.2320 Hallo Isma

Ich habe mich sehr gefreut, als ich deinen Brief bekommen habe.

Meine Freunde sind auch neidisch auf die Briefe, die ich von dir bekomme. Aber da sie selber keine Briefe geschrieben haben, wundert es mich nicht, dass sie selber keine bekommen. Schade für Waked, dass es nur so eine kurze Antwort bekommen hat. Wer hat ihm geantwortet? War es jemand von der Sejereh?

Bei mir sind auch zu viele spannende Sachen für einen einzigen Brief passiert. Kala sagt, dass wir unsere Briefe nicht zu lang werden lassen dürfen, sonst würde die Übertragung wegen der Entfernung zu lange dauern. Sie sagt, so einen Brief wie meinen letzten zu übermitteln, würde eine ganze Woche dauern. Ich habe sie gefragt, warum das so ist, und sie hat mir erklärt, dass sie den mehrfach senden muss, weil ihr ja nicht immer mit euren Antennen in unsere Richtung schaut. Dann habe ich gesagt, dass ich dann aufpassen werde, auch nur wichtiges zu schreiben. Sie hat mir weiter erzählt, dass ihr zwar mit uns Zeiten ausgemacht habt, in denen ihr nach uns lauscht, aber da die Erde nicht mehr sendet, hätten wir nun mehr Zeit für euch.

Ich habe jetzt auch ein Tier, um das ich mich kümmere, ein kleines Lama. Ich habe es Bazak genannt. Anfangs war es fies zu mir, aber mittlerweile mag es mich. Bazak frisst mir aus der Hand und genauso wie Chubzi kann sie Sachen für mich tragen. Aber bisher darf ich sie noch nicht in ein anderes Modul bringen. Ich finde das schade, aber man kann es eben nicht ändern. Aber wenn sie dann größer ist, dann darf sie mir helfen.

Wie geht es deinem Chubzi? Habt ihr viel zusammen erlebt? Haben deine Freunde auch eigene Tiere? Kamele? Pferde? Ganz was anderes? Meine Freunde haben keine Tiere, bis auf Kasa. Die hat einen Papagei, der sogar sprechen kann. Ich finde es toll, dass er das kann.

Bei den Pinguinen helfe ich jetzt nicht mehr so oft, ich muss mich schließlich um Bazak und die anderen Lamas kümmern. Aber manchmal bin ich doch dabei und helfe ihnen. Die Pinguine laufen gerne rum und stehen manchmal einfach gerne vor der Wärmelampe rum. Bei ihnen ist es nämlich kalt, damit sie sich wohlfühlen. Ich finde es lustig, dass Pinguine Schnee fressen, wenn ihnen zu warm ist. Das hatten wir mal, als der Schalter für das künstliche Sonnenlicht nicht richtig funktioniert hat und sie zwei Tage am Stück gewärmt wurden. Ich fand das seltsam, aber es scheint ihnen geholfen zu haben.

Manchmal lassen sich die Pinguine auch streicheln, aber man muss sie mit Fisch bestechen, damit sie nicht weglaufen. Sie fühlen sich aber nicht so toll an, weil sie feucht und fettig sind. Aber ihnen zuschauen tun wir immer gerne.

Bei unseren Elchen können wir mit der Maschine ausmisten, das klappt ganz gut. Die Art, wie ihr eure Kamele ausmistet, klingt anstrengend. Wie oft müsst ihr das machen? Ich glaube, ich bin doch froh, dass wir keine Kamele haben, wenn die so anstrengend sind.

Mit den rumlaufenden Pferden hast du recht, aber unsere Pinguine laufen noch viel mehr rum. Aber die sind auch mehr und kleiner. Die wuseligsten Tiere, die wir haben, sind Mäuse. Rahuti sagt, wir haben Glück, dass die mit der Schwerelosigkeit in den Verbindungsgängen ein Problem haben, sonst wären die überall. Zum Glück haben wir mehrere Tiere, die Mäuse fressen, so dass es nicht zu viele werden. Habt ihr auch Mäuse? Oder habt ihr noch andere wuselige Tiere?

