Hepkaale und der Alkoholmangel 5

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Erster Teil, vierter Teil.

Das Summen und Brummen des Plot-Devices wurde leiser und erstarb dann ganz. Hepkaale hoffte nur, dass sie nicht wieder irgendwo mitten in einer Katastrophe landen würde. Es war warm und regnete nicht, das war schon mal ein guter Anfang. Die Luft roch würzig mit einer leicht salzigen Note. Der leichte Wind fühlte sich angenehm an. Ein leises Rauschen war zu hören und als sie die Augen öffnete, sah sie, wie sich die Sonne im Meer vor ihr spiegelte.

Sie schaute sich um. Hinter ihr war ein Ort, zu dem eine Landungsbrücke gehörte, die weit ins Meer hinaus ragte. Mehrere kleine Schiffe waren an ihr vertäut. Meeresvögel kreisten über dem Steg und stießen gelegentlich hernieder. Ein paar einzelne Wolken zogen am Himmel dahin. Mehrere Fischer waren mit dem Ausladen ihres Fangs beschäftigt und vor einem der Häuser stand eine Gruppe aus drei Frauen und zwei Männern und unterhielt sich.

Hepkaale ging auf die Gruppe zu und rief: „Hallo!“

Die fünf Personen drehten sich zu ihr um.

„Hallo! Wer bist du?“

„Wo kommst du her?“

„Wo willst du hin?“

Hepkaale ging weiter auf die Leute zu. „Ich bin Hepkaale aus Tirüplet und soll nach Kohlbrand suchen.“

Die fünf schauten sie fragend an.

„Die Hepkaale aus den Legenden?“

Hepkaale nickte. Sie hatte es schon oft genug erlebt, dass die Leute schon Legenden über sie und das Plot-Device gehört hatten.

„Was ist Kohlbrand?“, fragte der jüngere der Männer.

„Ein Schnaps, der aus Kohl gebrannt wird“, erklärte eine der Frauen.

„Ein ziemlich übel schmeckendes Zeug“, ergänzte Hepkaale.

„Ich habe es vor ein paar Jahren in Merülaah mal probieren müssen. Glaubt mir, es gibt nicht viel ekligeres.“

Der junge Mann, der recht niedlich aussah, wie Hepkaale feststellte, sah sie an. „Warum suchst du Kohlbrand, wenn er so eklig ist?“

Hepkaale erzählte die Geschichte von ihrem Bürgermeister und warum er unbedingt Kohlbrand haben wollte.

„Aber was machst du dann bei uns?“, wollte der junge Mann wissen.

„Das Plot-Device hat mich hierher geschickt.“

Der junge Mann schaute zu den anderen und sagte dann: „Aber bei uns gibt es keinen Kohlbrand.“

Hepkaale nickte. „Das hatte ich schon befürchtet. Aber wahrscheinlich habt ihr ein anderes Problem, wegen dem mich das Plot-Device hierher geschickt hat.“

„Was für ein Problem sollte das sein“, fragte eine der jungen Frauen.

Die anderen schauten sich fragen an und zuckten mit den Schultern. „Ich wüsste nicht, bei welchem Problem wir Hilfe brauchen könnten.“

Hepkaale schaute die anderen ungläubig an. „Ihr habt kein Problem?“

Die anderen schüttelten den Kopf.

„Kein Problem“, sagte der junge Mann. „Du kannst ja einfach die freie Zeit hier genießen. Möchtest du was essen oder trinken?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich habe gerade erst gegessen, vielen Dank.“

„Dann komm, ich zeige dir die schönsten Stellen von Taruulaar.“

Er ergriff Hepkaales Hand und zog sie mit sich.

***

Der Ort war nicht sehr groß, zwanzig oder dreißig Häuser, aber es gab eine kleine Schule mit Bibliothek, einen Bäcker und zwei kleine Läden sowie eine Destillerie, deren Besitzer aber nie im Leben freiwillig Kohlbrand hergestellt hätte.

Das unbestrittene Zentrum des Ortes war die Seebrücke, an der die Fischerboote anlegten und die Meerestiere entluden, die die Basis der Nahrungsversorgung des Ortes waren. Hepkaale musste mehrere Spezialitäten probieren, die teilweise seltsam und teilweise lecker waren.

Anschließend führte ihr Begleiter, der Taalij hieß, sie zu den schönsten Stellen in der Umgebung des Ortes. Es gab große, alte Bäume und steile Klippen und Hügel, von denen aus man einen wunderbaren Blick über das Meer hatte. Am einer Stelle gab es in den Klippen zum Meer hin eine kleine Höhle, in deren Eingang sie eine Pause machten.

„Es ist schön hier“, sagte Hepkaale.

Taalij nickte. „Das ist es. Manchmal ist es anstrengend, in Taruulaar zu leben, denn der Ort ist schon sehr abgelegen, aber es ist auch schön.“

„Mit Tiruplet ist es ähnlich“, sagte Hepkaale. „Schön, aber einsam. Es ist schön, dass es auf Sma Azirk tatsächlich Orte gibt, die keine Probleme haben.“

Taalij schaute sie an und lächelte. Wenn er so lächelte, sah er einfach zum Anbeißen aus, fand Hepkaale. Ob er sie wohl auch attraktiv fand? Vielleicht dauerte es ja noch eine Weile, bis das Plot-Device sie weiter schickte.

Taalij erzählte ihr von seinem Leben in Taruulaar und wie anstrengend es war, wenn man als Fischer arbeitete und gleichzeitig den Eltern auf dem Hof helfen musste. Hepkaale war froh, dass sie zu Hause nur den Hof hatten, das war schon Arbeit genug.

Er fragte sie über ihre Familie aus und sie erzählte von ihren Geschwistern und ihren Eltern. Insbesondere über Sibüü schien er schon viel zu wissen, auch wenn nicht alles stimmte, was in den Legenden über ihre Lieblingsschwester erzählt wurde.

Als ein paar Wolken vor der Sonne vorbeizogen, wurde es kühler und sie kuschelte sich an ihn an. Sie genoss die ruhige Zeit, in der sie einfach nur neben ihm saß, und sie beiden sich von ihrem Leben erzählten. Er legte seinen Arm um sie und sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter, während sie auf das Meer hinaus schauten und die Wolken beim Ziehen beobachteten.

Hepkaale fragte sich, wann sie das letzte Mal einen so schönen Nachmittag verbracht hatte. Friedliche Ruhe, ein hübscher Mann, an den sie sich anlehnen konnte und dazu ein kleines Picknick und keine Aufgaben, die auf sie warteten. Seit ihrer Kindheit hatte sich nicht mehr so einen schönen Nachmittag verbracht, vermutete sie.

Sie schaute ihn an und sie kamen sich näher. Würden sie sich küssen? Sie hob ihren Kopf ein wenig und dann berührten sich ihre Lippen. Es war wie ein Traum, ein wunderbarer Traum. Seine Lippen auf ihren, ihre Zungen, die sich berührten. Hepkaale war glücklich wie lange nicht mehr.

Doch dann dachte sie an das Plot-Device und wich von ihm zurück. „Du weißt, dass ich jederzeit verschwinden könnte, oder?“

Taalij nickte. „Das Plot-Device. Ein Grund mehr, keine Minuten zu verschwenden.“

Er zog ihren Kopf zu sich heran und sie erwiderte seinen Kuss.

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Hepkaale und der Alkoholmangel 4

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Erster Teil, dritter Teil.

Das Plot-Device summte und brummte, und als Hepkaale ihre Augen wieder öffnete, stand sie auf einem Weg. Vor ihr lag ein bewaldetes Tal, an deren linken Rand eine kleine Stadt war, zu der der Weg hinführte. Wahrscheinlich der nächste Ort, zu dem das Plot-Device sie schickte.

Wenigstens regnete es hier nicht, was ja schon mal ein Fortschritt war. Die Wolken sahen jedoch aus, als könnte es jederzeit beginnen. Schnell machte sie sich auf den Weg, um in der Stadt anzukommen, bevor es zu spät war, wo doch ihre Kleidung gerade erst trocken geworden war. Hoffentlich würde sie es schaffen.

