Senauris Prüfung

„Selbstverständlich ist dort nichts. Das ist die Probe“, erklärte die Dame. „Sie müssen so tun als ob.“ Als sie in der Küche verschwunden war, sah Senauri sich um. Die Gesamtsumme auf der fleckigen Rechnung des Mechanikers war demgegenüber der reinste Alptraum. Aber eines nach dem anderen, dachte sie sich.

Alle wussten, das man bei der Kommando-Prüfung mit den schwierigsten Aufgaben konfrontiert wird. Doch bei jedem ist die Prüfung anders. Mindestens seit zwei Jahren versuchen ihrer Lehrer, ihre Schwachstellen zu finden, um genau diese zu Prüfen.

Sie fragte sich, was wohl ihre Schwachstellen waren. Warum sollte sie sich vorstellen, dass sie auf Kollisionskurs mit einer Gruppe Asteroiden waren? Wäre eine Simulation da nicht besser gewesen? Warum sollte sie dafür alleine mit einem Rettungsschiff um die Sejereh herum fliegen? Sie hatte viel zu viele Fragen, über die sie nachdachte. Hoffentlich ging es bald los, dass sie sich um ihre Aufgabe kümmern konnte.

Als hätten sie ihre Gedanken gelesen, meldete sich die Funkzentrale der Sejereh: „Sejereh an RLS-3. Senauri, hörst du uns?“

Sie aktivierte den Sprechknopf. „Hier Senauri auf dem RLS-3. Ich kann euch hören. Hier ist alles bereit.“

„Hier Sejereh. Das ist gut. Die letzten Personen haben dein Rettungsschiff verlassen, du kannst dich jetzt zum Abflug vorbereiten. Deinen Kurs haben wir dir übermittelt.“

„Alles klar.“ Senauri schaute sich den Flugplan am Computer an und glich ihn mit dem Zettel, den der Mechaniker ihr gegeben hatte, ab. Der Kurs schien der gleiche zu sein. Sie wurde die Sejereh auf eine langgezogenen Ellipse umkreisen und sich am entferntesten Punkt ein paar Asteroiden einbilden. In drei Stunden wäre sie dann wieder an Bord der Sejereh und ihre Prüfung wäre vorbei. Wenn das alles war, würde sie es mit Leichtigkeit schaffen.

„Meinst du, du schaffst es, den Abflug manuell zu machen?“

Senauri bejahte. Manuell fliegen war viel besser als automatisch. So hatte sie unterwegs mehr zu tun und musste nicht so viel nachdenken.

„Dann kannst du jetzt starten.“

Senauri verriegelte die Luken und bereitete das Rettungsschiff zum Start vor. Pingelig genau arbeitete sie die Checkliste ab, die der Computer ihr zur Verfügung stellte. An zwei Stellen gab es Fehler im System, die aber nicht kritisch waren. Sie Funkfrequenzen konnte sie auch manuell auswählen und dass einer der hinteren Positionsmelder nicht richtig funktionierte, war auch zu verschmerzen. Sie meldete die beiden Fehler an die Sejereh und dort notierte man sie, um nach ihrer Rückkehr einen Mechaniker mit der Reparatur zu beauftragen.

Als sie das Schiff langsam von der Sejereh weg steuerte, dachte sie über die Flugroute nach. Wenn es echte Asteroiden wären, würde sich nicht einfach auf einer Bahn um die Sejereh kreisen sondern gezielt die Bahn der Felsen ansteuern. Aber zu ihrer Prüfung gehörte es nun man, dass sie den vorberechneten Kurs befolgte.

Eine halbe Stunde vor Erreichen des Ziels wollte sie etwas Essen und holte sich eine Dose mit eingelegtem Obst aus der Küche. Als sie die Dose öffnete, musste sie feststellen, dass die Dose ein falsches Etikett hatte. Statt eingelegtem Obst befand sich Wurst darin. Wie doof, dachte sie. Auf Wurst hatte sie keine Lust. Sie überlegte, ob sie eine andere Dose aus der Küche holen sollte, aber dann ging plötzlich ein Alarm los und eine halbe Sekunde später ging das Licht im Rettungsschiff aus.

Senauri wartete darauf, dass die Notbeleuchtung wieder an ging, doch auch nach drei Sekunden war es dunkel. Sie fluchte. Wenn es ein Problem mit dem Computer gab, hatte sie ein Problem. Vorsichtig schwebte sie im Dunkeln zum Rechnerraum, ganz langsam und vorsichtig. Zum Glück gab es wenigstens hier ein paar Kontrolllämpchen, die den Raum schwach erhellten. Sie drückte den Start-Knopf, doch nichts passierte. Sie versuchte es erneut, doch es passierte wieder nicht.

Senauri schüttelte den Kopf. Wahrscheinlich war dies ein Teil der Prüfung, vermutete sie. Ein Problem, mit dem sie nicht gerechnet hat. Was tat man bei einem Totalausfall der Technik? Als erste sollte sie wohl die Sicherung überprüfen. Sie tastete nach dem Sicherungskasten und fand ihn schließlich. Tatsächlich war die Sicherung wirklich raus. Sie legte die Sicherung wieder ein.

Der Zentralcomputer ging auch tatsächlich wieder an, doch gleichzeitig durchlief ein Zittern das Rettungsschiff und Senauri trieb langsam aus dem Rechnerraum heraus.

„Mist!“, fluchte sie. „Wer hat denn die Triebwerke mit der Hauptsicherung verbunden?“

Zum Glück konnte sie auch vom Rechnerraum aus auf den Zentralcomputer zugreifen, so dass sie die Triebwerke abstellen und die Schwerelosigkeit wiederherstellen konnte. Sie schwebte in den Gang, stieß sich ab und war kurz darauf wieder im Steuerraum. Als erstes prüfte sie ihren Kurs. Der unerwartete Schub hatte sie deutlich auf eine andere Bahn gebracht, und ohne Korrektur würde sie nicht zur Sejereh zurück kommen. Sie fragte sich erneut, ob es Absicht für ihre Prüfung war.

Sie aktivierte den Funk, doch sie konnte die Sejereh nicht erreichen. Dann fiel ihr ein, dass sie die Frequenz ja manuell wählen musste. Als sie das getan hatte, erreichte sie das Raumschiff.

„Hallo Sejereh. Bei mir war der Zentralcomputer ausgefallen und die Triebwerke haben ungeplant gefeuert.“

„Hier Sejereh. Wir haben uns schon gewundert, nichts mehr von dir zu hören.“

„Ist es Teil meiner Prüfung, dass der Rechner ausgefallen ist?“

„Warte, ich schaue mal auf den Plan… Hier auf dem Zeitplan stehen nur die Asteroiden und danach zwei weitere Punkte. Aber die kommen erst danach und die darf ich dir nicht verraten. Aber zumindest soviel kann ich sagen, das defekte Licht beim Start-Check war Teil der Prüfung.“

Senauri nickte. Das hatte sie schon vermutet.

„Die vertauschten Etiketten bei den Essensdosen auch?“

„Die hast du schon gefunden? Wir hatten damit gerechnet, dass du die erst auf dem Rückweg findest.“

„Berechnet ihr meinen Rückflugkurs oder soll ich das selber machen?“

„Ich würde sagen, du rechnest und schickst uns die Ergebnisse dann zur Prüfung. Du sollst schließlich sicher wieder hier ankommen.“

„In Ordnung.“

Senauri gab im Himmelsmechanik-Programm das Ziel Sejereh ein und wählte 20 % Schnelligkeit und 80 % wenig Treibstoffverbrauch als Randbedingungen. Sie hatte es schließlich nicht eilig. Dann ließ sie den Computer rechnen und sandte die Ergebnisse an die Sejereh, von wo sie kurz darauf bestätigt wurden.