Als ich vor ein paar Wochen krank war, musste ich drei Tage im Krankenmodul verbringen. Das war vielleicht langweilig. Mit dem Lamatritt war ich froh, dass ich noch zur Schule gehen durfte. Zu Hause bleiben dürfen wir leider nicht, da ja alle arbeiten gehen, wenn wir in der Schule sind. Unsere Krankenstation ist ganz gut eingerichtet, an jedem Bett ist ein mobiler Bildschirm, über den man Zugang zum Computer hat. So kann man sich Filme anschauen oder Spiele spielen. Aber am besten ist es, wenn meine Freunde zu Besuch waren, das war viel besser als die ganzen Computerspiele. Aber in die Schule gehen ist dann doch besser als den Tag alleine in der Krankenstation alleine im Bett zu liegen.

Du Arme, dass du acht Tage krank warst. Ich fand die drei Tage, die ich krank war, schon schlimm genug. Bei manchen Krankheiten darf man bei uns auch keinen Besuch bekommen, bei anderen schon. Zum Glück hatte ich bisher nur Besuchskrankheiten, genauso wie meine Freunde. Aber Achdar hat erzählt, dass, als er jung war, mal jemand eine Nicht-Besuchs-Krankheit hatte. Das hat wohl ziemlich lange gedauert, bis andere wieder zu ihm durften. Zum Glück ist das schon lange her.

Mit den Verbindungsgängen hast du recht, die sind toll zum spielen. Wir haben letztens ein Lager-Modul entdeckt, wo nur selten jemand hingeht. Das ist abgeschirmt, hat aber Schwerelosigkeit, das ist genau das Richtige für uns zum spielen. Aber bestimmt werden die Erwachsenen wieder eine Ausrede haben, warum wir dort nicht spielen dürfen, das ist ja immer so, Aber bis sie merken, dass wir es gefunden haben, nutzen wir es natürlich aus.

Das mit den Alten, die schon in den Verbindungsgängen gespielt haben, ist bei uns genauso. Die Erwachsenen verbieten es uns, und wenn man bei den richtigen Alten nachfragt, erfährt man, dass die Erwachsenen sich auch nicht an die Verbote gehalten haben, als sie jung waren.

Ich vermute, dass wir für unsere Tiere eine andere Art Gleichgewicht als ihr haben, wenn wir Leguane dafür brauchen und ihr nicht. Soweit ich weiß, gab es auf der Erde manche Tiere auch in manchen Ländern nicht, obwohl dort die richtige Temperatur für sie war. Das mit euren Seehunden, die einen Bogen fliegen, ist lustig. Das ist bestimmt so ähnlich, wie wenn wir auf dem Spielplatz in der Modulachse springen. Wenn wir langsam genug sind, fliegen wir auch einen Bogen, bis wir im Netz ankommen.

Auf einer Eisscholle habe ich erst einmal versucht zu stehen, ich bin aber sehr schnell ins Wasser gefallen. Da hat Dabah, mit dem zusammen ich die Pinguine gefüttert habe, sehr viel Ärger bekommen. Die anderen Erwachsenen haben zwei Tage lang nicht mit ihm geredet. Ich fand das voll doof, denn es war ja nur nett von ihm.

Schlitten fahren können wir leider nicht, weil der Hang nicht gut dafür ist. Das ist schade, finde ich, aber wir können es nicht ändern. Die Kunststücke eurer Seehunde sind bestimmt toll. Ich finde es toll, dass euch die Wasserschlachten im Meeresmodul erlaubt wurden. Ich werde bei uns mal nachfragen, ob wir das auch machen dürfen. Da wäre toll, wenn bei uns Wasserschlachten erlaubt wären.

Bei unser Wasserschlacht im Verbindungsgang hatten wir Glück, denn es hat niemand herausgefunden. Außer Radur natürlich, der muss ja meine Briefe übermitteln. Aber der hat gesagt, dass er nicht wissen darf, was in unseren Briefen steht und deswegen auch nicht schimpfen darf. Aber nächstes Mal sollten wir besser aufpassen.