Als die ersten Tropfen fielen, hatte sie gerade den Stadtrand erreicht. Der Regen wurde schnell stärker und Hepkaale flüchtete sich in einen Bäckerladen.

„Hallo, junge Fremde“, begrüßte sie eine ältere Verkäuferin. „Womit kann ich dienen?“

Ihr Akzent klang ungewohnt, aber das sagte ihr nur, dass sie nicht in der Nähe Tirüplets war.

„Ich soll nach Kohlbrand suchen.“

„Kohlbrand?“, fragte die Frau verdutzt. Dann schüttelte sie den Kopf. „So jung und schon so verzweifelt…“

Hepkaale lachte. „Ich will das Zeug ja nicht trinken.“ Dann erzählte sie der Frau die Geschichte, warum sie nach Kohlbrand suchte.

„Euer Bürgermeister hat einen Vogel, wenn er der Meinung ist, dass irgendwer sich über Kohlbrand freut.“

Hepkaale nickte. „Das ist mir auch klar. Aber dummerweise bin ich diejenige, die losgeschickt wurde, um Kohlbrand zu besorgen. Bevor ich keinen habe, werde ich wahrscheinlich nicht nach Hause zurückkehren können.“

Die Verkäuferin schaute Hepkaale mitleidig an. „Das ist eine gemeine Strafe. Was hast du verbrochen?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Nichts. Ich habe nur ein Plot-Device und deswegen muss ich immer die unmöglichsten Probleme lösen.“

„Du bist also wirklich die Hepkaale auf den Geschichten? Die mit dem Plot-Device?“

Hepkaale nickte. „Ja, leider. Deswegen lande ich ja auch ständig irgendwo, wo es Probleme gibt.“

„Heißt das, wir haben Probleme?“

„Habt ihr keine?“

Die Frau schüttelte den Kopf. „Eigentlich geht es uns ganz gut. Klar, die Bauern meckern immer über das Wetter, aber da der eine Regen und der andere Sonnenschein will, kann man das ignorieren, finde ich. Davon abgesehen haben wir soweit ich weiß keine Probleme.“

„Das wäre ja mal eine positive Überraschung“, sagte Hepkaale.

Die Frau nickte. „Ist doch auch mal schön. Möchtest du was essen?“

Hepkaale nickte. Wer weiß, wo das Plot-Device sie als nächstes hinschicken würde. „Gerne.“

Die Verkäuferin reichte Hepkaale ein belegtes Brötchen mit Käse und Salat.

„Würde es dich stören, wenn ich meine Nichte herhole? Sie ist ein großer Fan deiner Geschichten und würde dich sicherlich gerne selber kennen lernen.“

Hepkaale lächelte. „Mach ruhig. Ich habe allerdings keine Ahnung, wann das Plot-Device der Meinung ist, dass ich weiterreisen sollte.“

„Also stimmen die Geschichten über dich in diesem Punkt.“

Hepkaale nickte. „Leider ja.“

Die Frau verließ den Verkaufsraum nach hinten und Hepkaale setzte sich mit ihrem Brötchen an einen der Holztische. Das Brötchen war gut und Hepkaale schaute aus dem Fenster auf die regennasse Straße und genoss es, zur Abwechslung mal von einem trockenen Ort aus zusehen zu können.

Kurz darauf kam die Frau mit ihrer Nichte im Schlepptau wieder. „Das ist Raaka, meine Nichte.“

„Hallo Raaka, ich bin Hepkaale aus Tirüplet.“

„Hallo! Bist du wirklich die Hepkaale?“

Hepkaale lächelte. „Ich weiß nicht, ob ich die Hepkaale bin, aber ich habe ein Plot-Device.“

„Wirklich? Das ist ja toll. Ich finde deine Geschichten toll. Vor allem die, wo du mit den Meerschweinchen kämpfst…“

Hepkaale stöhnte. „Erinner mich nicht daran. Die Viecher waren echt gruselig.“

„Aber du warst großartig mit der Heugabel.“

Hepkaale seufzte. „Ich fand es schrecklich. Es war voll schmierig und anstrengend.“

„Er zähl mal, wie es wirklich war“, sagte die Frau. „Wir kennen ja nur die Geschichte, die man sich erzählt.“

Hepkaale nickte. „Das kann ich machen.“ Und so erzählte Hepkaale in aller Ruhe die Geschichte, wie sie mit den Monstermeerschweinchen gekämpft hatte. Dazu aßen sie Kuchen und tranken Tee, den die Frau gekocht hatte.

Hier geht es zum fünften Teil.

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Hepkaale und der Alkoholmangel 3

Erster Teil, zweiter Teil.

Das Summen und Brummen des Plot-Devices ließ nach. Es regnete. Hepkaale überlegte, ob sie ihre Augen öffnen oder lieber geschlossen lassen sollte. Sie wollte gar nicht wissen, in welche absonderliche Situation das Plot-Device sie schon wieder gebracht hatte. Warum ließ sie sich nur immer von Sibüü dazu überreden, das Plot-Device zu benutzen?

Der Regen fiel weiter auf sie. Sie seufzte. Dann öffnete sie ihre Augen und schaute sich um. Sie stand in einem dichten Wald. Große Bäume, die Kronen im Dunst des Nebels weichgezeichnet. Der Regen schien Wasser zu sein, das an den Blättern der Bäume kondensierte und dann auf sie herab tropfte. Sehr große Regentropfen.

Sie befand sich in einem Tal, rechts und links von ihr stieg das Land an, vor ihr fiel es sanft ab. Links von ihr floss ein kleiner Bach Richtung Tal. Hepkaale fragte sich, wo sie hier Kohlbrand finden sollte. Es sah so aus, als wäre noch nie ein Mensch in diesem Tal gewesen und als würde auch niemand einen Grund haben, jemals hierher zu kommen. Was wollte das Plot-Device schon wieder von ihr?

Sie überlegte, ob sie dem Tal folgen sollte oder ob es besser wäre, nach oben zu gehen. Normalerweise hätte sie sich für oben entschieden, denn von Bergen aus sah man einfach mehr, aber in diesem Fall war sie sich nicht sicher, denn der Wald war zu dicht, um durch ihn hindurch sehen zu können. Zum Glück gab es wenigstens nicht so viel Unterholz, so dass sie gut durchkommen würde, egal wohin sie sich wand.

Sie ging einen Schritt auf den Bach zu, doch als ihre Füße im weichen, schlammigen Waldboden einsanken, entschied sie, lieber nicht dem Bach zu folgen. Sie konnte sich noch zu gut an einen anderen Ausflug mit dem Plot-Device erinnern, bei dem sie bis zu den Knien im Schlamm versunken war. Darauf hatte sie keine Lust.

Als Hepkaale den Bergkamm erreicht hatte, sah sie nur weiteren Wald in alle Richtungen und es regnete noch immer. Sie überlegte, ob sie sich einfach hinsetzen und abwarten sollte, aber bei dem Wetter würde das keinen Spaß machen. Von dem Tal weg schien der Wald ebener zu sein, wahrscheinlich eine Art Hochplateau oder ähnliches. Wenn doch nur der blöde Regen aufhören würde.

Hepkaale setzte sich wieder in Bewegung und ging immer in die Richtung, die ihr am einfachsten erschien. Wahrscheinlich würde sie unabhängig davon, in welche Richtung sie ging, irgendwann bei einer Katastrophe landen, bei der sie helfen musste. Das war nun mal die Art der Plot-Devices.

***

Zwei Stunden marschierte Hepkaale durch den Wald, bis sie schließlich auf einen Weg stieß, der sie ein paar Stunden später zu einem einsamen Hof führt. Sie klopfte und eine alte Frau öffnete die Tür.

„Hallo! Ich bin Hepkaale aus Tirüplet und würde mich gerne bei Ihnen aufwärmen.“

„Hepkaale? Komischer Name. Naja, komm rein.“

Das Haus bestand nur aus einem großen Raum, der gleichzeitig Küche, Schlafzimmer, Stube und Werkstatt zu sein schien. Offensichtlich waren es sehr arme Leute, die hier wohnten, was Hepkaale nicht überraschte, denn reiche Leute würden nicht so abgelegen im Wald wohnen wollen.