Der neue Flugplan führte sie weiter von der Sejereh weg und dauerte fast dreißig Stunden. Doch die Geschichte von ihrem Rückweg und dem blinden Passagier, den sie dort fand, wird ein andermal erzählt.

Zur Inspiration dieser Geschichte dienten drei Sätze, die ich aus drei verschiedenen Büchern geklaut habe und am Anfang der Geschichte als Inspiration verwendet habe. Ein Satz ist aus „Dreimal Proxima Centauri und zurück“ von Myra Çakan, einer aus „Die Stille in Prag“ von Jaroslav Rudiš und der dritte ist aus „Liebe Isländer“ von Huldar Breiðfjörð.

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Hepkaale und der Drache 3

Erster Teil und vorheriger Teil.

Hepkaale und Faares waren auf der Suche nach den Seedrachen, die die nördliche Küste Sma Azirks immer wieder verheerten. Sie waren seit mehreren Stunden unterwegs, Faares auf seinem recht kleinen Pferd und Hepkaale auf einem großen Ziegenbock. Es war anstrengend für Hepkaale, den Bock zu reiten, denn ihre Beine waren zu lang, so dass sie zwischendurch immer mal wieder abstieg, um ein Stück zu Fuß zu gehen. Faares meckerte jedes Mal, aber es ging einfach nicht anders.

Die ganze Zeit über erzählte er von den Drachen und wie er, sobald er einen getötet hätte, von alle Leuten entlang der Küste verehrt werden würde. Die begeisterten Empfänge in den Orten schienen ihm wichtiger zu sein als alles andere und Hepkaale vermutete langsam, dass das Töten des Drachen nur ein Mittel zum Zweck war.

Ihr Weg führte sie an der Küste entlang Richtung Norden, denn Faares war der Meinung, dass Drachen den wilden Norden bevorzugen würden. Er begründete es damit, dass die Drachen innerlich glühen würden und daher in kälteren Regionen besser aufgehoben wären, damit sie nicht überhitzten. Hepkaale fand diese Begründung seltsam, aber da sie schon in Tenijeen beschlossen hatte, bei diesem Abenteuer nicht auf Logik zu achten, sagte sie nichts dazu.

Nach einiger Zeit kamen sie in Djuul an. Djuul war ein kleines Fischerdorf in einer geschützten Bucht. Es gab fünf Häuser und eine kleine Hafenmauer. Drei der Häuser waren Bauernhöfe, in einem war ein Laden untergebracht und das fünfte war kleiner und sah unbewohnt aus.

„Hört, liebe Leute!“, rief Faares, als sie in das Dorf ritten. „Hier kommt der Ritter Faares, um den bösen Drachen zu jagen und für Ruhe an der Küste zu sorgen!“

Er wiederholte den Ruf ein paar Mal, doch die einzige Reaktion war, dass er damit eine Gruppe Hühner aufschreckte, die mitten auf der Straße nach Körnern suchten.

„Sie scheinen alle in Angst vor dem Drachen erstarrt zu sein.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Wahrscheinlich sind sie am Arbeiten.“

Der alte Mann blickte böse zu Hepkaale. „Sie haben Angst, das ist sicher.“

Hepkaale seufzte. Sie hatte zwar beschlossen, Faares nicht zu widersprechen, so dass dieses Abenteuer möglichst bald vorüber war, aber es fiel ihr schwer. Sie hatte das Gefühl, dass Faares in einer anderen Welt wie sie lebte.

Er steuerte sein Pferd zielstrebig auf das Haus mit dem Laden zu und Hepkaale folgte ihm widerwillig. Diese ganze Abenteuer war eine einzige Fars, aber das waren ja die meisten Ausflüge mit dem Plot-Device. Sie stiegen ab und banden ihre Reittiere an die dafür vorgesehene Stange. Hepkaale gab ihrem Ziegenbock etwas zu knabbern und dann folgte sie Faares in den kleinen Laden.

Der Laden war voll mit Waren. An jeder Wand waren hohe Regale, die voll mit Nahrungsmitteln, Werkzeug, Haushaltsgegenständen und anderem Kram waren. In der Mitte standen Fässer, und als Hepkaale von einem vorsichtig den Deckel hob, sah sie, dass darin eingelegter Kohl war. Schnell machte sie das Fass wieder zu.

Hepkaale hörte, wie Faares der alten Frau erklärte, dass er ein Drachenjäger sei und dass er nach Djuul gekommen war, um sie vor den Drachen zu beschützen.

„In den letzten Jahren“, sagte die Frau, „hatten wir keinen Ärger mit Drachen. Weder hier in Djuul noch in der näheren Umgebung.“

„Die Drachen haben sicherlich geahnt, dass ich hierher kommen werde“, sagte Faares zufrieden.

Die Frau schaute zu Hepkaale und als sich ihr Blick traf, rollte Hepkaale mit den Augen. Die Frau dachte wohl das gleiche, denn sie zwinkerte Hepkaale kurz zu. Dann sagte sie: „Ihr müsst von euer Reise erschöpft sein. Kommt mir, ich führe euch in die Gaststube.“

Sie führte Faares und Hepkaale über einen Innenhof in einen Anbau des Hauses, in dem es eine Gaststube gab. Drei Frauen und zwei Männer saßen dort an einem Tisch. An einem anderen spielten ein paar Kinder ein Würfelspiel.

„Hey, Leute! Dies sind Faares, der Drachenjäger und Hepkaale, seine Adjutantin. Sie sind eben in Djuul angekommen.“

Der dickste der Männer erhob sich. „Willkommen in Djuul! Ich bin Saafela, der Ortsvorsteher.“

„Ehrenwerte Ortsvorsteher Saafela! Ich bin der Drachenjäger Faares und dies ist meine junge Adjutantin Hepkaale. Wir reisieren entlang der Küste und verkämpfigen in allen Lokalitäten die Drachen, die in den arktischen Landen eine wahre Pestilenz zu seien pflegen.“

Die anderen Besucher der Gaststube schauten ihn verwirrt an. Er sah sich zu Hepkaale um. „Übersetze es, mein Adjutant!“

Hepkaale räusperte sich. „Er will sagen, dass wir Ritter sind und Drachen jagen und dabei Richtung Norden reisen.“

„Ah, das verstehe ich“, sagte eine der älteren Frauen.

„Ritter!“ rief eines der Kinder. „In einer Rüstung!“

Alle Kinder rannten zu Faares hin. „Eine echte Rüstung!“ Sie fassten seine Rüstung an. Faares genoss es offensichtlich, dass er im Zentrum der Aufmerksamkeit stand.

„Wo ist euer Pferd!“, fragte eines der Kinder Hepkaale.

„Sein Pferd steht draußen. Wenn du möchtest, zeige ich es dir!“

„Au ja! Ein Ritterpferd!“

„Faares“, wandte sich Hepkaale an den Ritter. „Ich zeige diesen Kindern das Pferd!“

Mittlerweile standen auch die Erwachsenen bei Faares und stellten ihm Fragen, die er in seiner gestelzten Sprache, die er nur mit Bauern sprach, beantwortete. Mit der Hand gab er Hepkaale ein Zeichen, dass er verstanden hätte.

Hepkaale und die Kinder gingen durch den Laden nach draußen und Hepkaale zeigte den Kindern das Pferd, das mit einem Sattel und einer bunten Decke bedeckt war.