Bei uns wohnt niemand bei Mutter und Vater. Wir wohnen bei den Eltern, das sind bei uns Erwachsene, die noch keine Kinder großgezogen haben, so dass jeder mal Kinder erziehen muss. Und genauso ist das mit den Alten, die bei uns wohnen und die wir Großeltern nennen. Das ist doch auch viel sinnvoller so, sonst müssten ja immer die Leute zusammen wohnen, die miteinander Kinder haben müssen. So können sich die Erwachsenen aussuchen, mit wem sie wohnen wollen. Und die Kinder können sich, wenn sie alt genug sind, also wenn sie drei sind, aussuchen, bei welchen Erwachsenen sie wohnen wollen. Wenn man jünger ist, kümmern sich viele verschiedene Leute um die Kinder, damit die alle Erwachsenen mal kennen lernen. Wie sonst könnten sie ihre Eltern auswählen? Manchmal wollen zwei Kinder die gleichen Eltern, aber das ist selten. Und wenn doch, dann haben die Eltern eben zwei gleichalte Kinder und bekommen dafür nicht später nochmal eines. Wenn die Eltern bei uns mal keine Zeit haben, dann sind immer andere Erwachsene oder Alte da, die den Kindern etwas verbieten können.

Manchmal kommt es bei uns auch vor, dass sich ein Kind und seine Erwachsenen nicht verstehen. Dann ist es möglich, dass das Kind zu anderen Eltern wechselt. Aber die sind dann meistens sehr streng, deswegen will niemand wechseln. Ich will sicher nicht wechseln, auch wenn meine Eltern oft nerven.

Wenn die Eltern eines Kindes sterben durch einen Unfall oder so, dann muss das Kind zu anderen Erwachsenen. Aber das sind dann ja keine richtigen Fremden, da ja alle Erwachsenen beim Erziehen von uns helfen.

Mit Eltern bezeichnen wir die Erwachsenen, die sich um uns kümmern. Im Gegensatz dazu gibt es Mütter und Väter, die uns geboren haben, aber das sind nie die Eltern, da achten alle drauf. In den meisten Fällen wohnen Mutter und Vater nicht zusammen. Die Frage, ob sie zusammen ein Kind großziehen, gilt daher er immer nur für einen von beiden.

(Da Isma und Tiri älter werden, schreiben sie auch längere Brief. Um euch das Lesen (und mir das Schreiben) einfach zu machen, teile ich die langen Briefe auf zwei Blogposts auf. Den zweiten Teil gibt es dann nächste Woche.)

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Chronologie der Besiedelung Amels

Da ich mittlerweile über 100 Geschichten von Amel veröffentlicht habe, habe ich entschieden, dass es an der Zeit ist, euch mal eine Übersicht zur Verfügung zu stellen, in welcher Reihenfolge die Geschichten spielen und wie der zeitliche Rahmen ist.

Dazu habe ich eine Seite gebastelt, auf der ich alle Geschichten – nach Kontinenten sortiert – aufgelistet habe. Ich habe die Seite im Menu verlinkt, damit ihr sie immer findet, wenn ihr mal bei einer Geschichte nachschauen wollt, wie sie zeitlich einzuordnen ist.

Da es eine ganze Menge Arbeit war (ich hoffe, jetzt funktionieren alle Links!), gibt es diese Woche keine neue Geschichte. Nächste Woche dann aber schon, versprochen!

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Stöbern und Lesen!

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Rückkehr nach Zahybata

Der Mond Zahybata war bereits früher von einem Rettungsschiff besucht worden. Das war vor über fünfzig Jahren gewesen. Anfalka und Bahz waren damals schon dort gewesen, als Kinder, die sich heimlich an Bord des Rettungsschiffs geschlichen hatten. Und jetzt, nach vierzig Jahren und einer erfolglosen Reise mit der Sejereh zum Planeten Ekamyh sind sie erneut hier, auf dem Weg zum Planeten Amel, der letzten Hoffnung, in diesem System einen bewohnbaren Planeten zu finden.

Anfalka betrachtete den Mond und fragte sich, ob sie jemals daran gedacht hatte, dass sie dorthin zurück kehren könnte. Aber als sie jung war, waren sie alle voller Hoffnung gewesen, dass Ekamyh das Ziel ihrer Mission sei und sie endlich ankommen würden. Doch dann hatte sie die Atmosphäre als zu dünn und zu giftig entpuppt. Und Furasch war noch schlimmer mit den vielen giftigen Stoffen in der Atmosphäre. Und jetzt waren sie auf dem Weg zu Amel und kamen erneut am Gasriesen Wafyr vorbei.