„Möchtest du einen heißen Tee?“

Hepkaale nickte. „Das wäre sehr nett von Ihnen.“

Kurz darauf schlürfte Hepkaale heißen Tee.

„Wohnen Sie alleine hier?“

Die Frau schüttelte den Kopf. „Die anderen sind alle arbeiten. Das Leben hier draußen ist hart.“

Hepkaale nickte. „Wem sagen sie das. Tirüplet ist auch sehr abgelegen.“

„Dafür ist es bekannt. Ist das Leben bei euch wirklich so wie in den Geschichten?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Die meisten Geschichten sind übertrieben. Wir müssen hart arbeiten und das Schicksal wirft und immer wieder Stöcke zwischen die Beine.“

Die alte Frau seufzte. „Manchmal frage ich mich, ob die Menschen nicht lieber auf der Erde geblieben wären anstatt nach Amel zu reisen. Das Leben dort muss wunderbar gewesen sein.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Das glaube ich nicht. Die hatten bestimmt auch ihre Probleme.“

„Meinst du?“

Hepkaale nickte. „Ich bin schon ziemlich weit rumgekommen, und egal, wo man hinkommt, wenn Menschen in der Nähe sind, gibt es Probleme. Immer! Das scheint mir ein Naturgesetz zu sein.“

„Dann stimmt es also, dass du immer dort auftauchst, wo es Probleme gibt?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich glaube eher, dass die Leute ihre Probleme gerne auf mich abwälzen, weil sie sie dann nicht selber lösen müssen.“

Die alte Frau trank einen Schluck Tee. „Meinst du, wir werden dich auch bitten, unsere Probleme zu lösen?“

„Bestimmt. Es wäre zu schön, wenn dem nicht so wäre.“

Die alte Frau lachte. „Bisher sind wir ohne dich eigentlich ganz gut klargekommen. Ich hoffe, dass wir das auch weiterhin schaffen.“

„Das hoffe ich. Ich habe nämlich überhaupt keine Lust mehr, die Probleme anderer Leute zu lösen.“

Der alte Frau schaute Hepkaale neugierig an. „Warum bist du hier?“

Hepkaale seufzte. „Ich soll Kohlbrand besorgen. Unser Bürgermeister möchte dem Bürgermeister von Zelekaah welchen schenken.“

„Kohlbrand?“, fragte die alte Frau ungläubig. „Wollt ihr Zelekaah den Krieg erklären?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Angeblich soll der Bürgermeister das Zeug mögen.“

Die alte Frau schüttelte den Kopf. „Das kann ich mir nicht vorstellen. Warum sollte irgendwer dieses Zeug freiwillig trinken?“

„Das frage ich mich auch.“

„Vielleicht solltest du eurem Bürgermeister sagen, das er einen Vogel hat.“

Hepkaale grinste böse. „Das wäre wohl das richtige.“

Die alte Frau lachte. „Hier in der Gegend gibt es definitiv keinen Kohlbrand, das kann ich dir versprechen.“

Hepkaale seufzte erleichtert. „Dann ist ja gut.“

„Da du hier also nichts zu tun hast, kannst du ja deinen Aufenthalt hier genießen und mir Gesellschaft leisten.“

Hepkaale nickte. „Das klingt gut. Der Tee ist lecker, es regnet nicht rein und ist schön warm hier. Da bleibe ich doch gerne noch eine Weile.“

Die nächsten drei Stunden saßen die beiden Frauen am Tisch, tranken Tee, aßen Kuchen und unterhielten sich über alles mögliche.

Teil 4 ist hier.

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Hepkaale und der Alkoholmangel 2

hepkaale_headerTeil 1 ist hier.

Hepkaale saß zusammen mit Sibüü in der Küche und schälte Kartoffeln.

„Warum wolltest du dem Bürgermeister nicht helfen?“, fragte Sibüü ihre große Schwester.

„Du willst doch nur, dass ich das Plot Device benutze und dich mitnehme.“

Sibüü schaute nach unten und murmelte: „Gar nicht.“

„Außerdem finde ich es unsinnig, das Plot-Device zu benutzen, weil unser Bürgermeister keinen Alkohol mehr hat. Das Plot-Device sollte nur bei wirklich schlimmen Dingen benutzt werden oder am Besten gar nicht.“

Hepkaale pfefferte eine geschälte Kartoffel in den Topf. „Das Plot-Device bringt ja doch nur Ärger.“

Sibüü wollte etwas sagen, aber nach einem Blick auf ihre große Schwester ließ sie es bleiben.

Es vergingen ein paar Minuten, in denen sie schweigend Kartoffeln schälten und jeweils ihren Gedanken nachhingen. Dann fragte Sibüü plötzlich:

„Sag mal, Hepkaale, warum glaubst du, dass es nicht schlimm ist, wenn es keinen Kohlbrand gibt?“

Hepkaale überlegte. Dann sagte sie: „Zelekaah ist drei Tagesreisen von uns entfernt. Was sollen sie machen? Selbst wenn sie ihre fünf Polizisten nach Tirüplet schicken würden, wären sie so alleine, dass sie gegen alle Bewohner Tirüplets nichts ausrichten könnten.“

„Was anderes können sie nicht machen?“

„Sie können keinen Kohl mehr von uns kaufen. Aber da sie den meisten Kohl weiterverkaufen und gut daran verdienen, werden sie das nicht machen. Außerdem können wir unseren Kohl ja auch nach Maalfuf verkaufen, soviel weiter als Zelekaah ist der Ort auch nicht entfernt.“

Sibüü unterbrach ihre Arbeit und schaute Hepkaale an. „Warum will der Bürgermeister dann überhaupt Kohlbrand haben? Wäre es dann nicht völlig egal, was Zelekaah von uns hält?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Es ist für uns viel einfacher, wenn wir unseren Kohl über Zelekaah verkaufen. Wir müssen uns das Leben nicht unnötig schwer machen. Aber um den Bürgermeister von Zelekaah freundlich zu stimmen, könnten wir ihm auch etwas anderes schenken.“

Sibüü nahm die nächste Kartoffel und schälte sie. „Dein Problem ist also, dass der Bürgermeister ausgerechnet Kohlbrand verschenken will. Warum?“

„Wenn du das Zeug jemals probiert hättest, wüsstest du, was ich meine.“

Hepkaale verzog angewidert das Gesicht, als sie an den Geschmack dachte. „Ich verstehen nicht, warum irgendwer das Zeug trinken will. Wenn ich der Bürgermeister von Zelekaah wäre, würde ich mich von so einem Geschenk beleidigt fühlen.“

Hepkaale nahm die nächste Kartoffel.

„Aber er mag den Geschmack doch, oder nicht?“

Hepkaale nickte. Dann fügte sie hinzu: „Aber das zeigt nur, dass es einen schrecklichen Geschmack hat.“

„Du könntest doch unserem Bürgermeister trotzdem helfen.“

„Niemals! Nicht für Kohlschnaps!“, sagte Hepkaale heftig.

Sibüü zuckte zusammen. „Aber Hepkaale“, sagte Sibüü, „so war das doch nicht gemeint. Ich dachte nur, wenn du dem Bürgermeister hilfst, dann wird es uns vielleicht auch mal helfen.“

Hepkaale lachte sarkastisch. „Der wird uns nur helfen, wenn er mich überreden will, das Plot-Device für ihn zu benutzen.“

„Aber das versucht er ja.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich werde davon wieder nur Ärger haben.“

Sibüü schaute Hepkaale lächelnd an: „Und eine kleine Schwester, die sehr stolz auf dich ist.“

„Das wird dir nichts nützen, ich werde das Plot-Device nicht wegen Kohlbrand nutzen.“

„Was wäre, wenn der Bürgermeister uns für die Benutzung des Plot-Devices zwei Ziegen schenken würde?“

„Zwei Ziegen… hmm… wenn es zwei Schafe wären, könnten wir drüber reden…“

„Siehst du! Darum musst du den Bürgermeister bitten“, sagte Sibüü grinsend.