„Und welches ist dein Pferd?“

Hepkaale zeigte auf den Ziegenbock und sagte: „Ich bin Adjutantin. Ich muss noch auf diesem Bock reiten.“

Alle Kinder bestaunten nun den Ziegenbock.

„Wie reitest du darauf? Er hat ja gar keinen Sattel!“

„Ich bin Adjutantin. Ritter Faares sagt, ich muss mir meine Ausrüstung erst verdienen.“

„Aber du brauchst einen Sattel“, widersprach ein junges Mädchen. „Ohne Sattel bist du kein richtiger Ritter.“

Hepkaale lächelte verlegen. „So ist das eben.“

„Ich frage mal meine Mutter nach einem Sattel!“ Das Mädchen lief in den Laden zurück. Sekunden später kam es wieder, die Verkäuferin im Schlepptau.

„Mama! Sie braucht unbedingt einen Sattel, wenn sie Ritterin ist. Wenn ich einmal groß bin und Ritter werde, brauche ich auch einen.“

Die Frau wandte sich an Hepkaale. „Sie behauptet, du würdest einen Ziegenbock reiten und hättest nicht mal einen Sattel?“

Hepkaale nickte. „Stimmt. Ich habe es mir nicht ausgesucht, mit Faares zusammen unterwegs zu sein.“

„Wie kam es dazu?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Das kann ich nicht sagen. Aber ich kann erst nach Hause, wenn ich diese Aufgabe erledigt habe.“

Die Frau musterte Hepkaale prüfend. Dann sagte sie: „Nun gut. Wir haben zwar keinen Sattel, der auf eine Ziege passt, aber ich schaue mal, was ich finden kann für dich.“

Sie ging zurück in den Laden und kramte dort in verschiedenen Kisten, während Hepkaale weitere Fragen der Kinder beantwortete.

Nach ein paar Minuten kam die Frau wieder raus.

„Das ist das einzige, was ich gefunden habe. Ein großes Blatt Norderkohl. Nicht unbedingt der beste Sattel, aber es sollte stabil genug sein.“

Sie legte das ledrige Kohlblatt, das mindestens einen halben Meter breit war, über die Ziege und band es an ihrem Bauch mit einem Bindfaden zusammen. „So, das sollte die nächsten Tage halten.“

„Vielen Dank, liebe Frau! Es wird sowohl mir als auch der Ziege sicherlich helfen.“

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Hepkaale und der Drache 2

Hier ist der erste Teil.

„Du wärst gerne ein Drachenjäger“, sagte der junge Mann hinter dem Tresen zu dem selbsternannten Drachenjäger.

„Was ist ein Drachenjäger?“, wollte Hepkaale wissen.

„Du musst über Drachenjäger folgendes wissen“, sagte der ältere Mann. Er ergriff Hepkaales Hand und zog sie mit sich zu einem der Tische. Ihre Erfahrung mit dem Plot-Device sagte ihr, dass sie garantiert auf Drachenjagd gehen musste, bevor sie wieder nach Hause zurück konnte. Es gefiel ihr nicht, aber wann passierte das schon mal, wenn das Plot-Device sie irgendwo hin schickte.

Er erzählte ihr von den Drachen, die den Norden Sma Azirks unsicher machten und die dortigen Bewohner terroriserten. Dann erzählte er ihr von den Drachenjägern, die auch Ritter genannt werden, und die gut gerüstet in den Kampf gegen die Drachen zogen.

„Ein Leben voller Gefahr, aber auch voller Ruhm und Ehre. Wenn ein Ritter in eine Stadt kommt, dann laufen sofort alle Bewohner zusammen, um ihn zu verehren. Es ist ein Leben in Saus und Braus, das ein Ritter führt. Aber um echter Ritter zu werden, muss man natürlich einen Drachen besiegt haben. Es reicht nicht aus, dass man sich wie einer kleidet.“

Hepkaale fragte sich, in was für eine abstruse Geschichte das Plot-Device sie diesmal verwickelt hatte.

„Bist du ein Drachenjäger?“

Der alte Mann schüttelte traurig den Kopf. „Bisher nicht. Ich versuche einer zu sein, aber mir fehlt noch der passende Drache. Aber irgendwann werde ich einen finden und erlegen, und dann werde ich ein echte Ritter sein!“

Hepkaale versucht, sich den alten Mann in einer Rüstung auf einem Pferd vorzustellen, aber das Bild passte einfach nicht. Er sollte am Kamin sitzen und den Enkeln Geschichten von früher erzählen, so wie er ihr von den Drachen und Rittern erzählte.

Der Mann musterte Hepkaale eindringlich. „Ein guter Ritter braucht immer einen Adjutanten. Du siehst aus, als würdest du einen guten abgeben. Davon mal abgesehen, dass du eine Frau bist, aber das ist ja nicht weiter wichtig.“

Hepkaale rollte mit den Augen. Sie ahnte schon, wie dieses Abenteuer ausgehen würde. Sie als Häufchen Asche vor einem wütenden Drachen. Vielleicht nicht unbedingt sie selber, aber mindestens ihr Pferd und der Möchtegern-Ritter-Opa.

„Ehrlich gesagt“, sagte Hepkaale, „habe ich überhaupt keine Lust, Drachen zu jagen. Ich habe eigentlich was ganz anderes zu tun.“

„Ach Papperlapapp“, widersprach ihr der Möchtergern-Ritter. „Du wirst mein Adjutant. Meine Atjutantin. Wie auch immer. Du kommst mit.“

Hepkaale seufzte. „Habe ich eine Wahl?“

Der Mann schüttelte den Kopf. „Das Schicksal hat uns zusammengeführt.“

„Oder mein blödes Plot-Device“, murmelte Hepkaale leise.

Der alte Mann schien es nicht gehört zu haben. „Komm, wir reisen sofort ab. Dein Gepäck kannst du hier abholen, wenn wir zurück sind.“ Er stand auf und zog Hepkaale mit sich zum Tresen.

„Page! Wir reisen ab! Diese junge Frau wird mein Adjutant.“

Der junge Mann hinter dem Tresen schaute Hepkaale neugierig an. „Echt jetzt?“

Hepkaale zuckte mit den Achseln. „Ich habe wohl keine Wahl.“

„Was ihr Gepäck betrifft“, sagte er, doch Hepkaale unterbrach ihn.

„Ich reise ohne Gepäck.“

„Um so besser. Wir müssen los. Steht dein Pferd auch im Stall?“

Hepkaale schaute ihn überrascht an. „Pferd? Ich habe kein Pferd.“

„Kein Pferd? Wie bist du hierher gekommen?“

Hepkaale lächelte. „Keine Ahnung. Irgendwer wird mich mitgenommen haben.“

Der Ritter musterte sie skeptisch. Dann sagte er: „Egal. So wahr ich Faares heiße, ich werde dir ein Reittier besorgen!“

Er wandte sich wieder an den jungen Mann. „Sag, Page, wir möchten gerne ein Pferd erwerben.“

Der Page schüttelte den Kopf. „Wir sind doch kein Pferdehandel. Das einzige Pferd, das wir haben. Ist ein Esel, und der gehört dem Herrn der Bergfeste. Das einzige, was wir anbieten können, ist ein Ziegenbock.“

Faares verdrehte die Augen, nickte dann aber. „Ziegenbock wird schon gehen, Hauptsache, er ist kräftig und sie kann darauf reiten.“

„Das ist nicht dein ernst, oder?“

Faares schaute Hepkaale entrüstet an. „Es muss heißen ‚Euer ernst‘! Und es ist ernst. Ohne Reittier geht es nicht.“

Hepkaale seufzte. Dieses Abenteuer wurde immer mehr zur Lachnummer, also konnte sie auch einen Ziegenbock reiten. Hauptsache, es war bald vorbei.