Selbst wenn Amel sich aus der Nähe doch als unbewohnbar entpuppen sollte, so hatten sich doch dieses System erreicht und könnten seine vielfältigen Ressourcen nutzen, dachte Anfalka. Seit ihrem letzten Besuch bei Zahybata ist die Sejereh unter anderem mit den Rohstoffen von diesem Mond um drei Module und hundertfünfzig Einwohner größer geworden

Anfalka konnte sich noch gut daran erinnern, wie sie damals auf dem Mond herum springen durfte. Damals war ihr der Mond riesig vorgekommen, auch wenn er nicht mal einen Kilometer Durchmesser hatte. Doch seitdem war sie im Orbit um mehrere Planeten gewesen und hatte ihre wahre Größe aus der Nähe gesehen. Dagegen erschien ihr Zahybata nun vom Rettungsschiff aus gesehen wie ein kleiner Felsbrocken. Sie fragte sich, ob es wohl immer noch so war, wenn sie wieder auf seiner Oberfläche stand. Zu gut konnte sie sich noch an die majestetischen Klippen erinnern, die sich dunkel vom Sternenhimmel abhebten.

Bahz stand neben ihr und sie wechselten sich an dem kleinen Fenster ab. Es würde noch ein paar Stunden dauern, bis sie den kleinen Mond erreicht hatten. Sie war froh, dass Bahz mit ihr hier war, denn sie beiden und Bylda waren die einzigen, die damals auf Zahybata schon dabei gewesen waren und noch lebten. Bylda konnte sie auf diesem Ausflug leider nicht begleiten, weil sie sich vor ein paar Wochen ein Bein gebrochen hatte. Egal wo Menschen sich aufhielten, Verletzungen brauchten immer einige Zeit, um zu verheilen.

„Wie schade, dass Bylda nicht dabei sein kann“, sagte Bahz, als hätte er ihre Gedanken gelesen. „Dann wäre es fast wie damals gewesen.“

Anfalka nickte. „Das dachte ich eben auch.“

Bahz streckte sich ein wenig, um aus dem Fenster zu schauen. „Vielleicht ist es auch besser so. Sie ist in den letzten Jahren ziemlich grummelig geworden.“

„Stimmt schon. Aber es wäre sicherlich trotzdem schön gewesen für sie.“

„Ja, da hast du recht.“

Sie schauten eine Weile abwechselnd zum Mond Zahybata. Dann sagte Bahz: „Was meinst du, sind unsere Sicherungsseile noch da?“

Anfalka überlegte. „Nach vierundfünfzig Jahren ohne dass sich jemand darum gekümmert hat? Ich weiß nicht.“

„Es ist immerhin luftleerer Raum.“

Anfalka nickte, sagte dann aber: „Naja, luftleer vielleicht. Und die ganze Strahlung. Aber vielleicht haben wir Glück.“

„Das könnte sein. Dieses Mal werden wir zu den ersten gehören, die Aussteigen und uns den Mond anschauen.“

Bahz lächelte. „Das werden wir. Diesmal darf uns niemand verbieten, auf dem Mond herum zu laufen, wenn wir es wollen.“

„Und genau das werden wir machen, so lange wir es wollen.“

Dann lachten sie beide fröhlich und genossen weiter den Anflug auf den kleinen Mond.

Wer die Geschichte des ersten Besuchs auf Zahybata nachlesen möcht, Ihr findet sie hier.

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Senauris Prüfung

„Selbstverständlich ist dort nichts. Das ist die Probe“, erklärte die Dame. „Sie müssen so tun als ob.“ Als sie in der Küche verschwunden war, sah Senauri sich um. Die Gesamtsumme auf der fleckigen Rechnung des Mechanikers war demgegenüber der reinste Alptraum. Aber eines nach dem anderen, dachte sie sich.

Alle wussten, das man bei der Kommando-Prüfung mit den schwierigsten Aufgaben konfrontiert wird. Doch bei jedem ist die Prüfung anders. Mindestens seit zwei Jahren versuchen ihrer Lehrer, ihre Schwachstellen zu finden, um genau diese zu Prüfen.