„Vergiss es. Ich werde ihn um nichts bitten, das ist eine Idee, auf die er von alleine kommen muss.“

Sibüü murmelte irgend etwas, das Hepkaale nicht verstand.

***

Als sie eine Stunde später beim Mittagessen saßen., klopfte es an der Tür. Hepkaales Vater öffnete. Es war der Bürgermeister.

„Hallo Herr Bürgermeister, war können wir für Sie tun?“

„Hallo! Ich wollte mit ihrer Hepkaale sprechen.“ Er schaut zur am Tisch versammelten Familie.

„Ich wollte nochmal nachfragen, ob du wegen dem Kohlbrand etwas unternimmst.“

Hepkaale schüttelte den Kopf.

„Du musst es auch nicht umsonst machen. Als Anerkennung würde ich dir zwei Schafe vermachen.“

„Drei Schafe!“, sagte Hepkaale und verschränkte die Arme. Darauf folgte das unvermeidliche Feilschen und am Ende einigten sie sich auf zwei Schafe und ein Lamm. Dafür sollte Hepkaale bis zum Abend das Geschenk für den Bürgermeister aus Zelekaah besorgen.

„Sehr gut“, freute sich Sibbü. „Wann fangen wir an?“

Hepkaale schaute ihre Lieblingsschwester streng an. „WIR machen gar nicht. Du wirst schön hierbleiben und helfen.“

„Aber Hepkaale! Ich will doch mit!“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Nein! Wenn ich mich schon auf so eine gefährliche Reise begeben muss, dann musst du für mich heute Nachmittag helfen. Ich werde Mutter fragen, ob du vorbildlich warst!“

Sibüü zog einen Schmollmund. „Das ist unfair!“

„Dass du mich schon wieder überredet hast, das ist unfair“, konterte Hepkaale, stand auf und ging in die Werkstatt, wo ihr Plot-Device stand.

Hier ist Teil 3.

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Hepkaale und der Alkoholmangel

hepkaale_headerJemand donnerte mit der Faust an die Tür.

„Hepkaale! Schnell! Mach auf, es ist dringend!“

Dann wurde wieder gegen die Tür gehämmert. Hepkaales Geschwister schienen sich über diese Abwechslung zu freuen, aber Hepkaale war nicht erfreut. Wie sollten sie jemals unter ihrer Aufsicht mit ihren Hausaufgaben fertig werden, wenn ständig jemand kam und sie unterbrach? Sahen die anderen nicht ein, wie wichtig es war, dass sie in der Schule etwas lernten?

Als das Hämmern an der Tür nicht aufhörte, stand Hepkaale auf und öffnete. Es war der Sohn des Bürgermeisters. Er sah aus, als wäre etwas sehr schreckliches passiert. Oder vielleicht mehr, als würde etwas sehr schreckliches demnächst passieren, dachte sich Hepkaale.

„Schnell, Hepkaale, du musst uns helfen. Ganz Tirüplet ist in Gefahr!“

„Warum ich?“ Das war eine Frage, über die Hepkaale schon öfter nachgedacht hatte. Warum kamen immer alle mit ihren Problemen zu ihr und lösten sie nicht selber? In anderen Orten, in denen sie nicht wohnte, konnten die Leute ihre Probleme doch auch selber lösen.

„Beeil dich!“, sagte der junge Mann stattdessen, ergriff ihre Hand und zog sie hinter sich her.

Als sie auf die Straße kamen, fluchte Hepkaale. Es regnete. Die halbe Straße war voller Pfützen und sie hatte weder einen Regenschirm noch wasserdichte Stiefel an. Sie hatte nicht einmal richtige Schuhe an sondern nur ihre Hauspantoffeln. Wie hätte sie auch ahnen können, dass sie entführt wurde, während sie darauf aufpasste, dass ihre jüngeren Geschwister ihre Hausaufgaben machten?

Als sie beim Haus des Bürgermeisters ankamen, war Hepkaale von oben bis unten nass. Sie hoffte nur, dass es wenigstens ein richtiger Notfall war und sie nicht gerufen worden war, weil die Katze des Bürgermeisters mal wieder unter einen Schrank gekrochen war und jetzt dort fest steckte.

Die Haushälterin des Bürgermeisters öffnete ihnen die Tür und als sie sah, wie nass Hepkaale war, reichte sie ihr ein trockenes Handtuch.

Hepkaale trocknete sich die nassen Haare ab. Als sie fertig war und sich umschaute, stand sie alleine im Flur. Sowohl der Sohn des Bürgermeisters als auch die Haushälterin hatten sie alleine gelassen. Hepkaale fragte sich, ob es in Wirklichkeit überhaupt kein Problem gab und sich heute nur alle gegen sie verschworen hatten, um einen schlechten Tag noch schlechter zu machen. Wahrscheinlich hatten ihre Geschwister in der Zwischenzeit schon die halbe Wohnung auf den Kopf gestellt, während sie hier sinnlos im Flur des Bürgermeisters stand.

Schließlich kam die Haushälterin wieder. Sie gab Hepkaale eine Tasse heißen, dampfenden Tee. „Hier, damit du dich aufwärmen kannst.“

Dankbar nahm Hepkaale sie an. Vorsichtig trank sie einen Schluck. Als sie gerade merkte, wie die Wärme ihren Magen erreichte, kam der Sohn des Bürgermeisters zurück, seinen Vater im Schlepptau.

„Hepkaale! Wie gut, dass du Zeit hast. Wir brauchen ganz dringend deine Hilfe.“

„Nun, dass ich Zeit habe, ist übertrieben…“, begann Hepkaale, doch der Bürgermeister unterbrach sie. „Ich weiß ja, dass du unserem Dorf sehr gerne hilfst und dir dafür die nötige Zeit nimmst, auch wenn du sie nicht hast. Und zwar haben wir folgendes Problem.“

Der Bürgermeister erzählte ihr, dass Tirüplet ja nur ein kleiner Ort sei und dass der Ort Zelekaah viel mächtiger sei. Daher müsse Tirüplet darauf achten, Zelekaah und insbesondere den zugegebenermaßen etwas arroganten Bürgermeister immer zufrieden zu stellen. Er erklärte lang und breit, was die Ursache für diese Probleme seiner Meinung nach war und warum man das nicht ändern konnte. Mehrfach musste Hepkaale ein Gähnen unterdrücken. Als ihre Teetasse leer war, stand die Haushälterin zum Glück schon mit der Kanne bereit, um Hepkaales Tasse nachzufüllen.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis der Bürgermeister ihr erklärt hatte, dass der Bürgermeister von Zelekaah zu Besuch kam, auf Kohlbrand stand und dass es in Tirüplet keinen Kohlschnaps mehr gab.

„Du hast mich hierher zitiert, nur damit ich Kohlbrand besorge?“

Der Bürgermeister nickte. „Ich bin wirklich verzweifelt. Tirüplet ist der einzige Ort auf der Welt, wo Kohlschnaps gebrannt wird und er steht nun mal auf das Zeug.“

Hepkaale verzog angewidert das Gesicht. „Bei dem Geschmack von dem Zeug wundert es mich nicht, dass niemand sonst so verzweifelt ist, aus Kohl Schnaps herzustellen.“

Der Bürgermeister sah sie entrüstet an: „Aber Hepkaale. Du musst doch stolz auf die Erzeugnisse Tirüplets sein.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Doch nicht auf Kohlbrand. Man sollte ihn verbieten.“

„Doch, Hepkaale, Kohlbrand ist für Tirüplet wichtig. Und genau deswegen wirst du uns welchen besorgen.“

„Aber woher? Wenn es in Tirüplet keinen Kohlbrand gibt, dass gibt es keinen.“

Jemand klopfte an der Tür und der Bürgermeister und Hepkaale waren abgelenkt. Die Haushälterin öffnete die Tür. Es war Sibüü, die vor der Tür stand.

„Was willst du hier?“, fragt Hepkaale überrascht.