„Dann los! Holen wir mein Pferd und deinen Bock und dann brechen wir auf!“

Hier geht es zu Teil 3.

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Hepkaale und der Drache

Das Summen und Brummen des Plot-Devices ließ nach. Hepkaale überlegte, ob sie ihre Augen öffnen sollte. Sie fragte sich, wer das Plot-Device aktiviert hatte, denn eben noch hatte sie in ihrem Bett gelegen und den morgendlichen Geräuschen aus der Küche gelauscht und jetzt war sie schon wieder irgendwo, wo sie garantiert nicht sein wollte. Vielleicht wäre es besser, einfach die Augen geschlossen zu halten und noch eine Weile zu schlafen. Zum Glück lag sie wenigstens halbwegs bequem, auch wenn es eindeutig nicht ihr kuscheliges, warmes Bett war. Außerdem war es trocken, was auch nicht immer der Fall war, wenn das Plot-Device sie irgendwo hin sandte. Hepkaale seufzte. Es funktionierte nie einfach die Augen nicht auf zu machen. Nicht, dass sie es nicht immer wieder versuchen würde, aber es war eben sinnlos.

Hepkaale öffnete die Augen, sah jedoch erstmal nichts. Es war dunkel. Sehr dunkel. Sie wedelte mit der Hand vor ihren Augen, konnte ihre Hand jedoch nicht sehen. Aber als sie sich bewegte, raschelte es. Sie tastete neben sich. Sie schien sich in einem Bett aus Stroh oder Heu zu befinden. Warum befand sie sich in einem Bett? Wollte das Plot-Device diesmal nett zu ihr sein?

Hepkaale schüttelte den Kopf. So, wie sie das Plot-Device kannte, würde sie sich nur den Kopf stoßen, sobald sie versuchte sich aufzusetzen. Es lief ja immer so, dass sie, kaum das sie ein wenig entspannen konnte, wieder in ein haarsträubendes Abenteuer geschickt wurde.

Vorsichtig tastete sie mit ihren Händen über sich, fand jedoch nichts, woran sie sich den Kopf stoßen konnte. Vorsichtig setzte sie sich auf. Man konnte dem Plot-Device einfach nicht trauen, also war es besser, lieber vorsichtiger zu sein als sich den Kopf zu stoßen.

Sie lauschte, ob sie etwas hören konnte, aber außer ihrem eigenen Atem und dem Rascheln des Strohs war nichts zu hören. Wo war sie hier gelandet? Überall, wo sie bisher war, hatte sie wenigstens etwas hören können.

Als sie ihre Füße auf den Fußboden stelle, merkte sie, dass sie keine Schuhe und Socken an hatte. Zum Glück fühlte der Boden sich weich an. Ob es in diesem Raum Teppich gab? Sie tat einen Schritt nach vorne und stieß sich prompt die Zehen an etwas, das sich bei näherer Erkundung mit den Händen als kleiner Nachttisch entpuppte. Auf dem Tisch stand eine Kerze und daneben lag ein Feuerstein. Hepkaale zündete vorsichtig die Kerze an. Dann schaute sie sich um.

Sie stand in einem kleinen Raum mit felsigen Wänden und einer hölzernen Tür, die von Innen verriegelt war. Es gab das Bett, den Nachttisch, einen Stuhl und einen kleinen Schreibtisch mit zwei weiteren Kerzen sowie ein Regalbrett. Auf dem Brett lag ihre Kleidung. Wie nett vom Plot-Device, dass es ihr auf diese Reise Kleidung mitgegeben hatte, dachte sie. So musste sie dieses Abenteuer wenigstens nicht in Unterwäsche bestehen.

Als sie sich angezogen hatte, schob sie den Riegel auf und betrat einen von Fackeln erleuchteten Flur. Offensichtlich waren diese Räume in den massiven Fels gehauen worden. Ob zum Schutz von außen oder um hier Leute einzusperren, konnte sie nicht sagen. Nach links stieg der Gang sanft an. Wahrscheinlich war oben irgendwo ein Ausgang, vermutete sie.

Der Gang machte mehrere Biegungen und schließlich kam sie in einen größeren Raum, in dem mehrere Polstersessel standen. Hinter einem Tresen saß ein junger Mann, der recht gelangweilt aussah.

„Hallo! Ich bin Hepkaale!“

Der junge Mann schaute auf. „Ah, hallo! Du musst unser geheimnisvoller Gast aus Zimmer 134 sein.“

Hepkaale schaute den jungen Mann überrascht an. „Geheimnisvoll? Ich finde mich nicht geheimnisvoll. Findest du mich etwa geheimnisvoll?“

Der junge Mann schaute sie an. „Ja, schon – ähm – ich meine natürlich nein, du siehst ja ganz normal aus. Aber nicht langweilig normal natürlich. Denn schön bist du natürlich trotzdem…“

Hepkaale musste lächeln. Offensichtlich brachte ihn ihre Anwesenheit völlig aus dem Konzept. Dass es Leute verwirrte, wenn sie plötzlich auftauchte, war sie ja mittlerweile gewöhnt. Aber dass jemand so verwirrt ist, dass er ihr Komplimente machte, hatte sie noch nicht erlebt.

„Das macht mich geheimnisvoll?“

Der junge Mann schüttelte hilflos den Kopf. „Natürlich nicht. Aber bei der Schichtübergabe hieß es, dass jemand unbekanntes in Zimmer 134 schlafen würde und wir dich schlafen lassen sollten.“

„Das ist nett von euch.“

Der junge Mann lächelte sie an. „So läuft das bei uns.“

„Kannst du mir jetzt noch sagen, wo genau wir hier sind?“ Sie sah den überraschten Gesichtsausdruck ihres Gegenübers und fügte hinzu: „Von Zeit zu Zeit passiert mir sowas.“ Dann lächelte sie ihn an. „Siehst du, jetzt bin ich doch geheimnisvoll.“

Der junge Mann nickte. Dann sagte er: „Du bist hier auf der Insel Tenijeen im Hotel der Bergfeste.“

„Tenijeen… Hilft mir mal auf die Sprünge, wo Tenijeen liegt.“

„Tenijeen liegt vor der Nordküste Sma Azirks, ungefähr hundert Meter vom Festland entfernt. Eebeaad liegt ungefähr hundert Kilometer südlich von hier.“

„Eebeaad, die Stadt kenn ich, da war ich schon mal.“

„Hast du wirklich noch nie von der Bergfeste von Tenijeen gehört?“, fragte er neugierig.

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Noch nie. Aber in Tirüplet erfahren wir nicht viel aus anderen Teilen der Welt.“

Der junge Mann beugte sich zu Hepkaale vor. „Ich dachte, jeder hätte schon mal davon gehört. Sie wurde zum Schutz vor den Drachen gebaut.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Drachen gibt es doch gar nicht. Das waren doch Tiere von der Erde, die nicht nach Amel mitgenommen worden sind.“

„Ich meine die Seedrachen, die im nördlichen Ozean leben.“

Hepkaale schüttelt energisch den Kopf. „Jedes Kind weiß doch, dass Seedrachen nur Seemannsgarn sind.“

Er beugte sich noch weiter vor uns sprach nur ganz leise: „Es gibt sie wirklich. Sie haben schon mehrfach die Insel angegriffen. Warum sonst hätte man hier mit so viel Mühe die Bergfeste errichten sollen?“

„Aber doch nicht wegen Drachen.“

„Natürlich wegen der Drachen“, mischte sich jemand hinter ihr in das Gespräch ein.