Sie fragte sich, was wohl ihre Schwachstellen waren. Warum sollte sie sich vorstellen, dass sie auf Kollisionskurs mit einer Gruppe Asteroiden waren? Wäre eine Simulation da nicht besser gewesen? Warum sollte sie dafür alleine mit einem Rettungsschiff um die Sejereh herum fliegen? Sie hatte viel zu viele Fragen, über die sie nachdachte. Hoffentlich ging es bald los, dass sie sich um ihre Aufgabe kümmern konnte.

Als hätten sie ihre Gedanken gelesen, meldete sich die Funkzentrale der Sejereh: „Sejereh an RLS-3. Senauri, hörst du uns?“

Sie aktivierte den Sprechknopf. „Hier Senauri auf dem RLS-3. Ich kann euch hören. Hier ist alles bereit.“

„Hier Sejereh. Das ist gut. Die letzten Personen haben dein Rettungsschiff verlassen, du kannst dich jetzt zum Abflug vorbereiten. Deinen Kurs haben wir dir übermittelt.“

„Alles klar.“ Senauri schaute sich den Flugplan am Computer an und glich ihn mit dem Zettel, den der Mechaniker ihr gegeben hatte, ab. Der Kurs schien der gleiche zu sein. Sie wurde die Sejereh auf eine langgezogenen Ellipse umkreisen und sich am entferntesten Punkt ein paar Asteroiden einbilden. In drei Stunden wäre sie dann wieder an Bord der Sejereh und ihre Prüfung wäre vorbei. Wenn das alles war, würde sie es mit Leichtigkeit schaffen.

„Meinst du, du schaffst es, den Abflug manuell zu machen?“

Senauri bejahte. Manuell fliegen war viel besser als automatisch. So hatte sie unterwegs mehr zu tun und musste nicht so viel nachdenken.

„Dann kannst du jetzt starten.“

Senauri verriegelte die Luken und bereitete das Rettungsschiff zum Start vor. Pingelig genau arbeitete sie die Checkliste ab, die der Computer ihr zur Verfügung stellte. An zwei Stellen gab es Fehler im System, die aber nicht kritisch waren. Sie Funkfrequenzen konnte sie auch manuell auswählen und dass einer der hinteren Positionsmelder nicht richtig funktionierte, war auch zu verschmerzen. Sie meldete die beiden Fehler an die Sejereh und dort notierte man sie, um nach ihrer Rückkehr einen Mechaniker mit der Reparatur zu beauftragen.

Als sie das Schiff langsam von der Sejereh weg steuerte, dachte sie über die Flugroute nach. Wenn es echte Asteroiden wären, würde sich nicht einfach auf einer Bahn um die Sejereh kreisen sondern gezielt die Bahn der Felsen ansteuern. Aber zu ihrer Prüfung gehörte es nun man, dass sie den vorberechneten Kurs befolgte.

Eine halbe Stunde vor Erreichen des Ziels wollte sie etwas Essen und holte sich eine Dose mit eingelegtem Obst aus der Küche. Als sie die Dose öffnete, musste sie feststellen, dass die Dose ein falsches Etikett hatte. Statt eingelegtem Obst befand sich Wurst darin. Wie doof, dachte sie. Auf Wurst hatte sie keine Lust. Sie überlegte, ob sie eine andere Dose aus der Küche holen sollte, aber dann ging plötzlich ein Alarm los und eine halbe Sekunde später ging das Licht im Rettungsschiff aus.

Senauri wartete darauf, dass die Notbeleuchtung wieder an ging, doch auch nach drei Sekunden war es dunkel. Sie fluchte. Wenn es ein Problem mit dem Computer gab, hatte sie ein Problem. Vorsichtig schwebte sie im Dunkeln zum Rechnerraum, ganz langsam und vorsichtig. Zum Glück gab es wenigstens hier ein paar Kontrolllämpchen, die den Raum schwach erhellten. Sie drückte den Start-Knopf, doch nichts passierte. Sie versuchte es erneut, doch es passierte wieder nicht.

Senauri schüttelte den Kopf. Wahrscheinlich war dies ein Teil der Prüfung, vermutete sie. Ein Problem, mit dem sie nicht gerechnet hat. Was tat man bei einem Totalausfall der Technik? Als erste sollte sie wohl die Sicherung überprüfen. Sie tastete nach dem Sicherungskasten und fand ihn schließlich. Tatsächlich war die Sicherung wirklich raus. Sie legte die Sicherung wieder ein.