„Mutter sagt, ich soll schauen, wo du abgeblieben bist.“

Hepkaale schaute ihre Schwester streng an. „Habt ihr ihr nicht gesagt, dass der Bürgermeister mich sprechen wollte?“

Sibüü nickte. „Das haben wir, aber sie wollte uns nicht glauben. Du sollst nach Hause kommen und Kartoffeln schälen.“

Hepkaale sah triumphierend zum Bürgermeister. „Da haben Sie es. Ich werde anderswo dringender gebraucht als bei ihnen. Wünsche noch einen schönen Tag!“

Hepkaale drehte sich um, ging zur Tür und schob Sibüü vor sich her in den Regen.

„Aber Hepkaale…“ rief ihr der Bürgermeister hinterher, doch sie reagierte nicht darauf.

Teil 2 findet ihr hier.

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Wie der Hund Galp mit den Pinguinen Freundschaft schloss

Wie der Hund Galp mit den Pinguinen Freundschaft schloss

„Großmutter Fadati, erzähl uns eine Geschichte.“

Großmutter Fadati schaute die Kinder ein. „Eine Geschichte… Hm, was wollt ihr denn für eine Geschichte hören?“

Die Kinder, die um Fadati herum saßen, schrien alle durcheinander.

„Etwas spannendes!“

„Action!“

„Mit niedlichen Tieren!“

„Was lustiges!“

Großmutter Fadati überlegte, welche Geschichte sie den Kindern erzählen sollte. Dann hatte sie eine Idee: „Hab ich euch schon mal erzählt, wie mein Hund Galp mit den Pinguinen Freundschaft geschlossen hat?“

„Nein!“

„Erzähl!“

„Ja, erzähl bitte!“

Großmutter Fadati lächelte. „Dann passt mal gut auf:

Es war, als ich ungefähr so alt wie ihr war. Da hatte der Hund von einer Freundin meiner Mutter gerade neue Welpen bekommen. Ich bettelte bei meiner Mutter so lange, bis ich einen von den Welpen als Haustier bekam.

Ich nannte meinen Hund Galp. Sie war echt niedlich, noch ganz klein und tollpatschig. Sie war neugierig, hatte aber vor allem neuen auch Angst und hat sich dann immer auf meine Füße gesetzt, wenn sie Angst hatte. Aber trotzdem wollte sie immer alle mitbekommen und es sah immer sehr lustig aus, wenn sie auf meinen Füßen saß und den Kopf reckte, um mehr sehen zu können.

Eines Tages, als sie vielleicht fünf Monate alt war, ging ich mit ihr ins Meeresmodul. Wir hatten Glück, denn es schneite gerade. Es dauerte ein paar Minuten, bis sie die Angst vor den Schneeflocken verlor, aber dann tollte sie wild herum und versuchte, die Schneeflocken zu fangen. Es war ziemlich lustig, wie sie immer wieder den Flocken entgegen sprang und wie sie auf dem Eis ausrutschte und sich dann wieder aufrappelte.

Sie wurde immer mutiger und lief weiter rum. Irgendwann lief sie dann über eine Schneewehe und traf auf die Pinguine. Sie schaute die Pinguine neugierig an, doch als die sich bewegten, bekam sie Angst und kam sofort zu mir zurück gelaufen.

Da ich nicht wusste, was sie erschreckt hatte, ging ich über die Schneewehe. Sie folgte mit dich auf dem Fuß und war wohl der Meinung, dass ich sie beschützen würde. Dann sah ich die Gruppe Pinguine, die am Rand des Wassers auf dem Eis stand. Acht Pinguine auf dem Eis und drei im Wasser.

„Schau mal, Galp, Pinguine!“

Langsam wurde sie ein wenig mutiger, blieb jedoch noch immer in meiner Nähe. Nach einer Weile kam ein Pinguin auf uns zu gewatschelt. Galp versteckte sich sofort wieder auf meinen Füßen. Der Pinguin watschelte um uns herum und schaute uns von allen Seiten kritisch an.

Galp schaute ihn kritisch an und als der Pinguin halb um uns rum war, traute sie sich von meinen Füßen herunter und ging vorsichtig auf ihn zu. Der Pinguin wurde davon überrascht und blieb stehen. Galp ging langsam auf ihn zu. Sie war viel kleiner als der Pinguin, der bestimmt dreißig Zentimeter groß war. Als der Pinguin nichts weiter machte, beschnupperte sie ihn. Das irritierte nun wiederum den Pinguin, der mit seinen Flossen flappte, was Galp so erschreckte, dass sie sofort wieder zu mir gerannt kam und sich wieder auf meine Füße setzte.

Jetzt kam der Pinguin näher und begutachtete nun seinerseits Galp. Als nichts weiter passierte. Traute sie sich auch wieder von meinen Füßen herunter und beschnupperte weiter den Pinguin. Irgendwann wurde er ihr wohl zu langweilig und sie begann wieder, den Schneeflocken hinterher zu jagen.

Das fand der Pinguin wiederum interessant und er folgte ihr watschelnd durch den Schnee. Irgendwann kam Galp den anderen Pinguinen, die noch immer am Ufer standen, nahe und die Pinguine fühlten sich von ihr bedroht. Sie schauten sie böse an und watschelten auf sie zu. So viele Pinguine waren Galp nicht ganz geheuer und sie flüchtete wieder. Da ich zu weit weg war, versuchte sie, sich hinter dem Pinguin zu verstecken, der uns vorher beäugt hatte. Er richtete sich auf, und auch wenn er noch kleiner war als die anderen Pinguine, so hörten sie doch auf, Galp zu verfolgen. Und von da an waren Galp und der Pinguin beste Freunde.“

Damit beendete Großmutter Fadati ihre Geschichte.

„Jetzt will ich auch einen Hund!“, sagte eines der Kinder.

„Ich will lieber einen Pinguin!“, sagte ein anderes.

„Da müsst ihr eure Eltern fragen“, sagte Fadati. „Aber ich kann euch sagen, so ein Hund ist viel Arbeit und ein Pinguin noch mehr. Und darüber hinaus kann ich euch sagen, dass es jetzt Zeit ist, ins Bett zu gehen.“

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Weltenbau: Wie erstelle ich eine Landkarte?

Heute will ich euch mal wieder erzählen, wie das Amel-Projekt entsteht. Ich habe ja schon früher beschrieben, dass die Kontinente Amels nach bestimmten Kriterien besiedelt werden. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass ich eine Landkarte des Kontinents in ausreichender Auflösung habe.

Da ich momentan viel mit dem Erstellen einer Landkarte des Kontinents Sire Hararh beschäftigt bin, will ich euch heute mal erzählen, wie der Entstehungsprozess so abläuft.

Es fängt damit an, dass ich mir die Weltkarte von Amel vornehmen und mir den entsprechenden Kontinent genau anschaue. Dann überlege ich, welche Größe die Landkarte am Ende haben soll.

Der nächste Schritt ist dann, dass ich den Kontinent auf der Weltkarte in einzelne Abschnitte unterteile. Dabei muss ich natürlich die Verzerrung durch die Projektion der Weltkarte berücksichtigen, so dass die Seiteneinteilung in der Weltkarte von Kurven und nicht von Geraden begrenzt ist.

Im Fall von Sire Hararh umfasst die Zeichnung der Landkarte 38 A-4-Seiten.

Auf den Anfangs leeren Zetteln habe ich dann die Küsten und wichtigsten Flüsse eingezeichnet, die bereits grob auf der Weltkarte zu erkennen waren. Die Zeichnung ist natürlich sehr viel detaillierter als die Weltkarte und ich habe zusätzliche Flüsse, die zu klein für die Weltkarte waren, eingezeichnet sowie Inseln und Buchten ergänzt.

Danach habe ich mich dann an die Topographie der Karten gemacht und habe Höhenlinien eingezeichnet. Im Fall von Sire Hararh habe ich alle 250 Höhenmeter eine Linie gezeichnet. Das Ergebnis davon könnt ihr in folgendem Bild sehen.