Hepkaale drehte sich um. Ein älterer Mann kam auf sie zu. „Drachen sind der einzige Grund, warum Tenijeen überhaupt bewohnt ist, lass dir das gesagt sein, Mädchen.“

Hepkaale musterte den Mann. Er war alt und recht klein. Sein faltiges Gesicht war von einem langen, weißen Bart bedeckt. Sein Kopfhaar fehlte größtenteils, lediglich oberhalb der Ohren wuchsen noch einzelne weiße Büschel. Seine Kleidung sah alt und verbraucht aus, aber an der Seite steckte ein langes, glänzendes Schwert in seinem Gürtel.

„Ich weiß, wovon ich rede“, erklärte er, „denn ich bin ein Drachenjäger.“

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Feueroktopus

Feueroktopoden sind eine Oktopus-Art, die in der Nähe von unterseeischen Vulkan lebt. Ihr hauptsächliches Verbreitungsgebiet sind die tagwärtigen Huduwed Eked. Gelegentlich findet man den Feueroktopus auch weiter Nachtwärts. Es sollen sogar schon lebende Exemplare im Bereich der terminatischen Teilung gesehen worden sein. Dies ist jedoch nicht sicher. Bis zu 25 Grad tagwärtiger Breite ist ihre Verbreitung zweifelsfrei nachgewiesen.

Die Tiere können bis zu einem Meter groß werden, ihre acht Arme können jeweils bis zu vier Meter lang sein. Ihre Facettenaugen können bis zu zehn Zentimeter im Durchmesser haben. Wie die meisten Oktopoden Amels wachsen sie ihr Leben lang weiter. Sie haben eine grünlich-bräunliche Farbe, die Jungtiere etwas dunkler.

Ihre Arme sind mit Giftdrüsen besetzt, die bei Gefahr eine Mischung aus Schwefel- und Phosphor-Verbindungen abgeben, die mit Wasser explosionsartig reagiert. Durch ihre dicke Haut sind die Oktopoden selber von der durch ihr Gift entstehenden Druckwelle geschützt. Die meisten Angreifer sind der Druckwelle schutzlos ausgeliefert, so dass die Meisten Jäger Feueroktopoden nicht angreifen. Feueroktopoden sind Aasfresser und ernähren sich sowohl von pflanzlicher als auch tierischer Nahrung und sind hierbei nicht sehr wählerisch.

Feueroktopoden gelten als eine der gefährlichsten Jagdbeuten, dementsprechend hoch ist der Preis, den man für das zarte Fleisch bekommt. Auf manchen Inseln der tagwärtigen Huduwed Eked muss man einen Feueroktopus fangen, um als Erwachsener in die Gemeinschaft der Inselbewohner aufgenommen zu werden.

Da Feueroktopoden die meiste Zeit ihres Lebens in großen Tiefen an den Hängen von unterseeischen Vulkanen verbringen, ist über ihre Lebensweise nicht viel bekannt. Sie sollen in der Tiefe in größeren Kolonien leben, an die Oberfläche kommen sie jedoch immer nur einzeln. Dies sind jedoch nur Spekulationen der Biologen, gesicherte Erkenntnisse gibt es nicht.

Der Mangel an Wissen über die Feueroktopoden wird durch die Menge an Rezepten, bei denen Feueroktopoden ein wichtiger Teil sind ausgeglichen. Insbesondere der Spießtopus ist hier zu erwähnen, der in weiten Teilen der tagwärtigen Huduwed Eked verbreitet ist.

Zur Herstellung von Spießtopus wird ein eher kleinerer Feueroktopus längs durch seinen Körper/Kopf auf einen langen Spieß gesteckt. Dieser wird anschließend über ein Feuer gehangen, so dass die Enden seiner Arme gerade so die Flammen berühren. Die genaue Würz- und Zubereitungsart unterscheidet sich von Insel zu Insel, das Prinzip ist aber überall ähnlich. In allen Rezeptvarianten gilt der Feueroktopus als Delikatesse.

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Bericht von der Buchmesse

Hallo liebe Leser,

da ich die letzte Woche auf Messen verbracht habe, gibt es diese Woche keinen Text von Amel sondern einen Messebericht.

Dienstag bis Freitag war ich dienstlich in Dresden auf einer Fachmesse, was ziemlich cool war. Auf Arbeit soll ich eine neue Messanlage kaufen und dementsprechend konnte ich als potentieller Käufer mit den Firmen sprechen. Das macht natürlich vielmehr Spaß als wenn man etwas verkaufen soll. Es waren allerdings immer lange Tage, so dass ich Abends nicht mehr zum Schreiben gekommen bin:-(

Am Samstag dann ging es in aller Frühe zur Buchmesse nach Leipzig. Anfangs, in Berlin auf dem Weg zur S-Bahn, kam ich mir in meinem Steampunk-Outfit noch etwas seltsam vor, aber als der Bahnhof dann voller Cosplayer war, habe ich mich richtig heimisch gefühlt – auch wenn Cosplayer viel jünger als Leute in Steampunk-Klamotten sind, wie mir aufgefallen ist.

Auf der Buchmesse dann bin ich als erstes zum Stand des Lysandra-Verlags, denn ich wollte ja die Anthologie mit meiner Geschichte endlich in den Händen halten. Und ich muss sagen, die Arbeit hat sich wirklich gelohnt. Ein wunderbarer Einband, Hardcover mit Lesebändchen und einfach wunderschön gestaltet. Wenn ihr entweder auf hübsche Bücher oder auf Steampunk oder auf BDSM-Geschichten steht, kann ich euch das Buch nur empfehlen (So, Schleichwerbung platziert:-) ).

Nachmittags gab es dann ein Meet & Greet mit den Autoren (sieben der zwölf waren da). Natürlich alle steampunkig angezogen. Dann haben wir unsere Exemplare bekommen und durften zwei Stunden lang Bücher signieren und für Fotos posieren – und natürlich die anderen Autoren kennen lernen. Ich fand es echt schade, dass ich nach den zwei Stunden dann schon wieder gehen musste, um den Zug zurück nach Berlin zu kriegen. Meinetwegen hätten wir mit den Autoren auch gerne noch ein Abendessen machen können, denn es war echt nette Gesellschaft.

Wie ihr merkt, hatte ich eine ziemlich schöne Woche, aber leider überhaupt keine Zeit zum Schreiben, was ich ein wenig schade finde. Ich hatte eigentlich gehofft, im Zug Zeit zu haben, um die nächste Hepkaale-Geschichte (Hepkaale und der Drache) endlich anzufangen, aber da ich immer nette Unterhaltung unterwegs hatte, ist daraus irgendwie nix geworden. Naja, dann versuche ich eben komemnde Woche, endlich wieder etwas vernünftiges zu schreiben und euch neues von Amel zu berichten.

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Roman-Status #18 und Veröffentlichung

Heute gibt es mal wieder einen Text über das Schreiben von mir, denn ich habe ja lange nicht mehr von meinem Horjekjobolo-Roman erzählt. Außerdem wird eine Geschichte von mir veröffentlicht, und auch das halte ich für erwähnenswert – auch wenn sie nicht direkt mit Amel zu tun hat.

Mein letzter Roman-Status war ja, dass ich beim NaNoWriMo sehr erfolgreich war. Und wie im vorherigen Jahr auch schon habe ich nach dem Ende des NaNo nicht mehr viel geschafft. Außerdem muss ich für den Roman noch immer das Ende plotten. In den nächsten Szenen müssen sich meine Hauptfiguren sich um alles mögliche Streiten, um so die Geschichte voran zu bringen, aber das sind Sachen, die mir einfach nicht so liegen (weder beim Schreiben noch im normalen Leben).