Der Zentralcomputer ging auch tatsächlich wieder an, doch gleichzeitig durchlief ein Zittern das Rettungsschiff und Senauri trieb langsam aus dem Rechnerraum heraus.

„Mist!“, fluchte sie. „Wer hat denn die Triebwerke mit der Hauptsicherung verbunden?“

Zum Glück konnte sie auch vom Rechnerraum aus auf den Zentralcomputer zugreifen, so dass sie die Triebwerke abstellen und die Schwerelosigkeit wiederherstellen konnte. Sie schwebte in den Gang, stieß sich ab und war kurz darauf wieder im Steuerraum. Als erstes prüfte sie ihren Kurs. Der unerwartete Schub hatte sie deutlich auf eine andere Bahn gebracht, und ohne Korrektur würde sie nicht zur Sejereh zurück kommen. Sie fragte sich erneut, ob es Absicht für ihre Prüfung war.

Sie aktivierte den Funk, doch sie konnte die Sejereh nicht erreichen. Dann fiel ihr ein, dass sie die Frequenz ja manuell wählen musste. Als sie das getan hatte, erreichte sie das Raumschiff.

„Hallo Sejereh. Bei mir war der Zentralcomputer ausgefallen und die Triebwerke haben ungeplant gefeuert.“

„Hier Sejereh. Wir haben uns schon gewundert, nichts mehr von dir zu hören.“

„Ist es Teil meiner Prüfung, dass der Rechner ausgefallen ist?“

„Warte, ich schaue mal auf den Plan… Hier auf dem Zeitplan stehen nur die Asteroiden und danach zwei weitere Punkte. Aber die kommen erst danach und die darf ich dir nicht verraten. Aber zumindest soviel kann ich sagen, das defekte Licht beim Start-Check war Teil der Prüfung.“

Senauri nickte. Das hatte sie schon vermutet.

„Die vertauschten Etiketten bei den Essensdosen auch?“

„Die hast du schon gefunden? Wir hatten damit gerechnet, dass du die erst auf dem Rückweg findest.“

„Berechnet ihr meinen Rückflugkurs oder soll ich das selber machen?“

„Ich würde sagen, du rechnest und schickst uns die Ergebnisse dann zur Prüfung. Du sollst schließlich sicher wieder hier ankommen.“

„In Ordnung.“

Senauri gab im Himmelsmechanik-Programm das Ziel Sejereh ein und wählte 20 % Schnelligkeit und 80 % wenig Treibstoffverbrauch als Randbedingungen. Sie hatte es schließlich nicht eilig. Dann ließ sie den Computer rechnen und sandte die Ergebnisse an die Sejereh, von wo sie kurz darauf bestätigt wurden.

Der neue Flugplan führte sie weiter von der Sejereh weg und dauerte fast dreißig Stunden. Doch die Geschichte von ihrem Rückweg und dem blinden Passagier, den sie dort fand, wird ein andermal erzählt.

Zur Inspiration dieser Geschichte dienten drei Sätze, die ich aus drei verschiedenen Büchern geklaut habe und am Anfang der Geschichte als Inspiration verwendet habe. Ein Satz ist aus „Dreimal Proxima Centauri und zurück“ von Myra Çakan, einer aus „Die Stille in Prag“ von Jaroslav Rudiš und der dritte ist aus „Liebe Isländer“ von Huldar Breiðfjörð.

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Hepkaale und der Drache 3

Erster Teil und vorheriger Teil.

Hepkaale und Faares waren auf der Suche nach den Seedrachen, die die nördliche Küste Sma Azirks immer wieder verheerten. Sie waren seit mehreren Stunden unterwegs, Faares auf seinem recht kleinen Pferd und Hepkaale auf einem großen Ziegenbock. Es war anstrengend für Hepkaale, den Bock zu reiten, denn ihre Beine waren zu lang, so dass sie zwischendurch immer mal wieder abstieg, um ein Stück zu Fuß zu gehen. Faares meckerte jedes Mal, aber es ging einfach nicht anders.