Scan einer gezeichneten Karte eines Teils von Sire Hararh

Scan einer gezeichneten Karte eines Teils von Sire Hararh

Im nächsten Schritt ging es an den PC. Die eingescannten topographischen Karten wurden anschließend nachbearbeitet. Flüsse, Seen und Küstenlinien wurden jeweils in eine eigene Ebene übertragen, genauso wie die jeweiligen Höhenlinien. Die Höhenlinien habe ich anschließend in verschiedenen Grautönen ausgefüllt, damit ich die Höheninformation mit meinem Rechenprogramm anschließend auswerten kann. Die Graustufen sehen schon nach einer richtigen Landkarte aus, finde ich:

Zweite Stufe der Karte von Sire Hararh

Zweite Stufe der Karte von Sire Hararh, Graustufen der Höhenlinien und Flüsse und Seen.

Man kann schon Täler, Berge und Ebenen erkennen. Unten rechts in dem Bild ist ein See zu sehen. Die 38 einzelnen Karten habe ich dann zu einer Gesamtkarte zusammengesetzt, die 3464 x 4152 Pixel groß ist. Ein einzelner Pixel ist somit ungefähr 3,5 km breit.

Das Problem mit dieser Karte ist, dass die Höhenangaben nur in 250-Meter-Schritten erfolgen, was zwar für eine Darstellung als Karte ausreichend ist, aber für eine Auswertung nicht ausreicht. Daher ist eine Methode notwendig, um die fehlende Höheninformation sinnvoll zu erstellen. Da ich nicht manuell für jeden einzelnen Pixel die Höhe festlegen möchte, habe ich verschiedene Ausgleichsalgorithmen ausprobiert, bin jedoch bisher noch nicht zu einem sinnvollen Ergebnis gekommen.

Momentan versuche ich, die Flüsse und Seen in die Berechnung der Landhöhen zu integrieren, da sich Wasser immer an der tiefsten Stelle in einem Tal sammelt. In einer zweiten Karte habe ich die Positionsdaten aller Wasserflächen in Sire Hararh hinterlegt und arbeite im Moment daran, denen automatisch einen sinnvollen Höhenwert zuzuordnen. Die Schwierigkeit ist, dass die Entfernung bis zur nächsten Höhenstufen variabel ist und ich am Anfang nicht weiß, wie weit es ist. Außerdem haben Seen prinzipiell fast kein Gefälle, während das Gefälle von Flüssen erheblich sein kann bis hin zu Wasserfällen. Ich habe ein paar Ideen, wie sie das numerisch umsetzen lässt, aber ich bin nicht sicher, welcher Weg zum Erfolg führt. Da wird es wohl auf weiteres Versuch-und-Irrtum hinauslaufen.

Sobald das erledigt ist, kann ich daran gehen, die Landhöhen auszurechnen. Dabei wird die Annahme getroffen, dass die Umgebung von Wasser immer höher als das Wasser ist. Die zweite Randbedingung ist, dass die 250-Meter-Stufen fix sind. Daher kann das Land jedes Pixels nur bis zu 250 Meter höher werden, aber nicht mehr. Ich bin gespannt, wie lange ich brauche, bis ich die entsprechenden Programme implementiert habe. Sobald ich dann eine Landkarte von Sire Hararh fertig habe, werde ich sie euch hier zeigen.

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Protokoll einer ersten Landung – Teil 3

Hier gibt es Teil 1 und Teil 2.

R: Ablativer Schild verdampft wie geplant.

S: Wir sehen eure Leuchtspur. Ihr seid auf dem richtigen Kurs.

R: Und wenn wir es … uff … nicht wären, könnten wir es nicht ändern. Bremskraft erreicht berechnetes Maximum.

S: Bereitet euch auf die Öffnung des Bremsfallschirms vor.

R: Wir sind vorbereitet. 6 000 m/s, fünfzehn Kilometer Höhe.

S: Noch fünf Sekunden bis zur Auslösung des Bremsfallschirms.

S: Drei … zwei … eins … Auslösung.

R: (Ein Alarm ist zu hören) Auslösung fehlgeschlagen! Manuelle Auslösung!

R: (Der Alarm verstummt) Manuelle Auslösung erfolgreich!

S: (aufgeregt) Wie ist euer Status?

R: Bremsfallschirm aktiviert. 3 000 m/s. Wir können die Küste sehen.

S: Höhe?

R: 4 000 Meter, wir bremsen weiter.

S: Bereit zum Fallschirmabwurf?

R: Noch dreißig Sekunden. Leitwerk fährt aus.

S: Bald habt ihr es geschafft.

R: Hoffentlich.

S: Bestimmt.

R: Ich kann die Küste sehen! Leitwerk ausgefahren.

S: Sucht nach einer möglichst flachen Stelle zum Landen.

R: Es ist alles Schneeweiß! Fallschirmabwurf erfolgreich!

S: Guten Flug!

R: Versuchen Schiff in eine stabile Fluglage zu bringen!

S: Ihr schafft das!

R: Trudeln unter Kontrolle. Wir steuern direkt auf die Berge zu. Korrigieren Kurs!

Es vergehen ein paar Sekunden.

R: Gibt es hier irgendwo eine Stelle, wo wir landen können?

S: Wir suchen auch schon danach mit Radar und Teleskop.

R: Hättet ihr das nicht vorher machen sollen?

S: Haben wir, aber leider erfolglos!

R: (mit Panik in der Stimme) Und das sagt ihr uns jetzt!

S: Wir hatten gehofft, dass ihr eine passende Stelle seht. In der Schnelle ging es nicht anders.

R: Während wir im Landeanflug sind?

S: Es gab keine andere Möglichkeit. Dies ist die einzige Stelle, an der ihr landen könntet!

R: (Vom Piloten von R sind im Hintergrund Flüche zu hören, dann werden Kommandos gerufen) Achtung, der Berg!

Ein Krachen ist zu hören.

S: Was ist los bei euch?

Stille

S: Hallo Landeschiff!

Stille

S: Könnt ihr uns noch hören?

Stille

S: Teleskop! Was ist mit ihnen passiert?

Im Hintergrund ist ein Techniker zu hören: Sie scheinen einen Berg gestreift zu haben. Im Teleskop ist nur eine weiße Schneewolke zu sehen, wo das Landeschiff runtergekommen ist.

S: Hallo Landeschiff! Könnt ihr uns hören?

Stille

S: Sejereh an Landeschiff!

S: Wie ist eure Situation?

Stille

S: Landeschiff, meldet euch, verdammt nochmal!

(Im Hintergrund): Es sieht so aus, als wäre das Landeschiff zerbrochen! Versuchen, bessere Bilder zu erhalten!

S: (Man hört die zunehmende Panik in der Stimme von S) Landeschiff! Ist euer Schiff noch intakt? Meldet euch endlich!

Stille

Noch mehr Stille

(Im Hintergrund): Das Landeschiff scheint noch in Bewegung zu sein.

S: Landeschiff! Wie ist euer Status?

(Im Hintergrund): So, wie es aussieht, rutscht es mit geringer Geschwindigkeit einen Abhang hinab – volle Vergrößerung!

S: Könnt ihr mich hören?

(Im Hintergrund): Es sieht so aus, als wäre es schwer beschädigt.

Stille

S: Hallo Landeschiff!

Stille

(Im Hintergrund): Das Landeschiff scheint sich zu drehen, während es den Abhang hinab rutscht.

S: Hört ihr mich?

(Im Hintergrund): Möglicherweise hat es sich überschlagen.

S: Hallo Landeschiff! Sejereh ruft Landeschiff!

R: (verzerrt) Hier Landeschiff!

S: Gott sei dank, ihr lebt noch!

 

 

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Protokoll einer ersten Landung – Teil 2

Teil 1 ist hier.

S: Triebwerke feuern. Ihr seid auf dem Weg.

R: Geschwindigkeit 20 000 Meter pro Sekunde. Jorko und Farya drosseln die Geschwindigkeit weiter, um der Schwerkraft entgegen zu wirken. 22 000 Meter pro Sekunde. 22 500.