Aber da der Roman ja ein Stück weit schwierig sein sollte und ich dort Figuren mit mehr Tiefgang ausprobieren wollte, muss ich da wohl durch und demnächst aus den 1200 Wörtern Stichpunkten schätzungsweise 40 – 60 konkrete kurze Szenen planen, die ich dann am Ende nur noch runterschreiben muss. Aber wenigstens weiß ich seit dem letzten NaNo, dass ich das dann auch schaffe, wenn ich eine Deadline habe.

Außerdem gibt es von meinem Schreiben noch etwas positives zu berichten, denn am 21.03.2017 wird von mit ein Text in einer Anthologie veröffentlicht. Das finde ich logischerweise super, also muss ich euch davon erzählen, auch wenn es mit dem Amel-Projekt nichts zu tun hat.

Die Anthologie ist eine Sammlung von Steampunk-Erotik-BDSM-Geschichten und sie erscheint bei Lysandra Books. Es geht da um ein BDSM-Hotel im Steampunk-London und den geheimen Zirkel der dreizehn Steam-Master… Die Beiträge werden von einer spannenden Rahmenhandlung zu einer gemeinsamen Geschichte in dieser faszinierenden Welt verwoben.

Meine Geschichte geht um den schottischen Luftschiffkapitän Clyde Stirling, den ich mir vor längerer Zeit schon ausgedacht habe, und warum er zu Recht zum erlesenen Zirkel der Steam-Master gehört. Natürlich geht es auch um die junge Frau, die den Gerüchte um den legendären Kapitän auf den Grund gehen will…

Wer mehr darüber wissen will, die Seite zur Anthologie findet ihr hier. Da überlegt wird, aus der Anthologie eine Reihe zu machen, sitze ich momentan natürlich daran und plane einen ganzen Roman in der Welt. Und genau an der Stelle gibt es eine Verbindung zum Amel-Projekt, denn das, was ich beim Planen des Horjekjobolo-Romans so gelernt habe, kann ich nun praktisch umsetzen, um nicht die gleichen Fehler erneut zu machen.

Für die Anthologie schreibe ich übrigens unter einem Pseudonym, wer möchte, kann ja raten, welches meines ist. Falls ihr am Samstag auf der Leipziger Buchmesse seid, da wird die Anthologie vorgestellt und es gibt ein Meet & Greet mit den Autoren, so auch mit mir. Ich hoffe, viele von Euch dort zu sehen.

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Protokoll einer ersten Landung – Teil 4

Hier gibt es Teil 1 und Teil 3.

S: Wie ist euer Status?

R: (verzerrt) …dung ist schlecht… viele Schäden… Computer defekt… Notfallfunk…

S: (im Hintergrund) Justiert den Empfänger. Sie haben nur Notfallfunk.

(Es vergehen ein paar Minuten, in denen man nicht viel verstehen kann.)

R: (Die Verbindung wird besser) …Schiff liegt schrägt am Hang.

S: Wir haben unseren Empfänger neu justiert. Hört ihr uns jetzt besser?

R: Ja, etwas… noch immer viel Rauschen zu hören.

S: Wir haben eure Position.

R: Das ist gut. Wir wissen noch nicht, wo wir sind. Vor den Fenstern ist alles weiß.

S: Schnee. Ihr seid ungefähr hundert Kilometer von der Küste entfernt in einem Tal gelandet.

(R sagt etwas, das kam zu verstehen ist.)

R: …wissen wir nicht… (Im Hintergrund sind Stimmen und Rufe zu hören)

R: …bei uns gab es mindestens drei Tote.

S: Oh Scheiße!

R: … und viele Leute sind verletzt. Zalam und Kahumi verarzten die Verletzten. Ich habe zum Glück nur einen Haufen blaue Flecken und Prellungen abbekommen, aber soweit ich es beurteilen kann keine Knochenbrüche. Was könnt ihr uns über unsere Lage sagen?

S: Euer Schiff steckt, die Nase voraus, im Schnee. Ihr seid in einem Tal auf dem Talboden, also keine Gefahr, dass euer Schiff erneut ins Rutschen gerät. Ihr könnt eure Anschnallgurte ohne Gefahr lösen.

R: Wenigstens etwas.

S: Das Tal ist gewunden und führt nach Nordwesten in tagwärtiger Richtung. Nach ungefähr 150 Kilometern öffnet es sich zur Küste hin, bis dahin ist es recht eng mit steilen Wänden.

R: Können wir draußen überleben?

S: Warte kurz, ich frag nach. (Man hört, wie S mit jemand anderem redet, aber zu leise, um Details verstehen zu können.)

S: Unsere Techniker sagen: Nicht auf Dauer. Für Tage und Wochen geht es, wenn ihr euch warm genug anzieht, aber es gibt keine Pflanzen und Tiere in der näheren Umgebung, die euch als Nahrung dienen könnten.

R: Mist.

S: Das stimmt. In ein paar Minuten werden wir hinter dem Planeten verschwinden, dann wird die Verbindung für zwei Stunden unterbrochen sein.

R: In Ordnung. Wir versorgen in der Zeit unsere Verletzten und versuchen uns einen Überblick über die Schäden zu verschaffen.

S: Macht das. Unsere Techniker werden weiter an möglichen Lösungen für eure Situation arbeiten.

***

Zwei Stunden später…

S: Hallo Landeschiff! Könnt ihr uns hören?

(Es vergehen ein paar Sekunden ohne Antwort.)

S: Landeschiff, bitte melden!

S: (zu jemand anderem) Sie scheinen noch nicht in Reichweite zu sein.

S: Hallo Landeschiff! Bitte melden!

(Es vergehen wieder ein paar Sekunden.)

S: Sejereh an Landeschiff. Könnt ihr uns hören?

R: Hier Landeschiff. Wir hören euch.

S: Gut. Wie ist euer Status?

R: Sechs Personen haben die Landung nicht überlebt und zwei weitere sind so schwer verletzt, dass sie noch in Lebensgefahr sind. Vier Leute haben sich Knochen gebrochen oder größere Schürfwunden und fünf von uns sind größtenteils unverletzt. Unsere drei Mediziner haben alle Hände voll zu tun.

S: Oh. Wer ist… (S unterbricht sich selber.) Das ist eigentlich egal. Wie ist der Zustand des Landeschiffs?

R: Der Computer läuft noch immer nicht und auch die zwei Ersatzcomputer funktionieren nicht.

S: Konntet ihr die anderen System prüfen?

R: Das Lebenserhaltung-Ersatzsystem funktioniert, auch wenn es knirschende Geräusche von sich gibt. Das Hauptsystem ist ausgefallen. Im Bereich der Werkstatt gibt es einen kleinen Riss in der Hülle des Landeschiffs. Außerdem ist das Schiff um 60 Grad nach vorne geneigt, was unsere Situation deutlich erschwert.

S: Verstanden.

R: Ich muss jetzt den anderen wieder helfen. Wir melden uns dann in drei Stunden wieder, dann wissen wir hoffentlich mehr.

S: In Ordnung. Dann euch viel Erfolg.

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Hepkaale und der Alkoholmangel 7

hepkaale_headerErster Teil, sechster Teil.

Das Summen und Brummen des Plot-Devices ließ nach. Es regnete nicht, das war gut. Doch als Hepkaale die Luft roch, riss sie die Augen auf. Es roch nach zu Hause, und tatsächlich stand sie wieder in der heimischen Werkstatt. Wer hätte das gedacht, dass diesmal die Reise mit dem Plot-Device so angenehm würde?