Die ganze Zeit über erzählte er von den Drachen und wie er, sobald er einen getötet hätte, von alle Leuten entlang der Küste verehrt werden würde. Die begeisterten Empfänge in den Orten schienen ihm wichtiger zu sein als alles andere und Hepkaale vermutete langsam, dass das Töten des Drachen nur ein Mittel zum Zweck war.

Ihr Weg führte sie an der Küste entlang Richtung Norden, denn Faares war der Meinung, dass Drachen den wilden Norden bevorzugen würden. Er begründete es damit, dass die Drachen innerlich glühen würden und daher in kälteren Regionen besser aufgehoben wären, damit sie nicht überhitzten. Hepkaale fand diese Begründung seltsam, aber da sie schon in Tenijeen beschlossen hatte, bei diesem Abenteuer nicht auf Logik zu achten, sagte sie nichts dazu.

Nach einiger Zeit kamen sie in Djuul an. Djuul war ein kleines Fischerdorf in einer geschützten Bucht. Es gab fünf Häuser und eine kleine Hafenmauer. Drei der Häuser waren Bauernhöfe, in einem war ein Laden untergebracht und das fünfte war kleiner und sah unbewohnt aus.

„Hört, liebe Leute!“, rief Faares, als sie in das Dorf ritten. „Hier kommt der Ritter Faares, um den bösen Drachen zu jagen und für Ruhe an der Küste zu sorgen!“

Er wiederholte den Ruf ein paar Mal, doch die einzige Reaktion war, dass er damit eine Gruppe Hühner aufschreckte, die mitten auf der Straße nach Körnern suchten.

„Sie scheinen alle in Angst vor dem Drachen erstarrt zu sein.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Wahrscheinlich sind sie am Arbeiten.“

Der alte Mann blickte böse zu Hepkaale. „Sie haben Angst, das ist sicher.“

Hepkaale seufzte. Sie hatte zwar beschlossen, Faares nicht zu widersprechen, so dass dieses Abenteuer möglichst bald vorüber war, aber es fiel ihr schwer. Sie hatte das Gefühl, dass Faares in einer anderen Welt wie sie lebte.

Er steuerte sein Pferd zielstrebig auf das Haus mit dem Laden zu und Hepkaale folgte ihm widerwillig. Diese ganze Abenteuer war eine einzige Fars, aber das waren ja die meisten Ausflüge mit dem Plot-Device. Sie stiegen ab und banden ihre Reittiere an die dafür vorgesehene Stange. Hepkaale gab ihrem Ziegenbock etwas zu knabbern und dann folgte sie Faares in den kleinen Laden.

Der Laden war voll mit Waren. An jeder Wand waren hohe Regale, die voll mit Nahrungsmitteln, Werkzeug, Haushaltsgegenständen und anderem Kram waren. In der Mitte standen Fässer, und als Hepkaale von einem vorsichtig den Deckel hob, sah sie, dass darin eingelegter Kohl war. Schnell machte sie das Fass wieder zu.

Hepkaale hörte, wie Faares der alten Frau erklärte, dass er ein Drachenjäger sei und dass er nach Djuul gekommen war, um sie vor den Drachen zu beschützen.

„In den letzten Jahren“, sagte die Frau, „hatten wir keinen Ärger mit Drachen. Weder hier in Djuul noch in der näheren Umgebung.“

„Die Drachen haben sicherlich geahnt, dass ich hierher kommen werde“, sagte Faares zufrieden.

Die Frau schaute zu Hepkaale und als sich ihr Blick traf, rollte Hepkaale mit den Augen. Die Frau dachte wohl das gleiche, denn sie zwinkerte Hepkaale kurz zu. Dann sagte sie: „Ihr müsst von euer Reise erschöpft sein. Kommt mir, ich führe euch in die Gaststube.“

Sie führte Faares und Hepkaale über einen Innenhof in einen Anbau des Hauses, in dem es eine Gaststube gab. Drei Frauen und zwei Männer saßen dort an einem Tisch. An einem anderen spielten ein paar Kinder ein Würfelspiel.