S: Ihr liegt perfekt im Soll. Bremst weiter, damit ihr nicht zu schnell werdet.

R: 23 000. Tendenz steigend. 23 500. Jetzt wird es spannend… (ein lautes Knacken ist zu hören) Uff!

R: (stöhnt) 22 000.

Im Hintergrund des Landerschiffs sind Stimmen zu hören: Stabilisieren! Kurskorrektur! Fangt die Drehung ab!

R: 21 700, Tendenz fallend!

S: Was ist los bei euch?

R (aufgeregt): unklar. Die Flugbahn ist chaotisch und das Schiff dreht sich schnell.

S: Teleskop!

Im Hintergrund der Sejereh ist eine Stimme zu hören, man kann jedoch nichts verstehen.

R: 21 000 m/s, Rotation stabilisiert!

S: Wir suchen euch mit dem Teleskop!

R: Höhe steigend, Eintritt in die Atmosphäre gescheitert.

S: Wir haben euch gefunden!

Man hört, wie S mit jemand anderem spricht: Techniker! Flugbahn!

R: Wir verringern die Rotation weiter! Schnellcheck der Systeme hat keine Schäden ergeben!

R: Wir steigen noch immer, werden aber langsamer!

S: Die Techniker rechnen fieberhaft an euer neuen Bahn!

R: Sollen wir beschleunigen oder bremsen?

S spricht mit leise mit jemand anderem.

S: Bremsen! Ihr habt nicht genug Schubkraft, um wieder eine stabile Umlaufbahn zu erreichen!

S: Oh!

S: Da ist euer neuer Flugplan!

5 Sekunden vergehen.

R: Flugplan erhalten und einprogrammiert.

R: Das ist nicht euer ernst, oder?

S: Das ist der beste Plan, den die Techniker auf die Schnelle erstellen konnten.

R: Timatim? Das ist die andere Seite des Planeten!

S: Wir hoffen, dass ihr es bis dorthin schafft!

R: Wir wollten doch irgendwo hin, wo die Sonne scheint!

S: Da liegen 4000 Kilometer dazwischen, für die euer Treibstoff nicht reicht.

R: Schubdüsen aktiviert! Gibt es wirklich keine andere Möglichkeit?

S: Das einzige andere größere Land in dem Gebiet, dass ihr erreichen könnt, ist Mithlij. Oder mit viel Glück Arphibyl, aber da ist die Gefahr hoch, dass ihr im Wasser landet.

R: Scheiße!

S: Du sagtst es.

Jemand im Hintergrund ist zu hören.

S: … Ja … Oh … Ja…

S: Ein Techniker sagt mir gerade, dass ihr an Höhenwinden abgeprallt seid, als ihr in die Atmosphäre eindringen wolltet.

R: An Höhenwinden?

S: Genau. Dadurch war wohl euer Eintrittswinkel zu klein.

R: Und jetzt Timatim?

S: Das ist noch nicht sicher. Unsere Techniker haben Zweifel, ob der Flugplan funktioniert und rechnen noch dran.

R: Und wenn nicht?

S: Dann Mithlij. Die Priorität ist, euch heile runter zu bringen, egal wo. Wenn ihr ins Meer stürzt, habt ihr nichts gewonnen.

R: Stimmt.

S: In spätestens zehn Minuten müsst ihr euren endgültigen Flugplan haben.

R: Ich sollte die Siedler informieren.

R’s Stimme klingt anders: Liebe Siedler! Wie ihr sicher bemerkt habt, verlief unser Eintritt in die Atmosphäre nicht ganz so wie geplant. Bereitet euch daher darauf vor, dass wir demnächst erneut versuchen werden, in die Atmosphäre einzutreten. Vermutlich wird sich dadurch unser Landeplatz und mehrere tausend Kilometer verschieben. Mehr dazu erfahrt ihr, sobald wir mehr wissen.

Die nächsten Minuten vergehen damit, dass einzelne Siedler Rückfragen haben, die R beantworten muss. Sie sind jedoch zu leise, um in den Aufzeichnungen der Sejereh verständlich zu sein.

***

S: Hallo Landeschiff! Wir haben schlechte Nachrichten für euch!

R: Noch schlechtere Nachrichten?

S: Euer Treibstoff reicht ziemlich sicher nicht bis Timatim. Damit bleibt als einzige Landemöglichkeit Mithlij.

R: Der Eiskontinent! Das ist ziemlich genau das Gegenteil von dem, was geplant war.

S: Hauptsache, ihr kommt heile unten an. Übermittle Flugplan.

Ein paar Sekunden vergehen.

R: Flugplan erhalten und einprogrammiert.

Es folgen ein paar Sekunden Schweigen.

R: Der Flugplan ist ganz schön riskant.

S: Das lässt sich leider nicht ändern. Es ist die einzige Möglichkeit, euch sinnvoll irgendwo landen zu lassen.

R: Oh. Keine andere Möglichkeit?

S: Unsere Techniker sagen, die anderen wären zu riskant.

R: Das ist schlecht.

Die nächste halbe Stunde wird im Landeschiff ein ausgiebiger Check aller Systeme durchgeführt. Die Ergebnisse werden an die Sejereh übermittelt. An einer Stelle hat es kleinere Schäden gegeben, die jedoch für die Sicherheit des Landeschiffs nicht relevant sind. Die dadurch erwarteten Abweichungen werden in einem überarbeiteten Flugplan berücksichtigt.

***

S: In dreißig Sekunden ist es wieder soweit.

R: Drückt uns die Daumen, dass es diesmal klappt.

S: Machen wir alle.

R: Zwanzig Sekunden… Fünfzehn … Zehn … Fünf … Vier … Drei … Zwei … Eins … Bremstriebwerke gezündet.

S: Viel Glück!

R: Geschwindigkeit 22 000 m/s, 22 500 m/s 23 000 m/s

S: Gleich tretet ihr in die Atmosphäre ein.

R: 22 800 m/s. Jetzt sind wir drin. 22 700, 22 600, 22 300, 21 500

S: Diesmal läuft es perfekt.

R: Es fühlt sich nicht so an. 18 000 m/s. Wir werden hier ganz schön durchgeschüttelt.

S: Das ist normal.

R: 17 000 m/s, Tendenz fallend.

S: Ihr habt es geschafft, ihr seid in der Atmosphäre.

R: Jetzt müssen wir nur noch unser Ziel erreichen.

Hier geht es zu Teil 3.

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Die gefrorene Geschichte

Zemkani war frustriert. Sie hatte sich so viel Mühe mit ihrem Aufsatz gegeben und jetzt das. Warum war ihre Lehrerin Faheji nur so gemein? Wie konnte sie ihr auf ihren guten Text eine fünf geben? Sie war richtig sauer, so sauer, wie schon lange nicht mehr. Sie hatte drei Stunden an ihrem Text gearbeitet und jetzt sollte alles umsonst gewesen sein?

Sie hatte den Text extra auf Papier geschrieben und das in ihrer schönsten Schrift. Die Geshcichte hatte sie sich selber ausgedacht. Nicht realistisch genug. Sie verstand gar nicht, war ihrem Lehrer an Drachen nicht realistisch genug war. Es gab so viele Tiere auf der Erde, die nicht auf die Sejereh mitgenommen worden waren. Warum waren Drachen etwas anderes als Seekühe? Warum war Bakaras Geschichte über Seekühe realistisch aber ihre über Drachen nicht?

Zemkani ging durch das Raumschiff. Sie hatte keine Lust, mit ihrer schlechten Note nach Hause zu gehen. Sie hatte jetzt Lust, irgendwo etwas kaputt zu machen. Warum durfte man über Schnabeltiere und Seekühe einen realistischen Text schreiben aber nicht über Drachen? Woher wusste ihre Lehrerin bitteschön, dass es auf der Erde keine Drachen gab? Es gab so viele Geschichten über sie. Wie konnten die alle erfunden sein?