Hepkaale seufzte erleichtert. Sie würde dem Bürgermeister den Brief zeigen, und damit wäre ihr Abenteuer zu Ende und in ihrem Leben würde wieder Ruhe einkehren. Vielleicht würde sie Taalij einen Brief schreiben und ihn wissen lassen, dass es ihr gut ging. Dann könnte sie auch den Brief an Taalijs Großonkel mit zurück schicken.

Vom Flur her waren Stimmen zu hören und dann ging die Tür auf. Es waren Sibüü und ihre Mutter.

„Hepkaale! Hepkaale!“, rief Sibüü. „Endlich bist du zurück! Wir haben schon sehnsüchtig auf dich gewartet!“

Sibüü kam auf sie zu gerannt und umarmte sie. „Ich hoffe, du bringst uns endlich den Kohlbrand…“

„Was ist denn los?“, fragte Hepkaale. „Du freust dich doch sonst nicht so, wenn ein Abenteuer zu Ende ist.“

„Der Bürgermeister… Endlich bist du wieder da.“

Hepkaale schaute ihre Mutter fragend an.

„Seit du aufgebrochen bist, hatten wir keine ruhige Minute mehr.“

„Wir hatten das Gefühl, der Bürgermeister wohnt bei uns, so oft hat er nachgefragt, ob du schon zurück bist“, fügte Sibüü hinzu.

„Alle fünf Minuten kam jemand, um zu schauen, ob du mit dem Kohlbrand schon zurück bist. Das ganze Dorf war in seinem Auftrag hier in den letzten Tagen.“

Ein Klopfen war zu hören. Es klang, als würde jemand mit der Faust gegen die Eingangstür hämmern.

„Siehst du? Da kommt der Nächste, um uns zu nerven.“

Es dauerte keine fünf Sekunden, da kam der Schmied, der beste Freund des Bürgermeisters, in ihre Werkstatt gerannt.

„Hepkaale! Hepkaale! Endlich bist du wieder da! Wir brauchen den Kohlbrand, ganz dringend!“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Es gibt keinen Kohlbrand!“

Der Schmied riss die Augen auf. Dann schüttelte er den Kopf. „Warum verarschst du uns?“

Hepkaale seufzte. Doch bevor sie antworten konnte, kam ihre Mutter in die Werkstatt und der Schmied wandte sich an sie.

„Sie will uns den Kohlbrand nicht geben, machen sie was!“

Hepkaales Mutter schaute sie streng an. „Stimmt das?“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich habe keinen bekommen. Das Plot Device konnte auch keinen finden.“

„Du lügst“, antwortete der Schmied.

Hepkaale ballte die Fäuste. „Mache ich nicht! Wenn Sie mir nicht glauben, benutzen sie das Plot-Device doch selber!“

Der Schied schaute sie mit vor Wut verzerrtem Gesicht an. „Es war deine Aufgabe, Kohlbrand zu besorgen.“

„Ich habe von Anfang an gesagt, dass es Unsinn ist. Niemand mag Kohlbrand.“

Es klopft an der Haustür und Sibüü flitzte an ihrer Mutter und dem Schmied vorbei, um die Tür aufzumachen.

„Aber wir brauchen ihn als Gastgeschenk.“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „So ein Unsinn. Wenn ihr Zelekaah den Krieg erklären wollt, könnt ihr das auch direkt machen.“

„Du willst Zelekaah den Krieg erklären?“

„Der Bürgermeister will es.“

„Will er nicht!“

Hepkaale und der Schmied waren immer lauter geworden.

„Hepkaale!“, unterbrach der Sohn des Bürgermeisters sie. „Gut, dass du wieder da bist, wir warten schon sehnsüchtig auf den Kohlbrand!“

„Es gibt keinen Kohlbrand!“

Der Sohn des Bürgermeisters starrte sie entsetzt an. „Wie kann das sein? Das Plot-Device hat sich doch losgeschickt, um Kohlbrand zu besorgen!“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Das Plot-Device hat mich losgeschickt, um mir zu zeigen, dass man nie! Nie! Niemals! Kohlbrand verschenken sollte.“

„Das kann nicht sein!“

„Kann es und ist es!“

„Aber das Gastgeschenk!“

„Der Bürgermeister von Zelekaah mag überhaupt keinen Kohlbrand!“

„Das denkst du dir nur aus!“

„Tu ich nicht!“ Hepkaale verschränkte die Arme. „Sagt eurem Bürgermeister, dass er keinen Tropfen Kohlbrand bekommen kann!“

„Aber…“

„Wenn er ein Problem damit hat“, polterte Hepkaale, „dann sagt ihm, er soll selber Kohlschnaps besorgen. Bei mir gibt es jedenfalls keinen!“

Hepkaale funkelte die beiden böse an.

„Aber Hepkaale“, versuchte ihre Mutter sie zu beschwichtigen. „Warum bist du so wütend?“

„Weil Kohlbrand einfach nur eklig ist und alle sich darin einig sind bis auf unseren blöden Bürgermeister.“

Hepkaale schaute wieder zu den beiden Männern und warf ihnen einen weiteren bösen Blick zu.

„Ich glaube“, sagte ihre Mutter zu den beiden, „ihr geht lieber und überbringt dem Bürgermeister die Nachricht.“

Sie schob die beiden aus Hepkaales Werkstatt.

„Was ist passiert?“, fragte Sibüü, als sie und Hepkaale alleine waren.

Hepkaale seufzte. „Eigentlich nicht spannendes. Ich hatte ein paar schöne Tage.“ Hepkaale erzählte von ihrem Abenteuer. „…und alle haben mir gesagt, dass Kohlbrand zu verschenken einer Kriegserklärung gleichkommt.“

„Hoffentlich glaubt dir der Bürgermeister das.“

„Das hoffe ich auch. Ich glaube nämlich nicht, dass wir noch welchen bekommen. Außerdem habe ich einen Brief, den der Bürgermeister von Zelekaah geschrieben hat und in dem er sich darüber beklagt, dass Kohlbrand eklig ist.“

Sibüü schaute Hepkaale an. „Aber dann ist es doch total doof, ihm Kohlbrand schenken zu wollen.“

Hepkaale nickte. „Genau das ist ja mein Problem.“

Sibüü nickte. „Ja, das ist ein Problem. Seit das Plot-Device dich auf die Suche geschickt hat, kam alle paar Minuten jemand, den der Bürgermeister geschickt hat, um zu schauen, ob du schon zurück bist. Nicht mal Nachts haben sie uns in Ruhe gelassen.“

Hepkaale grinste böse. „Jetzt weißt du, warum Reisen mit dem Plot-Device immer so doof sind.“

Sibüü verzog das Gesicht. „Das ist nicht fair. Du reist herum und schaust dir fremde Städte an und bekommst heißen Tee und wir müssen mit den ganzen Blödmännern des Bürgermeisters klarkommen.“

Kurz darauf klingelte es wieder an der Tür und dann wurde gegen die Tür gehämmert. Hepkaale seufzte. Es war bestimmt der Bürgermeister, der seinen Kohlbrand abholen wollte. Sie hörte, wie ihre Mutter im Flur fluchte und Sekunden später kam der Bürgermeister in Hepkaales Werkstatt gestürmt.

„Was höre ich da? Du weigerst dich, uns Kohlbrand zu geben?“ Das Gesicht der Bürgermeisters war wutverzerrt.