„Hey, Leute! Dies sind Faares, der Drachenjäger und Hepkaale, seine Adjutantin. Sie sind eben in Djuul angekommen.“

Der dickste der Männer erhob sich. „Willkommen in Djuul! Ich bin Saafela, der Ortsvorsteher.“

„Ehrenwerte Ortsvorsteher Saafela! Ich bin der Drachenjäger Faares und dies ist meine junge Adjutantin Hepkaale. Wir reisieren entlang der Küste und verkämpfigen in allen Lokalitäten die Drachen, die in den arktischen Landen eine wahre Pestilenz zu seien pflegen.“

Die anderen Besucher der Gaststube schauten ihn verwirrt an. Er sah sich zu Hepkaale um. „Übersetze es, mein Adjutant!“

Hepkaale räusperte sich. „Er will sagen, dass wir Ritter sind und Drachen jagen und dabei Richtung Norden reisen.“

„Ah, das verstehe ich“, sagte eine der älteren Frauen.

„Ritter!“ rief eines der Kinder. „In einer Rüstung!“

Alle Kinder rannten zu Faares hin. „Eine echte Rüstung!“ Sie fassten seine Rüstung an. Faares genoss es offensichtlich, dass er im Zentrum der Aufmerksamkeit stand.

„Wo ist euer Pferd!“, fragte eines der Kinder Hepkaale.

„Sein Pferd steht draußen. Wenn du möchtest, zeige ich es dir!“

„Au ja! Ein Ritterpferd!“

„Faares“, wandte sich Hepkaale an den Ritter. „Ich zeige diesen Kindern das Pferd!“

Mittlerweile standen auch die Erwachsenen bei Faares und stellten ihm Fragen, die er in seiner gestelzten Sprache, die er nur mit Bauern sprach, beantwortete. Mit der Hand gab er Hepkaale ein Zeichen, dass er verstanden hätte.

Hepkaale und die Kinder gingen durch den Laden nach draußen und Hepkaale zeigte den Kindern das Pferd, das mit einem Sattel und einer bunten Decke bedeckt war.

„Und welches ist dein Pferd?“

Hepkaale zeigte auf den Ziegenbock und sagte: „Ich bin Adjutantin. Ich muss noch auf diesem Bock reiten.“

Alle Kinder bestaunten nun den Ziegenbock.

„Wie reitest du darauf? Er hat ja gar keinen Sattel!“

„Ich bin Adjutantin. Ritter Faares sagt, ich muss mir meine Ausrüstung erst verdienen.“

„Aber du brauchst einen Sattel“, widersprach ein junges Mädchen. „Ohne Sattel bist du kein richtiger Ritter.“

Hepkaale lächelte verlegen. „So ist das eben.“

„Ich frage mal meine Mutter nach einem Sattel!“ Das Mädchen lief in den Laden zurück. Sekunden später kam es wieder, die Verkäuferin im Schlepptau.

„Mama! Sie braucht unbedingt einen Sattel, wenn sie Ritterin ist. Wenn ich einmal groß bin und Ritter werde, brauche ich auch einen.“

Die Frau wandte sich an Hepkaale. „Sie behauptet, du würdest einen Ziegenbock reiten und hättest nicht mal einen Sattel?“

Hepkaale nickte. „Stimmt. Ich habe es mir nicht ausgesucht, mit Faares zusammen unterwegs zu sein.“

„Wie kam es dazu?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Das kann ich nicht sagen. Aber ich kann erst nach Hause, wenn ich diese Aufgabe erledigt habe.“

Die Frau musterte Hepkaale prüfend. Dann sagte sie: „Nun gut. Wir haben zwar keinen Sattel, der auf eine Ziege passt, aber ich schaue mal, was ich finden kann für dich.“

Sie ging zurück in den Laden und kramte dort in verschiedenen Kisten, während Hepkaale weitere Fragen der Kinder beantwortete.

Nach ein paar Minuten kam die Frau wieder raus.

„Das ist das einzige, was ich gefunden habe. Ein großes Blatt Norderkohl. Nicht unbedingt der beste Sattel, aber es sollte stabil genug sein.“

Sie legte das ledrige Kohlblatt, das mindestens einen halben Meter breit war, über die Ziege und band es an ihrem Bauch mit einem Bindfaden zusammen. „So, das sollte die nächsten Tage halten.“

„Vielen Dank, liebe Frau! Es wird sowohl mir als auch der Ziege sicherlich helfen.“

Nächster Teil.

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