Zemkani kam an einer Luftschleuse vorbei. Ein Luftschleuse, dachte sie, das war genau das Richtige für ihre Geschichte. Sie öffnete die innere Tür der Luftschleuse und pfefferte ihr geknülltes Blatt Papier in eine Ecke, wo es keiner sah. Wenn die Schleuse das nächste Mal benutzt wurde, würde ihre Geschichte in den Weltraum fliegen und dort für alle Ewigkeit im Raum zwischen den Sternen treiben.

Zemkani schloss die Tür mit Schwung und ging dann nach Hause. Sie fand, dass sie ihre schlechte Note auf sehr elegante Weise losgeworden war.

***

Sechzig Jahre später…

Raza und Bazuk hatten Dienst in der Kontrollstation, als ihr Sensor ein kleines Objekt entdeckte. Sie ließen den Computer die voraussichtliche Bahn analysieren. Sekunden später kam die Entwarnung, das Objekt war nicht auf einem Kollisionskurs mit der Sejereh. Dann teilte der Computer ihnen mit, dass das Objekt zu leicht war, um einen Schaden anzurichten, selbst wenn es mit dem Raumschiff kollidiert wäre.

Eine genauere Analyse ergab, dass das Objekt auf einer Bahn unterwegs war, die fast vollständig mit der der Sejereh überein stimmte. In ein paar Tagen würde es sich bis auf drei Kilometer an das Raumschiff annähern und sich dann langsam wieder entfernen.

„Was meinst du“, fragte Raza Bazuk. „Sollten wir versuchen, es einzufangen?“

Bazuk überlegte kurz und nickte dann. „Das wäre eine gute Übung. Kasol und Sarina brauchen mal wieder ein wenig Übung im Weltraum.“

„Dann sag ich ihnen Bescheid, dass sie sich darauf vorbereiten können.“

Bazuk brummte zustimmend. „Mach das. Ich lasse den Computer das Objekt überwachen und die Bahn genauer bestimmen.“

Raza verließ die Kontrollstation, um Kasol und Sarina zu suchen. Als leitende Wissenschaftlerin dieses Jahr konnte sie so etwas machen. Jemand anders hätte sich danach vor ihr rechtfertigen müssen, aber als Chefin musste sie das nicht.

***

Sechs Tage später…

Kasol und Sarina schwebten im Weltraum. Sie hatten ein riesiges Netz dabei, mit dem sie das Objekt einfangen wollten. Kasol hatte sich die Daten zur Flugbahn des Objekts angeschaut. Es bewegte sich im Vergleich zum Raumschiff nur mit wenigen Metern pro Minute, sie müssten also nur hinfliegen und es einsammeln.

Normalerweise waren solche Objekte sehr viel schneller unterwegs und es war immer sehr hektisch, sie im richtigen Moment einzufangen. Diesmal hatten sie eine ganze Woche zur Vorbereitung gehabt. So war es viel entspannter, auch wenn die Raumanzüge trotzdem noch klobig und schwefällig waren.

Immer wieder glich Kasol ihre Flugbahn mit der vorberechneten ab. Sie waren perfekt auf Kurs. Zwei Stunden brauchten sie die drei Kilometer bis zum Rendevous-Punkt. Dort konnten sie das Objekt einfangen und anschließend über Funk die Sejereh kontaktieren, damit sie das Seil, dass sie mit dem Schiff verband, wieder einholten. Sobald sie dann zurück im Raumschiff waren, wäre ihre Mission beendet. Dann konnten die Wissenschaftler an Bord es untersuchen und anschließend dem Rohstoffkreislauf der Sejereh hinzufügen.

Kleine Objekte einzufangen war zwar ungefährlicher als bei größeren, aber Kasol wusste aus Erfahrung, dass sie auch viel schwerer zu finden waren. Der Weltraum war groß, da konnte man ein kleines Objekt leicht übersehen.

Kurz vor dem Rendevous aktivierte er den Radar seines Anzugs. Er sah, dass das Objekt nur noch wenige Meter von ihnen entfernt war. Er schaute in die Richtung, die der Radar ihm wies und versuchte, es mit eigenen Augen zu entdecken.

„Das vorne!“, sagte Sarina. „Da ist es, der helle Punkt.“

Jetzt sah auch Kasol es. Als er seine Helmlampe auf das Objekt richtete, sah er, dass es ziemlich hell, fast weiß war. Es war ungefähr faustgroß. So einen Asteroiden hatte er noch nie gesehen. Er und Sarina breiteten das Netz aus und zwei Minuten später hatten sie es eingefangen und gaben das Signal zur Rückkehr.

***

Fünf Stunden später…

„Kasol, Sarina, kommt mal rein“, rief Raza, als die beiden vor der offenen Labortür vorbeigingen. Sie hatte die letzten zwei Stunden mit dem Objekt verbracht, dass die beiden jungen Erwachsenen vor ein paar Stunden eingesammelt hatten.

„Schaut euch das an“, sagte sie, als die beiden ihr über die Schulter schauten. „Es ist ein Blatt Papier, das ihr eingesammelt habt.“

„Ein Blatt Papier?“

Raza nickte. „Jemand muss es aus der Schleuse geworfen haben und so ist es uns die letzten Jahre auf unser Bahn gefolgt.“

Kasol und Sarina waren überrascht. „Es stammt von der Sejereh?“, frage Kasol.

„Ich dachte, man darf kein Material in den Weltraum werfen“, wandte Sarina ein.

„Darf man nicht. Aber das heißt nicht, dass es nicht trotzdem von Zeit zu Zeit passiert.“

Raza drehte das Blatt vorsichtig um. „Es scheint eine Geschichte zu sein. Schaut mal, hier steht auch drauf, wer es geschrieben hat.“

„Aufsatz über Tiere von der Erde von Zemkani.“

„Zemkani? Die Zemkani aus Modul Gamma zwei?“

Raza zuckte mit den Achseln. „Keine Ahnung. Das finden wir nur raus, wenn wir sie fragen.“

Raza packte das Papier in eine durchsichtige Folie und dann ging sie zusammen mit Kasol und Sarina in Modul Gamma zwei.

„Hallo Zemkani“, begrüßte Raza die alte Frau.

„Hallo Raza, hallo Kasol und Sarina. Was verschafft mir die Ehre?“

Raza lächelte Zemkani an. „Wir haben etwas wiedergefunden, das vielleicht von dir ist.“

Sie gab Zemkani die Folie mit dem Zettel. Zemkani holte ihre Lesebrille raus und setzte sie auf. Dann schaute sie sich den Zettel an und ihre Augen wurden immer größer.

„Mein Gott!“, sagte sie. „Wo habt ihr das denn gefunden?“

„Ist es von dir?“, fragte Sarina ungeduldig.

Zemkani nickte. „Das ist ein Schulaufsatz, den ich in der zweiten Klasse schreiben musste. Ich habe mich ziemlich darüber aufgeregt, weil ich eine fünf darauf bekommen habe. Seit dem habe ich ihn nicht mehr gesehen. Wie kommt er zu euch?“

„Wir haben ihn im Weltraum eingesammelt…“

„Im Weltraum?“ Zemkani sah sie verwirrt an. Dann schien ihr etwas einzufallen und sie sagte: „Natürlich. Die Luftschleuse!“

Die anderen sahen sie verwirrt an. „Ich hatte es ganz vergessen. Ich hatte mich so über meine schlechte Note geärgert, dass ich die Geschichte zusammengeknüllt und in die Luftschleuse geworfen habe.“

Raza nickte. „Das erklärt, warum er im Weltraum gelandet ist. Dort sind deine Wort dann von der Kälte des Alls konserviert worden. Irgendwie müssen sie auf eine Umlaufbahn um die Sejereh gelangt sein.“

„Eine Umlaufbahn… Ich dachte damals, dass ich die Geschichte ein für alle Mal loswerde.“

Raza lachte. „So kann es gehen. Manchmal holt einen die Vergangenheit unverhofft wieder ein.“

Zemkani lachte auch. Sie las die Geschichte und stellte fest, dass sie ga rnicht so schlecht war, wie ihrer Lehrerin behauptet hatte. Vielleicht würde sie die Drachen-Geschichte eines Tages den Kindern auf der Sejereh vorlesen.

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