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Ich weigere mich nicht.“ Sie versuchte, ihre Stimme unter Kontrolle zu halten und möglichst ruhig zu klingen, doch es gelang ihr nicht richtig. „Es gibt auf Sma Azirk keinen Kohlbrand, weil niemand so blöd ist, welchen herzustellen.“

„Das kann nicht sein! Der Bürgermeister von Zelekaah…“

„Der Bürgermeister von Zelekaah mag überhaupt keinen Kohlbrand“, schrie Hepkaale zurück und wedelte mit dem Brief vor der Nase des Bürgermeisters herum.

„Wir brauchen ihn als Gastgeschenk!“

Hepkaale schüttelte den Kopf. „Lesen sie selber!“

Endlich ergriff der Bürgermeister den Brief. Als er die entsprechende Stelle las, wurden seine Augen immer größer. Als er fertig gelesen hatte, warf er den Brief nach Hepkaale, drehte sich um und verließ wutschnaubend die Werkstatt.

„Hoffentlich hat er etwas daraus gelernt und entschuldigt sich bei dir“, sagte Sibüü, doch Hepkaale schüttelte den Kopf.

„Der doch nicht. Beim nächsten Problem wird er wieder ankommen und das ganze Drama geht von vorne los.“ Dann lächelte sie. „Aber wenigstens habe ich ein paar schöne Tage gehabt.“

Sibüü verzog das Gesicht. „Ja, du! Aber wir hier nicht.“

So, endlich ist die Geschichte mit dem Alkoholmangel fertig. Ich hätte nicht gedacht, dass Hepkaale so viel Spaß haben würde bei der Suche nach Alkohol. Aber so ist das manchmal.

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Hepkaale und der Alkoholmangel 6

hepkaale_header

Erster Teil, fünfter Teil.

Einige Zeit später hörten sie Stimmen oben auf der Klippe. Hastig zogen sie sich wieder an und kurz darauf kam eine junge Frau – sie war Hepkaale als Taalijs Schwester vorgestellt worden – zu ihnen.

„Ich hab euch schon überall gesucht!“

Hepkaale zog ihre Bluse noch zurecht. Taalij fragte: „Warum? Ich habe doch gesagt, dass ich Hepkaale die schönsten Stellen von Taruulaar zeigen wollte. Und genau das habe ich gemacht.“

Hepkaale und Taalij sahen sich an und grinsten. Die schönsten Stellen von Taruulaar… Insbesondere die schönsten Stellen eines bestimmten Bewohners des Ortes…

„Die anderen wollen wissen, ob Hepkaale heute Abend noch da ist. Die Dorfältesten haben vorgeschlagen, das mit einem gemeinsamen Essen zu feiern, falls sie so lange bleiben möchte.“ Sie sah bittend zu Hepkaale.

„Ich würde gerne, aber du weißt doch, wie wenig ich beeinflussen kann, was das Plot-Device macht.“

„Das heißt, du würdest gerne bleiben?“, fragte sie hoffnungsvoll.

Hepkaale nickte. „Wenn es nach mir ginge, würde ich gerne noch länger hier bleiben. Aber meine Meinung zählt für das Plot-Device ja leider nicht so viel.“

Sie nickte. „Ich werde das so den anderen sagen.“

„Wollen wir auch zurück in die Stadt?“

Hepkaale nickte. „Meinetwegen. Ich hätte nichts dagegen, irgendwo hinzugehen, wo es bequemer ist als hier. Meine Knie…“

Taalij lachte. „Meinem Hintern geht es nicht viel besser… Komm!“

Er ergriff ihre Hand und zusammen folgten sie seiner Schwester zurück in den Ort.

***

Alle Bewohner des Fischerdorfs wollten mit Hepkaale reden. Lieber hätte sie die Zeit mit Taalij alleine verbracht, aber das war leider nicht möglich. Hepkaale kannte es ja schon zu genüge, dass sie eine Berühmtheit war und alle mit ihr reden wollten. Vor allem der Bürgermeister ließ sich nicht abwimmeln.

Nach ein paar Stunden hatte sie dann mit allen Leuten geredet und alle darüber aufgeklärt, dass sie Kohlbrand für ihren Bürgermeister besorgen musste. Danach endlich konnte sie wieder Zeit mit Taalij verbringen. Da der Tag lang gewesen war und es für Taalij auch passte, entschied sie, bei ihm eine Nacht zu verbringen.

Eng umschlungen schliefen sich ein und als Hepkaale aufwachte, stelle sie fest, dass sie selten bei einem Abenteuer so gut geschlafen hatte. Zum Glück war das Plot-Device diesmal so gnädig, sie ausschlafen zu lassen.

Zum Frühstück kam ein älterer Mann zu Besuch, mit dem sie am Vortag schon gesprochen hatte.

„Hepkaale“, sagte er. „Mir ist da noch was eingefallen.“

Hepkaale schaute mit vollem Mund auf. „Hm?“

„Du hast doch gesagt, dass euer Bürgermeister den Kohlbrand an einen anderen Bürgermeister verschenken will.“

Hepkaale nickte.

„Da habe ich gedacht, dass ja der Onkel von meiner Frau, der in Zelekaah wohnt, dort Bürgermeister ist.“

Hepkaale schluckte das letzte Stück Räucherfisch runter. „Genau das ist derjenige, den es zu beschenken gilt.“

„Also tatsächlich“, sagte der Mann und holte einen Brief aus der Tasche. „Dann dürfte dich dieser Brief interessieren, den er meiner Frau geschickt hat.“

Er hielt Hepkaale den Brief hin.

„Der Brief ist schon zwei Jahre alt. Aber er schreibt darin, dass euer Bürgermeister zu Besuch war und ihm schon wieder diesen ekligen Tirüplet-Schnaps aus Kohl geschenkt hat.“

„Kohlbrand“, sagte Hepkaale.

„Genau.“

Der Mann schaute Hepkaale an. „Du solltest eurem Bürgermeister das mit dem Kohlbrand ausreden. Mulaaj, also der Bürgermeister von Zelekaah, hat sich ziemlich darüber aufgeregt. Ich bin mir sicher, er würde sich freuen, wenn ihr keinen Kohlbrand für ihn habt.“

Hepkaale grinste. „Das ist super. Darf ich mir den Brief ausleihen?“

Der Mann nickte. „Meine Frau sagt, du kannst ihn haben.“

Er gab Hepkaale den Brief. Hepkaale war klar, dass der Brief wohl der Grund war, warum sie in diesem Ort gelandet war, aber sie hatte ihre Zweifel daran, dass das Abenteuer damit schon zu Ende war. Irgendwo gab es bestimmt noch Leute, die Hilfe brauchten und ihr im Gegenzug Kohlbrand anbieten konnte. Das Plot-Device war schließlich zu gemein, um sie so einfach davon kommen zu lassen.

„Ich glaube, bald wirst du zur nächsten Station deiner Reise geschickt“, sagte Taalij.

Hepkaale nickte. „Das befürchte ich auch. Aber bis dahin genieße ich die Zeit hier bei euch noch.“ Sie gab Taalij einen Kuss auf die Wange. „Vergiss mich nicht, wenn ich wieder weg bin.“

Taalij lächelte. „Wie könnte ich das? Du bist eine Legende, und in Fleisch und Blut noch viel besser als in den Geschichten.“

„Ich werde dich auch nie vergessen, wo auch immer mich meine Abenteuer hinführen werden“, sagte Hepkaale. „Und vielleicht komme ich ja eines Tages mal wieder hier vorbei…“

Dann ertönte wieder das Summen und Brummen des Plot-Devices und Hepkaale wurde zum nächsten Teil ihres Abenteuer gesandt.

Letzter Teil.

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